Kurseinbruch setzt sich fort

Mark Ehren

Stand: 21.01.2008, 20:02 Uhr

Als wäre der Crash des Dax noch nicht genug gewesen: Im späten Handel auf dem Frankfurter Börsenparkett gab es noch mehr Druck auf die Kurse. Der L-Dax sackte weiter ab.

Zum Handelsschluss um 20 Uhr lag der Index bei 6.758 Punkten und damit weitere 32 Zähler unterhalb des Xetra-Schlussstandes. Zuvor hatte der Dax bereits über 500 Punkte eingebüßt. Das war der größte Kurssturz seit dem 11. September 2001. Damit notiert der deutsche Leitindex so tief wie zuletzt im März vergangenen Jahres.

"Einen direkten Auslöser dafür gab es nicht", sagte ein Händler zu dem Kurseinbruch. "Das ist eine Mischung aus schwachen globalen Wirtschaftsdaten, schlechten Unternehmensbilanzen und der wachsenden Angst vor der Möglichkeit einer Rezession", ergänzte er.

Warten auf US-Anleger

Und vor solchen schlechten Nachrichten fürchten sich die Anleger nun einmal. Diese Furcht könnte auch am Dienstag die US-Börsen erreichen. Zumindest deuten die US-Futures auf einen ziemlichen schwachen Börsentag hin. Am Montag blieben die US-Börsen geschlossen - die Amerikaner begehen den Martin Luther King Day.

Finanzwerte im Ausverkauf
Finanztitel bildeten am Montag im Dax die Speerspitze der Abwärtsbewegung. Mit einem Kursminus von zeitweise fast 8 Prozent führte die Aktie des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Verliererliste mit deutlichem Abstand an. Auch die Postbank-Aktie stürzte ab, obwohl die Abschreibungen wegen der Finanzkrise im vierten Quartal laut des Postbank-Finanzvorstands Marc Heß sogar etwas niedriger als im zweiten Vierteljahr lagen.

Abschreibungen, die x-te
Der designierte Commerzbank-Chef Martin Blessing räumte am Vormittag ein, dass sein Institut "weitere Abschreibungen" im vierten Quartal hinnehmen musste. Die US-Investmentbank Bear Stearns setzt diese mit 210 Millionen Euro an. Die Deutsche Bank hat daraufhin die Aktie des Mitbewerbers von "Buy" auf "Hold" heruntergestuft und das Kursziel von 33 auf 25,50 Euro zurück genommen. Die Commerzbank-Aktie litt ebenfalls erheblich.

Bei einem der größten Kursverlierer, der Allianz, wurde am Vormittag das Gerücht gespielt, die Bankentochter Dresdner Bank könne ebenfalls Belastungen wegen der Finanzmarktkrise in den USA in Bedrängnis geraten. Zudem sagte ein Händler: "die Versicherer sind die nächsten im Subprime-Bund".

Infineon und Autos besser als der Markt
Zwar ging es auch mit den Aktien des Halbleiterhertellers Infineon abwärts. Doch die Verluste waren nicht so stark wie beim Dax. Neben positiven Analystenurteilen nützten der Aktie die positiven Ergebnisse des Prozessoren-Herstellers AMD. Auch die beiden Autowerte BMW und Volkswagen hielten sich besser als der Markt. Die beiden Papiere profitierten von einem schwächeren Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar.

Euro im Rückwärtsgang
Die Gemeinschaftswährung sackte gegenüber dem Dollar zeitweise bis auf 1,4423. Die Investoren fürchteten allmählich, dass sich die Konjunkturabkühlung in den USA stärker als gedacht auch auf das europäische Wirtschaftswachstum auswirken könnte, hieß es zur Begründung. Das mache eine Zinssenkung für die Eurozone im Jahresverlauf wahrscheinlicher.

ThyssenKrupp verkauft an Indien
Die Hoffnung auf Verkaufserlöse hilft der ThyssenKrupp-Aktie am Montag immerhin ein bisschen. Optisch sieht der Kursverlust deutlich größer aus als er tatsächlich war. Dies liegt aber daran, dass der Titel ex Dividende gehandelt wird, dies entspricht rund 3,5 Prozent. Außerdem wurde am Morgen bekannt, dass der Konzern die Präzisionssparte an die indische Sona-Gruppe verkauft.

Siemens-Aktie abgestraft
Papiere des Elektronikkonzerns Siemens gehörten ebenfalls zu den größeren Kursverlierern. Nach Angaben der "WirtschaftsWoche" könnte der Konzern wegen der Korruptionsaffäre vor einer Milliardenstrafe durch die US-Börsenaufsicht SEC stehen.

Land unter in der zweiten und dritten Reihe
Neben dem Dax erwischte es besonders auch die so genannten Technologiewerte im TecDax mit minus 8,46 Prozent auf 725 Punkte. besonders heftig. In den Index hielten Solaraktien wie Centrotherm, Q-Cells oder Solon die rote Kurslaterne mit Verlusten um jeweils deutlich über zehn Prozent.

Praktiker mit großen Plänen
Vergleichsweise glimpflich kam die Praktiker-Aktie davon. Deutschlands zweitgrößte Baumarktkette Praktiker will den Marktanteil im Inland über die Verdrängung und den Aufkauf von Konkurrenten deutlich steigern. "Wenn man davon ausgeht, dass wir in Deutschland Ende 2007 mehr als zwölf Prozent Marktanteil hatten wollen wir ihn längerfristig verdoppeln", sagte Vorstandschef Wolfgang Werner dem Anlegermagazin "Euro".

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"