Marktbericht 20:10

Dax gibt im Späthandel weiter nach Krieg im Irak sorgt für Sorgenfalten

von Robert Minde

Stand: 12.06.2014, 20:10 Uhr

Wer geglaubt hatte, dass der Sprung über die 10.000er-Marke den Dax beflügeln würde, der hat sich bisher verrechnet. Die Investoren bleiben in Deckung und blicken mit zunehmender Sorge auf die Eskalation der Lage im Irak.

Zum Xetra-Schluss stand beim deutschen Leitindex nach lethargischem Handelsverlauf noch ein leichtes Minus von 0,11 Prozent auf 9.938 Punkte auf der Anzeigetafel. Bei dünnen Umsätzen und einer unspektakulären Handelsspanne zwischen 9.917 und 9.938 Punkten wagten sich die Anleger nicht aus der Deckung.

Einige Börsianer führten aber auch den Start der Fußball-WM als Begründung für das geringe Handelsvolumen ins Feld. "Zumindest zu Beginn der WM ist eine geringere Handelsaktivität auf dem Parkett wahrscheinlich", sagte Analyst Roger Peeters von Close Brothers Seydler Bank.

Besser schlugen sich die anderen Indizes der Deutschen Börse, die zulegten. Der SDax legte 0,44, der TecDax 0,39 und der MDax 0,19 Prozent zu. Damit bleibt die Marktbreite am deutschen Aktienmarkt gut unterstützt, was besonders von technischen Analysten als Stabilitätszeichen gerne gesehen wird.

SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.238,33
Differenz relativ
+0,33%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.907,62
Differenz relativ
+0,12%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.249,17
Differenz relativ
-0,12%

Im Irak eskaliert die Lage

Im Späthandel folgte der L/E-Dax dann aber der sich abschwächenden Wall Street und schloss bei 9.916 Punkten über 20 Punkte schwächer. Immer neue Nachrichten über den Vormarsch islamistischer Aufständischer beunruhigen dort die Anleger. Das Land droht zu zerbrechen.

Gute Konjunkturdaten bewegen kaum

Dabei begann der Tag zunächst vielversprechend, denn die europäischen Daten zur Industrieproduktion fielen im April mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent besser aus als erwartet. Experten hatten nur einen Anstieg von 0,5 Prozent erwartet.

Gute Nachrichten für Europa gab es auch am Nachmittag aus Portugal. Das Land verzichtet auf die letzte Hilfstranche in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Das insgesamt 78 Milliarden Euro schwere Programm war von den EU-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds geschnürt worden. Im Mai hatte das Land den Rettungsschirm der EU verlassen.

Wall Street im Zeichen der Kämpfe im Irak

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.246,96
Differenz relativ
+0,71%

Ein ähnlich lethargisches Bild wie bei uns bot sich lange Zeit auch in New York. Die führenden Indizes haben ihre Verluste aber mittlerweile ausgebaut und liegen allesamt deutlicher im Minus. Der Dow-Jones-Index verliert aktuell über ein halbes Prozent.

Der Grund sind die neuesten Nachrichten zur bedrohlichen Lage im Irak. Präsident Obama hat der bedrängten Regierung Hilfe zugesagt und hält sich "alle Optionen" offen. Solche Unsicherheiten kommen an der Börse nicht gut an, zumal vielen Marktteilnehmern immer noch der Ukraine-Konflikt im Gedächtnis ist.

Zuvor hatten die jüngsten Konjunkturdaten den Markt wenig bewegt, obwohl sie etwas schwächer als erwartet ausfielen. So stiegen die Einzelhandelsumsätze im Mai gegen Vormonat um 0,3 Prozent, erwartet war aber ein Plus von 0,6 Prozent. Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 317.000 leicht über den Schätzungen von durchschnittlich 315.000.

Analysten sehen aber insgesamt keinen Grund, ihr Aufschwungsszenario für die US-Wirtschaft zu revidieren. "Trotz des unter den Erwartungen liegenden Anstiegs der Einzelhandelsumsätze fallen die die Zahlen insgesamt robust aus", kommentierte Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen. "Unter dem Strich untermauern die Daten, dass es im zweiten Quartal zu einer deutlichen Beschleunigung kommen sollte", stieß auch Ökonom Thilo Heidrich von der Postbank ins gleiche Horn.

Ölpreise steigen

Das zunehmende Vordringen der islamistischen Kämpfer im Irak lässt derweil die Ölpreise steigen. Öl der Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um fast zwei Prozent auf 111,40 Dollar je Barrel.

Der Euro zog nach den US-Daten an und löste sich vom Tagestief bei 1,3512 Dollar. Aktuell steht der Kurs bei 1,3554 Dollar. Im Tagestief lag die Gemeinschaftswährung bisher bei 1,3512 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3528 Dollar fest, nach 1,3547 Dollar am Vortag.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,78
Differenz relativ
+0,73%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1679
Differenz relativ
+0,07%

Lufthansa-Aktie setzt Kursverluste fort

Nach einer veritablen Achterbahnfahrt standen Lufthansa-Aktien am Dax-Ende. Das Papier leidet damit weiter unter der Gewinnwarnung vom Vortag, obwohl es zwischenzeitlich so aussah, als ob der Ausverkauf bei der Marke von 17 Euro gestoppt werden könnte. Am Ende schloss das Papier bei 16,85 Euro, ein Tagesverlust von 1,35 Prozent. Viele Banken haben derweil ihre Kursziele für den Wert gesenkt haben - zum Beispiel Credit Suisse, Deutsche Bank, HSBC, Jefferies und LBBW.

Auch die beiden Versicherungsaktien Allianz und Münchener Rück gehörten nach den schadenträchtigen Gewitterstürmen der letzten Tage zu den Verlierern. Adidas waren hingegen am Beginn der Fußball-WM gesucht und mit einem Aufschlag von 0,94 Prozent Tagessieger.

Siemens' Angebot wird konkreter

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,08
Differenz relativ
+0,07%

Das von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) erwogene Angebot für die Gas- und Dampfturbinensparte des französischen Konkurrenten Alstom soll laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" bei umgerechnet 7,2 Milliarden Euro liegen. Bis kommenden Montag soll demnach eine Entscheidung über die tatsächliche Abgabe des Angebots gefällt werden. Außerdem ist der japanische Hitachi-Konzern interessiert, sich an einem Angebot von Siemens und Mitsubishi zu beteiligen.

Rhön-Klinikum vor wichtiger Entscheidung

Die Aktionäre der Rhön-Klinikum AG stimmen auf der heutigen Hauptversammlung in Frankfurt über ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 1,7 Milliarden Euro ab. Der fränkische Krankenhausbetreiber will seine Anteilseigner damit am geplanten Verkaufserlös des Klinikbereichs an den Gesundheitskonzern Fresenius beteiligen. Aktionäre kritisierten in einer stürmischen Hauptversammlung aber die "Selbstamputation" des Unternehmens und auch den neuen Großaktionär, dem Krankenhauszulieferer B. Braun aus dem nordhessischen Melsungen. Dieser hat seinen Anteil mittlerweile von 15 auf 18 Prozent aufgestockt.

Fraport wächst

Der Flughafenbetreiber Fraport hat an seinem wichtigsten Standort in Frankfurt im Mai 5,32 Millionen Passagieren abgefertigt und damit 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Frachtaufkommen stieg sogar um 6,9 Prozent auf 182.958 Tonnen. Die Aktie legte 1,27 Prozent zu und gehörte zu den größten Gewinnern im MDax.

Jenoptik-Chef drückt auf die Bremse

Auf der Hauptversammlung des TecDax-Unternehmens hat Firmenchef Michael Mertin Risiken eingeräumt, die selbst gesteckten Jahresziele zu erreichen. Er sprach von einer verhaltenen Nachfrage aus der Automobilindustrie sowie zunehmenden politischen Risken.

Am Jahresziel eines Betriebsergebnisses von 55 bis 62 Millionen Euro hält er aber fest, schränkt aber ein, dass sich der Auftragseingang auch wirklich in Umsatz umgesetzt werden muss. Zudem sei Jenoptik weiter auf der Suche nach Zukäufen. Für das vergangene Geschäftsjahr werden 0,20 Euro ausgeschüttet. Die Aktie reagierte mit Abschlägen.

Morphosys kommt mit Merck ins Geschäft

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat eine Kooperation mit den Biotech-Unternehmen geschlossen. Gemeinsam will man neue Krebstherapien entwickeln. Unter anderem geht es dabei um die Anregung des Immunsystems. Während der Entwicklung winken Morphosys Zahlungen von Merck, später dann auch nach der Markteinführung. Morphosys waren im TecDax gesucht und gewannen 1,66 Prozent hinzu.

Kion hat einen neuen Großaktionär

Die chinesische Weichai Power ist mit einem Drittel der Aktien jetzt größter Aktionär des Gabelstaplerproduzenten aus dem SDax. Finanzinvestor Goldman Sachs hat seine Beteiligung im Gegenzug von 35 auf 27 Prozent reduziert. Weichai betonte aber, dass es keinen Einfluss auf das operative Geschäft nehme, obwohl nach chinesischem Recht die Kion-Ergebnisse jetzt konsolidiert werden können.

Kion-Chef Gordon Riske sagte, es sei normal, dass Finanzinvestoren nur für einen begrenzten Zeitraum an Bord blieben. "Mit dem Anteilsverkauf ist unser Free-Float auf 40 Prozent gestiegen", sagte der Firmenchef. Damit würde die Attraktivität der Aktie weiter gesteigert. Das scheint auch die Börse so zu sehen, Kion-Aktien stiegen 1,08 Prozent.

Basler erhöht die Jahresprognose

Das Unternehmen aus dem Prime Standard mit Sitz im norddeutschen Ahrendsburg hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2014 erhöht. Der Vorstand rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 73 bis 76 nach bisher 70 bis 74 Millionen Euro. Die Ergebnismarge, bezogen auf das Vorsteuerergebnis, wird ebenfalls höher erwartet und zwar zwischen 12 und 14 Prozent nach zuvor acht bis zehn Prozent.

Das Unternehmen entwickelt und produziert digitale Kameras unter anderem zur Anwendung in der Industrie, der Videoüberwachung oder in der Medizin. Das Unternehmen ist mehrheitlich in Familienbesitz, gut 31 Prozent sind im Streubesitz. Die Aktie drehte im tagesverlauf ins Plus und schloss 0,8 Prozent besser.

BNP-Vorstand muss gehen

Was sich seit Tagen bereits andeutete, ist nun Gewissheit. Die französische Großbank gab am Donnerstag bekannt, dass der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Georges Chodron de Courcel Ende Juni aus ihren Diensten ausscheidet. Damit gibt die Bank offenbar den Forderungen der amerikanischen Bankenaufsicht nach, nach deren Willen zudem weitere Mitarbeiter gehen sollen.

Die Amerikaner werfen der BNP vor, gegen die US-Sanktionen gegen Länder wie den Iran oder Sudan verstoßen zu haben. Die Personalie ist Teil eines Vergleiches, bei dem die Franzosen insbesondere den Verlust der Banklizenz in den USA verhindern wollen. Der Bank droht zudem eine Strafe von bis zu zehn Milliarden Dollar.

Bank of America winkt ein Freispruch

Gute Nachrichten gibt es hingegen für die Bank of America im Streit um Altlasten aus der Finanzkrise. Bundesrichter Max Cogburn aus North Carolina deutete an, dass es nicht genügend Beweise gebe, um einen Betrugsvorwurf zu erhärten. Diese Sicht der Dinge könnte die Position der Bank in den Verhandlungen mit dem Justizministerium stärken. Im Raum stehen weitere Strafzahlungen von bis zu zwölf Milliarden Dollar, neun Milliarden hat die Bank bereits gezahlt. Die Aktie liegt in New York derzeit leicht im Minus.

Intel scheitert mit Klage

Der Chiphersteller Intel ist mit seiner Klage gegen eine milliardenschwere EU-Kartellstrafe gescheitert. Das EU-Gericht bestätigte am Donnerstag in Luxemburg die im Jahr 2009 verhängte Rekord-Geldbuße in Höhe von 1,06 Milliarden Euro und wies die Klage von Intel "in vollem Umfang" ab. Das Unternehmen kann aber noch Revision vor dem Europäischen Gerichtshof einlegen. Die EU-Kommission hatte Intel seinerzeit vorgeworfen, seine marktführende Stellung zu missbrauchen. Intel-Aktien liegen aktuell an der Nasdaq rund 0,3 Prozent schwächer im Markt.

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