Krisenangst setzt sich durch

Detlev Landmesser

Stand: 04.03.2008, 20:31 Uhr

Wenn die größte US-Bank um mehr als acht Prozent einbricht, obwohl es eigentlich nichts Neues gibt, dann ist das ein Warnzeichen: Derzeit regieren an der Börse die Pessimisten.

Bis zum Abend trübte sich die Laune an der Wall Street weiter ein, und die großen Indizes näherten sich ihren Tiefs aus dem Januar. Im Gefolge der Wall Street gab der L-Dax weiter nach und ging 2,6 Prozent tiefer bei 6.534,69 Punkten aus dem Handel. Besonders Finanzwerte standen in New York unter Druck. Die Citigroup verlor zeitweise über acht Prozent an Wert. Zuvor hatten die Analysten von Merrill Lynch erklärt, dass sie bei der größten US-Bank mit weiteren Verlusten im Zuge der Finanzkrise rechnen. Zusätzlich teilte die Investmentagentur Dubais mit, dass die Bank auf zusätzliches Geld von Investoren angewiesen sein könnte. Für Marktbeobachter kamen diese Informationen allerdings durchaus nicht überraschend.

Die US-Technologiewerte litten vor allem unter Intel. Der weltgrößte Chiphersteller senkte seine Renditeerwartung für das erste Quartal. Das heizte die Furcht vor geringeren Technologieinvestitionen der Unternehmen an.

Dazu kamen warnende Worte von Ben Bernanke. Eigentlich verriet der US-Notenbankchef nichts Neues - doch die Deutlichkeit seiner Worte verunsicherte dennoch. Bernanke erklärte auf einer Bankenkonferenz in Florida, es sei mit einem weiteren Preisverfall am US-Häusermarkt zu rechnen. Zudem würden Kreditausfälle bei Immobiliendarlehen und die Zahl der Zwangsvollstreckungen wahrscheinlich noch weiter zunehmen. "Die Lage erfordert eine handfeste Reaktion", sagte der Notenbanker. Diesen erneuten Hinweis auf staatliche Eingriffe sowie eine deutliche Zinssenkung der Fed nahmen die Börsianer aber diesmal nicht als Kaufsignal.

Tui wird gefeiert

Mit einem Plus von 4,4 Prozent lag die Tui-Aktie einsam an der Dax-Spitze. Mitten in seiner Umbruchphase hat der Touristik- und Schifffahrtskonzern 2007 den Umsatz der fortzuführenden Bereiche um rund sieben Prozent auf 21,9 Milliarden Euro gesteigert. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) wuchs um 47 Prozent auf 616 Millionen Euro, was auch der wieder profitablen Schifffahrtssparte zu verdanken war. Die Zahlen sähen besser als erwartet aus, sagte ein Analyst. Zudem verfolgt der Konzern die geplante Verschmelzung mit Reedereisparte Hapag-Lloyd und die Verlegung der Zentrale von Hannover nach Hamburg nicht weiter, wie die "Financial Times Deutschland" berichtete.

Toller Februar für Daimler
Für Daimler lief es im Februar ganz hervorragend. Der Autokonzern setzte 96.600 Einheiten in seiner Markengruppe Mercedes-Benz Cars ab. Das entsprach einen Zuwachs von 18 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich der Smart mit einem Absatzplus von 119 Prozent auf 8.800 Kleinstwagen. Bei den Luxus-Karossen der Marke Mercedes gab es immerhin ein Plus von 13 Prozent auf 87.800.

Weiterer Kursverfall bei Conti
Schwächster Dax-Titel war Conti mit einem Minus von mehr als sieben Prozent. "Nach den skeptischen Aussagen von Peugeot zum europäischen Automarkt ist alles was mit Autos zu tun hat unter Druck geraten", sagte ein Händler. Zusätzlich müsse berücksichtigt werden, dass insbesondere viele ausländische Anleger - bei denen noch Währungsgewinne hinzukommen - bei Continental nach dem Anstieg der vergangenen Jahre noch Gewinne realisieren könnten. Die Aktie notiert unterdessen auf den tiefsten Stand seit Oktober 2005.

Bayer hat Ärger mit Yasmin
Stark erwischte es auch die Bayer-Aktie. Ein US-Gericht erklärte das Patent für das Verhütungsmittel "Yasmin" des Konzerns für ungültig. "Bayer hält diese Entscheidung für falsch und wird diesbezüglich weitere rechtliche Schritte prüfen", teilte das Unternehmen mit. Bayer senkte das Renditeziel für seine Pharmasparte geringfügig.

Post ordnet Logistik-Geschäft neu
Der neue Post-Chef Frank Appel krempelt nur wenige Tage nach seinem Antritt den bisher von ihm betreuten Konzernbereich Logistik um. Das Geschäft wird in zwei operative Einheiten aufgespaltet. Die neue Einheit Supply Chain solle von Bruce Edwards geleitet werden, Global Forwarding von Hermann Ude, teilte die Post nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Beide Geschäftsbereiche erwirtschafteten 2007 einen Umsatz von je über 13 Milliarden Euro. Die Umstellung sei weder mit direkten Kosten noch Einmalgewinnen verbunden, erklärte Appel. Der Schwerpunkt in dem in der Vergangenheit durch milliardenschwere Zukäufe gestärkten Logistik-Geschäft werde künftig "stärker auf organischem Wachstum liegen".

VW-Beteiligung zahlt sich für Porsche aus
Die Porsche-Aktie konnte ihre hohen Anfangsgewinne nicht halten. Gegen Mittag legte der Sportwagenbauer die Zahlen zum ersten Halbjahr 2007/08 vor. Der Umsatz kletterte in den sechs Monaten bis Ende Januar um 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Der Überschuss kletterte von 897 Millionen auf 1,29 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis legte um 23,6 Prozent auf 1,658 Milliarden Euro zu. Einen Großteil seines Gewinns erwirtschaftete der Sportwagenbauer erneut mit seiner Beteiligung an Volkswagen. Allein Kurssicherungsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Erwerb von VW-Aktien trugen 850 Millionen Euro zum Ergebnis bei - im Vergleich 791 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Solarrally bei Gildemeister
Im MDax schnellte die Gildemeister-Aktie an die Spitze. Der Werkzeugmaschinen-Hersteller hat erneut einen Großauftrag in seiner noch jungen Solarsparte im Volumen von 49,9 Millionen Euro erhalten. "Das ist positiv, gerade weil es sich um einen jungen Geschäftsbereich handelt und Solar am Aktienmarkt weiterhin gerne als Schlagwort gehört wird", meinte ein Händler.

Kartellstrafe bremst ProSiebenSat.1
ProSiebenSat.1 hat im vergangenen Jahr wegen einer Buße des Kartellamts einen Gewinnrückgang von 240,7 auf 89,4 Millionen Euro verbucht. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte aber um acht Prozent auf 521,3 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg durch die Übernahme der Sendergruppe SBS um 29 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will der TV-Konzern Umsatz und Ergebnis weiter steigern. Außerdem kündigte ProSiebenSat.1 an, rund ein Prozent der im MDax notierten Vorzugsaktien zurückkaufen zu wollen.

Verwirrung um Q-Cells
Die Q-Cells-Aktie schnellte erst um bis zu 8,6 Prozent nach oben, fiel dann aber wieder zurückh. Nach einem Bericht der "Welt" hat der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate für ökologische Investments, Masdar Clean Technology, mit dem Solarunternehmen Gespräche über einen Einstieg aufgenommen. "Das sorgt natürlich für Fantasie und treibt den Kurs", kommentierte ein Händler. Später dementierte der Staatsfonds allerdings den Bericht.

Medion schafft die Wende
Die Medion-Aktie verbuchte ein leichtes Plus. Der IT-Vermarkter hat im vergangenen Geschäftsjahr wieder die Gewinnzone erreicht. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 20 Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust von 65 Millionen Euro. Das SDax-Mitglied will eine Dividende von 0,15 Euro je Aktie ausschütten.

Sartorius will schneller werden
Der Laborausrüster Sartorius hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 3,3 Prozent auf 622,7 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn kletterte um 3,8 Prozent auf 30,1 Millionen Euro. Im laufenden Jahr strebt das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von neun Prozent und eine Ebitda-Marge von rund zwölf Prozent an.

Delticom steigert Dividende kräftig
Der Reifenhändler Delticom erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 12,3 Millionen Euro, was einem deutlichen Plus von 21 Prozent entspricht. Der Jahresüberschuss stieg um 33 Prozent auf 8,4 Millionen Euro. Den Umsatz gab Delticom mit 215 Millionen Euro an, ein Wachstum von 24 Prozent. Die Aktionäre sollen für 2007 zwei Euro je Aktie erhalten und damit zwei Drittel mehr als im Jahr zuvor.

Zahlreiche kleinere Unternehmen gaben ihre Ergebnisse bekannt. Die Aktie von Dialog Semiconductor musste ihre hohen Anfangsgewinne im Verlauf preisgeben. Dabei ist das deutsch-britische Halbleiterunternehmen im vierten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt und konnte zugleich den Umsatz um 40 Prozent verbessern.

Auch die Jahreszahlen von Stratec Biomedical Systems kamen gut an. Das Medizintechnikunternehmen konnte seinen Gewinn trotz einem praktisch stagnierenden Umsatz um 34 Prozent steigern.

Die Deutsche Forfait konnte ebenfalls zulegen. Der Außenhandelsfinanzierer hat im vergangenen Geschäftsjahr seine eigene Gewinnprognose übertroffen. Wegen der guten Entwicklung will das Unternehmen eine Dividende von 0,39 Euro je Aktie ausschütten.

Der Kessel- und Güterwaggonvermieter VTG hat im vergangenen Jahr vom Transportboom profitiert. Der Umsatz wuchs um 4,4 Prozent auf 541,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis kletterte gar um 21,3 Prozent auf 137 Millionen Euro.

Der Medizintechnikanbieter Geratherm meldete einen leichten Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Bei einem Jahresmsatz von 8,8 Millionen Euro, der um 2,5 Prozent höher lag als 2006, sank das Ebit um 6,2 Prozent auf 617.000 Euro. Geratherm gab als Grund Anlaufverluste zweier Tochtergesellschaften an. Den Aktionären will Geratherm erneut eine steuerfreie Dividende von 30 Cent pro Aktie zahlen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen