Kreditsorgen holen Dax ein

Stand: 26.11.2007, 20:00 Uhr

Nachdem der starke Auftakt des Weihnachtsgeschäfts in den USA kurzzeitig für steigende Kurse gesorgt hatte, drehten die Aktienmärkte bis zum Abend wieder ins Minus. Grund sind anhaltende Probleme auf den Kreditmärkten.

Die alten Sorgen über die Finanzkrise und den fallenden Häusermarkt haben an den Märkten erneut für Katerstimmung gesorgt. Viele der teils kräftigen Kursgewinne von heute vormittag sind bis zum Abend wieder deutlich geschmolzen. Der Dax beendete den Parketthandel mit einem Abschlag von 64 Punkten bei 7550 Zählern. Auch die Ankündigung der US-Notenbank noch in dieser Woche bis zu acht Milliarden Dollar in den Markt zu pumpen, konnte den Rückgang nicht bremsen.

Es waren vor allem Finanzwerte, allen voran Papiere der Postbank, die den Index ins Minus drückten. Für Verunsicherung hatte die Warnung der Finanzaufsicht Bafin gesorgt, die hiesigen Banken stünden vor Ausfällen bei Verbraucherkrediten. Seit der Jahrtausendwende seien verstärkt Ratenkredite vergeben werden, sagte Bafin-Präsident Jochen Sanio. In letzter Zeit hätten die Kreditinstitute zwar vereinzelt Abschreibungen vornehmen müssen, es sei aber noch mit größeren Belastungen zu rechnen. Das "eigentliche böse Erwachen" werde erst kommen, wenn der wirtschaftliche Aufschwung an Kraft verliere. Dazu beigetragen hat auch das Eingeständnis der französischen Bank Natixis, Belastungen aus der Kreditkrise von mehr als 400 Millionen Euro verkraften zu müssen.

Glaubt man den Analysten von sentix, hat die Kreditkrise ihren stimmungstechnischen Tiefpunkt bereits durchschritten. Die Probleme an den Kreditmärkten blieben zwar bestehen, doch nachdem viele Anleger Kasse gemacht hätten, dürfte sich nun der weitere Druck vor allem der institutionellen Investoren in Grenzen halten, schreiben die Experten. Dies führe in der Gesamtsumme zu einer Bärenkultur, die vom jetzigen Zeitpunkt mehr Chancen als Risiken offenbare.

Conergy legen weiter zu

Conergy haben im späten Parketthandel ihre Gewinne aus dem elektronischen Handel ausgebaut und um 6,36 Prozent auf 18,72 Euro zugelegt. Auf Xetra waren sie mit plus 2,36 Prozent auf 18,20 Euro aus dem Handel gegangen. Händler verwiesen auf diverse Käufe von Führungspersonen -unter anderem hat der künftige vorübergehende Vorstandsvorsitzende Dieter Ammer 100.000 Aktien gekauft. Am Sonntag war bekannt geworden, dass Großaktionär Otto Happel seinen Anteil bei Conergy auf 5,08 Prozent aufgestockt hat.

Münchener Rück von Subprime-Krise verschont
Die weltweit zweitgrößte Rückversicherung Münchener Rück zeigt sich von der US-Immobilienkrise aber weiterhin unbeeindruckt. "Falls es überhaupt weitere Subprime-Verluste geben sollte, dann wären sie nicht signifikant", bekräftigte ein Unternehmenssprecher am Montag. Für die ersten drei Quartale hatte die Münchener Rück 150 Millionen Euro auf ihre von der Krise betroffenen Investments abgeschrieben. "Wir haben alle Subprime-Aspekte in unserem vergangenen Quartalsbericht erfasst", betonte der Sprecher. Dieser Bericht sei nach wie vor gültig. Die Aktie notiert leicht im Plus.

Übernahmegerüchte um Versatel
Übernahmegerüchte haben am Montag die Aktie des Telekomunternehmens um über zwölf Prozent nach oben getrieben. Die Berenberg Bank hat im Kundenauftrag ihren Aktienanteil auf mehr als zehn Prozent aufgestockt. Ein Händler sagte: "Die Berenberg Bank selbst hat sicher kein Interesse an einem Engagement, aber ob es sich am Ende tatsächlich um eine mögliche Übernahme oder nur eine strategische Positionierung eines Käufers handelt, wird sich erst zeigen müssen. Auf alle Fälle kommt damit Fantasie in den Wert."

UBS senkt Fannie Mae und Freddie Mac
Die Schweizer bank UBS hat den amerikanischen Immobilienfinanzierer wegen dessen Probleme am Hypothekenmarkt drastisch herabgestuft auf neutral. Der angemessene Preis wird nun mit 31 Dollar angegeben, nach 88 Dollar zuvor. Verkaufen sollten die Anleger den Analysten zufolge auch die Papiere der Schwesterfirma Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Corp). Beide Konzerne sind durch die Krise am Kreditmarkt in heftige Turbulenzen geraten. Am Freitag hatte Fannie Mae sich von seinem bisherigen Tiefskurs von 28 Dollar um zehn Prozent erholen können.

Plambeck optimistisch
Um satte 16 Prozent stiegen die Aktien des Windparkentwicklers Plambeck. Die Firma zeigt sich nach dem Verkauf eines Windparks optimistischer für das laufende Jahr. Sie rechnet nun mit einem Betriebsergebnis am oberen Rand der Planungen. Demnach würden nun 15 bis 16 Millionen Euro angepeilt statt zwölf bis 16 Millionen Euro. Nun nach Abschluss der Restrukturierungen verfüge Plambeck über etwa 30 Millionen Euro Liquidität.

Bündnis für Tui-Zerschlagung?
Die Aktie profitierte von einem "Spiegel"-Bericht, wonach der Einstieg des russischen Investors Alexej Mordaschow größere Auswirkungen haben könnte, als bisher gedacht. Mordaschow könne sich mit dem norwegischen Investor John verbünden und darauf drängen, den Konzern zu zerschlagen. So zumindest die Interpretation vieler Anleger, die neue Zerschlagungsfantasie bei Tui entwickeln. Auch der US-Investor Guy Wyser-Pratte hatte am Wochenende erneut verlauten lassen, er überlege seinen Anteil an dem Konzern weiter zu erhöhen.

MAN, Conti und ThyssenKrupp im Trend
Ohne fundamentale Nachrichten stiegen die Papiere von ThyssenKrupp, Continental und MAN. Der Lkw-Konzern MAN profitiert offenbar noch von Umsatzhoffnungen, die die Geschäftszahlen des Konkurrenten Volvo in der vergangenen Woche ausgelöst hatten.

Infineon: buy on bad news
Aktien des Chip-Konzerns zeigen schlechten Nachrichten von der Speicherchip-Tochter Qimonda die kalte Schulter und steigen um 1,4 Prozent. Qimonda wird auch im angelaufenen Geschäftsjahr weiter unter dem Preisverfall im Speicherchip-Markt leiden. Das sagte Qimonda-Finanzvorstand Michael Majerus der "Börsen Zeitung". Infineon will weiterhin mit Kosteneinsparungen in der Produktion auf die Situation reagieren.

Daimler besser ohne Fiat
Ins Plus hat es auch die Daimler-Aktie geschafft. Die Gespräche zwischen dem deutschen Konzern und dem italienischen Konkurrenten Fiat scheinen beendet zu sein. Kooperationsverhandlungen über die gemeinsame Nutzung einer Plattform bei der Produktion sind nach Angaben von Fiat gegenüber der Zeitschrift "auto motor sport" abgebrochen worden. Anleger scheinen dies zu begrüßen.

AWD dank DWS top
Die Aktien des Finanzdienstleisters im MDax gewannen mehr als zehn Prozent. Nach Händlerangaben hilft dabei die Aufstockung der Beteiligung durch die DWS. Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank hält inzwischen 3,16 Prozent an dem Unternehmen. DWS-Chef Klaus Kaldemorgen hatte vor kurzen angekündigt, im MDax "selektiv zuzugreifen".

Arcandor bahnt Sonderdividende an
In Vorfreude auf eine mögliche Sonderausschüttung steigt die Aktie des Kaufhauskonzerns um knapp zwei Prozent. Die Zahlung einer Sonderdividende nach dem erfolgreichen Verkauf der Warenhaus-Immobilien schloss Vorstands-Chef Thomas Middelhoff gegenüber der "Financial Times Deutschland" nicht aus. Hauptnutznießerin wäre Großaktionärin Madeleine Schickedanz, die einen Anteil von 55,5 Prozent an Arcandor hält.

Kursflackern bei ProSiebenSat.1
Papiere der Senderkette konnten ihre anfänglichen Kursgewinne nicht halten. Nach einem zwischenzeitlichen Kursplus von bis zu sechs Prozent hat die Aktie am Ende mehr als einen Prozent angegeben. Der Axel Springer-Verlag hat nach Angaben des "Spiegel" weiterhin Interesse an einem Einstieg bei der Senderkette. Eine mögliche Kooperation könne beiden Unternehmen helfen, kommentierten Händler dazu.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr