Konjunktursorgenwoche

Stand: 02.07.2010, 20:02 Uhr

Diese Woche ging für den deutschen Aktienmarkt unerfreulich zu Ende. Anzeichen, dass es mit der Konjunktur in den USA und in China nicht so gut läuft, setzte den Dax unter Druck. Am Freitag verlor der Leitindex 0,4 Prozent, über die Woche hinweg war es erheblich mehr.

Der Handel am Freitag war symptomatisch für die ganze Woche. Schwache Wirtschaftszahlen aus den USA versetzten die Anleger am Nachmittag in eine nervöse Verkaufsstimmung, der Dax gab seine kleinen Gewinne komplett ab und schloss zuletzt 0,4 Prozent schwächer bei 5.834 Punkten.

Zwei Zahlen aus Amerika müssen für diesen Kursverlust am Freitag herhalten. Zum einen die Arbeitsmarktzahlen. Im Juni gingen der US-Wirtschaft 125.000 Stellen verloren, war deutlich mehr als erwartet. Die Experten hatten zwar prognostiziert, dass sich die Beschäftigungslage im Juni schwächer darstellen würde als zuvor, aber nur mit rund 100.000 weniger Stellen gerechnet. Dann die Industrieaufträge: Jene seien unerwartet stark um 1,4 Prozent gesunken, teilte das Handelsministerium mit. Damit befindet sich diese Statistik auf dem Stand des Krisenmonats März 2009.

Auch die Wall Street reagierte am Nachmittag sehr nervös auf diese schwachen Zahlen und notierte, als der Dax den Parketthandel beendete, fast ein Prozent schwächer. Immerhin legte der Euro an diesem durchwachsenen Freitag deutlich zu und notierte am Abend bei knapp 1,26 Dollar.

Die Fünftagesbilanz kann sich nicht sehen lassen. Schwache Wirtschaftsdaten aus Amerika und China, über die ganze Woche verteilt, setzte den Aktienmarkt an drei von fünf Handelstagen kräftig unter Druck. Der Dax verbuchte ein Wochenminus von 3,9 Prozent. Die Anfang Juni überschrittene 6.000-Punktelinie gab der Leitindex preis.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,70
Differenz relativ
-1,38%

Was am Freitag wichtig war
Im Dax setzten sich im Tagesverlauf die Aktien von ThyssenKrupp und der Deutschen Börse an die Index-Spitze. Morgan Stanley stufte am Morgen die Aktie der Deutschen Börse auf "Overweight" nach oben und empfiehlt nun ein Kursziel von 63,80 Euro. Die Aktie sei derzeit günstig bewertet, heißt es. ThyssenKrupp-Papiere wurden von Goldman Sachs empfohlen, mit einem nun verbesserten Kursziel von 36 Euro. Der Konzern sei gut aufgestellt, vor allem in Bezug auf den Endkundenmarkt, merkte GS an.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,04
Differenz relativ
-0,93%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
46,17
Differenz relativ
-1,21%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,96
Differenz relativ
-0,36%

Autowerte mit späten Verlusten
Nur bis in den Nachmittag hinein waren Autowerte gefragt. VW, Daimler, BMW und Porsche legten da noch zu, vor allem als Folge der guten Autoabsatzzahlen aus den USA. Porsche schlug im Juni mehr als doppelt so viele Autos los wie vor einem Jahr, Mercedes verbesserte sich um ein Viertel, BMW und 12 Prozent und VW um 11. BMW legte am frühen Nachmittag Absatzzahlen für China vor. Demnach verdoppelten sich dort die Verkäufe in den ersten sechs Monaten, auf rund 75.000 Autos. Am Nachmittag rutschten auch die Aktienkurse der Autokonzerne ins Minus.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,44
Differenz relativ
+0,02%

Bayer am Dax-Ende
Die Aktie des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer verlor im Tagesverlauf 2,6 Prozent. Die Analysten der UBS haben die hohen Lagerbestände in der Pflanzenschutzmittelsparte als besorgniserregend bezeichnet und deshalb das Kursziel für die Bayer-Aktie von 52 auf 49 Euro gesenkt.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
123,30
Differenz relativ
-1,52%

Continental legt Zahlen vor
Der im MDax notierte Autozulieferer Continental hat das erste Halbjahr mit einem eindrucksvollen Umsatzplus abgeschlossen. Laut vorläufigen Zahlen stiegen die Erlöse um 38 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis dürfte 1,2 Milliarden Euro erreicht haben. Continental erhöhte die Jahresumsatzprognose für 2010. Jetzt sei ein Umsatzplus von bis zu 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr möglich, zuvor war Continental von zehn Prozent ausgegangen. Die Aktie schob sich auf die erste Stelle im MDax.

Besseres Neugeschäft bei Grenkeleasing
Das im SDax notierte Leasingunternehmen Grenkeleasing hat im ersten Halbjahr deutliche Zuwächse bei seinem Neugeschäft vermeldet. Das Volumen sei um 43 Prozent auf 326 Millionen Euro gestiegen, teilte die Firma mit. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Grenkeleasing mit einer Zunahme des Neugeschäftes um 20 Prozent. Die Aktie legte mehr als fünf Prozent zu.

Zapf mit Problemen
Um Refinanzierungsprobleme ging es beim Puppenhersteller Zapf Creation, dessen Aktie fast zehn Prozent verlor. Zapf führt derzeit Verhandlungen mit seinen Gläubigerbanken über eine langfristige Finanzierung der immer noch verlustbringenden Geschäfte. Jetzt hätten die Banken das Ende Juni ausgelaufene Stillhalteabkommen nicht verlängert, teilte Zapf mit. Bisher hätten die Gläubiger darauf verzichtet, dass Zapf bestimmte finanzielle Kennzahlen erreicht. Die Verhandlungen würden aber fortgeführt, teilte die Firma mit.

Adva und die Japaner
Der Netzwerkausrüster Adva meldet einen neuen Großaktionär. Die US-Firma Juniper Networks habe sich mit drei Millionen Euro an der kleinen Firma beteiligt, schrieb Adva am Morgen in einer Pflichtmitteilung. Die Aktie schloss deutlich fester.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr