Konjunktursorgen holen die Börse ein

Detlev Landmesser

Stand: 14.04.2009, 20:20 Uhr

Am Abend machten schwache Einzelhandelsdaten der Wall Street zunehmend zu schaffen. Sie überschatteten die überraschend guten Zahlen der Großbank Goldman Sachs.

Eigentlich waren die Märkte von weiterhin stabilen US-Einzelhandelsumsätzen im März ausgegangen. Der Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat wirkte dann aber wie eine kalte Dusche. Händler werteten das Umsatzminus im März als Beleg, dass die US-Wirtschaft die Krise noch lange nicht überwunden hat.

Die Wall Street musste daraufhin ihre gestrigen Gewinne wieder preisgeben. Der L-Dax ging noch 0,6 Prozent höher bei 4.515,11 Punkten aus dem Handel. Am Nachmittag hatte der Dax noch bis zu 2,1 Prozent gewonnen.

Bankenfantasie dank Goldman

Das hatte der deutsche Markt fast allein Goldman Sachs zu verdanken. Die ehemalige Investmentbank schaffte es, mit ihrem Quartalsgewinn von fast 1,7 Milliarden Dollar die hohen Erwartungen noch zu übertreffen. Außerdem will Goldman nun wieder Kapital einsammeln, um die Staatshilfen rasch zurückzuzahlen. Das schürte die Hoffnung auf ein Ende der Bankenkrise.

Insgesamt vermittelten die Daten des Tages also das Bild, dass es im Bankensektor - auch dank der gelockerten Bilanzierungsregeln - trotz immer noch drohender Milliardenlöcher Anzeichen einer Stabilisierung gibt, während die Realwirtschaft unverändert durch eine tiefe Rezession geht.

Wie so oft, profitierte die Commerzbank-Aktie am meisten von den Neuigkeiten aus der Bankenwelt. Der Dax-Titel schnellte um fast 13 Prozent nach oben. Die Deutsche Bank gewann 4,7 Prozent an Wert. Neben dem Rückenwind durch Goldman verwiesen Händler auf Berichte über die Einrichtung einer deutschen "Bad Bank".

Johnson & Johnson unerwartet robust
Während aus den USA eine weitere positive Quartalsbilanz kam, enttäuschte ein europäisches Technologieflaggschiff. Der amerikanische Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson überraschte mit einem starken ersten Quartal, während die niederländische Philips deutlich unter den Erwartungen blieb.

Neues Ungemach für GM
Die Aktie von General Motors erholte sich in New York nach Spekulationen über einen Staatseinstieg. Gebremst wurde das Schwergewicht allerdings durch weitere Hinweise auf eine drohende Insolvenz sowie eine neue Rückrufaktion des taumelnden Autogiganten. Wegen Brandgefahr müssen 1,5 Millionen Autos der Marken Buick, Chevrolet, Oldsmobile und Pontiac in die Werkstätten.

Analysten strafen Henkel
Trotz der erfreulichen Zahlen von Johnson & Johnson verharrte die Henkel-Vorzugsaktie am Dax-Ende. Nach der Zahlenvorlage am vergangenen Mittwoch folgten nun die Analystenstudien. Nach JP Morgan und der UniCredit senkten am Dienstag weitere Häuser wie Kepler oder die NordLB ihre Urteile oder Kursziele. Außerdem hatte die Ratingagentur Moody's mitgeteilt, sie prüfe eine Abstufung der Bonitätsnote von Henkel.

Fantasie für VW-Vorzüge
Die VW-Aktie legte stärker als der Dax zu. Der Autokonzern hat im März auf dem chinesischen Markt neun Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum und damit so viel wie nie zuvor in einem Monat. Einen Sonderschub erhielten außerdem die Vorzugsaktien durch die Societe Generale. Die Analysten erhöhten das Kursziel für die Titel von 50 auf 75 Euro. Sie verwiesen auf die neuen Regelungen der Deutschen Börse, wonach die Vorzugsaktien die Stämme im Dax ersetzen könnten.

Rückschlag für Evotec
Am Abend hatte Evotec eine bittere Meldung parat. Das Biotechunternehmen hat mit seinem Mittel zur Raucherentwöhnung in einer Studie einen weiteren Rückschlag erlitten. "Wir sind über die Ergebnisse dieser Wirksamkeitsstudie sehr enttäuscht. Die Studie hat keinerlei Hinweis darauf gegeben, dass EVT 302 als Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung unterstützend eingesetzt werden kann", erklärte Evotec-Manager Tim Tasker. Schon im Herbst hatte eine Studie mit weniger Teilnehmern kaum Hoffnung für EVT 302 gespendet.

Twintec kommt unter die Räder
Die Aktie von Twintec verlor über zehn Prozent. Der Hersteller von Dieselpartikelfiltern meldete für 2008 einen Umsatzeinbruch um 58 Prozent auf 33,1 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis rutschte mit minus 6,0 Millionen Euro in die Verlustzone. "Hauptursache ist der von Wettbewerbern verursachte Filterskandal bei Pkw-Rußpartikelfiltern zur Nachrüstung", teilte das im Entry Standard gelistete Unternehmen mit. Für 2009 zeigte sich Twintec verhalten optimistisch.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen