Kurssprünge an Fronleichnam

von Notker Blechner

Stand: 03.06.2010, 20:00 Uhr

Feier(tags)laune an der Börse: Der Dax kam an Fronleichnam wieder in Schwung und überwand die Marke von 6.000 Punkten. Der schwache Euro und die stagnierende Wall Street konnten den Kursanstieg nur leicht bremsen.

Die Kurserholung am deutschen Aktienmarkt geht weiter. Mit 6.054 Punkten erreichte der Dax am Donnerstag seinen höchsten Stand seit zwei Wochen. In den letzten sechs Handelstagen hat das deutsche Börsenbarometer rund 400 Zähler gutgemacht. Dass es an Fronleichnam nicht noch weiter nach oben ging, lag an der US-Börse. Der Dow Jones drehte am Abend ins Minus. Das führte dazu, dass die Kursgewinne etwas abbröckelten. Der L-Dax schloss knapp zehn Punkte tiefer bei 6.045 Zähler.

Konjunkturdaten robust, aber nicht gut genug

Die zahlreichen Konjunkturdaten aus den USA wurden zwiespältig aufgenommen. Einerseits mehrten sich die Anzeichen, dass der US-Aufschwung allmählich am Arbeitsmarkt angekommen ist. So wurden im Privatsektor im Mai 55.000 neuer Stellen geschaffen. Gleichzeitig sank die Zahl derjenigen, die Anträge auf Arbeitslosenhilfe stellten, auf 453.000. Experten hatten mit einem noch stärkeren Rückgang der Anträge und mit größeren Stellenzuwächsen gerechnet.

Andererseits schwächte sich die Konjunkturerholung in der Wirtschaft etwas ab. Die Produktivität der US-Firmen stieg im ersten Quartal nur um 2,8 Prozent - statt wie erhofft 3,4 Prozent. Die Aufträge in der Industrie zogen im April um 1,2 Prozent an - ebenfalls weniger als erwartet. Zugleich revidierte das Handelsministerium aber den Wert für den Vormonat deutlich nach oben. Überraschend stagnierte auch der ISM-Einkaufsmanagerindex bei 55,4 Punkten. Ökonomen hatten mit einer besseren Stimmung und einem leichten Anstieg auf 55,7 Punkten gerechnet. Der größte Dämpfer kam aus dem Einzelhandelssektor. Eine Reihe von Einzelhändlern erzielte im Mai weniger Umsatz als von Experten erwartet. Das belastete die Stimmung an der Wall Street.

Euro fällt, Ölpreis steigt

Der Euro konnte von den etwas schwächer als erwartet ausgefallenen US-Daten nicht profitieren und blieb unter Druck. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel unter die Marke von 1,22 Dollar. "Die Stimmung für den Euro ist weiter negativ", meinte ein Händler.

Ein überraschend deutlicher Rückgang der Rohölbestände in den USA trieb derweil die Ölpreise weiter an. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI kostete am Abend 73,20 Dollar - 34 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent kletterte auf 74,53 Dollar. Die US-Rohöl-Lagerbestände fielen um 1,9 Millionen Barrel auf 363,24 Millionen Barrel.

Studie hievt Infineon nach vorn
Im Dax gab es fast nur Gewinner. Nur drei Titel beendeten den Tag im Minus. An der Spitze lag mal wieder Infineon - dank einer positiven Studie von Goldman Sachs zur Halbleiter-Branche. Die Aktie stieg um vier Prozent auf 4,68 Euro. Analyst James Covello sieht die Halbleiterunternehmen im stärksten jemals beobachteten Branchenzyklus. Er hob deshalb seine Investitionsprognosen für 2010 und 2011auf bis zu 62 Milliarden Dollar an und erwartet 2011 den Höhepunkt des Zyklus. Die anziehende Auftragslage werde zum Haupttreiber der Kursentwicklungen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Luftfahrt auf Erholungstrip
Im Höhenflug befanden sich auch Luftfahrt-Werte nach vielversprechenden Passagierzahlen von Air France KLM. Die Lufthansa-Aktie gewann fast vier Prozent. Der französisch-niederländische Lufthansa-Konkurrent hat im Mai 1,6 Prozent mehr Fluggäste als im gleichen Zeitraum des Vorjahres registriert. Die Auslastung der Flieger verbesserte sich um 3,3 Prozentpunkte auf 80,6 Prozent. Der Aschewolke-Schock scheint also verdaut. Von einer deutlichen Belebung der internationalen Luftfahrt sprach am Donnerstag auch der Generaldirektor des Weltluftfahrtverbandes IATA, Giovanni Bisignani. Die Branche dürfte sich in zwei Jahren von der schweren Krise 2009 erholt haben, prophezeite er.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Mercedes-Stern glänzt wieder
Zwiespältige Absatzzahlen aus den USA und Deutschland bewegten am Donnerstag die Autowerte. Während in den USA den achten Monat in Folge mehr Autos verkauft wurden, brach der Pkw-Absatz in Deutschland um 35 Prozent ein. Vor allem Kleinautos, die 2009 von der Abwrackprämie profitiert hatten, waren Ladenhüter. Nur Mercedes konnte dank der E-Klasse dem Trend trotzen und sechs Prozent mehr Fahrzeuge verkaufen. In den USA betrug das Plus von Mercedes gar rund 27 Prozent. VW konnte rund ein Fünftel mehr Autos absetzen. Dagegen verkauften Porsche und BMW weniger Autos.

Dennoch legten die Aktien von BMW und Porsche rund zwei Prozent zu. Daimler gewann über ein Prozent. Zusätzlichen Rückenwind erhielt Daimler von Barclays. Die Analysten hoben das Kursziel von 38 auf 39 Euro an.

Analysten treiben Fresenius-Aktien
Ebenfalls positive Analystenkommentare trieben die Fresenius-Aktie nach oben. Sie legte um 2,8 Prozent zu. Die Analysten von Morgan Stanley haben die Aktie zum "Übergewichten" (Overweight) empfohlen und ein Kursziel von 60 Euro ausgegeben. Der Absatz des Blutgerinnungs-Mittels Hepatin könnte besser als gedacht ausfallen, glauben die Experten. Außerdem würden Risiken wie die US-Gesundheitsreform, die den Kurs 2009 belastet hatten, an Bedeutung verlieren.

Gespräche zwischen Kaufhof und Karstadt
Wenige Tage vor der Entscheidung im Karstadt- Bieterrennen hat sich der Handelskonzern Metro wieder eingeschaltet und sein Interesse an einem Teil der insolventen Warenhauskette bekräftigt. Nachdem Metro-Chef Eckhard Cordes bereits vor zwei Wochen einen Brief an den Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geschrieben hatte, gab es jetzt auch ein Gespräch mit Kaufhof-Vertretern, berichteten Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Metro will aber nur einzelne Warenhäuser kaufen, der Insolvenzverwalter hingegen möchte Karstadt als Ganzes erhalten. Die Aktie von Metro stieg um fast ein Prozent.

Bilfinger-Tochter bald an der Börse?
Im MDax trieben Spekulationen Bilfinger Berger um fast vier Prozent nach oben. Laut Presseberichten steht ein Börsengang der australischen Tochter bevor. Bilfinger Berger wies die Spekulationen zurück. "Wir werden in den nächsten Tagen eine Entscheidung treffen", sagte ein Sprecher des Baukonzerns.

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autozulieferer gefragt
Unter den Top-Gewinnern lagen auch Autozulieferer wie Leoni, ElringKlinger und Conti. Sie profitierten offenbar von der guten Autokonjunktur in den USA. Die Aktien des Generikaherstellers Stada notierten ebenfalls fester. Händler sprachen von positiven Aussagen auf einer Investorenveranstaltung. Das Unternehmen habe dort deutlich gemacht, sich stärker auf die Kostenkontrolle zu fokussieren.

Übernahmegerüchte um König & Bauer
Im SDax drehten die Aktien von König & Bauer auf. Zeitweise legten die Titel um sieben Prozent zu. Übernahme-Gerüchte trieben den Kurs zeitweise um bis zu sieben Prozent an. Händlern zufolge soll der Konkurrent Manroland am Druckmaschinenbauer interessiert sein. Vor wenigen Monaten waren Fusionsgespräche zwischen Manroland und Heidelberger Druckmaschinen gescheitert.

Wacker Neuson abgestuft
Auf der Verliererseite standen dagegen die Aktien von Wacker Neuson. Sie büßten rund zwei Prozent ein. Verantwortlich dafür war die Bank of America/ Merrill Lynch. Sie stufte die Titel von "buy" auf "underperform" herunter. Die Aktie habe nach den jüngsten Gewinnen in den vergangenen Wochen nur noch wenig Aufwärtspotenzial.

Solar-Kürzungen in der Schwebe
Der TecDax machte an Fronleichnam mal wieder seinem Ruf als "SolarDax" wieder alle Ehre. Zahlreiche Solartitel befanden sich unter den Top-Gewinnern. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach die Kürzung der Solarförderung im Bundesrat scheitern könnte. Eine Mehrheit von Bundesländern will den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anrufen. Damit dürfte die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) wohl nicht geplant zum 1. Juli in Kraft treten.

United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Achtung Dividendenabschlag!
Mehrere Werte wurden heute ex-Dividende gehandelt. Das betraf vor allem den Fotoentwickler Cewe Color, der rund vier Prozent nachgab. Auch die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport und des Mobilfunkbetreibers United Internet schlossen klar im Minus wegen der ausgeschütteten Dividende.

Überraschungscoup von Kingfisher
Zum Ausland: Die Aktie von Europas größter Baumarktkette Kingfisher sprang am Donnerstag um rund drei Prozent in die Höhe. Dabei hat das Unternehmen im ersten Quartal wegen des kalten Frühlingswetters nur ein geringes Umsatzplus auf erwirtschaftet. Ohne Neueröffnungen und Währungseinflüssen wären die Erlöse sogar um knapp zwei Prozent gesunken. Doch Analysten hatten noch schlechtere Zahlen erwartet. Überrascht waren sie vor allem über den Gewinnsprung von 14 Prozent. Die Kursgewinne von Kingfisher zogen auch die Papiere der deutschen Baumarktkette Praktiker mit nach oben.

Ahold verdient deutlich mehr
Ein anderes europäisches Unternehmen legte am Donnerstag Quartalszahlen vor: Der niederländische Einzelhandelskonzern Ahold hat seinen Umsatz und das operative Ergebnis leicht gesteigert. Der Gewinn legte aufgrund von Sondereffekten und eines rigiden Sparkurses auf 274 Millionen Euro deutlich zu. Angesichts der Tatsache, dass Ahold 60 Prozent seines Umsatzes in den USA erzielt, sprachen Analysten von beachtlichen Zahlen. Die Aktie stieg um ein Prozent.

Nokia macht auf billig
Der weltgrößte Handy-Hersteller hat am Donnerstag vier neue Billig-Modelle vorgestellt. Mit ihnen will Nokia besonders in Schwellenländern seine Vormachtstellung sichern und die Konkurrenz aus China abwehren. Die Nokia-Aktie legte um rund zwei Prozent zu.

BP kommt im Kampf gegen Ölpest voran
Erfreuliche Nachrichten kamen am Abend vom britischen Energiekonzern BP. Nach eigenen Angaben habe das Unternehmen einen bedeutenden Fortschritt im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko erzielt. Es sei gelungen, ein beschädigtes Steigrohr am Bohrloch durchzuschneiden. Nun arbeite das Team daran, die Schnittstelle zu säubern, bevor die Absaugglocke über das Leck gestülpt werden soll. Allerdings sei der Schnitt nicht optimal erfolgt, meinte der Einsatzleiter der US-Regierung. Daher werde voraussichtlich selbst nach einem Erfolg der Top-Cap-Operation weiter Öl ins Meer fließen, glaubt er. Die BP-Aktie erholte sich etwas von den jüngsten Verlusten. Die gigantischen Kosten der Ölpest könnten aber nach Einschätzung von Rating-Agenturen die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit von BP erhöhen. Die Agenturen Fitch und Moody's senkten daher am Donnerstag ihre Bonitätsnote. Börsianer sehen angesichts der Katastrophe die bislang sehr hohe Dividende von BP in Gefahr.

Millionen-Strafe für JP Morgan
Unter Druck standen indes die Aktien von JP Morgan. Die britische Aufsicht hat der US-Bank eine Rekordstrafe in Höhe von 39 Millionen Euro aufgebrummt. Grund: Die britische Sparte von JP Morgan habe jahrelang das Geld ihrer Kunden nicht klar genug vom Vermögen der Bank getrennt.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr