Kursentscheidung naht

Detlev Landmesser

Stand: 04.10.2007, 20:24 Uhr

Den dritten Tag in Folge dümpelte der Dax um die Marke von 7.950 Punkten herum. Der L-Dax schloss kaum verändert bei 7.948 Punkten. Damit dürfte ein Kursimpuls in die eine oder andere Richtung kurz bevorstehen.

Dieser dürfte spätestens am Freitagnachmittag von den viel beachteten US-Arbeitsmarktdaten für den September ausgelöst werden. Derzeit wechseln sich nämlich Konjunktursorgen und die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der US-Notenbank ab.

Auf die unerwartet schwachen US-Industrieaufträge im August reagierte die Wall Street entsprechend verunsichert. Die Bestellungen waren im Vergleich zum Vormonat um 3,3 Prozent zurückgegangen, während Volkswirte im Schnitt nur mit minus 2,9 Prozent gerechnet hatten. Auch der deutsche Aktienmarkt bewegte sich den ganzen Tag über in einer engen Spanne.

Natürlich sind schwache Konjunkturdaten auf Dauer schlecht für die Kurse, denn sie werden Gewinneinbußen bei den Unternehmen nach sich ziehen. Zuletzt hatte aber die Hoffnung überwogen, die Bremsspuren in der Konjunktur würden die Fed zu weiteren Zinssenkungen animieren.

EZB spielt auf Zeit

Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ indessen heute wie erwartet ihren Leitzins bei 4,00 Prozent. Schon auf seiner letzten Sitzung im September hatte der EZB-Rat angesichts der Turbulenzen auf seine ursprünglich angekündigte Zinserhöhung verzichtet.

Den Euro schickten die Äußerungen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet auf der nachfolgenden Pressekonferenz auf eine Berg- und Talfahrt. Im Verlauf konnte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder über 1,41 Dollar befestigen. Einerseits erklärte Trichet, die Abwärtsrisiken für das Wachstum seien gestiegen. Andererseits sagte der oberste Währungshüter, die Risiken für die Preisentwicklung seien nach oben gerichtet und signalisierte damit, dass eine Zinserhöhung noch nicht endgültig vom Tisch ist.

MAN teuer wie nie
Mit bis zu 116,00 Euro erklomm die MAN-Aktie neue Rekordhöhen. Der Nutzfahrzeughersteller lieferte am Nachmittag eine Erklärung nach. Nutzfahrzeug-Chef Anton Weinmann zeigte sich zuversichtlich, die eigenen Absatzziele im laufenden und im kommenden Jahr zu übertreffen. "Wir werden in diesem Jahr mehr als 90.000 Lkw absetzen. Im kommenden Jahr werden es dann mehr als 100.000 sein", sagte der Manager. Erst im Sommer hatte er die Absatzziele auf 90.000 Lastwagen in diesem und 100.000 Lkw im nächsten Jahr angehoben.

Aus DaimlerChrysler wird Daimler
Auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin wurde die Trennung von Chrysler auch im Namen des Stuttgarter Autobauers vollzogen: Ab sofort heißt der Konzern "Daimler AG". Am Morgen hatte die wichtigste Sparte Mercedes Car Group (Mercedes-Benz, Smart und Maybach) mit 124.600 verkauften Neufahrzeugen noch erfreuliche Absatzzahlen für den September gemeldet. Das waren 7,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Licht und Schatten bei VW
Die VW-Aktie tendierte ebenfalls besser als der Markt. Nach mehreren Verlustjahren sieht Europas größter Autobauer auf dem US-Markt Licht am Ende des Tunnels. "Unsere Vertriebsorganisation schreibt zum ersten Mal wieder schwarze Zahlen - und das, obwohl wir in den USA bis zum September weniger Autos als im Vorjahr abgesetzt haben", zitierte das "Handelsblatt" USA-Chef Stefan Jacoby vorab aus seiner Freitagausgabe. Vom deutschen Markt gab es ebenfalls schwächere Zulassungszahlen. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts hat Volkswagen im September in Deutschland 13,8 Prozent weniger Autos verkauft als ein Jahr zuvor. Dagegen legte Porsche, mit knapp 31 Prozent größter VW-Anteilseigner, in Deutschland um 20,2 Prozent zu.

Erstes Bußgeld in Siemens-Schmiergeld-Affäre
Am Nachmittag verringerte die Siemens-Aktie ihren Tagesverlust. Die Staatsanwaltschaft München und die Steuerbehörden haben ihre Ermittlungen wegen schwarzer Kassen bei der einstigen Telekommunikationssparte Com eingestellt. Das Landgericht München habe eine Geldbuße von 201 Millionen Euro gegen den Konzern verhängt, teilte der Konzern mit. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen schwarzer Kassen über gut 200 Millionen Euro ermittelt. Die Ermittlungen gegen einzelne Manager laufen unterdessen weiter.

Eon steigt ins US-Windgeschäft ein
Der Energieriese Eon übernimmt für 1,4 Milliarden Dollar das Nordamerika-Geschäft des irischen Windparkbetreibers Airtricity. Damit erschließe sich Eon erstmals eine starke Wachstumsposition im Bereich der Erneuerbaren Energien außerhalb Europas, teilte der Energieriese am Nachmittag mit. Airtricity betreibe Windenergieanlagen in den US-Staaten Texas und New York. Für weitere Projekte seien Investitionen von rund 3,5 Milliarden Dollar bis 2011 notwendig. Die Transaktion muss noch von den US-Behörden gebilligt werden und soll zum Jahresende abgeschlossen werden.

Telekom: Doppelt hält besser
Die Deutsche Telekom geht offenbar auf Nummer sicher: Laut der "Financial Times Deutschland" bietet der Konzern für einen 49-prozentigen Anteil an der slowenischen Telekom Slovenije. Sowohl die kroatische Telekom-Tochter Hrvatski Telekom als auch die ungarische Tochter Magyar Telekom hätten eine Absichtserklärung für den Kauf abgegeben.

Branchensorgen belasten Infineon
Tagesverlierer im Dax war die Infineon-Aktie. Das Papier leide unter der Sorge vor einem Preiskampf in der Halbleiterbranche, sagten Marktbeobachter. Außerdem belasteten negative Analystenkommentare zu Intel und AMD.

Deutscher Maschinenbau brummt
Die positiven Nachrichten vom deutschen Maschinenbau reißen nicht ab: Wegen der guten Auftragslage hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Prognose für dieses Jahr ein weiteres Mal erhöht. Der Verband rechnet nun mit einem Produktionsanstieg von elf Prozent. Im Frühjahr hatte der VDMA die Prognose für 2007 von vier auf neun Prozent erhöht. Erstmals seit 1969 dürfte die Branche damit wieder ein zweistelliges Plus erreichen.

Bei Kuka und Gildemeister kamen noch Fusionsspekulationen hinzu - wobei das vermeintliche Ziel Kuka deutlich Federn lassen musste. "Da ist nichts dran. Wir planen auch weiterhin keine größeren Zukäufe", wies eine Gildemeister-Sprecherin die Spekulationen gegenüber dpa-AFX zurück.

Citigroup mag Rational
Im SDax lief es für Rational ziemlich gut, nachdem die Citigroup eine Kaufempfehlung für den Küchen-Hersteller ausgesprochen hatte. Gleichzeitig erhöhten die Analysten ihr Kursziel von 160 auf 165 Euro, da sie mit einem starken Quartalsbericht am 11. November rechnen.

Cessna-Kooperation von Thielert trägt Früchte
Die Thielert-Aktie lag ebenfalls gut im Rennen. Nach einer umfassenden Marktstudie und umfangreichen Flugtests hat der US-Flugzeugbauer Cessna angekündigt, ab Mitte 2008 Flugzeuge vom Typ Skyhawk 172S auch mit dem Thielert Turbodieselmotor auszuliefern, teilte Thielert mit. Im Juni hatte Firmenchef Frank Thielert von einer Vereinbarung über die größte Motorenlieferung der Unternehmensgeschichte gesprochen. Die zum Textron-Konzern gehörende Cessna hatte die Aussage daraufhin relativiert und betont, bei der erweiterten Kooperation gehe es um die Zusammenarbeit bei künftigen Programmen.

Nach oben ging es auch mit der Epigenomics-Aktie. Das Unternehmen hat in den USA Schlüsselpatente für sein Krebs-Testverfahren erhalten.

Hamburger Hafen geht an die Börse
Anfang November soll es den nächsten größeren Börsengang geben. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) will rund 30 Prozent des Grundkapitals an der Börse platzieren. Das Angebot betreffe ausschließlich den Teilkonzern Hafenlogistik, der Teilkonzern Immobilien mit der Hamburger Speicherstadt und der Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH komme nicht an die Börse, so das Unternehmen.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier