Konjunkturhoffnung beflügelt den Dax

Stand: 09.06.2011, 20:03 Uhr

Die von Sorgen zerfressenen Anleger bekamen am Donnerstag ein Bonbon vorgesetzt. Gute Handelsdaten aus den USA setzten einen Kaufschwung in Gang, der den Dax um 1,4 Prozent nach oben schob. Griechenland und EZB wurden wenig beachtet.

Dieser Donnerstag war einer jener Tage, an denen selbst geringfügig besser als prognostizierte Konjunkturdaten einen Kaufrausch in Gang setzen. Das besser als gedachte Handelsdefizit der USA im April war dieser Tropfen im überverkauften Markt, um einen Flut von Kauforders auszulösen und den Dax auf 7.160 Punkte zu bringen, plus 1,4 Prozent.

Dabei ist das Handelsdefizit mit 43,7 Milliarden Dollar immer noch erheblich. Außerdem sorgte vor allem der gesunkene Ölpreis für die überraschend gute Bilanz. Auch dass der Arbeitsmarkt weiterhin schwächelt und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe weitaus höher ausfielen als gedacht, ignorierten die auf "Kaufen" gepolten Anleger geflissentlich.

120 Milliarden für Griechenland?
Das Endlosthema Griechenland lieferte am Donnerstag ebenfalls neue Nachrichten. Das Finanzloch gelte es nun zu stopfen, hieß es aus EU-Kreisen. 120 Milliarden brauche das Land, 90 Milliarden davon sollen ausländische Geber bereitstellen, 30 Milliarden Griechenland durch Privatisierungen erlösen.

Die massiven Finanzprobleme Griechenlands waren daher auch Thema auf der Pressekonferenz der EZB in Frankfurt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, ein Schuldenerlass oder ein Schuldenschnitt sei nach der Meinung der Bank ausgeschlossen. "Wie sind nicht für eine Umschuldung", erklärte er. Derweil zog der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen an, auf über 15 Prozent.

Trichet kündigte weiterhin "hohe Wachsamkeit" in Bezug auf Geldpolitik und Inflation an, was die Marktstrategen dazu brachte, von einem im Juli anstehenden Zinsschritt der EZB zu sprechen. Da Trichet aber die Inflationserwartung für kommendes Jahr auf unter zwei Prozent bezifferte, nahm er die Fantasie aus dem Euro und schickte die Währung in den Keller, wo sie bei etwa 1,45 Dollar notiert.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,52
Differenz relativ
+1,24%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,30
Differenz relativ
+7,26%

Schwach im Dax: Die Banken
Die späte Erholung im Dax hinterließ am Donnerstag lediglich sechs Kursverlierer. Deutlich schwächer als der Durchschnitt war die Bilanz der Banken. Während die Aktie der Deutschen Bank immerhin noch 0,3 Prozent zulegte, verlor die Commerzbank 1,6 Prozent. Die Befürchtung der Anleger, dass die Banken Geld verlieren werden, wenn die Schulden Griechenlands neu sortiert werden, drückte hier auf die Kurse.

TI senkt, Infineon leidet
Die Infineon-Aktie verlor 0,6 Prozent. Der große amerikanische Konkurrent Texas Instruments senkte schon am Mittwoch seine Prognose für Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal und begründete dies mit den Produktionsstörungen in Japan und Problemen beim Großabnehmer Nokia. Infineon-Anleger waren dementsprechend irritiert.

BMW in England, VW in Rüsselsheim?
Die Dax-Spitze besetzten die Aktien von VW und BMW, die am Nachmittag den Markt abhängten. BMW will in England 500 Millionen Pfund investieren und damit die Werke für die nächste Generation des Mini fit machen. Wegen der hohen Nachfrage will BMW zudem die Werksferien in zwei bayerischen Werken verkürzen. "Die Auftragslage ist sehr positiv", sagte ein BMW-Sprecher. Volkswagen hingegen gilt gerüchteweise als Käufer von Opel. Angeblich will der amerikanische GM-Konzern seine Verluste bringende Tochter Opel nun doch loswerden. Ein klares Dementi dementsprechender Medienberichte gab es nicht von GM, die VW-Aktie legte drei Prozent zu.

Gea Top, Kabel Hop
Zwei Werte aus dem MDax waren einen Blick wert. Die Aktie des Maschinenbauers Gea legte 3,8 Prozent zu. Die Aktie profitierte von einem neuen Auftrag aus Katar. Gea wird Luftkühler für die Gasverarbeitung liefern. 0,6 Prozent verlor das Papier des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland. Die Citigroup hatte am Morgen ihr Rating von "Hold" auf "Sell" herabgesetzt. Die Fachleute begründeten dies mit dem steigenden Wettbewerbsdruck.

IPO: United Power und Osram
20,7 Millionen Euro wird der Generatorenhersteller United Power Technology bei seinem Börsengang voraussichtlich einnehmen. Man habe insgesamt 2,3 Millionen Aktien zum Preis von je neun Euro platziert, teilte die Firma mit. Ab Freitag ist die Aktie erstmalig im Prime Standard an der Börse handelbar. Die Siemens-Lichttochter Osram hat größere Ziele. Nach dem Börsengang im Herbst "ist es ein erstrebenswertes Ziel, in den Dax aufzusteigen", sagte Osram-Geschäftsführer Wolfgang Dehnen in München. Einen konkreten Zeitraum nannte er jedoch nicht. Siemens will die Sparte, deren Wert auf bis zu sieben Milliarden Euro beziffert wird, mehrheitlich an die Börse bringen.

Nabaltec konkretisiert Prognose
Der Chemiekonzern Nabaltec hat seine Planungen für das laufende Jahr erläutert. Wegen der guten Nachfrage erwartet das Unternehmen ein Umsatzplus von mindestens 20 Prozent, das Ebit soll sich im Jahresvergleich etwa verdoppeln. 2010 hatte Nabaltec einen Umsatz von 112,7 Millionen Euro bekannt gegeben, das operative Ergebnis betrug 6,5 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen