Kurse geraten ins Rutschen

Detlev Landmesser

Stand: 25.01.2007, 20:29 Uhr

An der Börse darf man sich nie zu sicher fühlen: Am Abend verstärkte sich der Abwärtsdrang an der Wall Street, was auch die deutschen Aktien in Mitleidenschaft zog.

Zur Stunde verliert der Dow-Jones-Index, der am Mittwoch noch ein historisches Hoch markiert hatte, knapp ein Prozent. Der L-Dax schloss 0,7 Prozent tiefer bei 6.701,68 Punkten.

Besonders die jüngsten Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks enttäuschten: So stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche mit 325.000 deutlich stärker als erwartet. Zudem gingen die Verkäufe bereits bestehender Häuser in den USA im vergangenen Jahr mit minus 8,4 Prozent so stark zurück wie seit 1989 nicht mehr.

Ifo-Index enttäuscht

Zuvor hatte das Münchener Ifo-Institut mit einer Enttäuschung aufgewartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Januar sank überraschend von 108,7 auf 107,9 Punkte. Volkswirte hatten eigentlich einen kleinen Anstieg erhofft. Vermutlich hänge dies auch mit der Mehrwertsteuer-Erhöhung zu Jahresbeginn zusammen, mutmaßte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Dagegen begeisterte das Internet-Auktionshaus Ebay die Börsianer mit hervorragenden Quartalszahlen. Das Dow-Jones-Schwergewicht Ford steht indessen leicht unter Druck. Der angeschlagene US-Autokonzern hat 2006 den höchsten Verlust seiner 103-jährigen Firmengeschichte verzeichnet. Das Minus lag bei 12,7 Milliarden Dollar, was deutlich höher ausfiel als von Branchenexperten erwartet.

Nokia trumpft auf
Vom finnischen Handy-Giganten Nokia kamen dagegen wieder überraschend gute Zahlen. Nokia übertraf die Erwartungen des Marktes und schickte seine Aktie um mehr als fünf Prozent aufwärts. Im vierten Quartal stieg der Umsatz auf 17,0 Milliarden Euro und steigerte den Gewinn je Aktie auf 0,32 Euro. Im Jahr 2007 will der Weltmarktführer seinen Marktanteil ausbauen.

Siemens stützt den Dax
Mit einem Kurssprung von sechs Prozent stemmte sich die Siemens-Aktie am Tag der Hauptversammlung gegen den Markttrend. Das Plus des Schwergewichts stützte den müden Dax immerhin mit rund 37 Indexpunkten. Damit reagierten die Anleger in erster Linie auf die guten Zahlen zum ersten Quartal. Der Konzern-Umsatz stieg um 6,2 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) war um 51 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro gestiegen.

Auf der noch am Abend noch andauernden Hauptversammlung in München musste sich das Management um Klaus Kleinfeld, aber auch Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer teils heftiger Kritik der Aktionäre stellen. Von Pierer hat sich zu Beginn der Veranstaltung bereits für die Schmiergeldaffäre im Konzern entschuldigt.

Infineon macht Verluste wett
Neben Siemens tat sich vor allem Infineon hervor. Händler verwiesen auf eine Gegenreaktion auf die gestrigen Verluste.

Rückschlag für Bayer
Zu den Top-Verlierern im Dax gesellte sich am Nachmittag die Bayer-Aktie. Die Leverkusener haben drei klinische Studien mit ihrem lukrativen Herzmedikament Trasylol gestoppt. Damit reagierte Bayer auf eine Forderung der US-Gesundheitsbehörde FDA, den Einsatz des Präparats auf Herzoperationen zu beschränken, bei denen eine Herz-Lungen-Maschine zur Verfügung steht. Die Einstellung der Studien sei nicht wegen etwaiger Sicherheitsbedenken erfolgt, teilte der Konzern mit. Allerdings werde das Mittel damit den ursprünglich geplanten Spitzenumsatz von rund 500 Millionen Euro nicht erreichen.

Lufthansa-Aktie trudelt
Mit Abstand größter Dax-Verlierer war aber die Aktie der Lufthansa mit minus 5,6 Prozent. Marktteilnehmer berichteten von "negativen Äußerungen" auf einem Analystentag des Unternehmens. Die Airline erwartet nach eigenen Angaben 2007 keine singifikanten Erlössteigerungen pro Passagier.

Übernahmefieber um Hochtief
Trotz neuer Beteuerungen des Hochtief-Konzerns, nicht Ziel einer Übernahme zu sein, trieben Spekulationen um einen Kauf und eine anschließende Zerschlagung den MDax-Titel auf ein Jahreshoch. Das "Manager Magazin" hatte berichtet, die in Deutschland sehr aktive australische Investmentbank Macquarie wolle den Baukonzern übernehmen und dann in Teilen weiter veräußern. Im Dezember hatte die Großaktionärin Custodia Holding erklärt, sie wolle eine Investmentbank beauftragen, einen Verkauf ihres knapp eine Milliarde Euro schweren Anteils an Hochtief von 25,08 Prozent zu prüfen. Seitdem hüllt sich Custodia in Schweigen.

Techem-Chefs verkaufen ihre Aktien
Bei Techem ist Macquarie jedenfalls nachprüfbar aktiv und gerade zum Zuge gekommen: Techem-Chef Horst Enzelmüller und Technikvorstand Hans-Lothar Schäfer haben der australischen Bank alle ihre Aktien des Energiedienstleisters zum Preis von 55 Euro je Aktie angedient. Im Übernahmepoker um Techem hatten sich die Kontrahenten Macquarie und BC Partners Mitte Januar auf eine gemeinsame Kontrolle des Unternehmens geeinigt. Daraufhin hatte das Management den Aktionären die Annahme des auf 55 Euro aufgestockten Gebots empfohlen.

Morphosys weitet Kooperation aus
Im TecDax machte vor allem Morphosys von sich reden. Das Biotech-Unternehmen hat die Kooperation mit der japanischen GeneFrontier bei der Antikörperforschung ausgeweitet. Nach Einschätzung eines Händlers wird dies "keinen sehr großen Einfluss auf die Gewinne von Morphosys haben". Wegen des Zugangs zum japanischen Markt sei die weitere Zusammenarbeit aber eine gute Nachricht.

AT&S wächst mit System
Auch das österreichische TecDax-Unternehmen AT&S ist weiter auf Wachstumskurs. Nach drei Geschäftsquartalen liegt der Umsatz mit 357,8 Millionen Euro um 28 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 32 Prozent auf 28,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2006/07 geht der Systemspezialist nun von Umsätzen bei 460 Millionen Euro aus.

Für KlöCo läuten die Glocken
Der Stahlhändler Klöckner & Co steht vor dem Einzug in den MDax. Wie die Deutsche Börse am Morgen mitteilte, wird das SDax-Unternehmen nächste Woche die HypoVereinsbank im Mittelwerte-Segment beerben. KlöCo-Aktien erhielten am Donnerstag schon einmal Vorschuss-Lorbeeren. Das galt auch für Papiere des Anlagenbauers Dürr. Diese kehren knapp zwei Jahre nach ihrem Ausscheiden in den SDax zurück.

Demag Cranes wächst zweistellig
Der im SDax notierte Kran-Spezialist Demag Cranes war ebenfalls gefragt. Der Börsenneuling setzte 2006 mit 986,9 Millionen Euro zwölf Prozent mehr um. Das bereinigte Jahresergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 32 Prozent auf 84,5 Millionen Euro.

Sartorius gut ausgerüstet
Der Laborausrüster Sartorius hat ein gutes Geschäftsjahr 2006 hinter sich. Die Erlöse konnten um 7,6 Prozent auf 521,1 Millionen Euro gesteigert werden. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) legte noch deutlicher um 19,2 Prozent auf 52,1 Millionen Euro zu.

Bertrandt steigt und steigt
Zum dritten Mal in Folge konnte die Bertrandt-Aktie kräftig zulegen. Der Ingenieurdienstleister hatte am Montag eine Verdopplung des operativen Quartalsgewinns bekannt gegeben.

Pro DV Software gewinnt Prozess
Unter den kleineren Titeln fiel auch Pro DV Software mit einem Plus von über zehn Prozent auf. Der IT-Spezialist hat nach eigenen Angaben einen langwierigen Rechtsstreit über den Abschluss eines Geschäftsanteilskaufvertrages gewonnen.

Grenkeleasing unter Druck
Auffallend heftig verlor das Papier von Grenkeleasing. Der Hard- und Software-Vermieter will morgen seine Jahreszahlen veröffentlichen. Am Dienstag hatte Grenkeleasing mitgeteilt, der britische Finanzkonzern Schroders halte nun 5,07 Prozent der Aktien.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.