Kurstalfahrt an Himmelfahrt

Stand: 17.05.2012, 20:01 Uhr

Die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise in Griechenland und Spanien hat den Dax an Christi Himmelfahrt weiter nach unten gedrückt. Ernüchternde Konjunkturdaten aus den USA verdarben den Anlegern zusätzlich die Stimmung.

Von wegen Feier-Tag. Der Dax beendete an Himmelfahrt den vierten Tag in Folge mit Verlusten. Der deutsche Leitindex sackte bis zum Xetra-Schluss um über ein Prozent auf 6.309 Punkte. Im späten Parketthandel änderte sich nichts mehr. Der L-Dax schloss bei 6.308 Zählern. Damit droht eine schwarze Börsenwoche. Seit Anfang der Woche gab der Dax gut vier Prozent ab. Händler Markus Huber von ETX Capital sprach von reiner "sehr negativen Marktstimmung". Die Umsätze waren wegen des Feiertagshandels allerdings sehr dünn.

Die erhofften Impulse von der Wall Street blieben aus. Der Dow und der S&P 500 verloren 0,6 Prozent bis zum Abend. Die Technologiebörse Nasdaq gab um 0,9 Prozent nach.

Dunkle Wolken in Spanien
Schuld am neuerlichen Kursrutsch war mal wieder die Euro-Krise. Vor allem Spanien sorgt für zunehmende Verunsicherung unter den Anlegern. Am Donnerstag kursierten Gerüchte, dass die Ratingagentur Moody's die spanischen Banken abstufen könnte. Hinzu kamen Gerüchte, wonach Sparer bei der kriselnden Sparkasse Bankia in der vergangenen Woche mehr als eine Milliarde Euro an Einlagen abgezogen hätten. Das Wirtschaftsministerium dementierte.

Zwar verlief die Auktion spanischer Staatsanleihen am Donnerstag erfolgreich. Der Preis dafür aber war hoch. Spanien musste für seine Anleihen deutlich mehr Zinsen zahlen. Für die vierjährigen Papiere waren Zinsen von rund fünf Prozent fällig - nach zuletzt 3,37 Prozent.

Das griechische Drama
Auch das anhaltende Chaos in Griechenland beunruhigte die Anleger. Nach der gescheiterten Regierungsbildung und den angekündigten Neuwahlen für den 17. Juni fürchten Börsianer eine Pleite Griechenlands und einen Austritt aus dem Euro. Am Abend senkte die Ratingagentur Fitch die Bonität Griechenlands von "B-" auf "CCC" ab. Fitch sieht ein substantielles Ausfallsrisiko.

Griechischen Banken droht eine Tragödie. Kunden lösen ihre Konten auf. Und die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte an, einigen Banken kein Geld mehr leihen zu wollen.

Konjunktursorgen in den USA
Zu den Hiobsbotschaften aus Griechenland und Spanien gesellten sich noch schlechte Nachrichten von der US-Konjunkturfront. Der wichtige Index der Frühindikatoren sank überraschend um 0,1 Prozent. Volkswirte hatten mit einem kleinen Plus gerechnet. Noch trüber fiel der Philly-Fed-Index aus, der das Geschäftsklima in der Region Philadelphia misst. Er lag im Mai erstmals seit September 2011 wieder im Negativbereich - bei minus 5,8 Punkten. Volkswirte hatten eine Aufhellung des Klimas auf plus 10,0 Punkte vorhergesagt. In das schwache Bild passten die Arbeitsmarktdaten. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe stagnierte in der vergangenen Woche bei 370.000 - etwas mehr als erwartet.

Der Euro fiel zeitweise auf unter 1,27 Dollar und erreichte ein neues Viermonats-Tief. Nach den schwachen US-Konjunkturdaten erholte sich die europäische Gemeinschaftswährung etwas. Auch der Ölpreis setzte seine Talfahrt fort. Ein Fass des Nordseeöls Brent kostete am Donnerstag nur noch 109 Dollar - so wenig wie zuletzt vor vier Monaten.

Defensiv ist Trumpf
Im Dax gab es nur wenige Gewinner. Lediglich die defensiven Titel Henkel, Beiersdorf und Fresenius Medical Care legten leicht zu. Nachrichten gab es nicht. Besser als der Markt schnitten die Papiere von MAN ab, die 0,6 Prozent nachgaben. Sie profitierten von einem positiven Analystenkommentar. Die Analysten der WestLB setzten die Titel von "Reduce" auf "Neutral" hoch. Sie hätten noch Aufwärtspotenzial.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Finanzwerte leiden unter Spanien
Zu den großen Verlierern zählten an Himmelfahrt die Finanzwerte. Der europäische Bankenindex gab um drei Prozent nach. Die Aktien der Deutschen Bank büßten rund zwei Prozent ein - wegen der Sorgen um das Bankensystem in Spanien. Die Bankia-Aktien brachen um 26 Prozent ein. Zudem sieht die Ratingagentur Fitch einen höheren Kapitalbedarf der systemrelevanten Banken. Die 29 weltgrößten Kreditinstitute, darunter auch die Deutsche Bank, bräuchten 566 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital, glaubt Fitch.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Börse am Dax-Ende
Dax-Schlusslicht war die Aktie der Deutschen Börse mit einem Abschlag von fast zwölf Prozent. Der Kurseinbruch war aber nur halb so schlimm wie er aussah. Tatsächlich wurden die Aktien ex Dividende gehandelt. Klammert man die 3,30 Euro je Aktie aus, die ausgeschüttet wurden, lag das Minus bei fünf Prozent. Die Deutsche Börse gab am Nachmittag eine Kooperation mit dem chinesischen Börsenbetreiber China Financial Futures Exchange bekannt. Beide Partner planen einen Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie gemeinsame Schulungen. Der chinesische Finanzmarkt ist bislang weitgehend abgeschottet.

Auch die BMW-Aktien wurden am Donnerstag mit Dividenden-Abschlag gehandelt. BMW schüttete 2,30 Euro je Stamm-Aktie an seine Anteilseigner aus. Für die Vorzüge wurden 2,32 Euro je Papier gezahlt.

JP Morgan drückt HeidelCement
Titel von HeidelbergCement rutschten um 2,6 Prozent ab - wegen JP Morgan. Die Analysten senkten das Kursziel für den Zementhersteller von 49,00 Euro auf 46,85 Euro gesenkt, beließen aber immerhin die Empfehlung bei "Overweight". Am Mittwoch waren die HeidelCement-Papiere noch mit einem kräftigen Plus aus dem Handel gegangen.

Kuka-Chef macht weiter
Größter Gewinner im MDax waren die Aktien von Kuka mit einem Plus von rund zwei Prozent. Der Roboter- und Anlagenbauer gab am Mittwochabend bekannt, dass der Aufsichtsrat den Vertrag von Till Reuter als Vorstandschef bis April 2015 verlängerte habe. Zudem wurde mit Eon-Manager Peter Mohnen ein neuer Finanzvorstand gefunden.

Dividenden verzerren die Kurse
Bei mehreren Unternehmen aus der zweiten Reihe war am Donnerstag Zahltag. Die Ausschüttung der Dividenden verzerrte die Kurse. Aktien wie Rational, Wacker Chemie, GfK, QSC, Stratec, Leoni, Aixtron oder ElringKlinger wurden ex Dividende gehandelt und schlossen vermeintlich deutlich tiefer.

China-Schub für Aixtron
Aus dem TecDax ragten nur wenige Aktien positiv hervor. Gewinner des Tages war Aixtron mit einem Kursplus von 1,4 Prozent. China habe neue Subventionen für die Konsumelektronik- und Automobilindustrie angekündigt, meinten Händler. Davon könnte auch Aixtron profitieren.

Prügel für Solarwerte
Dunkle Schatten lasteten mal wieder auf den Solarwerten. Die Titel von Centrotherm brachen um acht Prozent ein und waren größter Verlierer. Die Aktien von SMA verbilligten sich um 7,5 Prozent. Sie litten unter einer negativen Analystenstudie. Die Experten von Barclays Capital senkten die Kursziele für beide Solarfirmen.

Chef von Vita 34 geht
Der Betreiber einer privaten Nabelschnurblutbank hat die Übernahme der Biotech-Firma BioPlanta bekannt gegeben. Dazu plant Vita 34 eine Kapitalerhöhung. 380.000 neue Aktien werden ausgegeben. Gleichzeitig kündigte das Leipziger Unternehmen den Rückzug von Eberhard Lampeter als Vorstandschef an. BioPlanta-Inhaber André Gerth rückt in den Vita-34-Vorstand auf. Der Kurs von Vita 34 gab 1,6 Prozent nach.

IQ Power gibt Produktion und Vertrieb auf
Der seit Jahren defizitäre Batterientwickler IQ Power konzentriert sich künftig ganz auf das Lizenzgeschäft. Das im General Standard gelistete Unternehmen gab die Trennung von Produktion und Vertrieb in Europa bekannt - über ein Management Buy Out. Die deutsche Tochter IQ Power Technik GmbH wird geschlossen. Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz der IQ Power AG drastisch von 3,6 Millionen auf 2,2 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug minus 0,9 Millionen Euro - fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die liquiden Mittel lagen bei 0,2 Millionen Euro. Die Aktie schloss unverändert bei zwei Cent.

Starke Zahlen von Wal-Mart
Aus den USA meldete am Mittag Wal-Mart Quartalszahlen. Der weltgrößte Einzelhändler überraschte positiv. Er steigerte trotz negativer Währungseffekte und starken Wettbewerbs den Umsatz um fast neun Prozent auf 103,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte ebenfalls um gut neun Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten weniger erwartet. Die Aktie steigt um fünf Prozent.

Milliardenübernahme in den USA
In der Diagnostik-Branche zeichnet sich ein neuer Milliardendeal ab. Das US-Messtechnik-Unternehmen Agilent Technologies will für 2,2 Milliarden Dollar den dänischen Krebstest-Spezialisten Dako schlucken. Der Vorstand von Dako hat der Übernahme bereits zugestimmt. Die Agilent-Aktie gab leicht nach.

Facebook kommt
Derweil blicken die Anleger gespannt auf den größten Internet-Börsengang der Geschichte: Am Freitag will das soziale Netzwerk Facebook an die Nasdaq gehen. Die Preisspanne liegt bei 34 bis 38 Dollar. Der Ansturm auf die Aktien dürfte gewaltig sein. Beim Broker Lang & Schwarz lagen die außerbörslichen Kurse für Facebook zeitweise über 60 Dollar.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"