Marktbericht 20:15 Uhr

Eitel Sonnenschein an der Börse Kräftiger Rückenwind für den Dax

Stand: 08.05.2015, 20:15 Uhr

Versöhnlicher Wochenausklang an der Börse. Gute Konjunkturdaten aus Amerika und eine überraschend klare Wahlentscheidung in Großbritannien haben die Anleger zurück an den Markt gebracht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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All dies bescherte dem deutschen Leitindex Dax einen kräftigen Tagesgewinn von 301 Punkten oder 2,65 Prozent auf 11.709 Punkte. Nicht nur das, auch im Wochenvergleich rückte der Index um 2,2 Prozent vor. Damit ging eine hochvolatile Handelswoche versöhnlich zu Ende. Im späten Geschäft nach Xetra-Schluss tat sich wenig, der L/E-Dax schloss bei 10.694 Punkten.

Auslöser für das Kursfeuerwerk am Nachmittag waren robuste US-Arbeitsmarktdaten für den April. Hier waren zuletzt Befürchtungen im Markt, der US-Konjunkturaufschwung könnte nach einigen schwächeren Daten zuvor zum Stehen kommen.

Erleichterung über US-Arbeitsdaten

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die Erleichterung der Anleger war dann aber deutlich spürbar, denn das Konjunkturszenario in Amerika muss nicht neu geschrieben werden. Die zuletzt schwachen Konjunkturdaten hatten befürchten lassen, dass die Erwartungen der Volkswirte erneut verfehlt würden. Der Leitindex Dow Jones reagiert ebenfalls mit gewinnen und liegt aktuell 1,45 Prozent im Plus.

"Der Erholungskurs der US-Wirtschaft hält an", sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. "Es läuft jenseits des Atlantiks solide, mehr aber auch nicht," schränkte der Experte jedoch ein. Für die Notenbank besteht damit weiterhin keine Eile, die Zinsen zu erhöhen.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Mit 223.000 neu geschaffenen Stellen und einer Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent wurden die Erwartungen genau getroffen. Die Quote ist zugleich ein neues Siebenjahrestief. Die Fed um ihre Chefin Janet Yellen hatte in der Vergangenheit immer wieder die besondere Rolle des Arbeitsmarktes für geldpolitische Entscheidungen betont.

Euro etwas leichter

Der Euro tendierte unter Schwankungen um die Marke von 1,12 Euro. Die Gemeinschaftswährung reagierte damit erstaunlich gelassen auf die US-Daten. Die EZB legte den Kurs am Nachmittag bei 1,1221 Dollar fest nach 1,1305 Dollar am Vortrag. Experten hatten bereits einen deutlichen Absturz des Greenback prognostiziert, sollte sich eine Verschiebung des aktuellen Zinsszenarios wegen schwächerer Wirtschaftsdaten bestätigen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch am Rentenmarkt, der zuletzt heftig schwankte, ging es wieder bergauf. Der Bund-Future legte 0,49 Prozent auf 154,74 Prozent zu, die Rendite zehnjährige Bundesanleihen fiel auf 0,54 Prozent. Am Donnerstag war sie wegen des rasanten Ausverkaufs am Anleihemarkt zeitweise bis auf 0,77 Prozent geklettert. Vor drei Wochen waren es noch 0,05 Prozent gewesen.

Wahlergebnis treibt Pfund und Aktienmarkt

Das britische Pfund profitierte vom Ausgang der britischen Parlamentswahl. Allerdings konnte es seine starken Anfangsgewinne gegenüber der Gemeinschaftswährung von rund zwei Prozent am frühen Morgen und im nordamerikanischen Handel nicht verteidigen. Die regierenden Konservativen um Premierminister Cameron haben einen überraschend deutlichen Wahlsieg errungen und können entgegen aller Vorhersagen der Wahlforscher alleine regieren. Der Londoner Aktienindex FTSE 100 startete ebenfalls durch und gewann über zwei Prozent.

Chemiewerte im Dax gesucht

Der Dax wurde von K+S angeführt. Der Kasseler Salz- und Düngemittelhersteller profitierte von der neuen Übernamefantasie im Agrochemiesektor. Marktbeobachter verwiesen auf das Übernahmeangebot für den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta. Der amerikanische Konkurrent Monsanto will den Schweizer Konzern übernehmen. Monsanto bietet 449 Franken je Aktie. Syngenta wiederum weist das Angebot als zu niedrig zurück.

Sollte es doch noch zu einem Zusammenschluss kommen, dürfte die Transaktion kaum ohne Auflagen der Wettbewerbshüter über die Bühne gehen, sagte ein Händler. Daraus könnten sich für andere Unternehmen wie Bayer oder BASF, die im Saatgutbereich bislang eine untergeordnete Rolle spielten, Zukaufmöglichkeiten ergeben.

Gefragt waren auch Lanxess nach den guten Zahlen vom Vortag. Bayer, einer der Hauptkonkurrenten von Monsanto, blieb ebenfalls gesucht. Gleiches gilt für BASF. Neben den Chemieaktien lagen auch BMW und der Versorger RWE in der Spitzengruppe.

Keine Panik bei Adidas und Eon

Am Dax-Ende lag die Eon-Aktie, allerdings nur optisch. Denn Eon (und auch Adidas) wurden nach ihrer gestrigen Hauptversammlung mit Dividendenabschlag gehandelt. Adidas hat 1,50 Euro und Eon 50 Cent je Aktie an seine Anteilseigner ausgeschüttet. Bereinigt um die Dividenden notierte Eon im Plus.

VW vor größerem Umbau

Der Autokonzern steht vor einem deutlichen Umbau. Darauf hat VW-Chef Winterkorn die Führungskräfte eingeschworen, berichtet die Fachzeitschrift "Automobilwoche". Der Konzern bestätigte zwar das Treffen, wollte sich aber nicht näher äußern.

"Wir müssen schneller, effizienter und beweglicher werden", sagte Winterkorn nach Informationen des Blatts. Grund seien Herausforderungen wie die Digitalisierung oder das autonome Fahren. Neben der Neuordnung des Nutzfahrzeuggeschäftes ist die Dezentralisierung des Geschäftes ein wichtiger Punkt. Die regionalen Entscheidungträger sollen gestärkt werden.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig will VW bis zum Jahr 2019 insgesamt 4,2 Milliarden Euro in die spanischen Modelle und Werke investieren. Neben dem Stammsitz der Tochter Seat in Martorell bei Barcelona betreibt VW auch ein Werk im nordspanischen Pamplona. Bei den Plänen handelt es sich laut Konzern um die größte industrielle Investition in der spanischen Geschichte.

Adler Real Estate auf Erfolgskurs

Das Immobilienunternehmen aus dem Prime Standard ist äußerst erfolgreich ins neue Geschäftsjahr gestartet. Nach vorläufigen Zahlen erhöhte sich das Ebit um mehr als das Doppelte von 28,4 Millionen Euro im Vorjahr auf 60,4 Millionen Euro. Der Konzern war zuletzt auch durch Zukäufe stark gewachsen.

Jungheinrich liegt auf Kurs

Der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich hat zum Jahresauftakt seinen Umsatz um acht Prozent auf 620 Millionen verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um fünf Prozent auf 42,3 Millionen zu. Der Auftragseingang stieg um elf Prozent auf 666 Millionen. Der Umsatz soll im Gesamtjahr 2,6 bis 2,7 Milliarden und das Ebit 190 bis 200 Millionen Euro erreichen.

Nokia winken Milliarden

Der Nokia-Kartendienst "Here" ist offenbar heiß begehrt. Laut der "New York Times" will der Online-Vermittlungsdienst von Fahrgästen Uber bis zu drei Milliarden Dollar bieten. Neben Uber haben demnach auch Audi, BMW und Daimler zusammen für Here geboten. Zudem soll auch noch ein Finanzinvestor interessiert sein. Es wird damit gerechnet, dass Nokia Ende Mai den Verkauf bekannt gibt.

Epigenomics erringt Erfolg

Die Aktien des Medizintechnikunternehmens Epigenomics stiegen kräftig. Das Unternehmen hat von guten Forschungsergebnissen für seine Darmkrebs-Test Epi proColon berichtet. "Wir werden diese Daten im Rahmen unseres Zulassungsantrags einreichen und die Ergebnisse in den nächsten Wochen mit der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA diskutieren", teilte das Unternehmen mit.

Holcim-Aktionäre geben das Jawort

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung haben die Holcim-Aktionäre den Zusammenschluss mit der französischen Lafarge abgesegnet. Die Zustimmung lag bei 93,74 Prozent, 5,94 Prozent stimmten dagegen. Gleichzeitig billigten die Aktionäre eine Kapitalerhöhung, die der Finanzierung des Zusammenschlusses dienen soll.

Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle erklärte in seiner Funktion als Verwaltungsratschef des Schweizer Unternehmens, die wichtigste Hürde sei nun genommen. Nun sind die Lafarge-Aktionäre gefragt, die mindestens mit einer Zweidrittel-Mehrheit zustimmen müssen. Der neue Name des größten Zementherstellers der Welt soll dann HolcimLafarge lauten.

Toyota fährt Rekordgewinn ein

Der japanische Autokonzern Toyota hat im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr so gut wie nie abgeschnitten. Das Betriebsergebnis stieg um 20 Prozent auf 2,75 Billionen Yen. Das sind umgerechnet 20 Milliarden Euro. Eingesparte Kosten und der schwache Yen konnten die rückläufigen Verkaufszahlen kompensieren.

Für Toshiba kommt es knüppeldick

Der japanische Mischkonzern schockt seine Aktionäre. Wegen möglicher Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzerstellung streicht das Unternehmen seine Dividende. Zudem zieht Toshiba seine Prognose für das Ende März zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2014/15 zurück und verschiebt die Bekanntgabe der Geschäftszahlen auf den Juni.

Es ist innerhalb von zwei Jahren bereits das zweite Mal, dass Toshiba seine Bilanzierungsmethoden überprüft. Bisher ist bekannt, dass Projektkosten wohl zu niedrig angesetzt worden sind. Der Konzern will zur Klärung nun auswärtige Prüfer hinzuziehen. Die Aktie fiel in Frankfurt deutlich zurück, der Markt in Tokio war bei Bekanntgabe der Horrormeldung bereits geschlossen.

rm

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"