Kraftlos ins Wochenende

Stand: 10.09.2010, 20:02 Uhr

Die Perspektive einer milliardenschweren Kapitalerhöhung der Deutschen Bank hat den Dax heute unter Druck gesetzt. Doch die Marke von 6.200 Punkten kann der Leitindex verteidigen. Am Abend greifen die Anleger sogar wieder zu.

Der Dax klettert um gut 28 Punkte (0,46 Prozent) auf 6.205. Damit bleibt der Leitindex aber hinter dem Xetra-Stand zurück. Am Ende des elektronischen Handels büßte das Börsenbarometer knapp sieben Punkte ein und schloss bei 6.214. Auf
Wochensicht bedeutet das ein Plus von gut 1,3 Prozent.

Dominiert wurde der Handel von der Aktie der Deutschen Bank. Sie bringt es auf ein Handelsvolumen von mehr als 765 Millionen Euro - fast die Hälfte des gesamten Handels in dem 30 Werte umfassenden Index. Verschiedene Medien berichten, dass sich der Branchenprimus des deutschen Bankgewerbes bis zu neun Milliarden Euro frisches Geld besorgen will, um sich für eine Komplettübernahme der Postbank und schärfere Eigenkapitalrichtlinien zu rüsten. Die Anleger reagieren mit massiven Verkäufen. Bei Börsenschluss büßen die Titel der Deutschen Bank 4,6 Prozent ein.

Markt bleibt unberechenbar
Leicht bergauf geht es dagegen an der New Yorker Börse. der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte liegt am Abend gut 30 Punkte über dem Stand von gestern, bei 10.445. Nach einem sehr schwierigen August wiesen die Zeichen am Markt nun wieder nach oben, sagte Analyst Rick Meckler von LibertyView Capital Management. Zudem sei die Nachrichtenlage derzeit übersichtlich. An solchen Tagen würden viele Anleger mit einer positiven Einstellung in den Handel starten.

Insgesamt bleibe die Stimmung am Markt aber unberechenbar, sagte ein Händler. Die Staatsschulden in Europa und Zweifel an der Stabilität des Bankensektors könnten jederzeit wieder stärker in den Blickpunkt der Anleger rücken.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,64
Differenz relativ
-3,04%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,85
Differenz relativ
-0,15%

Auch Commerzbank-Aktie schwach
Zweitgrößter Verlierer im Dax nach der Deutschen Bank sind die Titel der Commerzbank. Kein Wunder, benötigt das Institut doch ebenfalls frisches Kapital. Händlern zufolge dürfte es die Bank sogar schwerer haben werde, Geld am Markt einzusammeln als die Konkurrenz von der Taunusanlage. Die Commerzbank-Papiere verlieren 2,5 Prozent und sind damit zweitgrößter Dax-Verlierer.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,27
Differenz relativ
+0,12%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,72
Differenz relativ
-1,32%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
Differenz relativ
-0,36%

Auto-Aktien ganz vorn
Volkswagen kann seine Werke im Inland nach Angaben des Betriebsrats dank der hohen Auslandsnachfrage weiterhin voll auslasten. "Wir fahren an allen Standorten Mehrarbeit", sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh der Nachrichtenagentur Reuters. Die Dynamik lasse zwar nach, aber nicht bei VW. Die Anleger reagieren erfreut und hieven die VW-Aktie auf den ersten Platz im Dax. Unter den größten Gewinnern sind auch BMW, Daimler-Aktien.

Wie das Statistische Bundesamt berichtet, waren deutsche Autos im ersten Halbjahr ein regelrechter Exportschlager. Autos und Fahrzeugteile im Wert von 77 Milliarden Euro wurden ausgeführt. Das waren rund 41 Prozent als im Vorjahr.

JP Morgan belastet Beiersdorf
Aktien von Beiersdorf notieren dagegen tiefer als gestern. Grund ist eine negative Studie von JP Morgan. Die Bank bewertet die Aktie nur noch mit "Underweight", nach bisher "Neutral". Zudem setzte sie das Kursziel von 46 auf 42 Euro herunter. Die Wachstumsaussichten für die Branche verschlechterten sich, weil bei steigenden Kosten mit einer schwächeren Nachfrage zu rechnen sei. JP Morgan steht damit im Kontrast zur Deutschen Bank, die das Hamburger Unternehmen als potenzielles Übernahmeziel von Procter & Gamble sieht.

Springer mag das Internet
Zulegen kann dagegen die Aktie des künftigen MDax-Mitglieds Axel Springer. Dabei will der Medienkonzern das französische Internet-Immobilienportal seloger.com komplett übernehmen. Springer bewertet das Unternehmen mit insgesamt 566 Millionen Euro. Bislang hielt das Hamburger Unternehmen 12,4 Prozent an den Franzosen. Die Aktie legt zu. Goldman Sachs hat die Einstufung für Seloger.com nach Halbjahreszahlen auf "Conviction Buy" mit einem Kursziel von 44,80 Euro belassen.

Fraport-Zahlen lassen Anleger kalt
Die Rekordzahlen des Flughafenbetreibers Fraport im August stoßen bei den Anlegern auf wenig Begeisterung. Dabei wurden allein auf dem Flughafen in Frankfurt 5,2 Millionen Passagiere abgefertigt, 6,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Fracht- und Luftpostaufkommen wuchs um 18 Prozent auf 188.397 Tonnen.

Postbank mit Übernahmefantasie
Zu den stärksten Werten im MDax gehört die Aktie der Postbank. Sie profitiert von der geplanten Kapitalerhöhung der Deutschen Bank, die damit die Komplettübernahme des Bonner Instituts bezahlen will.

Steico wächst nicht genug
Der Öko-Dämmstoffhersteller Steico hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 22 Prozent auf 61,4 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 43 Prozent auf 4,7 Millionen Euro verbessern können. Außerdem bestätigte das Unternehmen aus dem Entry Standard seine Gesamtjahresprognose. Dennoch reagieren die Anleger enttäuscht. Die Aktie verliert gut zwei Prozent.

Neuer Chef beflügelt Nokia
Die Nokia-Aktie klettert erstmals seit Monaten wieder über die Marke von acht Euro. Damit feiern die Anleger die Ankündigung des Konzerns, den derzeitigen Chef Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo durch Stephen Elop, bisher Manager bei Microsoft, zu ersetzen. Elop wird das Amt bereits am 21. September übernehmen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr