Kursplus steht auf wackligen Beinen

Stand: 28.06.2010, 20:02 Uhr

Der Kursrutsch der vergangenen Woche ist vorerst beendet. Nach einem fulminanten Endspurt im elektronischen Handel, kann der Dax auch im Abendhandel gut ein Prozent zulegen auf 6.141. Doch von einer wirklichen Trendwende kann keine Rede sein.

Die Märkte hätten lediglich eine Reaktion auf die schwache letzte Handelswoche gezeigt, erklärte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Auch andere Analysten sprechen von einer klassischen Gegenbewegung, die aber nicht auf eine nun einsetzende dauerhafte Erholung der Kurse schließen lasse. Das zeigten auch die schwächelnden Kurse an der Wall Street.

Dort war der Dow Jones kurz nach der Eröffnung sogar ins Minus abgerutscht, kletterte dann wieder ins Plus, bevor er am Abend erneut leicht schwächer tendierte bei 10.157.

Viele Börsianer richten den Blick bereits auf den am Donnerstag erwarteten Einkaufsmanagerindex (ISM) für das verarbeitende US-Gewerbe und die Arbeitsmarktdaten am Freitag. "Insgesamt sollte sich zeigen, dass sich die USA weiterhin auf Wachstumskurs befinden, auch wenn die Erholung an Schwung verlieren dürfte", erklärte Helaba-Analystin Viola Stork. Dabei haben die US-Bürger im Mai mehr Geld für Konsumgüter ausgegeben als erwartet. Doch der Zuwachs von 0,2 Prozent fällt so bescheiden aus, dass der Aktienmarkt zunächst mit Gewinnmitnehmen reagiert. Viele Anleger hatten offenbar einen stärkeren Anstieg der Konsumausgaben erhofft. Aktien von Konsumgüterherstellern stehen aber auf der Gewinnerseite. Zu den Verlieren zählen dagegen Finanzwerte.

Keine Inflation in Sicht
Keine Sorgen müssen sich die Anleger vor einem Wiedererwachen der Inflation machen. Hierzulande ging der Preisauftrieb im Juni sogar zurück. Die jährliche Inflationsrate sei von 1,2 Prozent im Vormonat auf 0,9 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Im Dax sind die Aktien von BASF und Daimler die größten Kursgewinner. Auch die Papiere des Chipherstellers Infineon legen überdurchschnittlich zu. Auslöser ist diesmal ein Bericht demzufolge der russische Mischkonzern Sistema an einem Einstieg bei Infineon interessiert ist und die Bundesregierung dabei um Hilfe gebeten hat.

Der Euro notiert am Abend erneut schwächer und fällt bei einem Kurs von 1,227 Dollar unterhalb der Schwelle von 1,23 Dollar.

MAN kann vorerst aufatmen
Gut voran kommt auch die Aktie von MAN. Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe wie Siemens muss der ebenfalls in einen Schmiergeldskandal verwickelte MAN-Konzern nämlich vorerst nicht fürchten. Ein ehemaliger Top-Manager des Konzerns ist allerdings zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Beflügelt wird die Aktie auch von der steigenden Nachfrage. In diesem Jahr soll der Auftragseingang auf jeden Fall über drei Milliarden Euro liegen, sagte Klaus Stahlmann, Direktor von MAN Diesel & Turbo, der Zeitung "Die Welt". Das Niveau von 2008 mit 4,5 Milliarden Euro ist allerdings noch lange nicht erreicht.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-6,02%

Lufthansa traut sich mehr zu
Die Zeichen stünden in allen Konzernbereichen deutlich auf Erholung, teilte die Lufthansa auf einem Investorentag mit. Trotz roter Zahlen im ersten Quartal und zahlreicher Flugausfälle wegen der Vulkanasche-Wolke im April zeigte sich das Management zuversichtlich, das operative Ergebnis von zuletzt 130 Millionen Euro im Gesamtjahr wie geplant zu steigern. Einige Anleger nutzen die Nachricht zum Kauf der Airline-Aktie.

Daimler-Partner Tesla vor Börsengang
Der geplante Börsengang des Daimler-Partners Tesla stößt bei Investoren auf großes Interesse. Der kalifornische Hersteller von Elektrofahrzeugen erhöhte kurz vor seinem IPO das Aktienangebot um 20 Prozent, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Damit sollen nun 13,3 Millionen Dividendenpapiere anstelle der ursprünglich anvisierten 11,1 Millionen Scheine ausgegeben werden. Die Aktien sollen zwischen 14 und 16 Dollar kosten. Bei einem Emissionspreis von 15 Dollar würde Tesla rund 200 Millionen Dollar bei seinem Börsengang an der Nasdaq am morgigen Dienstag einnehmen.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Verkaufsschlager IPhone
Apple bricht mit seinem neuen iPhone alle Rekorde. Der Elektronikkonzern hat in den ersten drei Verkaufstagen mehr als 1,7 Millionen der Smartphones losgeschlagen. «Das ist die erfolgreichste Produktneueinführung in Apples Geschichte», sagte Konzernchef Steve Jobs am Nachmittag im kalifornischen Cupertino. Die Apple-Aktionäre zeigen sich von der Erfolgsmeldung allerdings unbeeindruckt.
Derweil zeichnet sich ab, dass die Deutsche Telekom in absehbarer Zeit ihr deutsches Vertriebsmonopol für Apples iPhone verlieren. Bald könnte das Telefon auch bei anderen Netzbetreibern erhältlich sein, schreibt das Nachrichtenmagazin "Focus". Der Exklusiv-Vertrag zwischen Apple und der Telekom soll eigentlich im kommenden Jahr enden.

Fuchs Petrolub läuft wie geplant
"Momentan sind wir gut ausgelastet," sagte der Chef des Schmierstoffherstellers, Stefan Fuchs der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Man könne das erste Quartal jedoch nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen. Dennoch peilt das Unternehmen für 2010 einen Zuwachs bei Umsatz und Ergebnis an. Dabei wollen die Mannheimer beim operativen Ergebnis ihre Bestmarke von 195 Millionen Euro aus dem Jahr 2007 knacken. Die im MDax notierte Aktie legt überdurchschnittlich zu.

Aareal Bank am MDax-Spitze
Die im MDax notierte Aktie der Aareal Bank klettert um 5,8 Prozent. Der Grund: die Bank will eine erste Tranche von 150 Millionen Euro der erhaltenen Staatshilfe zurückzahlen. Insgesamt hatte die Immobilienbank 525 Millionen Euro erhalten. Ursprünglich wollte die Bank ihre Staatshilfen erst ab 2011 zurückzahlen.

Cheuvreux schreibt Praktiker nieder
Die französische Investmentbank Cheuvreux hat Praktiker von "Outperform" auf "Underperform" abgestuft und damit die im MDax notierte Aktie unter Druck gebracht. Das Kursziel wurde von 9,00 auf 6,20 Euro gesenkt. Die Bewertung der Aktien des Baumarktes sei zwar nicht zu anspruchsvoll, aber es sei auch keine Neubewertung durch den Markt in Sicht, schrieb Analyst Jürgen Kolb in einer Studie vom Montag. Die Witterungsbedingungen in Deutschland seien auch im zweiten Quartal noch ungünstig geblieben. Das habe den Verkauf von Gartenartikeln gebremst. Insgesamt habe sich das Marktumfeld in den wichtigsten Ländern für Praktiker nicht verbessert.

Auch Solarwerte unter Abstufungsdruck
Goldman Sachs stuft gleich die Aktien von mehreren im TecDax vertretenen Solarfirmen kräftig herunter. Q-Cells erhielt ein "Sell" (vorher "Neutral"), Solarworld ebenfalls ein "Sell". Conergy beließ Goldman Sachs bei "Sell", senkte aber das Kursziel. Auch SMA Solar erhielt ein gesenktes Kursziel. Das Rating bleibt aber bei "Buy".

Kabel Deutschland beglückt Aktionäre
Der Kabelnetzbetreiber und Börsenneuling Kabel Deutschland will seinen Aktionären schon im kommenden Jahr eine Gewinnbeteiligung zahlen. Denn 2011 wolle man in die Gewinnzone kommen, sagte Vorstandschef Adrian von Hammerstein der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Operativ sei man schon profitabel, sagte der Kabel Deutschland-Chef. Das mittlerweile im MDax notierte Unternehmen ging erst in diesem Jahr an die Börse.

Anleger bejubeln Nanostart
Die Aktie der Nanotech-Beteiligungsgesellschaft Nanostart srpingt um mehr als neun Prozent in die Höhe. Der Grund: Magforce, eine börsennotierte Beteiligung Nanostarts, erhielt von der EU die Zulassung für eine auf Nanopartikeln basierende Krebstherapie. Diese weltweit erste Nano-Krebstherapie wurde nach Angaben von Nanostart für die Behandlung aller primären Hirntumore erteilt. Deshalb legt auch die Magforce-Aktie zweistellig zu.

Böwe Systec stürzt ab
Die Aktie des insolventen Herstellers von Kuvertiermaschinen Böwe Systec verliert dagegen bis zum Nachmittag bis zu 40 Prozent. Zuvor war bekannt geworden, dass rund ein Dutzend Investoren an der Übernahme der Firma und ihrer verschiedenen Sparten interessiert sind. "Wir haben die ersten Gespräche geführt und befinden uns mit dem Verkaufsprozess voll im Zeitplan", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier