Krise kriselt weiter

Detlev Landmesser

Stand: 14.08.2007, 20:24 Uhr

Die Liquiditätsklemmen sind erst einmal behoben, doch bleibt die US-Kreditkrise den Börsen wie ein klebriges Bonbon erhalten: Diesmal rief sie sich in Gestalt zweier Unternehmensbilanzen in Erinnerung.

Der größte Einzelhändler der Welt Wal-Mart hatte zwar ordentliche Quartalszahlen vorgelegt, senkte aber angesichts der Krise am US-Eigenheimmarkt und gestiegener Benzinpreise seine Gewinnprognose. Außerdem meldete die weltgrößte Baumarkt-Kette Home Depot wegen des schwachen US-Baumarktes und fallender Immobilienpreise einen starken Gewinnrückgang im ersten Halbjahr.

Das genügte, um die Wall Street erneut ins Minus zu drücken - auch der Dax musste seine zwischenzeitlichen Gewinne wieder fahren lassen. Der L-Dax schloss 0,6 Prozent tiefer bei 7.425,91 Punkten.

EZB spricht von Normalisierung

Offenbar hat die Fed diesmal nicht mehr mit einer Ad-hoc-Finanzspritze ausgeholfen, während die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken noch einmal 7,7 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellte. Das war aber deutlich weniger als in den vergangenen Tagen und ein Zeichen für eine Beruhigung der Lage. Entsprechend gab die EZB auch Entwarnung. Die Lage nähere sich wieder dem Normalzustand, erklärte EZB-Chef Jean-Claude Trichet.

Die um 14:30 Uhr veröffentlichten US-Konjunkturdaten hatten die Börsianer eher erleichtert aufgenommen. Im Juli stiegen die Erzeugerpreise ohne die stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise gegenüber dem Juni nur um moderate 0,1 Prozent. Auch das rückläufige Defizit der US-Handelsbilanz im Juni überraschte den Markt positiv.

Dass die US-Kreditkrise auch am deutschen Markt weiterschwelt, zeigte sich vor allem an den deutschen Finanztiteln. Die Aktie der Hypo Real Estate musste ganz knapp die Marke von 40 Euro preisgeben, auch die Deutsche Bank ließ wieder Federn.

Aus dem Dax berichtet heute Abend nach Börsenschluss der Energiekonzern Eon über wahrscheinlich prächtige Geschäfte. Ansonsten gab es eine wahre Zahlenflut von Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe.

Affi kommt bei Cumerio voran
Aus dem MDax berichtete unter anderem die Norddeutsche Affinerie. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte im dritten Geschäftsquartal von 30 auf 43 Millionen Euro. Die größte europäische Kupferhütte sieht sich durch diesen höheren Gewinn gut gerüstet für die Übernahme des belgischen Konkurrenten Cumerio, von dem die NA inzwischen 17 Prozent hält. Offenbar ist die Affi in den Verhandlungen mit A-Tec-Chef Mirko Kovats, der die Übernahme bisher blockiert, vorangekommen. Auch Kovats sei inzwischen von der industriellen Logik einer vollständigen Übernahme von Cumerio durch die NA überzeugt, erklärte NA-Chef Werner Marnette.

K+S am MDax-Ende
Bei K+S führten die Zahlen nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Wochen zu Gewinnmitnahmen. Der MDax-Liebling wurde ausnahmsweise ans Indexende verbannt. Dabei hat der Salz- und Düngemittelhersteller im zweiten Quartal von der kräftigen Nachfrage für Kali- und Stickstoffdünger profitiert. Für 2007 erwartet K+S außerdem neue Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn.

Hochtief, der größte Baukonzern Deutschlands, profitiert weiterhin von der guten Baukonjunktur. Der Vorsteuergewinn des Konzerns stieg im zweiten Quartal von 95,6 auf 115,9 Millionen Euro. Auch der im SDax notierte Baukonzern Bauer steigerte Umsatz und Ergebnis deutlich.

Der Finanzdienstleister AWD steigerte wegen starker Zuwächse in Österreich und Osteuropa seinen Quartalsgewinn um 15 Prozent auf 20,8 Millionen Euro.

Die auf Beteiligungen an Einkaufszentren spezialisierte Deutsche Euroshop hat im ersten Halbjahr sinkende Umsätze und Gewinne verbucht. Der Umsatz des MDax-Konzerns schrumpfte in den ersten sechs Monaten um 300.000 Euro auf 45,6 Millionen Euro.

Der Generikahersteller Stada profitierte im ersten Halbjahr von einem sehr guten Auslandsgeschäft. Das Unternehmen steigerte den Gewinn um mehr als ein Drittel auf 101,6 Millionen Euro. 2007 soll für Stada das zwölfte Rekordjahr in Folge werden.

Solar-Titel unter Verkaufsdruck
Aus der Riege der Solarunternehmen kam ein ganzer Schwung von Quartalszahlen - die allesamt mit Gewinnmitnahmen quittiert wurden. Q-Cells übertraf die Erwartungen sowohl bei Gewinn und Umsatz. Der Konzern hob auch die Konzernprognose für das Gesamtjahr an, die Aktie rutschte dennoch ins Minus. Ersol erwirtschaftete im ersten Halbjahr einen Überschuss von 9,6 Millionen Euro, was weniger war als vor einem Jahr. Die Aktie gab rund 1,5 Prozent ab.

Solarworld bestätigte die vorläufigen Zahlen, das Papier driftete dennoch ins Minus. Aleo Solar steigerte Umsatz und Ergebnis und hob die Umsatzprognose an. Die Aktie gab dennoch rund fünf Prozent ab. Auch Phoenix Solar erreichte ein stattliches Umsatz- und Gewinnplus, die Aktie verlor trotzdem rund zwölf Prozent.

Carl Zeiss Meditec schwimmt mit dem Markt
Der Medizintechnikhersteller Carl Zeiss Meditec hat Umsatz und Ergebnis in den ersten neun Monaten vor allem dank Übernahmen gesteigert. Der auf Geräte für die Augenheilkunde spezialisierte Konzern steigerte das Betriebsergebnis um 39 Prozent auf 48,7 Millionen Euro. Für 2007 erwartet das TecDax-Unternehmen ein Erlös- und Gewinnwachstum auf dem Niveau des durchschnittlichen Marktwachstums.

Koenig & Bauer stark verbessert
Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer hat ebenfalls Gewinn und Umsatz gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern stieg um mehr als ein Drittel auf 25,6 Millionen Euro, der Umsatz legte um 9,4 Prozent auf 795 Millionen Euro zu. Der SDax-Titel gewann gut zwei Prozent.

GfK am SDax-Ende
Stark unter Druck stand dagegen die Aktie von GfK. Das Marktforschungsunternehmen hat im zweiten Quartal mit 19,25 Millionen Euro 18 Prozent weniger verdient. Wie bereits bekannt, war dafür vor allem die schwächere Nachfrage von Auto- und Pharmaunternehmen verantwortlich. Die Prognose für das Gesamtjahr ließ das SDax-Unternehmen unverändert.

HCI Capital erwartet mehr Gewinn
HCI Capital hat die Jahresprognose angehoben. Der Gewinn des Hamburger Fondsanbieters soll 35 Millionen Euro erreichen. Zuvor hatte das SDax-Unternehmen mit einem Überschuss von 31 Millionen Euro gerechnet. Grund für die bessere Prognose seien die unerwartet niedrige Steuerquote und gute Geschäfte im Zwischenhandel mit Schiffen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"