Kursfeuerwerk nach dem EU-Gipfel

Stand: 27.10.2011, 20:07 Uhr

Die Beschlüsse auf dem EU-Gipfel haben am Donnerstag an den Aktienmärkten für Jubelstürme gesorgt. Der Dax machte einen Riesensprung nach oben - angetrieben von den Bankentiteln. Gute Quartalszahlen und US-Konjunkturdaten heizten die Euphorie der Anleger an.

Es war zwar nicht der ganz große Wurf, aber zumindest eine Einigung in wichtigen Fragen zur Lösung der Schuldenkrise, der auf dem EU-Sondergipfel in Brüssel vollzogen wurde. Das reichte, um die Anleger in Hochstimmung zu versetzen. Der Dax sauste um über fünf Prozent nach oben auf knapp 6.338 Punkten. Im späten Parketthandel ging es noch weiter nach oben. Der L/E-Dax schloss bei 6.344 Zählern.

Noch stärkere Zuwächse verzeichnete der EuroStoxx50 mit einem Plus von sechs Prozent. Es war der höchste Tagesgewinn seit anderthalb Jahren. Ähnlich gut entwickelten sich der französische Cac 40, der österreichische Leitindex ATX sowie die griechischen und italienischen Börsen, die gut sechs Prozent zulegten. Die Freude griff auch auf die Wall Street über. Die US-Börsen stiegen um gut drei Prozent.

Der Euro machte einen Freudensprung auf zeitweise über 1,42 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit sieben Wochen. Die Ölpreise zogen ebenfalls kräftig an. Ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich um drei Dollar auf knapp 112 Dollar.

Staatschefs beschließen griechischen Schuldenschnitt
Die Erleichterung über das auf dem EU-Gipfel beschlossener Maßnahmenpaket zur Lösung der Schuldenkrise und die vorläufige Rettung Griechenlands war den Anlegern sichtlich anzumerken. "Jede Einigung ist besser als keine Einigung", meinte ein Börsianer. "Der Umfang der Einigung ist beachtlich und sollte beklatscht werden", lobte Mark Burgess, Chief Investment Officer des Vermögensverwalters Threadneedle. Nach langem Tauziehen vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder auf zahlreiche Maßnahmen zur Abwehr der Schuldenkrise, unter anderem den seit langem erwarteten Schuldenschnitt Griechenlands in Höhe von 50 Prozent oder 100 Milliarden Euro der ausstehenden griechischen Staatsanleihen. Dabei sollen sich die Gläubiger, insbesondere Banken, freiwillig an der Rettung Griechenlands beteiligen und auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Zudem verständigten sich die Staats- und Regierungschefs auf eine "Hebelung" des Euro-Rettungsschirms.

Nicht alle Marktteilnehmer teilten freilich die Euphorie. "Die Ergebnisse entsprechen dem, was der Markt erwartet hat - nicht mehr aber auch nicht weniger", kritisierte Anja Mikus, Portfolio-Managerin der Fondsgesellschaft Union Investment. Vom "großen Wurf" könne keine Rede sein.

US-Wirtschaft kommt wieder auf Touren
Doch solche kritischen Worte wollte am Donnerstag niemand hören. Zumal auch aus den USA vielversprechende Konjunkturdaten kamen und die Rezessionsbefürchtungen zerstoben. Die US-Wirtschaft nahm im dritten Quartal wieder an Fahrt auf und wuchs um 2,5 Prozent. Damit hat sich das Wachstumstempo im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich beschleunigt. Im Frühjahr legte das BIP nur um 1,3 Prozent zu. Die Verbraucher gaben im dritten Quartal 2,4 Prozent mehr Geld aus.

Da konnten die Anleger auch schlechte Nachrichten verschmerzen, dass die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe etwas stärker stiegen als erwartet und die neuesten Immobiliendaten überraschend schwach ausfielen. Die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe sank im September saisonbereinigt um 4,6 Prozent. Volkswirte hatten hingegen einen leichten Anstieg vorhergesagt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Run auf Finanztitel
Nach dem EU-Gipfel waren weltweit Finanztitel gefragt. Die Aktien der stark in Griechenland engagierten französischen Großbanken Crédit Agricole, BNP Paribas und Société Générale verzeichneten ein Kursplus von bis 23 Prozent. Der europäische Bankenindex kletterte um zehn Prozent nach oben. Das färbte auch auf deutsche Bankentitel ab. Die Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank stiegen zweistellig. Mit einem Plus von über 16 Prozent waren die Commerzbank-Titel der Gewinner des Tages, dicht gefolgt von den Aktien der Deutschen Bank, die 15 Prozent zulegten. Die Banken seien mit einem blauen Auge davongekommen, meinten Experten. Sowohl der Schuldenschnitt von 50 Prozent als auch die geforderte Kapitalisierung von 106 Milliarden Euro seien geringer als befürchtet. Die Commerzbank erklärte, dass sie für die zusätzlich benötigten drei Milliarden Euro für die erforderliche Kernkapitalquote von neun Prozent keine Staatshilfe brauche. "Wir können die geforderte Quote durch den Abbau von Risikoaktiva, den Verkauf von nicht-strategischen Assets oder einbehaltenen Gewinnen sicherstellen", versicherte Finanzchef Eric Strutz.

Allianz sieht keine neuen Belastungen
Die anderen Finanztitel wie die Aktien der Allianz stiegen ebenfalls überdurchschnittlich. Die deutschen Versicherer erklärten, den Schuldenerlass für Griechenland mitzutragen. "Das ist kurz- und langfristig eine sinnvolle Lösung", sagte Nikolaus von Bomhard, Chef der Münchener Rück. Die Allianz erwartet trotz des Schuldenschnitts keine weiteren Belastungen für das vierte Quartal. Der Versicherer hatte im zweiten Quartal seine Hellas-Bonds auf durchschnittlich 54 Prozent des Nominalwerts abgeschrieben.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW weiter auf Rekordfahrt
Neben den Banken feierten die Anleger auch VW. Die Aktien katapultierten sich um über zehn Prozent nach oben. Der Wolfsburger Autobauer hat im dritten Quartal erneut die Erwartungen übertroffen und mit knapp 2,9 Milliarden Euro fast die Hälfte mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um ein Viertel auf 38,5 Milliarden Euro zu. Triebfedern des Konzerns waren erneut Audi und die VW-Kernmarke. Selbst das spanische Sorgenkind Seat halbierte seinen Verlust. Allerdings warnte Konzernchef Martin Winterkorn vor Euphorie. Im vierten Quartal werde die Schuldenkrise die Nachfrage in vielen Märkten Westeuropas belasten. In Asien und Amerika werde sich aber die positive Entwicklung fortsetzen. In den ersten neun Monaten hat VW mit fast neun Milliarden Euro bereits jetzt schon mehr verdient als im gesamten vorigen Jahr (7,1 Milliarden Euro).

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Kratzer in der Daimler-Bilanz
Dagegen ist der schwäbische Autobauer Daimler etwas aus der Spur geraten. Der Gewinn sank von 1,61 auf 1,36 Milliarden Euro. Schuld sei die Umstellung der Modellpalette, rechtfertigten sich die Schwaben. Der Umsatz stieg von 25,1 auf 26,4 Milliarden Euro und lag im Rahmen der Erwartungen. Die Daimler-Aktien legten nur drei Prozent zu - und hinkten dem Gesamtmarkt hinterher.

Chrysler rettet Fiat
Überraschend gute Zahlen kamen auch von anderen Autobauern. So steigerte Fiat seinen Gewinn um das Dreifache auf 851 Millionen Euro - dank Chrysler. Der lange defizitäre US-Autobauer trug 212 Millionen Dollar zum Gewinn bei. Im Vorjahresquartal hatte Chrysler noch einen kleinen Verlust eingefahren. Für das Gesamtjahr rechnet Chrysler nun mit einem Überschuss von etwa 600 Millionen Dollar.

Renault wächst in Russland und Brasilien
Renault trotzte ebenfalls dem schwierigen europäischen Heimatmarkt. Trotz eines Rückgangs der Absatzzahlen um vier Prozent in Europa gelang es dem französischen Autobauer, den Umsatz weltweit um gut 12 Prozent auf 9,75 Milliarden Euro zu erhöhen. Vor allem in Brasilien und Russland war die Nachfrage groß.

BASF verdient weniger
Mit guten Zahlen glänzten auch die anderen Dax-Konzerne. So zum Beispiel BASF. Der weltweit größte Chemiekonzern hat im dritten Quartal den Umsatz um fast zwölf Prozent auf 17,6 Milliarden Euro gesteigert. Der Ausfall der Ölförderung drückte aber das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (Ebit) um gut elf Prozent auf unter zwei Milliarden Euro. Die Aktien gewannen über sieben Prozent.

Bayer überzeugt
Auch der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat im dritten Quartal unerwartet positiv abgeschnitten. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und Sonderposten kletterte um über acht Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Besonders gut lief das Gesundheits- und Agrochemiegeschäft, während das Kunststoffgeschäft wegen hoher Energie- und Rohstoffkosten schwächelte. Die Bayer-Aktien stiegen um sieben Prozent.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa vor stürmischen Zeiten
Weniger gut erging es der Lufthansa. Wegen der nachlassenden Ticketnachfrage, der Unruhen in Nordafrika und hoher Kerosinpreise hat die Airline im dritten Quartal etwas Federn lassen müssen. Der um 21 Prozent geschrumpfte Gewinn war aber erwartet worden. Der Umsatz stieg derweil um sieben Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Lufthansa-Chef Christoph Franz kündigte an, sich rasch von den Verlustbringern zu trennen. So soll die defizitäre Tochter British Midland (bmi) bis zum Jahresende komplett verkauft sein. Zudem sollen ältere Flugzeuge stillgelegt werden. Für das kommende Jahr strich die Lufthansa die Wachstumspläne zusammen. Die Kapazitäten im Passagiergeschäft sollen nur noch um drei Prozent statt der bislang geplanten neun Prozent wachsen. Die Aktien hoben zunächst kräftig ab, büßten dann aber einen Teil der Gewinne wieder ein.

Deutsche Börse kauft Aktien zurück
Nach einem starken dritten Quartal hat die Deutsche Börse ihre Kostenprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Statt 1,13 Milliarden werden jetzt noch Kosten in Höhe von 1,145 Milliarden Euro erwartet. Gleichzeitig kündigte der Börsenbetreiber vor der Fusion mit der New Yorker Börse ein Aktienrückkaufprogramm an. Bis Ende des Jahres sollen Aktien im Wert von rund 100 Millionen Euro zurückgekauft werden. Im dritten Quartal steigerte die Deutsche Börse den Umsatz um ein Fünftel auf 605 Millionen Euro und den Gewinn gar um das Doppelte auf 315 Millionen Euro. Die Aktien legten knapp fünf Prozent zu.

Takkt gut im Takt
Aus der zweiten Reihe ragte Takkt heraus. Die Aktien des Versandhändlers sprangen im SDax um neun Prozent nach oben. Die Neunmonatszahlen überzeugten die Anleger. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 633,6 Millionen Euro. Das Ebitda stieg um 30 Prozent auf 99,1 Millionen Euro. Takkt bekräftigte seinen Ausblick für das laufende Jahr.

Bei Gildemeister brummt's
Gut abgeschnitten hat auch der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister. Er erhöhte im dritten Quartal seinen Umsatz um 27 Prozent auf 419,7 Millionen Euro. Das Ebit konnte fast auf 34 Millionen Euro verdoppelt werden. Die Analystenerwartungen wurden klar übertroffen. Vor allem in China kann sich Gildemeister vor Aufträgen nicht retten. "Wir sind in unserem Werk in China ausverkauft und produzieren rund um die Uhr", sagte Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza. Zudem gab Gildemeister einen optimistischen Ausblick für 2012. Asien werde im kommenden Jahr weiter gut laufen, während sich das Europa-Geschäft abflachen werde, erklärte Kapitza. Die Aktien legten sechs Prozent zu.

Vossloh hat ein China-Problem
Gar nicht gut läuft es dagegen für den Verkehrstechnik-Konzern Vossloh in China. Die Geschäfte entwickelten sich dort schleppend. Wegen der China-Probleme fiel der Umsatz um acht Prozent auf 302 Millionen Euro. Das Ebit schrumpfte um fast die Hälfte auf 23,5 Millionen Euro. Die Aktien verbuchten dennoch ein Kursplus von knapp fünf Prozent. Das Schlimmste sollte nun vorüber sein, meinte ein Börsianer.

Rhön Klinikum stagniert
Der private Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum hat derweil die Anleger mit schwachen Zahlen verschreckt. Der Gewinn stagnierte überraschend im dritten Quartal bei 36,1 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 660 Millionen. Anleger hatten sich mehr versprochen und straften die Aktie ab. Sie brach um sechs Prozent ein und zierte das MDax-Ende.

Gesunde Zahlen von Marseille Kliniken
Dagegen konnten die Marseille-Kliniken überzeugen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im Geschäftsjahr 2010/11 um ein Drittel auf 5,7 Millionen Euro. Der Umsatz ging allerdings auf 190 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig gab Marseille die Ausgabe einer Anleihe bekannt, die die akuten Finanzierungsprobleme lösen soll. Das Eigenkapital erhöhte sich auf rund 34 Millionen Euro. Für 2011/12 stellte der Vorstand der Marseille-Kliniken gegenüber boerse.ARD.de eine Steigerung des Ebit auf einen zweistelligen Wert in Aussicht. Die Aktien schafften ein Plus von fast zehn Prozent und notierten somit fast wieder auf dem Niveau von Anfang des Jahres.

Comdirect profitiert von Schuldenkrise
Im Gegensatz zu den meisten Finanztiteln gaben die Aktien des Online-Brokers Comdirect leicht nach. Sie verloren über ein Prozent. Dabei haben die zurückliegenden turbulenten Börsenmonate der Online-Bank glänzende Geschäfte beschert. Im dritten Quartal lag das Vorsteuerergebnis bei 28,2 Millionen Euro. Im Gesamtjahr strebt Comdirect nun ein Ergebnis von mehr als 95 Millionen Euro an - nach bisher gut 90 Millionen.

KWS Saat: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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KWS ist vorsichtig
Der Saatguthersteller KWS hat seine Ziele im Geschäftsjahr 2010/11 übertroffen. Der Umsatz stieg um gut 13 Prozent auf rund 855 Millionen Euro, das Ebit um rund 42 Prozent auf knapp 117 Millionen Euro. "Die Saatgutnachfrage ist derzeit ungebrochen hoch", sagte Vorstandschef Philip von dem Bussche. Im laufenden Geschäftsjahr 2011/12 stellt sich KWS auf ein Umsatzplus von fünf Prozent ein. Hohe Forschungs- und Entwicklungskosten dürften aber zu einem Ebit-Rückgang auf gut 100 Millionen Euro führen. Wegen des vorsichtigen Ausblicks stagnierten die KWS-Aktien auf dem Vortagesniveau.

Aixtron mit Mini-Gewinn
Im TecDax waren vor allem Solarwerte stark gefragt. Zeitweise kletterten auch die Papiere von Aixtron zweistellig nach oben. Bis zum Abend gaben sie aber ihre Kursgewinne fast vollständig wieder auf. Der Spezialmaschinenhersteller hat im abgelaufenen Quartal wie erwartet einen Umsatzeinbruch auf knapp 90 Millionen Euro erlitten. Das Ebit schrumpfte zusammen und blieb mit 0,6 Millionen Euro gerade mal noch im positiven Bereich. Immerhin bestätigte das TecDax-Unternehmen seine bereits gesenkte Gesamtjahresprognose.

Cancom greift nach den Wolken
Der Griff nach den Wolken zahlt sich für das schwäbische IT-Systemhaus zunehmend aus. In den ersten neun Monaten verdiente Cancom unter anderem mit Cloud Computing vor Zinsen und Steuern 12,5 Millionen Euro. Das sind 58 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 387 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr stellte Cancom einen Rekordumsatz von 531 Millionen Euro und ein Ergebnis von 1,09 Euro je Aktie in Aussicht. Die Anleger sind zufrieden: die Aktien zógen um knapp drei Prozent an.

Villeroy& Boch bekräftigt Ausblick
Der Keramikhersteller Villeroy & Boch ist zuversichtlich, sein Jahresziel zu erreichen. Der Umsatz soll um fünf Prozent auf 760 Millionen Euro, das operative Ergebnis zweistellig auf 30 Millionen Euro zulegen. In den ersten neun Monaten lag das Ebit bei 16,9 Millionen Euro, der Umsatz bei 551,3 Millionen Euro. Das Weihnachtsquartal ist für Villeroy & Boch besonders wichtig. Die Aktien legen nur leicht zu.

Niederlage für Pfleiderer
Der hochverschuldete Holzverarbeiter Pfleiderer hat einen Rückschlag vor dem Gericht erlitten. Das Landgericht Frankfurt lehnte den Antrag von Pfleiderer ab, den beschlossenen Schuldenschnitt umzusetzen. Auf der Gläubigerversammlung war im Juni beschlossen worden, dem Unternehmen Schulden in Höhe von 330 Millionen Euro zu erlassen. Einige Anleger fühlten sich dadurch betrogen und klagten. Der Prozess der Anleger soll im November beginnen. Die Pfleiderer-Aktien legten fast drei Prozent zu.

Repower verschwindet von der Börse
Am Abend wurde bekannt, dass der Windanlagenbauer Repower nun komplett vom indischen Suzlon-Konzern kontrolliert wird. Die Aktien der Minderheitsaktionäre seien auf die AE Rotor Holding B.V. übertragen worden. Sie bekommen eine Barabfindung von 142,77 Euro je nennwertloser Stückaktie. Repower wird in Kürze vom Kurszettel verschwinden.

Shell und Exxon im Ölrausch
Aus dem Ausland meldeten ebenfalls zahlreiche Konzerne ihre Quartalszahlen. So konnte der Energieriese Shell seinen Gewinn auf knapp sieben Milliarden Dollar verdoppeln. Der Umsatz stieg um über ein Drittel auf 123 Milliarden Dollar. Neben dem hohen Ölpreis half auch der Verkauf von Vermögenswerten. Exxon Mobil profitierte ebenfalls vom teuren Öl. Der Konzern steigerte den Gewinn im abgelaufenen Quartal um 41 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar und den Umsatz um knapp ein Drittel auf 125,3 Milliarden Dollar. ExxonMobil betreibt in Deutschland die Esso-Tankstellen. Während die Shell-Aktien nur leicht zulegen, gewinnen die Exxon-Titel gut zwei Prozent.

P&G und Colgate trotzen Konjunkturflaute
Dank höherer Preise konnten die beiden US-Konsumgüterkonzerne Procter & Gamble (P&G) und Colgate-Palmolive der trüben Konjunktur trotzen. Procter & Gamble steigerte den Umsatz um knapp neun Prozent auf fast 22 Milliarden Dollar, verdiente allerdings etwas weniger. Für das Gesamtjahr rechnet der Hersteller von Gillette-Rasierklingen, Ariel-Waschmittel und Pampers-Windeln mit einem Wachstum von drei bis sechs Prozent. Colgate schaffte im abgelaufenen Quartal gar ein zweistelliges Umsatzplus von elf Prozent. Der Gewinn stieg um vier Prozent auf 643 Millionen Dollar. Für das Jahresende kündigte Colgate weitere Preiserhöhungen bei Spülmittel, Seifen, Zahnpasta und Reiniger an. Die Aktien von Colgate und Procter & Gamble notieren etwas höher.

Dow Chemical glänzt
Besonders gut an der Wall Street kamen die Zahlen von Dow Chemical an. Die Aktien sprangen um gut fünf Prozent nach oben. Der BASF-Konkurrent hat im dritten Quartal den Umsatz um 17 Prozent auf über 15 Milliarden Dollar und den Gewinn um 60 Prozent auf 815 Millionen Dollar erhöht. Preiserhöhungen machten die gestiegenen Rohstoffkosten mehr als wett. In China verzeichnete der Konzern Rekordumsätze. Die Zahlen zeigen, "dass Dow agil und flexibel auf sich rapide ändernde wirtschaftliche Bedingungen antwortet", erklärte Konzernchef Andrew Liveris.

United Continental leidet unter hohen Spritpreisen
Dagegen enttäuschte United Continental. Die weltgrößte Fluggesellschaft verdiente im dritten Quartal weniger als erwartet. Der Gewinn sank wegen der hohen Spritpreise um rund 15 Prozent auf 773 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg deutlich auf 10,17 Milliarden Dollar. Die Aktien von United Continental zählen zu den wenigen Verlierern am Donnerstag im Dow Jones.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr