Konjunkturoptimisten sind zurück

Stand: 17.02.2010, 20:08 Uhr

Der Dax hat am Mittwoch seinen Höhenflug fortgesetzt. Ein Prozent legte der Leitindex zu. Besonders gefragt waren Finanzaktien und andere Zykliker. Griechenland spielt nach zwei entbehrungsreichen Wochen keine Rolle mehr.

Es gibt Wichtigeres in der Welt der Finanzen als die Schuldenprobleme eines südeuropäischen Landes. So ungefähr nach diesem Motto handeln die Investoren in dieser Woche, und auch am Mittwoch war auf dem Parkett von Pleitestaaten keine Rede mehr.

Von Bankbilanzen war viel mehr die Rede. Zwei europäische Banken, die BNP Paribas und die ING, legten am Mittwoch ihre Bilanzen vor. Die BNP überraschte erheblich mit einem Milliardengewinn, bei der ING lief es nicht so gut, die Anleger griffen dennoch beherzt zu.

Nach einer Reihe von guten Konjunkturzahlen in dieser Woche, zu denen sich am Mittwoch noch die überraschend gute Baubeginnstatistik gesellte sowie die ebenfalls besser als erwartete Industrieproduktion, waren am deutschen Aktienmarkt vor allem die konjunktursensiblen Titel gefragt.

Keinen Einfluss mehr auf die deutschen Aktienkurse hatte das Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank, das am Abend veröffentlicht wurde. Das größte Sorgenkind der Fed ist und bleibt der Arbeitsmarkt. Die Notenbank rechnet zwar damit, dass sich die Wirtschaft weiter erholt, der Arbeitsmarkt aber könnte diese Erholung empfindlich stören. Die Wall Street ließ sich von diesen Aussagen nicht beunruhigen, die Kurse in New York zeigten keine Reaktion.

Salzgitter berichtet
Der Stahlkonzern Salzgitter legte am Abend überraschend seine vorläufigen Ergebniszahlen für das vergangene Jahr vor. Demnach hat die Firma 2009 vor Steuern 495 Millionen Euro verloren, der operative Verlust betrug 160 Millionen Euro. Das vierte Quartal des vergangenen Jahres sei aber, beruhigte Salzgitter, deutlich besser ausgefallen. Zahlen zum vierten Quartal und auch Angaben zum Umsatz im vergangenen Jahr fehlten. Die endgültigen Zahlen will der Konzern am 5. März bekannt geben.

Volkswagen an der Spitze
Im Dax setzten sich am Nachmittag die Aktien von Volkswagen an die Spitze und gewannen 4,4 Prozent. Händlern zufolge gibt es am Markt Spekulationen, wonach VW bereits die meisten Aktien aus der geplanten Kapitalerhöhung platziert habe. Aus Bankenkreisen hieß es, VW wolle den Markt erst sondieren, bevor die Kapitalerhöhung gestartet werde.

Deutsche Börse mit Quartalsverlust
Die Aktie der Deutschen Börse gewann am Mittwoch 3,7 Prozent. Der wichtigste deutsche Handelsplatzbetreiber verbuchte für 2009 zwar drastisch gesunkene Umsatz- und Gewinnzahlen, im vierten Quartal sogar einen Verlust, versprach aber, die Dividende nicht zu kürzen. Außerdem will die Börse sparen, bei Kosten und Personal.

Streik ab kommenden Montag
Die Pilotengewerkschaft Cockpit hat für den kommenden Monat Streiks angekündigt. Grund sind ihrer Meinung nach unannehmbare Arbeitsbedingungen bei der Lufthansa. Die Lufthansa wies die Forderungen zurück und bezeichnete die Forderungen nach Arbeitsplatzsicherheit und Mitspracherecht als unannehmbar. Die Aktie der Lufthansa hielt sich erstaunlich robust und schloss mit einem Plus von 1,3 Prozent.

Adidas, Puma und der Gewinneinbruch
Adidas-Aktien verloren 0,1 Prozent. Aktionäre des Sportschuhherstellers reagierten offenbar auf die Jahresbilanz des MDax-Konkurrenten Puma, der 2009 mit einem Gewinneinbruch abgeschlossen hat. Puma verfehlte die Prognose ziemlich deutlich und kündigte sogar an, die Dividende von 2,75 auf 1,80 Euro zu senken. Die Puma-Aktie hingegen legte deutlich zu, sie gewann 2 Prozent.

A400M-Verhandlungen vor dem Durchbruch?
Die Aktie des Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns EADS aus dem MDax legte am Mittwoch 5,1 Prozent zu. Bei den Verhandlungen über das Militärflugzeug A400 sei mittlerweile ein deutlicher Rückhalt für das Projekt zu spüren, berichten Kreise. EADS sei zu "90 Prozent" mit dem neuesten Angebot der Bestellernationen einverstanden. Jetzt müssten nur noch Einzelheiten geklärt werden. Die Kosten für die Entwicklung des A400M waren EADS aus dem Ruder gelaufen, der Streit um die Finanzierung der erwarteten Mehrkosten von 7,6 Milliarden Euro hatte das Projekt zwischenzeitlich an den Rand des Scheiterns gebracht.

Hauptversammlung bei Tui
Der Tourismuskonzern Tui, der am Montag mit passablen Zahlen überraschte, hielt am Mittwoch seine Hauptversammlung ab. Streitpunkt ist vor allem die Reederei Hapag-Lloyd, die mit Schulden von einer Milliarden Euro zu kämpfen hat. Großaktionär John Frederiksen teilte mit, er habe seinen Anteil von 19 auf 15,7 Prozent reduziert. Neuer größter Tui-Aktionär ist jetzt der russische Investor Alexej Mordaschow, der seinen Anteil auf 16 Prozent aufgestockt hat.

Rheinmetall und das krisensichere Geschäft
Die unsichere Weltlage hat dem Rüstungskonzern Rheinmetall überraschend gute Zahlen beschert. Der Konzern legte, dank florierender und offensichtlich krisenfester Rüstungsgeschäfte, ein operatives Ergebnis von 15 Millionen Euro vor. Das Geschäft mit Zulieferteilen für die Automobilindustrie schrieb im vergangenen Jahr jedoch Verluste.

Was sonst passiert ist
Im TecDax fielen die Spitzengewinner Aixtron und Dialog Semiconductor ins Auge. Während bei Dialog Semiconductor vor allem technische Faktoren für einen Kursgewinn von über fünf Prozent auf ein neues Rekordhoch die Rolle spielten, profitierte die Aktie von Aixtron von einem handfesten Auftrag aus China. Finanzielle Details gibt es zwar nicht, "aber insgesamt klingt der Auftrag positiv", sagte ein Händler.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"