Kursverluste auf breiter Front

Stand: 12.04.2011, 20:02 Uhr

Nach dem Stillstand gestern ist es heute an den Aktienmärkten zum Ausverkauf gekommen. Dabei mussten vor allem konjunktursensible Titel kräftig Federn lassen.

Der Dax schließt am Abend gut 92 Zähler (1,3 Prozent) tiefer bei 7.109. Zuvor hatte bereits der elektronische Handel rund 102 Punkte eingebüßt auf 7.102, ein Minus von 1,4 Prozent. Für Verunsicherung sorgte die Entscheidung der japanischen Behörden, die Havarie in Fukushima genauso schwerwiegend einzustufen wie den Reaktorunfall in Tschernobyl ließ die deutschen Aktien auf breiter Front nachgeben. Zudem waren die Quartalszahlen des als Konjunkturbarometer geltenden amerikanischen Aluminiumherstellers Alcoa hinter den Erwartungen der Anleger geblieben.

Auch an der Wall Street kommt es deshalb zu Kursverlusten von zeitweise mehr als einem Prozent. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 103 Punkte (0,8 Prozent) niedriger bei 12.278. In den USA sorgten auch die Februar-Zahlen vom US-Außenhandelsdefizit für Beunruhigung, da sie auf eine gesunkene weltweite Nachfrage hindeuteten. Die Händler fürchteten zunehmend, dass die Japan-Krise, hohe Öl- und Rohstoffpreise das Wirtschaftswachstum bremsten, sagte Mark Bronzo von Security Global Investors.

Rohstoffe bald wieder billiger?
Nach Ansicht der Experten von Goldman Sachs besteht aber eine große Wahrscheinlichkeit, dass sich der Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen umkehre. Die in New York notierten Aktien von Rio Tinto verlieren am Abend 2,2 Prozent.

Unterdessen hält sich der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) über der Marke von 120 Dollar. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) am Montag im Durchschnitt 120,30 Dollar. Das waren 29 Cent mehr als am Freitag. Soviel hatte Opec-Öl zuletzt Anfang August
2008 gekostet.

Euro zeitweise über 1,45 Dollar
Derweil ist der Kurs des Euro am Nachmittag erstmals seit Anfang 2010 wieder über die Marke von 1,45 US-Dollar gesprungen. Experten erklärten den Höhenflug der Gemeinschaftswährung übereinstimmend mit einer aktuellen Dollar-Schwäche und der Aussicht auf weiter steigende Zinsen in der Eurozone. Am Abend notiert der Euro wieder leicht schwächer bei 1,4485 Dollar.

Commerzbank auf Talfahrt
Die im Frühjahr 2007 noch mit 40 Euro gehandelte Aktie von Deutschlands zweitgrößter Bank ist heute unter die Marke von fünf Euro gerutscht. Zuvor hatte die Bank Nomura das Papier auf "Reduce" mit einem Kursziel von 4,90 Euro eingestuft. Anlegern, die nicht an der Emission der Pflichtwandelanleihe partizipierten, entgehe keineswegs eine günstige Kaufgelegenheit, meint Analyst Chintan Joshi. Zwar könne es im Vorfeld der Jahreshauptversammlung zu einem "Short Squeeze" kommen, doch dürften sich im weiteren Jahresverlauf noch günstigere Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Mit anderen Worten: Die Aktie könnte noch weiter sinken.

Infineon im Branchensog
Zu den schwächsten Werten im Dax gehört auch die Aktie des Chipherstellers Infineon. Eine gesenkte Umsatzprognose des Analog-Chipherstellers Micrel wird von Händlern als Grund für den fallenden Kurs von Infineon genannt. Der korrigierte Ausblick kommt nur wenige Tage, nachdem die beiden weltweit größten Kontrakt-Chiphersteller TSMC und UMC mit ihrer Prognose sehr zurückhaltend geblieben sind. Neben Infineon muss auch die Aktie des im TecDax notierten Chipherstellers Dialog Semiconductor kräftig Federn lassen.

Alcoa überzeugt nicht
Die mit Spannung erwarteten Zahlen des US-Aluminiumkonzerns Alcoa haben die Anleger nicht überzeugt. Dabei lag der Gewinn im ersten Quartal leicht über den Erwartungen. Der Umsatz dagegen hinkte hinter den Prognosen her. Alcoa-Papiere verlieren dennoch deutlich und belasten auch die hiesigen Stahlwerte wie ThyssenKrupp und Klöckner. Sie verlieren mehr als drei Prozent.

JP Morgan mag MüRü
Gegen den Trend kann sich die Aktie der Münchener Rück behaupten. Sie kann mit ein leichtes Plus behaupten. Die Analysten von JP Morgan hatten sich am Morgen freundlich zur Aktie des Rückversicherers geäußert. Die Bank stufte die Aktie von "Equal-weight" auf "Overweight" hoch und hob das Kursziel von 139,00 auf 144,00 Euro an. Gleichzeitig nahm Analyst Maciej Wasilewicz das Papier auf die "Best Ideas Europe" Liste auf. Er glaube, dass der Markt die positiven Effekte höherer Versicherungssätze und Renditen unterschätze.

Ist bei SGL Group die Luft raus?
Nach ihrem fulminanten Anstieg am Freitag auf nahezu 40 Euro legt die Aktie des Graphitherstellers SGL Carbon heute den Rückwärtsgang ein. Damit reagieren die Anleger auf eine Studie der Bank HSBC. Darin wird SGL Group von "Neutral" auf "Underweight" herabgestuft, das Kursziel aber von 29,00 auf 32,00 Euro angehoben. Eine Übernahme des Kohlenstoffspezialisten, dessen Aktien zuletzt stark von entsprechenden Spekulationen profitiert hätten, sei unwahrscheinlich, meint Analyst Jürgen Siebrecht. Auch glaubt er, dass das Thema Karbonfasern im Zuge der verbreiteten Euphorie für saubere Energien überbewertet werde.

Fraport unter Druck
Abgeben muss auch die im MDax notierte Aktie des Flughafenbetreiber Fraport. Der hatte am Morgen zwar konzernweit gestiegene Fluggastzahlen für den März gemeldet, in Frankfurt waren sie aber leicht rückläufig. Auch bei der Fracht schnitt der Standort Frankfurt schwächer als der Gesamtkonzern ab.

Ströer gefällt
Mit Beifall reagieren die Anleger auf die überraschend guten Jahreszahlen des Berliner Außenwerbeunternehmens Ströer. Die Erlöse sind 2010 um 13 Prozent auf 531,3 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis pro Aktie erreichte 1,32 Euro, nach nur 0,03 Euro im Jahr 2009. Für 2011 erwartet Ströer weiterhin "solides organisches" Wachstum.

Flatex wächst weiter
Auch der Onlinebroker Flatex hat 2010 seinen Überschuss kräftig gesteigert auf 2,58 Millionen Euro, zwei Drittel mehr als 2009. Auch die Kundenzahl entwickelte sich zufriedenstellend. Sie stieg auf fast 90.000. Die Aktie steigt gegen den Trend um gut ein Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr