Kurze Atempause vor dem nächsten Votum

Stand: 22.06.2011, 20:02 Uhr

Die Rückendeckung des griechischen Parlaments für die Reformpolitik des Ministerpräsidenten hat die Anleger vorerst beruhigt. Die Märkte bewegen sich kaum von der Stelle.

Der Dax beendet den Abendhandel leicht im Plus bei 7.276 Zählern, 14 mehr als gestern. Zuvor hatte das Börsenbarometer im Xetra-Handel sieben Punkte abgeben müssen auf 7.278.

Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg warnt bereits vor dem nächsten Schritt, der in der kommenden Woche geplanten Abstimmung im Athener Parlament über den neuerlichen Sparplan. Das Vertrauensvotum gestern sei nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung gewesen, so der Börsianer, die nächsten Hürden lägen nun vor uns, erklärte er die zurückhaltende Marktreaktion. "Die politische Unsicherheit bleibt erhalten, und deshalb startet der Markt auch nicht durch."

Auch Analysten der Commerzbank bezeichneten die Abstimmung über das nächste milliardenschwere griechische Sparpaket - am 28. oder am 30. Juni - als das wichtigere Votum: "Die griechische Schuldenkrise bleibt damit ein unterschwellig belastender Faktor. Noch ist die Kuh nicht vom Eis."

Luftholen auch an der Wall Street
An der Wall Street halten sich die Anleger ebenfalls zurück. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,1 Prozent höher bei 12.204. Sie warten mit großer Spannung auf die Pressekonferenz von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Dabei hat die Fed bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass sie trotz des langsamen US-Wirtschaftswachstums das 600 Milliarden Dollar schwere Bond-Ankaufprogramm zur Stützung der Konjunktur wie geplant Ende des Monats auslaufen lassen wird. Gleichzeitig will sie aber auf absehbare Zeit an ihrer Nullzinspolitik festhalten.

Der Euro hat sich von einem kurzen Schwächeanfall am Mittag deutlich erholt und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,442 Dollar.

Fedex hilft Deutscher Post
Der US-Paketdienst Fedex im vierten Quartal seines Geschäftsjahres mit 1,72 Dollar je Anteilsschein etwas mehr verdient als erwartet. Auch der Umsatz lag mit 10,5 Milliarden leicht über den Prognosen. Für das Geschäftsjahr 2011/12 hob der Konzern seine Prognose deshalb an. Die Aktie legt vorbörslich um 2,5 Prozent zu.

In Reaktion auf den unerwartet deutlichen Gewinnanstieg beim US-Konkurrenten ziehen auch die Papiere der Deutschen Post kräftig an. Die Titel schaffen es mit einem Plus von 1,5 Prozent an die Spitze im Dax.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,25
Differenz relativ
+1,88%

RWE gefragt
Zu den Favoriten im Dax gehören die Aktien von RWE. Ihren ersten Platz müssen sie bis zum Börsenschluss aber Adidas überlassen. Der Versorger trennt sich bis Ende des Monats von der Stromnetztochter Ampiron und dürfte damit einen Milliardenerlös einstreichen. Zum Verkauf stehen 75 Prozent von Ampiron. Sie gehen an ein Konsortium von Finanzinvestoren unter Führung der Commerzbank. RWE hofft dabei auf einen Erlös von einer Milliarde Euro.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
118,36
Differenz relativ
+1,02%

Siemens im Sog von Philips
Zu den schwächeren Werten im Dax gehören die Anteilsscheine von Siemens, wenngleich sie sich von ihrem Tief am Morgen etwas erholen können. Grund für die Schwäche ist eine Gewinnwarnung des niederländischen Konkurrenten Philips. Vor allem in der Licht-Sparte schmölzen die Margen, teilte Philips mit und sorgte für einen Kursrutsch von über elf Prozent bei der Aktie.

Merck kann MS doch nicht heilen
Größter Kursverlierer im Dax bleibt die Aktie des Pharmakonzerns-Merck. Der stellt die Entwicklung seines MS-Mittels Cladribin ein. Damit reagieren die Darmstädter auf ablehnende Stellungnahmen der US-Gesundheitsbehörde FDA. Im zweiten Quartal müssen Belastungen von 20 Millionen Euro dadurch verbucht werden.

Südzucker will mehr
Mit Kurszuwächsen von knapp vier Prozent ist die Aktie des Zuckerkonzerns einer der stärksten MDax-Werte. Nach einem starken ersten Quartal hat der Zuckerkonzern seine Jahresprognose angehoben. Der Umsatz soll nun 6,5 statt 6,3 Milliarden Euro erreichen. Beim operativen Ergebnis erwartet Südzucker jetzt über 600 Millionen Euro. Vor allem die gute Entwicklung der Tochter CropEnergies im ersten Quartal ist dafür verantwortlich. Der Bioethanol-Hersteller vervielfachte das operative Ergebnis im ersten Quartal, steigerte den Umsatz deutlich und hob zudem seine Erlösprognose an.

Krones: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
116,50
Differenz relativ
-1,52%

UBS lobt Krones
Eine Kaufempfehlung der UBS hat die im MDax notierten Aktie von Krones an die Spitze des MDax katapultiert. Die Markterwartungen an das Ergebnis von Krones seien rund zehn Prozent zu niedrig, meint Analyst Sven Weier. Einen Kursschub erwarte er von den Zahlen zum zweiten Quartal. Darüber hinaus halte er es für möglich, dass Krones mittelfristig eine Marge von mindestens acht Prozent erwirtschafte.

Demag begrüßt Terex
Endlich hat das Management des MDax-Unternehmens Demag Cranes das nachgebesserte Kaufangebot durch den US-Konkurrenten Terex auch offiziell begrüßt. Ein Zusammenschluss der Unternehmen liege im Interesse von Aktionären und Beschäftigten. Insgesamt bietet Terex rund eine Milliarde Euro für den deutschen Kranspezialisten.

Sixt bleibt an Bord
Erich Sixt bleibt weitere fünf Jahre an der Spitze von Deutschlands größtem Autovermieter. Der Aufsichtsrat des Konzerns verlängerte den Vertrag des Unternehmers ein Jahr vor Ablauf, wie der Vorsitzende des Gremiums, Gunter Thielen, heute auf der Hauptversammlung in München sagte. Sixt wird an diesem Samstag 67 Jahre alt und wird noch bis mindestens 2016 an der Spitze des Unternehmens stehen. Er führt das 1912 gegründete Unternehmen seit 1969.

Adler stolpert an die Börse
Die Aktien der auf Textilien spezialisierten Einzelhandelskette Adler Modemärkte sind an ihrem ersten Tag an der Börse etwas unter Druck geraten. Nachdem die Papiere am Vormittag auf der elektronischen Plattform Xetra mit einem ersten Kurs von 10,00 Euro exakt auf dem Niveau des Ausgabepreises in den Handel gestartet waren, schwankten sie zunächst um diesen Wert und fielen dann etwas darunter.

H &M hat weniger in der Kasse
Die Gewinne bei der schwedischen Textilkette Hennes & Mauritz (H&M) sind im ersten Halbjahr vor allem wegen höherer Kosten geschrumpft. Der Nettoertrag sank um 23,2 Prozent auf 6,9 Milliarden Kronen (751,7 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch in Stockholm mitteilte. Im zweiten Quartal (bis Ende Mai) ging er um 18,4 Prozent auf 4,3 Milliarden Kronen zurück. Hohe Baumwollpreise, regional bedingte Kostensteigerungen und die Aufwertung der Schweden-Krone sind die Hauptgründe für den Rückgang.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr