Kühler Start in die Börsenwoche

von Notker Blechner

Stand: 17.05.2010, 20:04 Uhr

Nach den starken Kursverlusten am Freitag hatte es zu Wochenbeginn lange Zeit nach einer Erholung am Aktienmarkt ausgesehen. Doch dann bremste die Wall Street den Dax wieder aus. Die Nervosität an den Märkten hält an.

Während in Deutschland der schwache Euro vereinzelt auch positiv als Konjunktur-Stütze für exportorientierte Unternehmen gesehen wird, machen sich einige Anleger in den USA Sorgen über das Wirtschaftswachstum in Europa. Die rigiden Sparmaßnahmen in den südeuropäischen Ländern könnten zu einer Rezession führen, befürchten sie. Hinzu kommt die Angst vor einer weiteren Ausweitung der Schuldenkrise. "Die Leute sind supernervös", meinte ein Händler. "Viele fragen sich, welches Land als nächstes auf der Liste der Spekulanten steht."

Schlechte US-Konjunkturdaten drückten zusätzlich die Stimmung. Der New Yorker Empire-State-Index brach im April überraschend ein. Er sackte von 31,86 Punkten auf nur noch 19,1 Zähler. Analysten hatten mit einem deutlich niedrigeren Rückgang gerechnet. Zwar gebe es noch immer ein solides Wachstum im verarbeitenden Gewerbe, die US-Industrie könnte aber an Schwung verlieren, schrieb die Postbank in einer Studie.

Dax im Sog der schwachen Wall Street

Die Wall Street setzte ihre Talfahrt vom Freitag fort. Der Dow Jones büßte rund ein Prozent ein und fiel unter 10.500 Punkte. Die Nasdaq gab ebenfalls um ein Prozent nach. Die Kursverluste an den US-Börsen setzten dem Dax hart zu. Der deutsche Leitindex büßte fast vollständig seine Gewinne wieder ein und ging mit 6.067 Punkten nahezu unverändert aus dem Xetra-Handel. Im späten Parketthandel ging es um elf Zähler nach unten. Der L-Dax schloss bei 6.056 Punkten. Am frühen Nachmittag hatte der Dax noch über ein Prozent zugelegt.

Wegen der Schuldenkrise in Europa macht sich unter Privatanlegern zunehmend Skepsis breit. Knapp ein Drittel der Anleger (29 Prozent) rechnen mit fallenden Aktienkursen im nächsten halben Jahr, ergab eine Umfrage der DZ Bank. Zu Jahresbeginn hatten nur 18 Prozent der Anleger einen Kursrückgang erwartet.

Das Euro-Drama geht weiter

Der Euro fiel am Montag zeitweise auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren, auf 1,22378 Dollar. Im Tagesverlauf konnte er sich wieder etwas aufrappeln und notiert aktuell bei rund 1,2330 Dollar. Am Abend kamen die Finanzminister der Eurozone zusammen, um über die Lage an den Finanzmärkten nach der Bekanntgabe des Schutzschirms vor einer Woche zu beraten. Laut Medienberichten will der wieder genesene Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Schuldenbremse für Europa nach deutschem Vorbild vorschlagen.

Goldpreis steigt, Ölpreis fällt
Die Euro-Talfahrt trieb den Goldpreis weiter nach oben: Am Montag erreichte der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls in Euro gerechnet zeitweise ein neues Rekordhoch von fast 1.013 Euro, fiel dann aber wieder auf 993 Euro. Der Ölpreis für die Sorte WTI rutschte auf unter 70 Dollar und damit das niedrigste Niveau seit dreieinhalb Monaten.

Aktien von exportstarken Firmen gefragt
Doch der Euro-Verfall hat auch seine positive Seite: Er stärkt die deutsche Exportwirtschaft. "Die Schwäche des Euro ist ein riesiges Konjunkturprogramm für die deutsche Industrie", meinte am Montag beispielsweise Analyst Heiko Ruland von Ruland Research. Zu den großen Gewinnern im Dax zählten denn auch Aktien von exportstarken Unternehmen wie Bayer, Daimler und MAN.

Intel buhlt um Chipsparte von Infineon
Neuerliche Übernahmegerüchte beflügelten die Infineon-Aktie. Laut "Financial Times Deutschland" verhandelt der Münchener Chipkonzern mit dem US-Rivalen Intel über den Verkauf seiner Handychip-Sparte. Es gebe intensive Gespräche, hieß es. Ein Verkauf der Sparte brächte dem Münchner Chipbauer Milliarden ein. Analysten bezweifeln aber, ob Infineon ihren Mobilfunkchip-Bereich wirklich abgeben will. Infineon-Chef Peter Bauer hatte zuletzt angekündigt, das Geschäft noch mindestens zwei Jahre lang weiterbetreiben zu wollen.

Zuversicht in der Chemie-Branche
Erfreuliches gab's auch aus der Chemieindustrie. Der Branchen-Verband VCI hob am Montag seine Jahresprognose an und rechnet nun mit einem Umsatzplus von zehn Prozent sowie einer Produktionssteigerung von 8,5 Prozent. Das half der BASF-Aktie nach oben.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,27
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+0,12%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,72
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-1,32%

BMW hängt VW ab
Vom europäischen "Autofrühling" ist derweil nicht viel zu spüren. Erstmals seit zehn Monaten ist der Pkw-Markt in Europa im April geschrumpft, das Ende der Abwrackprämie lässt grüßen. Nur die Premium-Autobauer BMW und Mercedes konnten der Flaute trotzen und ihren Absatz in Europa steigern. Am beeindruckendsten schaffte das BMW. Die Münchner verzeichneten ein Plus von 16 Prozent dank der jungen Modellpalette. Die Aktien von Daimler und BMW legten zu.
Dagegen rutschte die VW-Aktie um zwei Prozent nach unten und war Schlusslicht im Dax. Die Wolfsburger haben im April fast acht Prozent weniger Autos verkauft.

Adidas sagt Nike den Kampf an

Ungeachtet des WM-Aus des Kapitäns der Deutschen Nationalmannschaft, Michael Ballack, gab sich Adidas-Chef Herbert Hainer kampfeslustig. Der Sportartikel-Hersteller auas Herzogenaurach werde in den nächsten Jahren keinesfalls den Anbschluss an Marktführer Nike verlieren, beteuerte er in Mailand. Der Abstand werde sich nicht vergrößern, sagte er. Nike hatte zuletzt ehrgeizige Wachstumszielke ausgegeben. Der US-Konzern will den Umsatz bis 2015 um 40 Prozent steigern. Adidas hat keine mittelfristige Prognose wie Nike ausgegeben.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,64
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-3,04%

Commerzbank-Manager wollen mehr Geld
Die Commerzbank-Aktien gaben um über ein Prozent nach. Händler verwiesen auf die erneuten Diskussionen um die Gehälter für die Commerzbank-Manager. Auf der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch soll die Aufstockung der Vergütung von 500.000 auf 750.000 Euro vorgeschlagen werden. Das will der Bund, mit über 25 Prozent größter Aktionär des Geldinstituts, nicht zulassen.

Beiersdorf-Chef bremst Euphorie
Unter den Verlierern befand sich ebenfalls die Aktie von Beiersdorf. Aussagen von Konzernchef Thomas Quaas ernüchterten die Anleger. Quaas stellte in einem Interview in der Presse ein Umsatzwachstum von mehr als drei Prozent in Aussicht. Am Markt war aber ein Plus von sechs Prozent erwartet worden.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,42
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+0,21%

Lufthansa-Aktie unter der Wolke
Die Vulkanasche-Wolke trübte erneut die Aussichten für die Luftfahrt- und Reisewerte. Die Papiere der Lufthansa gaben um 1,6 Prozent nach. Wegen der wieder höheren Konzentration der Asche gab es am Montag in Teilen Nordeuropas zahlreiche Flugverspätungen. In Großbritannien, Irland und den Niederlanden wurden mehrere wichtige Flughäfen zeitweise geschlossen. Die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol sprach von rund 1000 Ausfällen. In Deutschland gab es keine Behinderungen.

Billigflieger im Sinkflug
Die asche-bedingten tagelangen Flugverbote im April haben nun auch ein juristisches Nachspiel: Das italienische Amt für Flugsicherheit (ENAC) hat Ryanair zu einer Geldstrafe verdonnert. Der Billigflieger muss drei Millionen Euro zahlen, weil er im Vulkanasche-Chaos gestrandeten Passagieren nicht genug geholfen hat. Eine Rynair-Sprecherin bezeichnete die Anschuldigungen als "kompletter Blödsinn". Die Aktien von Ryanair sausten um vier Prozent nach unten.

Noch heftiger rauschten die Aktien von Easyjet nach unten - um rund sechs Prozent. Das hatte allerdings nicht nur mit den Flugausfällen zu tun, sondern mit einem internen Strategie-Streit. So hat Sir Stelios Haji-Ioannou, Gründer der Billigfluglinie Easyjet, aus Protest gegen den geplanten Flottenausbau den Vorstand des Unternehmens verlassen und die Einberufung eines Sondertreffens der Aktionäre angekündigt. Der Gründerfamilie wäre eine gewinn- und dividendenorientierte Strategie lieber.

Hochtief fällt tief
Im MDax brach die Hochtief-Aktie nach Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal um fast acht Prozent ein. Zur Begründung verwiesen Händler auf den schwachen Ausblick der australischen Tochter Leighton, die gekürzte Umsatzprognose für das Gesamtjahr und insbesondere den Einbruch beim Auftragseingang. Einige der Projektverschiebungen seien aber sicher auf den harten Winter zurückzuführen, merkte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research an.

Analysten bewegen Kurse
Positive Analystenkommentare hievten die MDax-Papiere ProSiebenSat.1 und Sky nach oben. Mit einem Plus von fast drei Prozent war ProSiebenSat.1 größter Gewinner im MDax. Die Schweizer Großbank UBS hat den Medientitel von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 13,70 auf 15,60 Euro angehoben. Die Aktie sei die günstigste der beobachteten TV-Sender-Aktien.

UBS hob ebenfalls die Bewertung für Sky Deutschland von "Neutral" auf "Buy" an, senkte aber das Kursziel von 2,10 auf 1,80 Euro. Bei den Abonnentenzahlen sei die Talsohle durchschritten, angesichts der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft könne vor allem bei HD-Angeboten mit steigenden Kundenzahlen gerechnet werden, teilte UBS mit.

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,98
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+1,61%
CropEnergies: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,54
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+4,97%

CropEnergies gibt Aktionären Zucker
Kraftlos präsentierte sich die Südzucker-Aktie. Und das obwohl die Tochter CropEnergies im Geschäftsjahr 2009/10 seine Erlöse und sein operatives Ergebnis zweistellig steigerte. Zudem kündigte CropEnergies an, erstmals seit seiner Gründung im Jahr 2006 für das Geschäftsjahr 2009/10 eine Dividende auszuschütten. 0,05 Euro je Aktie sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Die CropEnergies-Aktie legte deutlich zu.

Tipp 24 warnt vor Jackpot-Belastung
Tipp 24 preschte am Abend mit einer Hiobsbotschaft vor. Die Auszahlung eines Jackpots bei einer Tochtergesellschaft werde das Ergebnis des Online-Wettanbieters in diesem Jahr mit über 17 Millionen Euro belasten. Dennoch hält das Unternehmen eine Gewinnwarnung für verfrüht. Außergewöhnlich niedrige Auszahlungen und deutlich erhöhte Spieleinsätze könnten die Belastungen noch ausgleichen, gab sich Tipp 24 zuversichtlich. Das SDax-Unternehmen peilt für 2010 im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzanstieg von 90 auf mindestens 100 Millionen Euro und eine Steigerung des operativen Ergebnisses von 23 auf 40 Millionen Euro an.

Für S.A.G. Solarstrom scheint wieder die Sonne
Die S.A.G. Solarstrom AG hat im ersten Quartal vom anhaltenden Solarboom profitiert und wieder einen Gewinn von einer Million Euro eingefahren. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Verlust gegeben. Die Aktie zog um zwei Prozent an.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr