Kursgewinne verzweifelt gesucht

Stand: 14.12.2011, 20:00 Uhr

Der Frankfurter Aktienmarkt hat am Mittwoch an seinen zu Wochenbeginn eingeschlagenen Abwärtstrend angeknüpft. Fehlende Signale der US-Notenbank Fed sorgten ebenso für eine Enttäuschung wie schlechte Konjunkturmeldungen und die weiter schwelende Schuldenkrise.

Viele Anleger seien einfach enttäuscht darüber, dass das jüngste EU-Gipfeltreffen keine Lösung der Schuldenkrise aufgezeigt habe. "Die ganzen Gipfeltreffen haben nichts gebracht und dafür werden wir bald den Preis zu zahlen haben" so ein Marktstratege. Vor allem die weiterhin drohende Bonitätsabstufung zahlreicher Euro-Staaten sorge für Verunsicherung.

Der Dax hat am Mittwoch auf seine Tagestief geschlossen, bei 5.675 Punkten, ein Minus von 1,7 Prozent oder 99 Punkten. Seit seinem Hoch Anfang vergangener Woche hat der Leitindex damit bereits mehr als sieben Prozent an Wert verloren. Auch am Abend geht es deutlich bergab. Und glaubt man den Charttechnikern dürfte es mit dem Leitindex weiter abwärts gehen.

"Derzeit scheinen nahezu täglich neue zyklische Tiefstände auf der Agenda zu stehen", beobachtet die technische Analystin von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Jana Meier. Charttechnisch stelle dabei vor allem der Anfang des Monats gescheiterte Angriff auf den alten Aufwärtstrend seit September bei aktuell 6.386 Punkten einen Belastungsfaktor dar. Zusammen mit dem entscheidenden Widerstand aus diversen Hochs sowie dem Abwärtstrend seit Juli hätten sich die Aktienmarktbullen die Zähne ausgebissen. Per Saldo begünstige diese Entwicklung weitere Kursverluste, so die Analystin.

Fallende Rohstoffpreise und anhaltende Sorgen über die Schuldenkrise in Europa haben auch die New Yorker Aktienmärkte am Mittwoch belastet. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt gut 100 Punkte (-0,8 Prozent) niedriger bei 11.851 Punkten. "Es ist nun klar, dass die EU nicht genug unternommen hat - zumindest haben die Märkte diesen Eindruck", sagte Analystin Doreen Mogavero. Es herrsche große Unsicherheit darüber, inwieweit die Schuldenprobleme in Europa die wirtschaftliche Erholung auch in den USA beeinträchtigen könnten.

Euro, Gold und Öl billiger
Derweil geht die Talfahrt des Euro weiter. Am Abend rutscht die Gemeinschaftswährung auf 1,296 Dollar ab, nachdem sie am Nachmittag bereits unter 1,30 Dollar gefallen war. Ein Ende der Euro-Talfahrt ist nach Einschätzung von Analysten nicht in Sicht. Sollte sich die Schuldenkrise verschlimmern und tatsächlich mehrere Staaten heruntergestuft werden oder weitere Probleme im Bankensektor auftauchen, könnte der Euro dauerhaft unter die Schwelle von 1,30 Dollar fallen, so die Einschätzung.

Auch mit dem Goldpreis geht es abwärts. Das Edelmetall verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 1.602 Dollar je Feinunze. Allein seit Anfang Dezember hat der Goldpreis bereits gut acht Prozent eingebüßt.

Die Ölpreise haben am Mittwoch ebenfalls nachgegeben und bis zum Abend ihre Verluste deutlich ausgeweitet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Januar-Lieferung kostete 105,73 Dollar. Das waren 3,77 Dollar weniger als am Dienstag. Ein Fass der US-Referenzsorte WTI verbilligte sich um 4,44 Dollar auf 95,71 Dollar.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,64
Differenz relativ
-3,04%

Caterpillar fällt trotzdem
Überall auf der Welt wird gebaut und gegraben, also hat auch der weltgrößte Baumaschinen-Hersteller Hochkonjunktur. Die Geschäfte laufen so gut, dass das Unternehmen im kommenden Jahr eine Absatz- und Umsatzsteigerung von zehn bis 20 Prozent erwartet. In diesem Jahr werden 58 Milliarden Dollar erwartet. Dazu ein Gewinn je Aktie von 6,75 Dollar, ohne Sonderposten von 7,25 Dollar. Die Aktie fällt trotzdem.

Berlin hievt Commerzbank an Dax-Spitze
Nach anfänglichen Verlusten ist die Commerzbank-Aktie am frühen Nachmittag kräftig ins Plus gedreht und ist mit einem Zuwachs von mehr als fünf Prozent der mit Abstand stärkste Wert im Leitindex. Grund ist offenbar der Beschluss des Bundeskabinetts, den vor einem Jahr stillgelegten staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin wieder zu aktivieren. Der entscheidende Punkt des Gesetzentwurfes sei die Tatsache, dass Banken künftig Staatsanleihen in eine Bad Bank unter dem Dach des SoFFin auslagern könnten, sagte ein Börsianer.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,27
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,37
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,72
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China drückt Auto-Aktien
Die Ankündigung chinesischer Strafzölle auf in Amerika gebaute Autos drückt auch die deutschen Hersteller ins Minus. Die Aktie von BMW ist sogar der größte Verlierer im Dax mit einem Abschlag von über fünf Prozent. Auch Daimler und Volkswagen gehören mit Kursverlusten von je drei und 4,5 Prozent zu den schwächsten Werten im Dax. Dem chinesischen Handelsministerium zufolge werden für Fahrzeuge der großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler sowie für ausländische Produzenten mit Werken in den USA Zusatzabgaben in Höhe von zwei bis 21,5 Prozent fällig.

Metro muss warten
Überdurchschnittliche Verluste verbucht auch die Metro-Aktie. Der Aufsichtsrat des Handelsriesen wird bei seiner Sitzung am Freitag Kreisen zufolge noch nicht endgültig über einen Verkauf der Warenhauskette Kaufhof an die Signa-Holding des österreichischen Investors Rene Benko entscheiden. "Ich erwarte keinen finalen Beschluss", sagte eine Person aus dem Umfeld des Kontrollgremiums am Mittwoch Reuters.

Crédit Agricole in den Miesen
Bergab geht es auch mit der Aktie von Frankreichs zweitgrößter Bank Crédit Agricole. Wegen Abschreibungen im Investmentbanking wird der Konzern in diesem Jahr in die roten Zahlen rutschen. Die Abschreibungen betrügen 2,5 Milliarden Euro, teilte das Institut am Mittwoch mit. Um seine Kapitalausstattung zu schützen, will die Crédit Agricole in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Die verschärften Eigenkapitalregeln nach dem Basel-III-Abkommen werde die Bank aus eigener Kraft erfüllen, erklärte Konzernchef Jean-Paul Chifflet.

Tui gut in Form
Deutlich aufwärts geht es dagegen mit der Aktie von Tui. Sie ist mit einem Kursgewinn von gut fünf Prozent der größte Gewinner im MDax. Der Reise- und Schifffahrtskonzern hat im vergangenen Geschäftsjahr sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um knapp zwei Prozent auf 600 Millionen Euro gesteigert und damit die Erwartungen übertroffen.

Thomas Cook tiefrot
Deutlich schlechter lief es dagegen für Europas zweitgrößten Reisekonzern Thomas Cook (Neckermann, Condor). Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 einen Verlust von 521 Millionen Pfund gemacht. Im Vorjahr hatte das Minus nur bei 3 Millionen gelegen. Thomas Cook begründete das schwache Abschneiden mit den Unruhen in Nordafrika.

Solon bricht ein
Um rund 45 Prozent bricht die Aktie von Solon ein, nachdem das Unternehmen am Morgen Insolvenz anmelden musste. Zwar habe sich Solon seit Monaten intensiv um eine finanzielle Restrukturierung bemüht und Gespräche mit Investoren, Banken und Bürgen geführt. Die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung sind aber gescheitert. Im Schlepptau fallen auch andere Solaraktien überdurchschnittlich.

Adler stürzt ab
Um bis zu 27 Prozent bergab geht es mit der Aktie des Billigmodeanbieters Adler. Das Unternehmen erwartet ein im Vorjahresvergleich um 20 Prozent sinkendes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Adler begründete das mit der Schwäche im Textilmarkt und einem verhaltenen Winter- und Weihnachtsgeschäft.

Nexon-Börsengang enttäuscht
Der mit Spannung erwartete Börsenstart des asiatischen Online-Spiele-Spezialisten Nexon ist zur Enttäuschung geworden. Die Aktie schloss am ersten Tag in Tokio unter ihrem Ausgabepreis. Dabei war es mit einem Volumen von umgerechnet gut 960 Millionen Euro der größte Börsengang in Japan in diesem Jahr. Das schwache Debüt von Nexon wirft auch einen Schatten auf den für Ende der Woche erwarteten Börsengang des amerikanischen Rivalen Zynga, der vor allem für Facebook-Spiele wie "Farmville" bekannt ist.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr