Korrektur nach unten

Stand: 07.04.2009, 20:03 Uhr

Keine Spur mehr von Bärenmarktrally. Die Börsen gingen am Dienstag in Deckung. Die beginnende Bilanzsaison verunsicherte die Aktionäre, vor allem an der Wall Street gaben die Kurse kräftig nach.

Um kräftige 2,6 Prozent schwächer notierte der Dow Jones, als um 20 Uhr die Frankfurter Börse den Parketthandel einstellte. Der Dax immerhin hielt die im Tagesverlauf häufiger nach unten durchbrochene Marke von 4.300 Punkten, auf Xetra beendet der deutsche Leitindex den Handel bei 4.323 Zähler, der LDax rutschte wegen der schwächeren Wall Street noch auf 4.306 Punkte ab.

Als Hauptursache für die Kursverluste verwiesen Marktbeobachter auf die anstehende Quartalsberichtsaison. Nach Börsenschluss legt Alcoa als erster US-Großkonzern seine Bilanz vor, und Analysten erwarten vom ersten Quartal 2009 nichts Gutes, im Mittel gehen die Experten von einem erheblichen Gewinnrückgang von 36 Prozent im S&P 500 aus.

Nicht nur die Befürchtungen, dass die Bilanzsaison böse Überraschungen bringt, auch schwache Konjunkturdaten und eine Bankenstudie belasteten am Dienstag den Dax. In der Eurozone schrumpfte das BIP im vierten Quartal um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, was der mit Abstand stärkste Einbruch war seit dem Beginn der Währungsunion. Für das erste Quartal 2009 erwarten führende Wirtschaftsinstitute sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2008.

Banken unter Druck
Eine Studie des Internationalen Währungsfonds belastete vor allem Bank- und Versicherungsaktien. Der IWF hatte den Bestand an toxischen Papieren im Depot der Banken untersucht, und festgestellt, dass die Giftpapiere im Besitz amerikanischer Banken und Versicherungen mittlerweile ein Volumen von 3,1 Billionen Dollar erreicht hätten. Banken in Asien und Europa sitzen nach Angaben des IWF auf mindestens 900 Milliarden Dollar fauler Wertpapiere.

Die Ratingagentur Moody's hat den Abschreibebedarf der Commerzbank untersucht und rechnet damit, dass die Bank in den kommenden 18 Monaten bis zu 6,8 Milliarden Euro abschreiben müsse. Dies könne, so Moody's, das Rating der Bank (zur Zeit AA3) belasten. Aktien der Commerzbank gaben im Tagesverlauf 3,6 Prozent nach.

BMW und Daimler mit Absatzproblemen
Die Aktien von BMW und Daimler gehörten ebenfalls zu den Verlierern im Dax. Beide Konzerne veröffentlichten ihre Absatzzahlen für März: Bei BMW sackten die Verkäufe im Jahresvergleich um 17 Prozent ab, Daimler verkaufte 16 Prozent weniger Autos. In der Kompaktwagenklasse sehen allerdings sowohl BMW als auch Daimler positive Impulse. BMW-Aktien verloren am Dienstag 4,4 Prozent, Daimler-Papiere 1,5 Prozent.

Stahlproduktion halbiert
Die Aktien der Stahlkonzern ThyssenKrupp und Salzgitter verloren 2,5 und 5,0 Prozent. Die Rohstahlproduktion ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wegen mangelnder Nachfrage im März um fast die Hälfte geschrumpft. Dies sei der höchste Rückgang seit der Wiedervereinigung, teilte die Behörde mit. Händler verweisen angesichts der hohen Verluste bei Stahltiteln auch auf die hohen Kursgewinne in den vergangenen Handelstagen. Im MDax gab die Aktie von Klöckner&Co. 7,5 Prozent ab.

Bald VW-Vorzugsaktie im Dax?
Vorzugsaktien von Volkswagen gewannen um fünf Prozent. Die Deutsche Börse will möglicherweise die VW-Stammaktien im Dax durch VW-Vorzugsaktien ersetzen. Dies könnte notwendig werden, wenn Porsche wie geplant seinen VW-Anteil auf 75 Prozent erhöht. Damit würde der VW-Streubesitz unter fünf Prozent sinken, die Aktie müsste den Dax verlassen. VW-Stammaktien verloren 0,2 Prozent.

Air Berlin fliegt weniger
Die im SDax notierte Fluggesellschaft Air Berlin hat im März 2,05 Millionen Passagiere befördert und damit 5,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Auslastung sank ebenfalls, die Erlöse je Sitzkilometer legten hingegen recht deutlich zu. Die Aktie ging mit einem Verlust von 7,5 Prozent aus dem Handel.

Freenet hat einen neuen Chef
Das TecDax-Unternehmen Freenet hat einen neuen Chef. Der Aufsichtsrat bestellte Christoph Vilanek zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Vilanek, der vom Telekommunikationskonzern Debitel kommt, wird sein Amt beim Internetdienstleister Freenet am 1. Mai antreten. Die Freenet-Aktie beendete den Handel mit einem Plus von 1,4 Prozent.

Curanum rechnet mit schwächeren Geschäften
Der Pflegeheimbetreiber Curanum erwartet für 2009 ein Ergebnis von bis zu 29,0 Millionen Euro und damit etwas weniger als 2008. Das SDax-Unternehmen begründete die schwache Geschäftsentwicklung mit "vielen Neueröffnungen in der Branche" und dem verstärkten Wettbewerb. Dennoch will Curanum wie geplant sieben bis acht Pflegeheime eröffnen.

Biotest erhält sieben Zulassungen
Die Aktie des im SDax notierten Biotechnologieunternehmens Biotest verliert trotz einer guten Unternehmensnachricht 6,5 Prozent. Wie die Firma mitteilte, hat sie in sieben weiteren europäischen Ländern die Zulassung für das Hepatitis-Mittel Hepatect erhalten. Biotest will die Produktion der in Hepatect enthalten Antikörper "ab sofort" auf vier Tonnen jährlich verdoppeln.

Strabag enttäuscht
Der österreichische Baukonzern Strabag hat überraschend vorläufige Jahreszahlen veröffentlicht. Das Betriebsergebnis sei um 14 Prozent geschrumpft, teilte die Firma mit. Belastet wurde das Ergebnis, das deutlich schlechter war als Analysten erwartet hatten, vor allem von Abschreibungen und Übernahmen. Dennoch will Strabag eine Dividende zahlen. Das beruhigte die Anleger nicht, die Aktie fiel im Tagesverlauf um mehr als 13 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr