Kommt jetzt die Konsolidierung?

Stand: 04.05.2011, 20:01 Uhr

Enttäuschende Konjunkturmeldungen aus den USA haben die Aktienmärkte bei hohen Umsätzen auf Talfahrt geschickt. Wie bereits auf Xetra rutscht der Dax auch im Abendhandel unter die Schwelle von 7.400 Punkten.

Neben Gewinnmitnahmen hat vor allem der ISM-Einkaufsmanagerindex für US-Dienstleistungen für Enttäuschung gesorgt. Er lag deutlich unter den Prognosen. Zudem ist die Beschäftigung im April in der amerikanischen Privatwirtschaft schwächer gestiegen als erwartet. In der Spitze fiel der Dax daraufhin auf 7.367 Punkte und beendete den elektronischen Handel 127 Punkte tiefer bei 7.374 Zählern, ein Verlust von 1,7 Prozent. Am Abend geht der Dax mit einem Verlust von 91 Punkten (1,22 Prozent) auf 7.386 Punkten aus dem Handel.

Damit hätten die Sorgen um die Wirtschaft in den USA wieder die Oberhand gewonnen, sagte Heino Ruland von Ruland Research. Auch Ulrich Wortberg von der Helaba sprach von einem enttäuschenden ISM-Wert. Offensichtlich gebe es Belastungen der Konsumenten wegen hoher Energiekosten. Sie seien für die gedrückte Stimmung im Servicesektor verantwortlich. Zuvor hatten Quartalsergebnisse von Unternehmen wie Henkel und BMW zuvor noch für gute Laune gesorgt und den Dax bis auf 7.534 Punkte gehoben.

"Der Markt wird es schwer haben"
Belastet von den enttäuschenden Konjunkturdaten haben auch die US-Börsen nachgegeben. Die unbefriedigenden Zahlen hätten eine Verkaufswelle ausgelöst, sagten Händler. Zudem hätten sie bei den Investoren Ängste geschürt, dass die jüngste Kursrally nicht durch wirtschaftliche Fundamentaldaten abgedeckt sei. "Die Daten waren schlechter als erwartet. Der Markt wird es schwer haben, sobald die Bilanzsaison vorbei ist", sagte Peter Jankovskis von OakBrook Investments. "Der heutige Tag könnte bereits eine kleine Kostprobe gewesen sein", merkte er an.

Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index 86 Punkte tiefer bei 12.720. Im Tagesverlauf hatte der Dow Jones in der Spitze bereits 115 Punkte verloren.

Der Kurs des Euro ist heute gestützt durch schwache US-Konjunkturdaten zeitweise über die Marke von 1,49 Dollar gestiegen. Mit 1,4939 Dollar erreichte der Euro am späten Nachmittag den höchsten Stand seit Dezember 2009. Am Abend notiert er dann wieder unter der Marke von 1,49 Dollar.

Time Warner verdient weniger
Der US-Medienkonzern Time Warner (CNN, Warner Bros) hat trotz des Aufschwungs auf dem TV-Werbemarkt einen Gewinnrückgang um zehn Prozent auf 651 Millionen Dollar verzeichnet. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 59 Cent. Analysten hatten im Schnitt mit 56 Cent gerechnet. Der Umsatz legte allerdings um sechs Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar zu.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,06
Differenz relativ
+0,14%

Henkel an Dax-Spitze
Favorit im Dax sind die Aktien von Henkel, die gegen den Trend um 0,9 Prozent zulegen. Der Konsumgüterhersteller startete dank seines florierenden Klebergeschäfts, neuen Produkten in der Kosmetik und der Nachfrage aus den Schwellenländern mit Zuwächsen ins neue Jahr. Vor allem auf der Gewinnseite habe Henkel im ersten Quartal besser abgeschnitten, kommentierte ein Händler.

Merrill lobt Merck
Im Plus schließt auch die Aktie des Darmstädter Pharmakonzerns Merck. Grund ist eine Heraufstufung durch die US-Investmentbank Merrill Lynch. Sie hoben empfehlen das Papier jetzt zum Kauf und haben als neues Kursziel 86 Euro angegeben, gut zehn Euro mehr als der tatsächliche Kurs heute.

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,84
Differenz relativ
-2,39%
Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,28
Differenz relativ
-2,29%

Fresenius-Familie dreht auf
Unter den wenigen Gewinnern im Dax ist auch die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius SE. Dessen Tochter FMC erwartet im diesem Jahr einen Umsatz von 13 Milliarden Dollar und einen von rund 1,1 Milliarden Dollar. Die Konzernmutter erhöhte wegen eines "ausgezeichneten Starts in das Geschäftsjahr" ebenfalls ihre Umsatz- und Gewinnprognose.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
185,14
Differenz relativ
-1,87%

BMW mit Rekordzahlen
Ins Minus gerutscht ist dagegen die Aktie von BMW. Dabei haben die Münchner im ersten Quartal mit 16 Milliarden Euro ein Drittel mehr umgesetzt als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich auf 1,81 Milliarden Euro, die Ebit-Marge legte auf 11,9 Prozent zu. Man sei, so die Firma, auf gutem Weg, in diesem Jahr neue Bestmarken bei Absatz und Ergebnis zu erreichen.

Allianz trotzt Katastrophen
Zu den Verlierern gehört auch die Allianz-Aktie. Dabei hat das Unternehmen im ersten Quartal sein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau halten können -trotz der Belastungen aus den Naturkatastrophen. Allerdings brach der Nettogewinn auf 900 Millionen Euro ein. Trotzdem bestätigte der Konzern seine Prognose, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von rund acht Milliarden Euro einzufahren.

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
222,40
Differenz relativ
-0,58%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,91
Differenz relativ
-1,53%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,10
Differenz relativ
-0,42%

Linde im Asienfieber
Auch die Linde-Aktie leidet heute unter Gewinnmitnahmen, nach dem kräftigen Hoch der vergangenen Tage. Der Industriegasekonzern Linde hat das erste Quartal vor allem dank der kräftigen Nachfrage aus Asien mit einem Umsatz- und Gewinnzuwachs beendet. Linde bestätigte zugleich die Jahresprognosen für Umsatz und Gewinn. Beide Kennzahlen sollen 2011 weiter zulegen.

Lufthansa und VW ex Dividende
Die Aktien von Lufthansa und Volkswagen werden heute ex Dividende gehandelt, nachdem sie gestern ihre Hauptversammlungen veranstaltet hatten. Die in der Regel einen Tag danach ausgeschüttete Dividende wird vom Aktienkurs abgezogen.

Hannover Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
120,80
Differenz relativ
-1,31%

Auch die Hannover Rück aus dem MDax und der Internetreifenhändler Delticom aus dem SDax notieren heute abzüglich ihrer Ausschüttung. Beide Aktien sind daher kräftig im Minus.

Zahlenflut aus dem MDax: Wacker, Demag, Fuchs, Wincor, Vossloh
Gute Geschäfte hat der Kranherstellers Demag Cranes im zweiten Geschäftsquartal gemacht. Demag meldete einen Umsatz von 254,6Millionen Euro, was einem Zuwachs von zwölf Prozent entspricht. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um fast 40 Prozent auf 14,6 Millionen Euro. Das "positive konjunkturelle Umfeld" bescherte auch dem Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub aus dem MDax einen guten Jahresstart. Die Firma legte nach endgültigen Zahlen bei Umsatz und Ebit signifikant zu, auf 409 Millionen Euro und 67,7 Millionen Euro im ersten Quartal. Trotzdem leiden die Aktien dieser Firmen heute unter Kursverlusten.

Vossloh: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,30
Differenz relativ
-0,24%

Wincor abgestraft
Um mehr als 13 Prozent geht es mit der Aktie von Wincor Nixdorf abwärts. Der Geldautomaten- und Kassenhersteller hat seine Jahresprognose nach unten korrigiert. Auch der Eisenbahnkonzern Vossloh beendete das erste Quartal mit einem enttäuschenden Ergebnis. Im Gegensatz zu Wincor bestätigte das ebenfalls im MDax notierte Unternehmen aber seine Jahresprognose.

Wacker Chemie nicht gut genug
Die Aktie des Halbleiter-Zulieferers und Chemiekonzerns Wacker Chemie hat nach Zahlen und einem angehobenen Ausblick ebenfalls kräftig nachgegeben. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, meinten aber, dass die Höhe des Kursverlusts nicht gerechtfertigt sei. Einige Börsianer seien zudem enttäuscht über die Entwicklung des Geschäftsbereichs Siltronic. Auch drohten die Auswirkungen des Erdbebens in Japan nach wie vor, Wacker zu belasten.

BSW rechnet mit weniger Neukapazität
Die deutschen Solarwerte werden von Aussagen des Branchenverbrandes BSW zur mittelfristigen Wachstumsprognose der Solarbranche belastet. Wegen der geplanten Subventionskürzungen rechnet die Lobbyvereinigung mit nur noch fünf bis sechs Gigawatt neu installierter Solar-Kapazität. 2010 waren es noch mehr als sieben.

Sunways im freien Fall
Die Aktie des Konstanzer Solarzellenherstellers Sunways stürzt um mehr als 25 Prozent ab. Das Unternehmen hat nach einem unerwartet schwachen Jahresauftakt seine Erwartungen für 2011 nach unten korrigiert. In den ersten drei Monaten des Jahres halbierte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 22,2 Millionen Euro.

Zahlen im TecDax: Drägerwerk und Dialog
Die Aktie von Dialog Semiconductor ist nach den Quartalszahlen um 3,3 Prozent gestiegen und hat sich an die TecDax-Spitze gesetzt. Da der übernommene Konkurrent Sitel derzeit weiterhin niedrigere Margen als Dialog erziele, dürften die Margen von Dialog zunächst weiter unter dem bisherigen Niveau bleiben, schrieb Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank. Er werde seine Ergebnisschätzungen für den Schaltkreis-Hersteller nun überarbeiten und bleibe optimistisch hinsichtlich des starken Wachstumspotenzials.

Auch die Papiere des Medizin- und Sicherheitstechnikanbieters Drägerwerk legen überdurchschnittlich zu. Das Unternehmen hat im ersten Quartal die Erlöse um 5,7 Prozent auf 500,3 Millionen Euro gesteigert. Das Ebit kletterte um knapp 16 Prozent auf 42,6 Millionen Euro.

Grenke: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,55
Differenz relativ
-0,69%

Grenkeleasing bestätigt Prognose
Bergab geht es dagegen mit der Aktie von Grenkeleasing. Dabei hat das im SDax notierte Leasingunternehmen seine Jahresziele bestätigt. Man rechne weiterhin mit einem Gewinn von 33 bis 36 Millionen Euro, so die Firma. Im ersten Quartal stieg der Konzerngewinn nach Angaben von Grenkeleasing um 45,2 Prozent auf 8,4 Millionen Euro.

Mühlbauer im Glück
Der Technologiekonzern Mühlbauer hat im ersten Quartal seinen Umsatz um 68 Prozent auf 49,5 Millionen Euro gesteigert. das Ebit, gestützt von Sondereffekten, konnte sogar um das viereinhalbfache auf 9,8 Millionen Euro gesteigert werden. Die Aktie verliert dennoch mehr als fünf Prozent.

Takkt belohnt Aktionäre
Die Takkt AG zahlt ihren Aktionären eine Dividende von 0,32 Euro je Stückaktie. Die Gruppe steigerte 2010 ihren Umsatz um 9,6 Prozent auf 801,6 Millionen Euro. Dank der schon im Krisenjahr 2009 umgesetzten Optimierungsmaßnahmen wurde die Rentabilität des Konzerns in 2010 deutlich verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 46,5 Prozent auf 100,6 Millionen Euro. Dennoch verliert die Aktie fast fünf Prozent.

Bilanzen aus Europa
Die französische Großbank BNP Paribas hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen. Der Nettogewinn stieg um 14,6 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, die Einnahmen erhöhten sich leicht auf 11,7 Milliarden Euro. BNP Paribas begründete die gute Bilanz mit einem guten Privatkunden- und Investmentbankinggeschäft.

Der norwegische Ölkonzern Statoil hat zu Jahresbeginn wie die großen Konkurrenten ExxonMobil und Shell vom gestiegenen Ölpreis profitiert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 47,3 Milliarden Kronen (umgerechnet knapp 6,1 Milliarden Euro) zu.

Der weltgrößte Bierbrauer InBev hat trotz der geringeren Nachfrage mehr verdient. Vor allem in den USA habe sich die höhere Arbeitslosigkeit bei jungen Männern in einem gesunkenen Absatz niedergeschlagen, teilte der Beck's-Brauer mit. Allerdings konnte der Konzern mit Marken wie Budweiser und Stella Artois den Rückgang mit Preiserhöhungen mehr als ausgleichen. Für das erste Geschäftsquartal wies das Unternehmen einen Gewinnanstieg um 6,5 Prozent auf 3,41 Milliarden Dollar aus.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"