Kräftige Kurserholung dank Ifo

Stand: 24.11.2010, 20:04 Uhr

So schnell kann sich der Wind drehen: Gestern noch zeigten sich die Anleger pessimistisch, am Mittwoch befanden sie schon wieder in Hochstimmung. Der starke Ifo-Index verdrängte die Sorgen über eine Ausweitung der Schuldenkrise in Europa. Im Rampenlicht standen Autoaktien und SAP.

Aufatmen an den Märkten: In deutschen Unternehmen ist derzeit nichts von der Schuldenkrise in mehreren Ländern Europas zu spüren. Die Stimmung in den Chefetagen ist besser denn je. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober stieg überraschend deutlich auf 109,3 Punkte, dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die gute Laune in der deutschen Wirtschaft steckte die Börsianer an: Der Dax legte um fast 1,8 Prozent zu und übersprang wieder die Marke von 6.800 Punkten. Im späten Parketthandel ging es noch weiter nach oben. Der L-Dax schloss bei 6.837 Punkten.

Jahreshoch wieder in Sichtweite
Damit hat der Dax seine Kursverluste seit Anfang der Woche wieder wettgemacht. Selbst das Jahreshoch von 6.844 Punkten rückt wieder in Sichtweite. Unterstützung kam von der Wall Street: der Dow Jones baute seine Kursgewinne bis zum Abend aus und stieg um 1,2 Prozent. Noch stärker gefragt waren Hightech-Werte. Die Nasdaq kletterte um 1,8 Prozent nach oben. Allerdings waren die Umsätze am Tag vor dem Thanksgiving-Feiertag recht gering.

US-Verbraucher fassen Mut
Ermutigende Zahlen vom Arbeitsmarkt und eine Aufhellung des Konsumklimas sorgten für Auftrieb an den US-Börsen. So nahm das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes überraschend stark zu. Der von der Universität Michigan ermittelte Index kletterte nach endgültigen Berechnungen von 67,7 Punkten im Oktober auf 71,6 Zähler im November. Als Grund wurden die günstigere Lage am Arbeitsmarkt und die Sonderangebote bei vielen Einzelhändlern genannt. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg auf 69,5 Punkte gerechnet.

Entspannung am Arbeitsmarkt
Tatsächlich ist die Zahl der Arbeitslosenhilfe-Erstanträge in der vergangenen Woche stärker als vorausgesagt auf 407.000 gesunken. Im Oktober hielten sich die Konsumenten aber noch mit ihren Ausgaben zurück. Sie stiegen nur um 0,4 Prozent - statt wie erwartet um 0,5 Prozent.

Schlechte Nachrichten gab's von der Immobilien-Front: Überraschend sank die Zahl verkaufter neuer Häuser um acht Prozent. Volkswirte hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet. Auch die Auftragseingänge der US-Industrie schrumpften unerwartet. Doch selbst das konnte die Kauflaune der Anleger am Mittwoch nicht trüben.

Euro rutscht weiter ab
Der Euro blieb am Mittwoch weiter unter Druck. Am Abend notierte er bei 1,3330 Dollar. Am frühen Morgen war er gar erstmals seit September unter die Marke von 1,33 Dollar gerutscht. Noch immer lasten die europäische Schuldenkrise und die unklare Lage in Irland auf der Gemeinschaftswährung. Derweil weitet sich die Krise weiter aus. In Portugal hat der größte Generalstreik seit zwei Jahrzehnten begonnen. In der Folge stiegen die Preise für portugiesische Kreditausfallversicherungen (CDS) auf ein neues Rekordhoch. Selbst Deutschland war von der Volatilität an den Märken betroffen. Die Finanzagentur des Bundes wurde am Mittwoch eine neue Staatsanleihe nicht komplett los.

Autoaktien fahren davon
Die Kurserholung im Dax war vor allem bei den Autowerten sichtbar. Daimler und BMW legten rund fünf Prozent zu, VW 4,5 Prozent. Größter Dax-Gewinner war MAN mit einem Plus von fast sechs Prozent. Börsianer begründeten den Kurssprung damit, dass die Autowerte am Dienstag überdurchschnittlich verloren hätte. Da die Unsicherheit nun etwas nachlasse, würden Konsumwerte als erste von der wiederkehrenden Investitionsbereitschaft profitieren. Die gute Stimmung im Sektor wurde durch weitere gute Nachrichten angefacht: MAN kündigte früher als erwartet eine Tariferhöhung für seine 22.000 Mitarbeiter in Deutschland an.

Porsche im Absatzrausch
Ebenso zeigten die Quartalszahlen von Porsche, wie gut es der Autoindustrie derzeit geht. Von August bis Ende Oktober 2010 hat der Sportwagenbauer sein operatives Ergebnis nahezu verachtfacht auf 395 Millionen Euro. Der Umsatz legte im ersten Quartal um mehr als 80 Prozent auf über zwei Milliarden Euro zu. Mit über 21.000 Sport- und Geländewagen verkauften die Stuttgarter 86 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Die Aktie katapultierte sich um fast fünf Prozent nach oben.

Milliarden-Investitionen von BASF positiv aufgenommen
Zu den größten Dax-Gewinnern zählten ebenfalls die Titel von BASF mit einem Plus von 3,5 Prozent. Um für die Zukunft gut gerüstet zu sein, will der Chemiekonzern BASF bis 2015 neun bis zehn Milliarden Euro in die Modernisierung des Standortes Ludwigshafen investieren. Betriebsbedingte Kündigungen soll es bis dahin keine geben. Die Anleger begrüßten die Entscheidung.

ThyssenKrupp will US-Ofen schneller bauen
Früher als geplant will auch ThyssenKrupp seine Investitionen vorantreiben. Der Bau des neuen Schmelzofens im Edelstahlwerk in den USA soll vorgezogen werden. Dadurch könnte die Produktion 2013 - ein Jahr früher als geplant - beginnen. Um den US-Markt zu bedienen, brauche man schnelle Durchlaufzeiten, begründete ein Insider die Entscheidung. Der Aufsichtsrat soll die Pläne am Freitag absegnen. Die ThyssenKrupp-Aktie legte fast drei Prozent zu.

SAP doppelt bestraft
Schlusslicht im Dax war die Aktie von SAP mit einem Minus von über einem Prozent. Der Walldorfer Softwarekonzern hat im Schadenersatzprozess gegen den Konkurrenten Oracle eine herbe Schlappe erlitten und wurde zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar Schadensersatz verdonnert. Das ist mehr als von Analysten erwartet worden war. SAP hatte allenfalls eine Zahlung in Höhe von lediglich 40 Millionen Dollar für angemessen gehalten. Ein Firmensprecher sagte, SAP prüfe ob die Firma Berufung einlegen werde.

Post-Aktie immer tiefer
Neben SAP gab die Aktie der Deutschen Post erneut nach. Sie litt weiter unter den Aussagen auf dem gestrigen Kapitalmarkttag. Die französische Investmentbank Cheuvreux hat die Einstufung für die Aktien auf "Underperform" mit einem Kursziel von 13,00 Euro belassen. Die Aussagen zur Strategie bis ins Jahr 2015 seien wenig aufregend gewesen, schrieb der zuständige Analyst in einer Studie. Er sehe keinen Grund, warum sich die Aktien besser entwickeln sollten als der Gesamtmarkt.

Deutsche Börse verabschiedet sich vom Parkett
Die Deutsche Börse stellt den Parketthandel früher als erwartet bereits Ende Mai im kommenden Jahr ein. Als ursprüngliches Datum war Ende März 2012 anvisiert. Aktien und Anleihen sollen dann komplett über Xetra gehandelt werden. Der Handelssaal am Frankfurter Börsenplatz bleibe aber weiter in Betrieb, hieß es. Die bisherigen Skontroführer, die Geld- und Briefkurse für von ihnen betreute Wertpapiere stellen, fungieren künftig als Spezialisten im Xetra-Handel.

Sky gut erholt
Im MDax war der größte Verlierer von gestern der größte Gewinner. Die Papiere von Sky legten um über acht Prozent zu und machten die Kursverluste von Dienstag wieder nahezu wett. Die von der Bafin gefundenen Fehler in den Konzernabschlüssen von 2007 und 2008 seien keine Überraschung gewesen, meinte ein Analyst. Zudem wies der frühere Senderchef Georg Kofler den Vorwurf geschönter Bilanzen empört zurück. Weil es für Abonnements keinen Bilanzstandard gebe, seien unterschiedliche Darstellungen möglich. Er habe auch Abos mit sehr niedrigen Jahresumsätzen akzeptiert - im Gegensatz zu seinen Nachfolgern. Die Bafin hatte moniert, dass die Abonnenten-Zahlen deutlich zu hoch angegeben worden waren.

Teilerfolg von Springer vor Gericht
Zu den größten MDax-Gewinnern gehörten die Aktien von Axel Springer mit einem Plus von 4,5 Prozent. Der Verlag darf wieder vom Einstieg ins TV-Geschäft träumen. Das Bundesverwaltungsgericht hat am Mittwoch geurteilt, dass "die medienrechtliche Unbedenklichkeit einer Übernahme von privaten Fernsehsendern durch Axel Springer neu geprüft werden" müsse. Die endgültige Entscheidung soll nun der Bayerische Verwaltungsgerichtshof fällen. Das Bundeskartellamt hatte 2006 Axel Springer den Kauf von ProSiebenSat.1 untersagt.

Analysten machen Kurse
Mangels Nachrichten trieben Analysten einzelne Aktien nach oben und unten. So hoben die Analysten der Credit Suisse das Kursziel für Brenntag von 78 auf 80 Euro an und bekräftigten ihre Einstufung mit "Outperform". Der Markt unterschätze das Potenzial des Unternehmens, hieß es in der Studie. Brenntag werde vom Trend zum Outsourcing profitieren und seine führende Position noch ausbauen. Die Brenntag-Aktien legten drei Prozent zu. Dagegen drückten die Analysten von Morgan Stanley Praktiker nach unten. Das Kursziel wurde von fünf Euro auf 4,50 Euro gesenkt. Die Papiere von Praktiker zählten zu den wenigen MDax-Verlierern mit einem Abschlag von fast einem Prozent.

Kurssprung von Pfleiderer
Im SDax fielen besonders die Titel von Pfleiderer auf. Sie machten einen Riesen-Satz von 17 Prozent auf über zwei Euro. Börsianer sprachen von einer charttechnischen Gegenreaktion auf den jüngsten Kursverfall. Zudem habe der Konkurrent Kronospan angekündigt, einen Teil seiner Marktkapazitäten aus dem Handel zu nehmen. Das dürfte die Preise für Spanplatten in Europa positiv beeinflussen.

Air Berlin-Aktie hebt ab
Nachdem gestern abend das Frankfurter Arbeitsgericht den für Mitte der Woche angedrohten Pilotenstreik untersagt hatte, ging es mit den Aktien von Air Berlin um gut fünf Prozent nach oben. Am Dienstag hatte die Aktie noch unter den Streikdrohungen deutlich gelitten.

Freie Bahn für Deutsche Wohnen
Der Immobilienfirma Deutsche Wohnen hat ihre Refinanzierung abgeschlossen. Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Wohnungsbaugesellschaft hat nach eigenen Angaben den letzten Teil ihres 2012 fälligen Großkredits von knapp einer halben Milliarden Euro vorzeitig umschulden können. Somit ist die Deutsche Wohnen bis 2014 finanziert und kann wieder auf Einkaufstour gehen. Dafür sicherte sich die Gesellschaft zusätzliche Kredite von über 100 Millionen Euro. Die Aktie stieg um knapp zwei Prozent.

Aurelius wartet auf den "Traumschiff"-Effekt
Abgestraft wurden die Aktien der Beteiligungsgesellschaft Aurelius. Sie verloren fast drei Prozent. Die Firma hat im dritten Quartal ein operatives Ergebnis (Ebitda) von nur 51 Millionen Euro eingefahren - ein Drittel des Niveaus vom Vorjahreszeitraum. Dagegen stieg dank Zukäufen der Umsatz um 17 Prozent auf 624 Millionen Euro. Der Eigentümer von Blaupunkt, Berentzen und künftig auch der "Traumschiff"-Reederei Peter Deilmann hatte im Vorjahresquartal von hohen Sondererlösen profitiert. Morgan Stanley hat das Kursziel für Aurelius von 32,50 auf 34,00 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Underweight" belassen.

Altira wieder in den schwarzen Zahlen
Die auf alternative Investments fokussierte Asset Management-Gesellschaft Altira hat im dritten Quartal einen Umsatzeinbruch erlitten. Die Erlöse gingen von 3,9 Millionen Euro im dritten Quartal des Vorjahres auf drei Millionen zurück. Dagegen schaffte Altira ein positives Ebit von 0,3 Millionen Euro - nach einem Verlust von einer halben Million Euro im Vorjahr.

Schwarzer Tag für A-Tec
Um über 14 Prozent brach die Aktie des österreichischen Mischkonzerns A-Tec ein. Die Tochter Austrian Energy & Environment (AE&E), die stark auf dem internationalen Energie- und Entsorgungsgeschäft mitmischt, musste wie bereits die Konzernmutter A-Tec Mitte Oktober nun auch Insolvenz anmelden. Die AE&E war das Prunkstück von A-Tec. Der Kraftwerksbauer war durch Verluste bei Projekten in Australien in Schieflage geraten. A-Tec hatte vor ein paar Jahren versucht, die Mehrheit bei Aurubis (damals Norddeutsche Affinerie) zu erobern. Das misslang.

Swiss Life spart weiter
Die Lebensversicherer Swiss Life will seinen Sparkurs fortsetzen. Bis 2012 soll weiterhin eine Eigenkapitalrendite von 10 bis 12 Prozent erreicht werden, kündigte der Konzern beim Investorentag an. Den Aktionären winkt eine Dividende von 20 bis 40 Prozent des Gewinns. Das ließ die Investoren relativ kalt. Die Aktie gab um zwei Prozent nach.

Madoff-Treuhänder klagt gegen UBS
Die Milliarden-Pleite des US-Finanzjongleurs Bernard Madoff könnte die Schweizer Großbank UBS im Extremfall teuer zu stehen kommen. Am Mittwoch reichte der Treuhänder von Madoff eine Klage ein. Darin werden UBS, LLC und weitere Personen für einen Schaden von zwei Milliarden Dollar verantwortlich gemacht. Madoffs Machenschaften wären nicht möglich gewesen, wenn UBS-Vertreter nicht weggesehen hätten, hieß es in der Klage. UBS erklärte, dass die erhobenen Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehrten. Die UBS-Aktie notierte nahezu unverändert.

Tiffany glänzt
Quartalszahlen aus den USA meldete am Mittwoch Tiffany. Der Edel-Juwelier profitierte von der wieder erwachten Lust auf Luxus im Heimatmarkt und im Ausland. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent, der Gewinn kletterte um über ein Viertel auf 55 Millionen Dollar. Die Tiffany-Aktien stiegen um fünf Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen