Kommt jetzt die Korrektur?

Stand: 05.08.2009, 20:02 Uhr

Die Enttäuschung über die neuesten Konjunkturdaten aus den USA hat der Rally an den Aktienmärkten heute ein jähes Ende beschert. Nach einem recht orientierungslosen Handel setzten am Nachmittag Gewinnmitnahmen ein. Die Deutsche Börse und Volkswagen hat es besonders hart getroffen.

Die Titel beider Unternehmen geben mehr als sechs Prozent ab und stehen auf der Liste der Verlierer im Dax ganz oben. Verantwortlich für den plötzlichen Stimmungsumschwung ist vor allem der unerwartete Rückgang des viel beachteten ISM-Index für Dienstleistungen in den USA. Statt des erwarteten Anstiegs auf 48 Zähler ging der Index im Juli auf 46,4 von 47,0 Zählern im Juni zurück. Dass die Aufträge der US-Industrie dagegen überraschend gestiegen sind, konnte die Sorge der Anleger nicht wettmachen. Zumal der Vormonatswert bei den Bestellungen leicht nach unten revidiert wurde.

Auch der der abermalige Rückgang der Beschäftigung in den USA zeigt, dass die Lage am Arbeitsmarkt nach wie vor schwierig ist. An der Wall Street geben die Kurse bis zum Börsenschluss in Deutschland knapp 0,7 Prozent nach. Der Dax beendet den Abendhandel mit einem Abschlag von 1,2 Prozent bei 5.353.

Die schlechten Konjunkturzahlen setzen auch den Euro und die Ölpreise unter Druck. Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich auf 1,4369 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI baute seine Kursverluste aus und gab 1,2 Prozent auf 70,57 Dollar je Barrel nach. Der Bund-Future drehte dagegen ins Plus und notierte neun Ticks höher bei 121,68 Zählern.

Schon vermuten einige Börsianer den Beginn einer größeren Korrektur, nach der Rally der vergangenen Wochen. Doch noch ist die Quartalssaison nicht vorbei. Mit Spannung erwarten die Anleger nun die für morgen angekündigten Quartalszahlen der Commerzbank. Der Kurs ist in den letzten Tagen kontinuierlich gestiegen, obwohl erwartet wird, dass die Bank einen dreistelligen Millionenverlust ausweisen wird.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,56
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Trübe Aussichten bei Procter & Gamble
Der weltgrößte Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble hat im vierten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres empfindliche Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen müssen. Der Gewinn sank um 18 Prozent auf 2,47 Milliarden Dollar. Mit einem Gewinn von 0,80 Dollar je Aktie übertraf das Unternehmen allerdings die Erwartungen. Der Umsatz fiel um elf Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar und lag damit unter den Prognosen. Auch im laufenden Quartal sollen die Einnahmen weiter sinken. An der Wall Street verliert die Aktie deutlich.

Übernimmt die Deutsche Sal. Oppenheim ganz?
Der deutsche Branchenprimus will der angeschlagenen Luxemburger Privatbank unter die Arme greifen. Vorgesehen ist zunächst eine Minderheitsbeteiligung von weniger als 50 Prozent. Mittelfristig ist aber auch eine Mehrheitsübernahme nicht ausgeschlossen, verlautet aus Finanzkreisen. Während die vor zwei Jahren von Köln nach Luxemburg gezogene Privatbank dringend frisches Kapital benötigt, ist die Deutsche Bank am Vermögensverwaltungsgeschäft von Sal. Oppenheim interessiert. Die Deuba-Aktie verliert 1,4 Prozent.

Deutsche Börse enttäuscht
Naoch kräftiger bergab geht es dagegen beim Frankfurter Börsenbetreiber. Der bekommt den Druck der alternativen Handelsplattformen immer stärker zu spüren und musste im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent auf 515,6 Millionen Euro verkraften. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) brach sogar um 34 Prozent auf 248,8 Millionen Euro. Beide Werte lagen unter den Erwartungen der Analysten. Kein Wunder also, dass die Aktie heute ganz oben auf der Verkaufsliste steht.

Rhön-Klinikum platziert neue Aktien
Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum ist alle neuen Aktien im Rahmen seiner Kapitalerhöhung losgeworden. Die MDAX-Gesellschaft sammelte dadurch wie geplant rund 460 Millionen Euro frisches Geld ein, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens hervorgeht. 99,9 Prozent der neuen Aktien seien von Bezugsrechts-Inhabern gezeichnet worden. Die verbliebenen Aktien wurden den Angaben zufolge im Rahmen einer internationalen Privatplatzierung veräußert. Insgesamt wurden gut 34,5 Millionen Stückaktien ausgegeben.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98,06
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-1,76%

Adidas gibt positive Signale
Der Sportartikelhersteller Adidas musste zwar im zweiten Quartal einen heftigen Gewinneinbruch verkraften - der Gewinn ist auf neun Millionen Euro gesunken - doch der Konzern sieht das Schlimmste hinter sich. "Wir haben die schwersten Hürden genommen Jetzt kommen bessere Zeiten", gab sich Vorstandschef Herbert Hainer im Anschluss an die Quartalszahlen zuversichtlich. Wie lange die weltweite Konjunkturschwäche noch andauern werde, könne er zwar nicht sagen. Aber es gebe sowohl in Deutschland als auch in Schwellenländern erste positive Signale. "Die Krise wird irgendwann vorbei sein, und dann stehen wir zum Sprung für weiteres Wachstum bereit."
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Henkel macht Mut
Auch mit den neuesten Zahlen von Henkel sind Analysten und Anleger sehr zufrieden: Der Konsumgüterhersteller hat im zweiten Quartal wegen der schwachen Konjunktur in der Klebersparte einen Umsatzrückgang verzeichnet. Das Geschäft nahm aber nach dem Tiefpunkt im ersten Quartal wieder etwas Fahrt auf. "Auch im zweiten Quartal hat sich bei Henkel die anhaltend schwierige weltwirtschaftliche Lage bemerkbar gemacht. Dennoch sind alle Unternehmensbereiche wieder stärker gewachsen als die relevanten Märkte", sagte Vorstandschef Kasper Rorsted. Auch beim Gewinn konnten sich die Düsseldorfer dank gesunkener Rohstoffpreise und der unter dem früheren Chef Ulrich Lehner begonnenen Kostenkur verbessern. Henkel bekräftigte seine vage Prognose, in diesem Jahr stärker zu wachsen als der Markt.


Balda stürzt ab
Der Handyausrüster Balda konnte im zweiten Quartal nur knapp ein Abrutschen in die Verlustzone verhindern. Im Zeitraum April bis Juni verdiente Balda inklusive der aufgegebenen Geschäftsbereiche netto noch 167.000 Euro, nach fünf Millionen im ersten Quartal. Im Kerngeschäft wurde jedoch ein Verlust von 1,3 Millionen eingefahren. Auch der Umsatz entwickelte sich schwächer als in den ersten drei Monaten. Dennoch hält der Vorstand an seinem Ziel fest, 2009 mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Die Aktie bricht ein.

Lufthansa an Dax-Spitze
Die Aktie der Airline hat sich in die Liste der größten Kursgewinner im Dax geschoben. Laut Händlerangaben profitiert das Papier von guten Zahlen des Konkurrenten Cathay Pacific, der am Morgen seine Bilanz vorgelegt hatte. Auch von den Branchenvertretern Delta und UAL seien zuletzt positive Signale gekommen, hieß es vom Parkett.

Analysten lieben Demag
Die Aktie des Kranherstellers findet sich am Mittwochmittag sechs Prozent im Plus wieder. Analysten von HSBC zeichnen mit einer Hochstufung auf "overweight" dafür hauptverantwortlich. Auch Sal. Oppenheim hebt die Aktie auf "Buy". Die Ziele des Unternehmens schienen nicht zu ambitioniert zu sein, hieß es zur Begründung. Das Kursziel setzten die Experten um vier Euro auf 23 Euro hinauf.

Loewe hofft auf Weihnachten
Nach dem Umsatz- und Gewinneinbruch in den ersten sechs Monaten setzt der TV-Gerätehersteller Loewe nun auf die zweite Jahreshälfte. Die Berliner Funkausstellung, das Weihnachtsgeschäft sowie die Einführung von hochauflösendem Fernsehen würden in der zweiten Jahreshälfte den Umsatz ankurbeln, sagte Loewe-Chef Frieder Löhrer in einer Telefonkonferenz. Hinzu komme die Einführung neuer Geräte, so dass die auf hochwertige Elektronik setzende Traditionsfirma 2009 einen Umsatz wie im Vorjahr von 374 Millionen Euro anpeilt. Die Aktie gibt trotzdem nach.

Arques will noch mehr verkaufen
Die ebenfalls im SDax notierte Beteiligungsgesellschaft peilt nach dem Verkauf ihrer größten Tochter Actebis weitere Veräußerungen an. "Es wird weitere Exits geben, mehrere Projekte werden verhandelt", sagte der neu berufene Vorstandschef Hans Gisbert Ulmke auf der Hauptversammlung. Am ehesten kämen dafür der Campingversand Berger und die Ladenkette Golf House in Frage. Anleger feiern die Nachricht, die Arques-Aktie steigt um knapp sieben Prozent.

Stratec auf Wachstumskurs
Der Medizintechnik-Spezialist hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 23,7 Prozent auf 36,6 Millionen Euro gesteigert. Auch das Konzernergebnis kletterte um 27 Prozent auf 4,9 Millionen. Die Ebit-Marge beträgt nach sechs Monaten 17,1 Prozent. Dem Unternehmen zufolge liegen alle Entwicklungsprojekte im Plan.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"