Marktbericht 20:08

Dax rutscht deutlich ab Kurs-Gewitter an den Börsen

Stand: 23.05.2013, 20:08 Uhr

Die jüngste Rekordjagd an den Börsen ist vorerst gestoppt. Enttäuschende Konjunkturdaten aus China drückten die Kurse weltweit in den Keller. Der Dax schloss erstmals seit zwei Wochen im Minus. Ein Lichtblick kam aus den USA.

So schnell kann sich die Stimmung drehen. Am Mittwoch noch waren die Anleger in Kauflaune und trieben den Dax auf das Rekordhoch von über 8.500 Punkten. Am Donnerstag folgte die kalte Dusche. Der Dax beendete seine Gewinnserie und kam unter die Räder. Der deutsche Leitindex sackte um gut zwei Prozent auf knapp 8.352 Punkten. Im späten Parketthandel tat sich wenig.

Kalte Dusche aus China

Auch an den anderen europäischen Börsenplätzen ging es tief nach unten. Der EuroStoxx50, der französische Cac40 und der britische FTSE 100 gaben rund zwei Prozent nach. Am härtesten traf es den japanischen Nikkei. Er stürzte um 7,3 Prozent ab und verzeichnete den größten Kursabschlag seit der Fukushima-Katastrophe. Allerdings war er seit Jahresbeginn um gut 50 Prozent nach oben geschossen. Auslöser für den Kursrutsch war China. Der von der Großbank HSBC ermittelte Index für die Stimmung der Einkaufsmanager in China trübte sich erstmals seit sieben Monaten wieder ein und sank unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Damit mehren sich die Zeichen, dass Chinas Wirtschaft an Fahrt verliert.

Bernanke schickt widersprüchliche Signale

Zudem verunsicherte US-Notenbank-Chef Ben Bernanke mit gemischten Signalen die Anleger. Zwar hielt er an der bisherigen ultralockeren Geldpolitik fest, schloss aber ein gedrosseltes Tempo der monatlichen Anleihenkäufe auf den nächsten Sitzungen nicht aus.

"Überfällige Korrektur"

Experten fanden die kleine Korrektur überfällig. Die heftige Reaktion an den Märkten auf die nicht all zu dramatischen Daten aus China zeige, dass "der Markt überhitzt ist", meinte Helaba-Aktienstratege Markus Reinwand. Anleger strichen Gewinne ein. Mittelfristig freilich dürfte der Aktienmarkt weiter nach oben geben, glaubt Matthias Jasper, Leiter des Aktienhandels bei der WGZ Bank. "Viele Investoren sind nach wie vor nicht im Markt und nutzen jeden Rücksetzer."

Gute Immobiliendaten stützen Wall Street

Dass der Dax nicht noch mehr Federn lassen musste, verdankt er der Wall Street. Der Dow machte im Tagesverlauf seine Verluste wett und drehte zwei Stunden vor Handelsschluss ins Plus. Für Auftrieb sorgten überraschend gute Immobiliendaten. Die Hauspreise im März und die Neubauverkäufe im April stiegen unerwartet deutlich. Zudem sanken in den USA die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 23.000 auf 340.000. Analysten hatten mit 345.000 Anträgen gerechnet.

In der Eurozone hellte sich die Stimmung der Einkaufsmanager zum zweiten Mal in Folge auf und stieg auf 47,7 Punkte. Allerdings lässt die Frühjahrsbelebung in Deutschland weiter auf sich warten.

Euro über 1,29 Dollar

Der Euro konnte sich am Donnerstag wieder etwas aufrappeln und kletterte auf über 1,29 Dollar. Der Goldpreis erholte sich im Sog des Ausverkaufs an den internationalen Aktienmärkten. Die Feinunze verteuerte sich auf rund 1.380 Dollar.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.199,02
Differenz relativ
-0,71%
Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.020,44
Differenz relativ
-0,00%

Nur ein Dax-Gewinner

Einziger Dax-Gewinner war Merck mit einem Plus von 0,3 Prozent. Die Bank Morgan Stanley hat nämlich die Aktien des Pharma- und Spezialchemiekonzerns zum Kauf empfohlen. "Merck ist die am meisten unterschätzte Restrukturierungs-Geschichte im europäischen Pharmasektor", urteilen die Analysten. Das Kursziel liegt bei 142 Euro.

Autoaktien im China-Sog

Die schwachen China-Daten bremsten besonders die Autoaktien. Daimler-Titel rutschten um über drei Prozent ab, VW und BMW büßten über 2,5 Prozent ein. Würde die chinesische Wirtschaft an Schwung verlieren, würden die deutschen Autobauer weniger Autos im Reich der Mitte verkaufen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Bankaktien fallen in Ungnade

Zu den größten Verlierern gehörten europaweit die Finanzaktien. Dax-Schlusslicht war die Commerzbank-Aktie mit einem Minus von über sechs Prozent. Sie litt unter einer Herabstufung durch JPMorgan.

Bergab ging es auch mit der Deutschen Bank. Die Aktie verlor über drei Prozent. Knapp ein Jahr nach ihrem Amtsantritt hat die Doppelspitze des Geldinstituts auf der Hauptversammlung ihren Willen zu einem tiefgreifenden Umbau des Konzerns bekräftigt. Co-Chef Anshu Jain erklärte in einer auf Deutsch gehaltenen Rede, das Management habe erkannt, dass ein umfassender "Kulturwandel" nötig sei. Der Weg dahin brauche Zeit. Die Aktionäre zeigten sich ungeduldig. Sie wollten endlich Taten sehen. Überschattet wurde die HV von heftigen Protesten der Blockupy-Bewegung.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%

Lanxess erwartet besseres zweites Quartal

Neben der Deutschen Bank lud auch Lanxess seine Aktionäre zur Hauptversammlung ein. Dort verbreitete Vorstandschef Axel Heitmann leichte Zuversicht. Zwar sei das Jahr bisher schwierig, das zweite Quartal werde aber besser ausfallen. "Wir gehen davon aus, dass die momentane Nachfrageschwäche von temporärer Natur ist." Für 2013 bekräftigte er die Prognose. Die Lanxess-Aktie verlor zwei Prozent.

Salzgitter bleibt vage

Auf ein hartes Jahr schwörte Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann die Aktionäre ein. Er kündigte auf der Hauptversammlung eine tiefgreifende Restrukturierung des Stahlkonzerns an, nannte aber keine Details. Der Sanierungsplan soll im Sommer präsentiert werden.

Aixtron stellt neue Strategie vor

Konkreter war Aixtron auf seiner Hauptversammlung. Das Aachener Unternehmen stellte ein "5-Punkte-Programm" vor, mit dem die Firma wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren will. Jede fünfte Stelle in Deutschland soll wegfallen. Für Analysten brachte das Programm nicht viel Neues. Die Aktie von Aixtron sackte im TecDax um 2,6 Prozent ab.

SMA Solar plant harte Einschnitte

Ebenfalls Stellenstreichungen waren das Thema auf der Hauptversammlung von SMA Solar. Der Wechselgeräte-Hersteller kündigte an, Mitarbeiter aus allen Bereichen entlassen zu müssen. Wie viel Jobs gekappt werden, ließ aber Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon offen. Die Aktie gab über drei Prozent nach.

Norma ex Dividende

Aktien der Norma Group wurden heute ex Dividende gehandelt und waren hinter Celesio zweitschwächster Wert im MDax. Der Hersteller von Verbindungstechnik schüttet 0,65 Euro je Titel aus.

Leifheit wird doch nicht verkauft

Um über zehn Prozent brachen die Aktien von Leifheit ein. Die Großaktionäre, die Familien Schuler-Voith und Knapp-Voith, die rund 60 Prozent an der Haushaltsgeräte-Firma halten, entschieden, dass Leifheit nun doch nicht verkauft wird. Die Differenzen mit den zahlreichen Interessenten seien zu groß gewesen. Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung muss Vorstandschef Georg Thaller zum Monatsende den Hut nehmen.

Halloren findet auch im Ausland Geschmack

Schokolade aus Halle ist zunehmend im Ausland gefragt. Die Schokoladenfabrik konnte im ersten Quartal ihren Umsatz dank der wachsenden Nasch-Lust in Europa um rund 25 Prozent auf 22,5 Millionen Euro erhöhen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg leicht auf 0,73 Millionen Euro. Den Anlegern schmeckten die Zahlen. Die Aktie gewann 0,6 Prozent.

Bei Deag spielt die Musik

Noch besser kamen die Zahlen von Deag an. Die Aktien legten über fünf Prozent zu. Die Deag Deutsche Entertainment hat im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern lag mit 1,2 Millionen Euro um gut zehn Prozent über dem Vorjahreswert von 1,1 Millionen Euro.

Kaufempfehlung für die BVB-Aktie

Zwei Tage vor dem mit Spannung erwarteten Champions-League-Finale in Wembley gegen Bayern München gab's Vorschusslorbeeren für Borussia Dortmund. "Der BVB ist schon der Gewinner", erklärten die Analysten von Close Brothers. Sie empfahlen die Aktie zum Kauf. Dennoch schloss der Fußball-Titel im Minus.

Agennix geht unter

Während Dietmar Hopp wieder auf den Klassenerhalt seines Klubs 1899 Hoffenheim hoffen kann, hatte er mit seiner Beteiligung Agenixx Pech. Das Biotech-Unternehmen wird nach zahlreichen Fehlschlägen aufgelöst. Die Aktionäre beschlossen auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch die Liquidation der börsennotierten Gesellschaft. Die Aktie brach über 16 Prozent ein und ist nur noch zehn Cent wert.

Hewlett-Packard überrascht

Aus dem Ausland gab der weltgrößte Computerhersteller Hewlett-Packard ein neues Lebenszeichen. Zwar musste HP im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von zehn Prozent und einen Gewinneinbruch von 32 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar hinnehmen. Analysten mit einem noch schlechteren Abschneiden gerechnet. Zudem fiel der Ausblick auf das laufende Quartal besser aus als gedacht. Die Aktie sauste 14 Prozent nach oben.

Lenovo kommt HP näher

Derweil rückt der chinesische Computerhersteller Lenovo HP immer mehr auf die Pelle. Im vierten Quartal steigerte der Konzern seinen Gewinn um 90 Prozent auf rund 99 Millionen Euro und übertraf die Erwartungen. Dabei profitierte Lenovo vor allem von der kräftigen Nachfrage nach PCs und Smartphones im Heimatmarkt China. Den Gewinn im gesamten Geschäftsjahr 2012/13 steigerte das Unternehmen um ein Drittel auf rund 494 Millionen Euro.

Schoeller-Bleckmann leidet unter Investitionsflaute

Der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) hat zu Jahresbeginn weniger verdient. Bei einem um vier Prozent auf 115,8 Millionen Euro gesunkenen Umsatz schrumpfte das Betriebsergebnis (Ebit) etwas stärker als von Analysten erwartet um knapp 18 Prozent auf 23,2 Millionen Euro. Verantwortlich für den Ergebnisrückgang ist die Investitionszurückhaltung der großen Ölbohrfirmen. Einen Ausblick machte SBO nicht.

Swiss Life mit mehr Prämien

Swiss Life hat im ersten Quartal die Prämieneinnahmen um 14 Prozent auf 6,97 Milliarden Franken (5,5 Milliarden Euro) gesteigert, wie der Schweizer Lebensversicherer am Morgen mitteilte. Zu dieser Entwicklung trug insbesondere die nach wie vor große Nachfrage in der beruflichen Vorsorge bei. Gewinnzahlen veröffentlicht der Konzern aus Zürich nur zum Halbjahr und am Jahresende.

Kauffantasie treibt KPN

Übernahmespekulationen haben den Aktien des niederländischen Telekomkonzerns KPN Auftrieb gegeben. Die Titel stiegen zeitweise um bis zu 3,5 Prozent auf 1,72 Euro. Die britische Zeitung "Daily Mail" hatte berichtet, dass Großaktionär America Movil möglicherweise die gesamte Gesellschaft kaufen könnte. Der unter den Fittichen von Multimilliardär Carlos Slim stehende mexikanische Konzern könnte ein Barangebot von mehr als drei Euro je Aktie vorbereiten, hieß es.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen