Krisenschatten über dem Dax

Stand: 16.11.2010, 20:06 Uhr

Nach der guten Bilanzsaison beschäftigten sich die Anleger am Dienstag mit alten Krisenängsten. Die Schuldenkrise in Irland zerrte ebenso an den Nerven wie empfindliche Kursverluste in China sowie schwache Konjunkturdaten aus den USA. Immerhin konnte Infineon bei den Anlegern punkten.

Den Anfang machte am Dienstag Asien. Die Gerüchte über eine bald bevorstehende Zinserhöhung in China belastete die Indizes in Fernost, der Shanghai Composite Index gab vier Prozent nach. Dieser Handelstag stand daher von Beginn an unter keinem guten Stern, und obwohl der ZEW-Konjunkturklimaindex durchaus positive Signale aussandte, schlugen sich die Investoren auf die Verkäuferseite.

Erheblich belastet wurde der Dax auch durch die offenbar immer akuter werdende finanzielle Notlage Irlands. Vor allem den Euro setzte dies unter Druck, die Währung fiel unter die Marke von 1,35 Dollar. Unerfreulich fiel auch die amerikanische Industrieproduktion aus. Statt des erwarteten leichten Zuwachses stagnierte die Produktion, was an der Börse prompt zu Kursverlusten führte. Der Dax beendete den Handel mit einem Minus von 1,9 Prozent bei 6.663 Punkten.

Zur Nebensache verkam der ZEW-Konjunkturindex. Zum ersten Mal seit sieben Monat stieg dieser vielbeachtete Index, auf plus 1,8 Punkte. An der Börse sorgte dies aber nur für ein kurzes Strohfeuer am Mittag.

Angesichts der offenbar sehr reellen Konjunktursorgen waren im Dax vor allem die zyklischen Aktien unter den Verlierern. BASF und K+S führten die Verliererliste mit Kursverlusten von mehr als drei Prozent an, dicht gefolgt von der Lufthansa und ThyssenKrupp. Defensive Papiere wie die der Fresenius Familie, Henkel und Merck schlugen sich erheblich besser.

Infineon reißt nach oben aus
Die Jahresbilanz des Chipherstellers Infineon kam an der Börse außerordentlich gut an, die Infineon-Aktie schloss, streng gegen den Trend, 4,2 Prozent höher. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete der Dax-Konzern einen Überschuss von 660 Millionen Euro, im vorangegangenen Geschäftsjahr hatte Infineon noch einen Verlust in etwa gleicher Höhe gemacht. Dass die Aktie um drei Prozent steigt, liegt auch daran, dass Infineon erstmals seit zehn Jahren wieder eine Dividende ausschütten will.

Kabel und Zeiss berichten
Aus dem MDax legte am Dienstag der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland seine Quartalsbilanz vor. Die Firma schaffte es, die Erwartungen zu treffen und bekräftigte auch die Jahresprognose, die Aktie schloss leicht erholt. Aus dem TecDax gab es die Bilanz des Medizintechnikanbieters Carl Zeiss Meditec. Die Firma verdiente im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich mehr und übertraf sogar die Prognosen der Analysten. Vor allem die Geschäfte in Asien seien gut gelaufen, teilte Carl Zeiss Meditec mit. Die Aktie gewann, an der TecDax-Spitze, 4,3 Prozent.

Jenoptik und Dialog in Asien
Die beiden Technologiekonzerne Dialog Semiconductor und Jenoptik gaben den Ausbau ihres Asiengeschäftes bekannt. Dialog Semiconductor meldete, dass der japanische Elektronikkonzern Sony einen Audiochip von Dialog in mobilen Produkten einsetzten wird, unter anderem in digitalen Diktiergeräten. Jenoptik hat seinen Anteil an einem japanischen Gemeinschaftsunternehmen weiter aufgestockt. Man besitze nun zwei Drittel am Joint Venture mit Kantum Electronics, teilte Jenoptik-Vorstandsdirektor Michael Mertin mit.

Solarworld greift nach Solarparc
Das Solarunternehmen Solarworld hat ein öffentliches Übernahmeangebot für den Konkurrenten Solarparc veröffentlicht. Je eine Solarworld-Aktie für jede Solarparc-Aktie sollen interessierte Aktionäre erhalten, teilte die Bonner Firma am Montag nach Börsenschluss mit. Solarworld will sich mit der Übernahme für das internationale Projektgeschäft rüsten. Die Solarworld-Aktie schloss deutlich schwächer, Solarparc-Papiere hingegen legten 22 Prozent zu.

Nordex von Macquarie belastet
Die Aktie des im TecDax notierten Windkraftkonzerns Nordex verlor am Dienstag 9,3 Prozent. Die Fachleute der australischen Bank MacQuarie hatten am Morgen ihr Kursziel für Nordex-Aktien deutlich nach unten gesenkt, auf 4,90 Euro von 7,00 Euro. Die Bank begründete ihre Entscheidung mit den schwachen Quartalszahlen und dem ungenügenden Ausblick.

VTG wächst
Der im SDax notierte Waggonvermieter für die Eisenbahn hat die ersten neun Monate mit einem leichten Ergebniswachstum abgeschlossen. Das Ebit stieg im Vergleich zum vergangenen Jahr um 1,1 Prozent auf 113,6 Millionen Euro. Die Erlöse kletterten etwas stärker, um 7,5 Prozent. Die Anleger griffen halbherzig zu, die Aktie gewann 0,3 Prozent.

GM hebt Preisspanne an
Der an die Börse strebende amerikanische Autokonzern General Motors hat seine Preisspanne für den IPO angehoben. Die Firma will die Aktien jetzt für 32 bis 33 Dollar pro Stück anbieten, bisher waren 26 bis 29 Dollar im Gespräch.

Wal-Mart gut, aber nicht genug für die Metro
Die Bilanz des amerikanischen Einzelhandelskonzerns Wal Mart hatte am Dienstag keinen Einfluss auf den deutschen Konkurrenten Metro, dessen Aktien 1,4 Prozent im Minus schlossen. Wal-Mart übertraf im dritten Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 0,95 Dollar die Erwartungen der Analysten deutlich, der Umsatz blieb etwas unter den Erwartungen.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier