Konjunkturdaten drücken Dax ins Minus

Stand: 24.11.2009, 20:00 Uhr

So erfreulich der Montag für Anleger war, so bescheiden blieb der Dienstag. Der Dax unternahm zwar mehrere Versuche, seine Auftaktverluste auszubügeln. Doch schwache amerikanische Konjunkturdaten setzten die Börse am Nachmittag unter Druck, der Dax schloss im Minus.

0,6 Prozent schwächer beendete der Leitindex den Handel am Dienstag, bei 5.769 Punkten. Die Anleger reagierten vor allem auf die amerikanischen BIP-Zahlen zum dritten Quartal allergisch. Statt wie vorgesehen um 2,9 Prozent wuchs die Wirtschaft nur um 2,8 Prozent, die erste Schätzung hatte sogar bei 3,5 Prozent gelegen.

Trotz recht guter Zahlen zum Verbrauchervertrauen - es stieg auf 49,5 Punkte - verzeichnete die Wall Street Verluste, die auch den deutschen Aktienmarkt nicht unbeeindruckt ließen. Der Dax, der am Mittag dank eines abermals gestiegenen ifo-Index' kurz im grünen Bereich notierte, sackte, die Vorgaben der Wall Street befolgend, brav ab.

Die Wall Street bekam am späteren Abend ein wenig Unterstützung durch das jüngste Sitzungprotokoll der Fed. Die Mitglieder der Fed zeigen sich darin optimistisch, dass die Wirtschaftserholung sich weiter fortsetzt, sie deuten aber auch an, dass niedrige Zinsen auf lange Sich zu übertriebener Risikobereitschaft an den Märkten führen könnte. Die Wall Sreet schränkte nach der Veröffentlichung des Protokolls ihre Verluste etwas ein.

Überraschender Sieger im Dax war die Aktie des Chipherstellers Infineon. Das Papier des Chipherstellers gewann 2,2 Prozent. Händler bemühten Gerüchte, dass der koreanische Elektronikkonzern Samsung ein Gebot für Infineon abgegeben habe. Infineon wies die Gerüchte zwar zurück, doch die Anleger störte das nicht.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-1,04%

Auf der anderen Seite notierten die Bankaktien mit vergleichsweise hohen Verlusten. Zum einen belastete eine Studie der Ratingagentur S&P, die den Banken weltweit - und dezidiert auch der Deutschen Bank - eine schwache Kapitalbasis attestiert. Zum anderen verstärkte eine milliardenschwere Kapitalerhöhung bei der britischen Bank Lloyds die Befürchtungen der deutschen Anleger, das Commerzbank und Deutsche Bank dies ebenfalls in näherer Zukunft tun könnten.

Schnappt sich VW jetzt MAN?
Auch MAN- und Volkswagen-Aktien gaben am Dienstag nach. Am Montag hatte MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Verlust des fähigen Managers sei eine schlechte Nachricht für MAN, urteilten Beobachter. Allerdings sei möglicherweise der Weg frei für eine Fusion mit VW und Scania. Samuelsson hatte immer auf die Unabhängigkeit von MAN gepocht. Die Aussichten, dass VW für die Übernahme eine Kapitalerhöhung durchführen könnte, drückte am Dienstag den VW-Kurs im Dax um 5,6 Prozent.

Reale Probleme bei Metro
Die Aktien des Handelskonzerns Metro verloren 1,4 Prozent. Der Chef der Metro-Supermarktkette Real hatte auf einer Veranstaltung gesagt, dass sich die geplante Konsolidierung der Geschäfte bei Real wegen "der allgemeinen Wirtschaftskrise" um ein halbes oder ein Jahr verschieben könne. Anleger interpretierten dies als Gewinnwarnung.

Daimler will bei Kamaz aufstocken
Daimler hat Berichte bestätigt, dass der Konzern seinen Anteil am russischen Lastwagenhersteller Kamaz erhöhen will. "Wir sind in Verhandlungen", sagte eine Daimler-Sprecherin. Eine russische Wirtschaftszeitung hatte zuvor berichtet, Daimler wolle weitere 15 Prozent an Kamaz übernehmen. Der Stuttgarter Konzern war im Dezember 2008 bei Kamaz eingestiegen und hatte für zehn Prozent 190 Millionen Euro gezahlt.

Gerüchte und Berichte bei Nordex
Der im TecDax notierte Windkraftkonzern Nordex hat in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Umsatz auf 814 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis brach allerdings von 37,3 auf 21,9 Millionen Euro ein. Der Auftragseingang war mit 199 Millionen Euro erwartungsgemäß gering, Nordex bestätigte trotzdem seine Jahresprognose. Die Aktie legte überdurchschnittlich zu, was auch dem Gerücht zugeschrieben wurde, dass die Klatten-Familie ihren Nordex-Anteil an Siemens verkaufen könnte und zwar angeblich zu 15 Euro je Anteilsschein.

Centrotherm wird empfohlen
Den Spitzenplatz im TecDax eroberten sich am Dienstag die Aktien des Solarkonzerns Centrotherm. Merrill Lynch hatte die Aktie zum Kauf empfohlen und das Kursziel auf 42 Euro angehoben. Anleger griffen beherzt zu.

Es läuft noch nicht rund bei Pfleiderer
Der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hat im dritten Quartal einen Millionenverlust erlitten. Das Defizit belief sich auf 21,8 Millionen Euro, teilte das MDax-Unternehmen mit. Der Umsatz sank krisenbedingt von 436 auf 347 Millionen Euro. Pfleiderer-Chef Hans Overdiek sagte, dass es zur Zeit eine starke Erholung der Geschäfte gebe, allerdings könne er nicht sagen, wie nachhaltig diese Entwicklung sei. Die Aktie verlor mehr als sieben Prozent.

Twitter und die Börse
Um seine Kapitalbedürfnisse zu befriedigen liebäugelt der Onlinenachrichtendienst Twitter mit einem Börsengang. "Ein Börsengang könnte zu einem gewissen Zeitpunkt eine Option sein, wer weiß", sagte Mitgründer Biz Stone. Verkaufen will Stone den Dienst, der von mehr als 58 Millionen Menschen weltweit genutzt wird, allerdings nicht.

Citigroup verkauft Diners
Die amerikanische Bank Citigroup hat ihre Kreditkartentochter Dinersclub verkauft. Die Tochter gehe an die Finanzinvestorengruppe BMO, die damit das Recht erhält, die älteste Kreditkarte der Welt herauszugeben. Zu dem Verkaufspreis machte Citigroup keine Angaben, teilte aber mit, dass sich durch den Verkauf die eigenen Vermögenswerte um eine Milliarde Dollar verringerten.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier