Krisen treten in den Hintergrund

Stand: 24.03.2011, 20:02 Uhr

Während die Staats- und Regierungschefs in Brüssel über einen Ausweg aus der Schuldenkrise debattieren und die Unruhen in der arabischen Welt inzwischen auch Syrien erfassen, zeigen sich die Anleger bester Kauflaune.

Selbst die schwachen Auftragszahlen der US-Industrie und eine Herabstufung der Bonität Portugals haben die gute Laune nicht beeinträchtigt. Anscheinend haben viele Anleger das niedrige Kursniveau zum Einstieg genutzt, erklärt Analyst Andre Saenger von IG Markets. Denn die Aussichten vieler Unternehmen für das laufende Jahr sind unverändert optimistisch.

Der Dax klettert deshalb auch im Abendhandel um 123 Punkte (1,8 Prozent) auf 6.938 und vollzieht damit die im elektronischen Handel erfolgte Wende. Auch an der Wall Street geht es bergauf. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt rund 80 Zähler (0,6 Prozent) höher bei 12.164.

Für die richtungsweisenden US-Börsen bleiben die meisten Experten optimistisch. 51 von Reuters befragte Aktien-Strategen sagten in einer Umfrage weitere Kursgewinne bis zum Jahresende voraus. Zwar würden die Kurse kurzfristig aufgrund der Beben- und Atomkatastrophe in Japan und höherer Ölpreise wohl leiden. Eine stetige Erholung der US-Wirtschaft werde diese Effekte aber mehr als wettmachen.

Auch der Euro erweist sich in diesen Tagen trotz der Schuldenkrise als starke Währung. Am Abend klettert er zeitweise sogar über die Marke von 1,42 Dollar.

Gold und Silber auf Rekordniveau
Der Goldpreis ist am Nachmittag auf einen neuen Rekordstand geklettert. Für eine Feinunze (31 Gramm) des Edelmetalls wurden bis zu 1447,40 Dollar gezahlt. Auch der Silberpreis weitete seine Gewinne aus und stieg auf bis zu 38,13 Dollar je Feinunze und damit den höchsten Stand seit Januar 1980. Händler erklärten den Preisanstieg mit der Flucht in sichere Häfen. Unterstützung erhielt Gold auch vom schwächelnden Dollar.

Autowerte an Dax-Spitze
Zu den Favoriten im Dax gehören die Aktie der Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen. Grund ist eine Prognose des Ifo-Instituts, wonach die deutsche Autoindustrie in diesem Jahr auf ein Wachstum von mindestens zehn Prozent hoffen kann. Zudem will die deutsche Automobilbranche von Produktions- und Lieferengpässen nach der Erdbeben-Katastrophe in Japan nichts wissen. Zumindest in den nächsten zwei Wochen tauchten keine Probleme am Horizont auf, versichern Hersteller und Zulieferer. Die aus Japan bezogenen Elektronik-Bauteile könnten auch anderen Orts beschafft werden. Zudem hat Merrill Lynch das Kursziel für BMW nach Quartalszahlen von 70,00 auf 75,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen.

BASF heiß begehrt
Mehr als drei Prozent zulegen kann auch die BASF-Aktie. Der Chemiekonzern rechnet im bald zu Ende gehenden ersten Quartal mit einem deutlich besseren Abschneiden. Der Umsatz und das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen dürften "signifikant" höher ausfallen als in den ersten drei Monaten vergangenen Jahres, heißt es in einer Präsentation.

Lanxess von Gerüchten getrieben
Zu den größten Gewinnern im MDax gehört die Aktie des Spezialchemieunternehmens Lanxess. Grund sind Gerüchte über eine bevorstehende Anhebung des Ausblicks. "Wir hören am Markt, dass Lanxess seinen Ausblick anheben will", sagte ein Händler. Ein Lanxess-Sprecher erklärte dagegen, der zuletzt gegebene Ausblick sei weiter Stand der Dinge.

Fuchs kommt gut an
Im MDax kommt der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub mit seinem Geschäftsergebnis und einem Aktiensplit bei den Anlegern gut an. Fuchs Petrolub legen überdurchschnittlich zu und steigen wieder über 100 Euro und zählen damit im MDax zu den größten Gewinnern. "Der Rekordabschluss des Jahres 2010 zeigt eindrucksvoll, dass Fuchs Petrolub ein erfolgreiches Geschäftsmodell verfolgt", erklärte NordLB-Analyst Thorsten Strauß. Unter anderem wegen des verhaltenen Ausblicks scheine die Aktie aber hoch bewertet zu sein.

Brenntag ist optimistisch
Um mehr als vier Prozent nach oben geht es auch mit der Aktie des ebenfalls im MDax notierten Chemikalienhändlers Brenntag. Nach einem Gewinnsprung 2010 will das Unternehmen auch in diesem Jahr den Nachsteuergewinn prozentual zweistellig steigern, wie das Management anlässlich der Vorlage der Bilanz heute mitteilte. Alle relevanten Ergebnisgrößen und auch die Umsätze sollen weiter zulegen.

IVG baut auf Gewinn
Aufwärts geht es auch mit der Aktie des Immobilienunternehmens IVG. Die Bonner wollen im laufenden Jahr erneut schwarze Zahlen schreiben - sollte es nicht zu unvorhersehbaren Abwertungen bei Immobilien oder Kostensteigerungen bei Projektentwicklungen kommen. Für 2010 gibt es trotz des Rückkehrs in die Gewinnzone keine Dividende.

Evotec überzeugt
Im TecDax gehört die Evotec-Aktie zu den stärksten Werten. Das Biotech-Unternehmen hat erstmals in seiner 18-jährigen Geschichte Gewinne geschrieben. Unter dem Strich gab es ein positives Ergebnis von drei Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust von 45 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 29 Prozent auf 55 Millionen Euro zu. Im laufenden Jahr will das Unternehmen seinen Umsatz um mehr als 15 Prozent auf 64 bis 66 Millionen Euro steigern.

Cinemaxx begeistert
Die Hamburger Kinokette Cinemaxx hat ihren Umsatz 2010 gegenüber dem Vorjahr trotz sinkender Besucherzahlen um 4,7 Prozent auf 204,6 Millionen Euro steigern können. Das Betriebsergebnis (Ebitda) springt gar um mehr als 50 Prozent in Höhe, auf 37,5 (Vorjahr: 24,9) Millionen Euro. Damit hat Cinemaxx seine eigenen Prognosen übertroffen. Die Aktionäre sind begeistert.

Solarworld verunsichert
Mit seinem vagen Ausblick ist Solarworld auf wenig Begeisterung gestoßen. Die Aktien des Solarkonzerns verbilligen sich erst um zwei Prozent und schließen dann unverändert. "Die Prognose ist ziemlich ungenau", schreibt DZ-Bank-Analyst Sven Kürten in einem Kurzkommentar. Das Unternehmen wisse offenbar selbst nicht genau, was es zu erwarten habe. Das verunsichere auch Investoren.

United Internet drehen ins Plus
Nach einem leichten Minus zu Handelsbeginn gehen die Papiere des Internetkonzerns schließlich mit einem Plus von 2,4 Prozent aus dem Handel. Händlern zufolge lagen die Ergebnisse weitestgehend "im Rahmen der Erwartungen". Ein Börsianer wies zwar auf eine deutlich unter den Markterwartungen liegende Dividende und ein etwas schlechter als prognostiziert ausgefallenes Nettoergebnis hin, sah dagegen den Umsatz als etwas besser an.

CTS Eventim kommt voran
Europas größter Ticketvermarkter CTS Eventim hebt nach einem Rekordergebnis 2010 die Dividende an. An die Aktionäre sollen je Anteilsschein 87 Cent fließen und damit vier Cent mehr als im Jahr zuvor, teilte das Unternehmen mit. Es ist die höchste Dividende seit dem Börsengang vor elf Jahren und die sechste Ausschüttung in Folge. An der Börse sorgt dies für gesteigerte Nachfrage: CTS-Papiere verteuerten sich um über drei Prozent.

SAF Holland an SDax-Spitze
Der LKW-Zulieferer SAF Holland plant eine umfangreiche Kapitalerhöhung. Das Unternehmen will 20,5 Millionen Aktien ausgeben und damit das Grundkapital um fast die Hälfte erhöhen. SAF-Aktien leiden zunächst, schießen bis zum Börsenschluss aber um 13 Prozent in die Höhe und sind die größten Gewinner im SDax.

SKW ist frohen Mutes
Um 1,8 Prozent nach oben geht es mit der Aktie des im SDax notierten Stahlzulieferers SKW Metallurgie. Das Unternehmen schüttet für das vergangene Jahr eine Dividende von 50 Cent je Aktie aus, nachdem die Aktionäre im Vorjahr leer ausgegangen waren.

Gerry Weber setzt sich hohe Ziele
Zwei Prozent zulegen kann schließlich die Aktie des Modekonzerns Gerry Weber. Er hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 einen Umsatzanstieg um zehn Prozent auf 153,5 Millionen Euro verbucht und die Ebit-Marge von 9,4 auf 10,1 Prozent verbessert. Im gesamten Geschäftsjahr soll der Umsatz 700 Millionen Euro und die Ebit-Marke 14 Prozent erreichen.

Villeroy & Boch macht sich Hoffnungen
Wegen einer EU-Kartellstrafe ist der saarländische Keramikhersteller Villeroy & Boch im letzten Jahr in die Verlustzone gerutscht. Operativ stieg das Ergebnis(Ebit) aber von 23,6 auf 25,3 Millionen Euro an. Der Umsatz ging um 0,9 Millionen Euro auf 714,2 Millionen Euro zurück. 2011 soll der Umsatz auf 750 Millionen Euro steigen. Das freut die Anleger.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr