Marktbericht 20:07 Uhr

Steigender Ölpreis stützt Dax Kursgewinne vor der Bilanzsaison

Stand: 11.04.2016, 20:07 Uhr

Dank der wieder anziehenden Ölpreise sind Dax, Dow & Co positiv in die neue Woche gestartet. Nun richten sich die Blicke auf den Beginn der US-Berichtssaison. Anleger hoffen auf positive Überraschungen.

Mit der nachösterlichen Ruhe ist es nun bald vorbei. Ab heute abend lassen die Unternehmen wieder Zahlen sprechen. Der US-Aluminiumhersteller Alcoa gibt traditionell den Startschuss zur Berichtssaison für das abgelaufene Quartal. Die Erwartungen sind bescheiden. Der Datendienst Factset erwartet für das erste Quartal 2016 einen Einbruch der Quartalsgewinne der S&P 500-Firmen um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Es kann nur besser werden...

"Die Vorzeichen könnten nicht schlechter sein", meint CMC-Markets-Analyst Andreas Paciorek. Angesichts der jüngsten Ölpreis-Erholung und des schwächeren US-Dollars könnte der Pessimismus jedoch übertrieben sein. Die Aussicht auf bessere Quartale steigt.

Dax auf Achterbahnfahrt

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.403,97
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Anleger zeigten sich zwischen Hoffen und Bangen auf die kommende Berichtssaison hin- und hergerissen. Am Ende überwog die Hoffnung. Der Dax schloss nach einer wilden Berg- und Talfahrt 0,6 Prozent höher im Xetra-Handel bei knapp 9.683 Punkten. Zeitweise war er bis auf 9.751 Zähler geklettert, nachdem er bis unter 9.600 Punkte abgerutscht war.

Wall Street kommt nur langsam auf Touren

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
Audio

Börse 20.15 Uhr

Noch größere Kursgewinne verhinderte die Wall Street. Nach einem freundlichen Handelsauftakt bröckelte das Kursplus in den ersten Handelsstunden. Zwei Stunden vor Feierabend notierte der Dow 0,4 Prozent höher. Im Blickpunkt der Anleger stand ein Treffen von US-Präsident Barack Obama und Fed-Chefin Janet Yellen. Dort soll es um die Reform der Wall Street gehen.

Ölpreise ziehen kräftig an

Unterstützung bekamen die Börsen vom Ölmarkt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um zwei Prozent auf 42,79 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ähnlich deutlich  auf 40,38 Dollar.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,17
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+1,01%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,31
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Euro bleibt über 1,14 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1424
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+0,05%

Der Euro zog nach einem kurzen Schwächeanfall wieder an und überwand wieder die Marke von 1,14 Dollar. Die Gemeinschaftswährung war zeitweise auf 1,1374 Dollar zurückgefallen, was am europäischen Aktienmarkt für Erleichterung sorgte. Denn ein schwacher Euro kommt vor allem den exportorientierten Firmen zu Gute, deren Waren wechselkursbedingt dadurch günstiger werden.

Gold heiß begehrt

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.220,84
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-0,03%

Anleger suchten Zuflucht in der Krisenwährung Gold. Eine Feinunze verteuerte sich um ein Prozent auf über 1.255 Dollar. Das ist der höchste Stand seit drei Wochen. "Die lockere Geldpolitik vieler Zentralbanken spricht mittel- bis langfristig für höhere Goldpreise", sagte Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht.

Italien-Hoffnung treibt Bankenwerte

Besonders europäische Bankenwerte waren am Montag gefragt. Die Aktien der Commerzbank stiegen um über drei Prozent und waren Spitzenreiter im Dax. Händler verwiesen auf Spekulationen über die Schaffung eines Hilfsfonds für italienische Banken. Die Aktien der UniCredit und Intesa San Paolo gewannen über sechs Prozent.

Heta-Streit spitzt sich zu

Der von Österreich verhängte Schuldenschnitt bei der Krisenbank Heta (Hypo Alpe Adria) belastete die Finanzwerte nicht. Die Gläubiger müssen auf mehr als die Hälfte ihrer elf Milliarden Euro verzichten. Viele deutsche Institute sind davon betroffen, darunter die Commerzbank, die Allianz und die Münchener Rück. Es droht ein langer Rechtsstreit. "Mit dem Schuldenschnitt wird Österreich, der neue europäische Schurkenstaat, nicht durchkommen", warnte ein Banker. "Anliegen von Kärnten ist es weiterhin, eine außergerichtliche Lösung zu Stande zu bringen, aber nicht um jeden Preis", sagte Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser am Montag.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
193,00
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+0,63%
Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
190,64
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+0,74%

Stählerne Gewinner

Stahlwerte zählten weiterhin zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt. Im Dax stieg Thyssenkrupp um über 2,5 Prozent, im MDax war Salzgitter mit einem Plus von knapp drei Prozent Spitzenreiter. Die Hoffnung auf Hilfen aus der Politik und die Spekulationen um eine Konsolidierung der Branche beflügelten die Stahlwerte.

Autoaktien geben wieder Gas

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten am Montag auch die Autowerte. Die Titel von VW stiegen um über zwei Prozent, die Aktien von Daimler 1,8 Prozent, die Papiere von BMW um knapp ein Prozent. Das Wachstum des für deutschen Autobauer so wichtigen chinesischen Automarkts hat sich im März dank der anhaltenden Steuererleichterungen und Rabattaktionen einiger Hersteller wieder beschleunigt. Die Zahl der verkauften Autos stieg um fast acht Prozent auf 1,92 Millionen Stück.

Henkel-Chef geht- und warnt

Viel Lob gab es zum Abschied des Henkel-Chefs Kasper Rorsted auf der Hauptversammlung in Düsseldorf. Der Börsenwert des Markenartiklers habe sich seit seinem Antritt 2008 in etwa vervierfacht, sagte die Aufsichtsratschefin Simone Bage-Trah. Das stregische Umsatzziel wird Rorsted aber wohl 2016 verfehlen. Es sei "eher unwahrscheinlich", dass dem Konzern eine Punktlandung bei dem für 2016 angestrebten Ziel von insgesamt 20 Milliarden Euro gelinge, räumte Rorsted ein. Er wechselt zu Adidas.

Schwacher Start von SAP

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
91,96
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+0,28%

Bereits am Wochenende hat SAP die deutsche Berichtssaison eröffnet. Zwar konnte der Softwarekonzern im ersten Quartal Umsatz und operatives Ergebnis steigern, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Vor allem in Nordamerika habe bei den Softwareerlösen das Jahr "schwächer als erwartet" begonnen, teilte SAP mit. Die Aktie gehörte zu den wenigen Dax-Verlierern am Montag.

Boeing deklassiert Airbus

Schlusslicht im MDax war Airbus. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern ist überraschend schwach ins neue Jahr gestartet. Im ersten Quartal holte Airbus nur zehn Aufträge an Land. Das ist der schlechteste Jahresauftakt seit 2011. Boeing dagegen verbuchte 122 Orders. Auch bei den Auslieferungen hatte der US-GFlugzeughersteller die Nase vorn. Er brachte 176 Flugzeuge an die Kunden, bei Airbus waren es lediglich 125.

Fintech Group expandiert

Um über zwei Prozent legten die Aktien der Fintech Group zu. Das im Entry Standard notierte Unternehmen hat nach vorläufigen Zahlen das Jahr 2015 mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 19 Millionen Euro abgeschlossen. Die Online-Brokerage-Tochter Flatex profitierte dabei weiterhin von ihrer trading-affinen Kundschaft. Fintech bekräftigte sein Ziel, 2016 ein Ebitda von bis zu 35 Millionen Euro zu erzielen.

Kurssprung von Siltronic

Im TecDax ragten die Aktien von Siltronic positiv heraus. Sie stiegen um über vier Prozent, zeitweise noch stärker. Die Papiere waren im Januar eingebrochen und hatten sich dann etwas erholt. Die jüngste Erholung hatten Händler mit einem vagen Spekulationen um eine mögliche Fusion in der Halbleiterbranche begründet.

LVMH wächst weniger stark

Aus Frankreich meldete LVMH Umsatzzahlen zum ersten Quartal. Der Luxusgüter-Konzern wuchs um lediglich drei Prozent - ohne Zu- und Verkäufe sowie Wechselkurseffekte. Analysten hatten mit einem Plus von über vier Prozent gerechnet. Besonders das schleppende Geschäft in Frankreich belastete LVMH.

Weltgrößter Hotel-Konzern entsteht

Die US-Branchenriesen Marriott und Starwood können ihre 12,4 Milliarden Dollar schwere Fusion zum weltgrößten Hotel-Konzern wie geplant vorantreiben. Die Aktionäre segneten den Plan mit breiter Mehrheit ab. Es entsteht ein globaler Branchenführer mit mehr als 5.500 Hotels und über einer Million Betten.

GoldmanSachs muss fünf Milliarden zahlen

Kurz vor Beginn der Berichtssaison der US-Großbanken meldete Goldman Sachs einen neuen milliardenschweren Vergleich. Im US-Hypothekenstreit zahlt das Geldhaus rund fünf Milliarden Dollar. Dabei geht es um Vorgänge von 2005 bis 2007.

Dritter Interessent für Yahoo-Übernahme

Die britische Boulevardzeitung "Daily Mail" hat ihr Interesse an dem Internet-Konzern Yahoo bestätigt. Die Verhandlungen seien aber noch in einer frühen Phase, so eine Sprecherin von DailyMail.com, und es gebe keine Gewissheit, ob eine Einigung zustande kommt. Zuvor hatten bereits Google und Verizon Interesse für Yahoo signalisiert. Bis 11. April läuft eine Bieterrunde für das Kerngeschäft von Yahoo.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"