Kraftvoller Handel sieht anders aus

Stand: 10.12.2009, 20:02 Uhr

Der Dax hat es auch im späten Parketthandel geschafft, die Hürde von 5.700 Punkten zu übersteigen. Doch was für ein zähes Ringen um eine Schwelle, die schon vor Wochen überwunden wurde. Nun warten die Anleger auf neue Impulse aus den USA.

Konjunkturdaten wie das von der Uni Michigan gemessene Verbrauchervertrauen sowie die Entwicklung der Einzelhandelsverkäufe im November dürften für Bewegung sorgen. Der heutige Börsentag verlief eher "saft- und kraftlos" wie ein Händler die Stimmung zusammenfasste. Börsianer beklagen vor allem die geringen Umsätze mit Dax-Titeln von nur noch 2,3 Milliarden Euro, 400 Millionen weniger als gestern. Das Handelsvolumen betrug 80 (Vortag 97) Millionen Aktien.

Dabei gab es eine Reihe positiver Nachrichten. Die Chinesen brauchen wieder mehr Stahl, Spanien und Griechenland droht vorerst doch kein Staatsbankrott und die US-Bank Citigroup fühlt sich stark genug, mittels einer Kapitalerhöhung einen Teil der milliardenschweren Staatshilfe zurückzuzahlen. Hilfe bekamen die Märkte auch von den US-Arbeitsmarktzahlen. Zwar bleibt die Arbeitslosigkeit mit gut zehn Prozent erschreckend hoch, doch nimmt sie offenbar nicht weiter zu.

Am Abend vollzieht der Dax die Bewegung des elektronischen Handels und legt gut 67 Punkte (1,2 Prozent) zu auf 5.703. Auf Xetra hatte der Leitindex gut 60 Punkte (1,08 Prozent) zugelegt auf 5.709. Die größten Kursgewinner sind Munich Re, Bayer und Allianz. Im Tagesverlauf zeitweise auch die Papiere von Siemens, K+S und ThyssenKrupp den ersten Platz belegen.

Auch an den US-Börsen ist von einer Jahresendrally nichts zu spüren. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt nur noch 0,6 Prozent höher bei 10.400.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,80
Differenz relativ
-0,23%

Lufthansa scheitert
Die Lufthansa ist mit ihrer Klage gegen einheitliche Sicherheitsgebühren bei An- und Abflügen auf deutschen Flughäfen endgültig gescheitert. Nachdem die Airline bereits in zwei Instanzen unterlegen war, wies das Bundesverwaltungsgericht heute auch die Revision zurück. Die einheitlichen Gebühren für die Sicherung der An- und Abflüge durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) seien rechtens, entschied der 3. Senat. Die Leistung, die den Fluglinien zugutekomme, sei auf allen internationalen Flughäfen in Deutschland «im Wesentlichen» gleich. Die Aktie legt dennoch leicht zu.

AOL unter Eröffnungskurs
Aktien der als eigenständiges Unternehmen an die Börse zurückgekehrten Internetgesellschaft AOL verzeichneten heute am Tag ihrer Erstnotiz einen Eröffnungskurs von 23,27 US-Dollar. Damit blieben sie unter dem Ausgabekurs von 23,67 Dollar. Zuletzt wurden für die Titel 23,37 Dollar bezahlt. Nach acht erfolglosen Jahren unter dem Dach von Time Warner wurde AOL aus dem Konzern herausgelöst. Der Leidensdruck bei Time Warner war so groß, dass der Konzern AOL an seine Anteilseigner verschenkt.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,17
Differenz relativ
-1,80%

ThyssenKrupp gefragt
Papiere von ThyssenKrupp können am Nachmittag ihre Gewinne weiter ausbauen und gehören zu den größten Gewinnern im Dax. Sie reagieren laut Händlern auf die gute Vorlage des US-Konkurrenten AK Steel, dessen Aktie gestern rund sechs Prozent gewonnen hatte.

Repower bald komplett indisch?
Die Papiere des Windanlagenbauers haben zeitweise um mehr als vier Prozent zugelegt. Grund ist ein Artikel in der Online-Ausgabe des "Wall Street Journal". Danach strebt die indische Suzlon Energy die vollständige Kontrolle von Suzlon an. Der Zeitung zufolge will Suzlon für die restlichen 8 Prozent 150 Millionen Dollar zahlen. Ein Händler sah mit dem Artikel neue Squeeze-Out-Fantasie für das Papier.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,30
Differenz relativ
+0,93%

Bayer hofft auf Lungenpräparat
Auch die Bayer-Aktie hält sich überdurchschnittlich. Nachrichten zu einem neuen Medikament gegen Lungenhochdruck helfen der Aktie. Das Präparat hat die Phase II der klinischen Erprobung mit gutem Erfolg überstanden. Dem Medikament traut Bayer ein Umsatzpotenzial bis zu einer Milliarde Euro jährlich zu.

MAN muss zahlen
Die Papiere von MAN stehen heute ganz oben auf der Verliererseite. Wegen des Schmiergeldskandals zahlt der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN eine Geldbuße von rund 150 Millionen Euro. Die Münchner Staatsanwaltschaft und das Landgericht setzten für die Konzernsparten Nutzfahrzeuge und Turbo jeweils Zahlungen von 75,3 Millionen Euro fest. So sollen die durch Bestechung erzielten Gewinne abgeschöpft werden. MAN verzichtete auf Rechtsmittel, weshalb die Ermittlungen sieben Monate nach Bekanntwerden des Skandals beendet sind. "Für uns ist die Sache damit erledigt", sagte ein MAN-Sprecher.

Fraport schöpft Hoffnung
Die Zahl der Passagiere auf dem Frankfurter Flughafen ist im November zwar weiter zurückgegangen, aber nur um 0,2 Prozent auf 3,9 Millionen. Dagegen stieg das Frachtgeschäft im November um sieben Prozent.

Manz freut sich
In den vergangenen Wochen seien Bestellungen über 15 Millionen Euro eingegangen, teilte die TecDax-Gesellschaft Manz heute mit. Damit belaufe sich der Auftragsbestand auf 65,3 Millionen Euro. Die größten Aufträge seien von großen chinesischen Solarzellen-Herstellern eingegangen. Das Unternehmen machte zudem Hoffnung auf weitere Bestellungen. Die neu bestellten Maschinen sollen im ersten Halbjahr 2010 ausgeliefert werden. Die Aktie zieht deutlich an, muss ihren Spitzenplatz des größten TecDax-Gewinners aber an die Software AG abgeben.

SMA unter Beobachtung
Während die Schweizer UBS den fairen Wert von SMA auf 110 Euro einschätzt, hat die Deutsche Bank ihre Empfehlung für das nordhessische Unternehmen auf "Hold" und das Kursziel bei 72,00 Euro belassen. Die Ankündigung von SMA, seine Kapazität schrittweise zu erhöhen, sei schwierig zu bewerten, weil die weltweite Nachfrage nach Photovoltaikanlagen großen Schwankungen unterliege, schreibt Analyst Hermann Spellmann in einer Studie. Eine optimistischere Beurteilung sei daher derzeit nicht möglich, so der Experte. Die Anleger stört das heute nicht.

Bertrandt enttäuscht
Beim Automobilzulieferer Bertrandt sind Gewinn und Umsatz im Geschäftsjahr 2008/09 deutlich zurückgegangen. Der Jahresüberschuss nach Steuern sank um 32 Prozent von 36,2 Millionen Euro auf 24,6 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 11 Prozent auf 384,6 Millionen Euro zurück. Dennoch habe sich das Unternehmen damit "relativ gut" in der Krise behauptet, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Bichler am Mittag bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart. Die Anleger reagieren dagegen enttäuscht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)