Kommt die Fed den Märkten zur Hilfe?

Stand: 13.07.2011, 20:01 Uhr

Die Aussicht auf frisches Geld von der Fed treibt die Börsen an. Aber die hohen Staatsschulden diesseits und jenseits des Atlantiks sorgen weiter für ein mulmiges Gefühl.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat zumindest kurzfristig für gute Laune an den Aktienmärkten gesorgt. Er deutete an, dass die Zentralbank erneut Staatsanleihen zur Stützung der Konjunktur aufkaufen werde und fuhr fort: "Die derzeitige wirtschaftliche Schwäche könnte länger dauern als erwartet und Deflations-Risiken wieder zurückkommen." Die Aussagen beflügeln den Aktienmarkt. Der Dow-Jones-Index steigt um rund ein Prozent, auch die anderen US-Indizes legen zu. Die US-Notenbank hat bereits zwei Anleihenkaufprogramme durchgeführt. Das bisher letzte in Höhe von 600 Milliarden Dollar lief im Juni aus, ohne dass sich die US-Konjunktur nennenswert verbessert hätte. Vor allem der jüngste Arbeitsmarktbericht war für die Amerikaner ein herber Rückschlag.

Allerdings fürchten Analysten ein Wiederaufflammen der Sorgen. "Uns beschäftigen wirklich die Staatsschulden-Probleme. Die Euro-Krise dürfte demnächst von der Debatte um die US-Schuldenobergrenze abgelöst werden - und das ist auch nicht positiv für die Börsen", sagte Nicholas Colas von der ConvergEx Group.

Dax erholt sich
Der Dax hat nach zwei heftigen Verlusttagen zur Wochenmitte Boden gut gemacht und dabei sogar einer Rückstufung Irlands auf Ramschstatus getrotzt. Der Index beendete den Xetra-Handel mit einem Gewinn von 1,3 Prozent und schloss bei 7.267 Punkten, knapp unter seinem Tageshoch bei 7.280 Zählern. "Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage ist ein Durchatmen angesagt", sagte ein Händler. Im Tagesverlauf war der deutsche Leitindex bis auf 7.163 Punkte abgerutscht, knapp unter seinen gestrigen Schlussstand von 7.174 Punkten. Der Index profitierte dabei von positiven Konjunkturnachrichten aus China sowie den Aussagen Bernankes, die das Aktienbarometer am Nachmittag angetrieben hatten.

Fitch stuft Griechenland zurück
Nach Xetra-Schluss stufte die Ratingagentur Fitch Griechenland auf CCC runter. Fitch schiebt dabei der europäischen Politik den schwarzen Peter zu. Es fehle ein glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm von EU und IWF, so die Analysten. Sie erwarten ein Schrumpfen der griechischen Wirtschaft in diesem Jahr um vier Prozent und eine nur moderate Erholung im Jahr 2012.

Die Herabstufung Griechenlands hat ebenso wie die Irlands aber keine Auswirklungen auf die Märkte. Der L/E-Dax reagiert kaum und beendet den Abendhandel bei 7.261 Punkten. Allerdings äußert die EU-Kommission scharfe Kritik. Der schlechtere Bewertung sei unverständlich und der Zeitpunkt dafür fragwürdig, erklärte eine Sprecherin von EU-Kommissionspräsident Barroso. Der Euro behauptet sich über dem Niveau von 1,41 Dollar.

Für Aufregung sorgte ein Eklat um den Bankenstresstest. Danach fällt die Hessische Landesbank beim Test durch, weil die europäische Bankenaufsicht EBA die stillen Einlagen des Landes Hessen nicht anerkennt. Dafür erntete die EBA heftige Kritik. Bafin, Bundesbank und natürlich auch die Bank selbst halten die Entscheidung für nicht gerechtfertigt.

Italien kündigt Sparpaket an
Italiens Finanzminister Giulio Tremonti kündigte an, dass das Land bis Freitag sein Sparpaket im Volumen von 40 Milliarden Euro auf den Weg bringen werde. Damit soll bis zum Jahr 2014 ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden. Gleichzeitig betonte Tremonti, dass an der Einführung einer Euroanleihe kein Weg vorbei führe.

Kommentare der Ratingagentur Fitch zu Italien heben derweil die Kurse italienischer Staatsanleihen nach zunächst freundlichem Kursverlauf wieder abrutschen lassen. Die Rendite zehnjähriger Anliehen stieg von 5,5 auf 5,6 Prozent und liegt damit etwa doppelt so hoch wie die einer deutschen Bundesanleihe. Allerdings spiegele der Renditeanstieg nicht etwa eine Verschlechterung der Fundamentaldaten wider, sondern mangelndes Vertrauen der Anleger in die europäische Politik, betonte Fitch.

Gold auf Rekordniveau
Der Preis für das gelbe Metall ist den achten Tag in Folge gestiegen und erreichte im Handelsverlauf ein neues Rekordniveau von 1.578 Dollar. Händler erwarten weiter steigende Preise und begründen dies mit den anhaltenden Sorgen um die europäische Schuldenkrise und die unklare Lage in den USA. "Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis der Goldpreis neue Höchstwerte erreicht", erklärten die Analysten der Commerzbank.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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82,75
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+0,25%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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55,72
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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148,08
Differenz relativ
+2,49%

Autoaktien sind gefragt
Autoaktien gehörten zu den Tagesgewinnern. Laut Händlern reagierten die Aktien auf das weiterhin robuste Wirtschaftswachstum in China. Auch Analysten äußerten sich positiv. BMW-beendete den Handel um 4,4 Prozent höher bei 70,18 Euro und erreichte damit ein Allzeithoch. Derweil überprüft die EU-Kommission die Rechtmäßigkeit staatlicher Beihilfen in Sachsen. Dabei geht es um Beihilfen für den Bau eines BMW-Elektroautos in Leipzig sowie einer Investition in das VW-Werk in Zwickau.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,64
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+2,03%

Kleinere Strafe für ThyssenKrupp
ThyssenKrupp hat Glück, die europäischen Richter sind dem Konzern wohlgesonnen. Sie reduzieren die Strafe wegen illegaler Absprachen mit dem Konkurrenten auf 319,78 Millionen Euro. Vor vier Jahren hatte die EU-Kommission eine Strafe von 479,67 Millionen Euro verhängt.

Frist für Deutsche Börse endet
Heute um Mitternacht endet die Annahmefrist im Tauschangebot der Deutschen Börse und der NYSE Euronext. Es bleibt spannend. Bisher sind erst knapp 35 Prozent der Aktien getauscht werden. Die Börse braucht aber 75 Prozent. Allerdings nimmt das Gros der Anleger erfahrungsgemäß ein solches Umtauschangebot erst im letzten Moment wahr. Scheitert die Fusion, wird es nach Ansicht von Experten eng für die Deutsche Börse mit ihrem Marktwert von zehn Milliarden Euro. Sie sei auf Dauer zu klein, um sich allein zu behaupten.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,63
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RWE verteidigt seine Investitionsstrategie
Der Energieversorger will zukünftig nicht weiter in konventionelle Kraftwerke investieren. "Die Rahmenbedingungen sind nicht gegeben, dass sich das wirtschaftlich darstellt", sagte am Dienstagabend Matthias Hartung, Vorstandschef von RWE Technology. Hintergrund ist, dass der Anteil an erneuerbaren Energien ständig wächst und bei der Einspeisung ins Netz nach dem politischen Willen Vorrang hat.

Gleichzeitig kommt RWE in seinen Gesprächen mit dem russischen Monopolisten Gazprom nicht entscheidend weiter. Dabei geht es um die Bindung des Gaspreises an den Ölpreis, der den Essenern ein Dorn im Auge ist, sowie um eine mögliche strategische Beteiligung der Russen an RWE.

Zudem scheint der Verkauf der Stromnetztochter Amprion an ein Konsortium unter Führung der Commerzbank unmittelbar bevorzustehen. "Der Deal wird in den kommenden Tagen abgeschlossen", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Der Preis könnte inklusive Schulden bei 1,1 Milliarden Euro liegen. Amprion betreibt ein Stromnetz von 12.000 Kilometern Länge und versorgt 25 Millionen Kunden.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Telekom verliert Großkunden
Daimler-Mitarbeiter werden zukünftig mit O2 telefonieren. Der Autobauer vergab einen großen Mobilfunkauftrag an die Telefonica-Tochter. Bisher hatte die Telekom Daimler die Mobilfunkdienste angeboten. Die Aktie zeigt sich unbeeindruckt und schließt um 1,4 Prozent höher.

Verkauft Eon sein Abfallgeschäft?
Eon prüft nach Angaben eines Sprechers den Verkauf seines Abfallgeschäfts. Es sei aber noch offen, ob es zu einem Verkauf kommt. Eon betreibt insgesamt 18 Müllverbrennungsanlagen, die Strom und Wärme produzieren. Konzernchef Teyssen hatte erklärt, Eon wolle Geschäftsteile verkaufen, um seine Schulden zu reduzieren.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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108,96
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Keiner will NSN
Die gemeinsame Netzwerksparte von Siemens und Nokia findet keinen Käufer. NSN teilte mit, die Gespräche mit Finanzinvestoren seinen abgeschlossen worden, womit für die verlustträchtige Firma zunächst alles beim Alten bleibt. Siemens-Chef Peter Löscher will aus dem gemeinsamen Geschäft aussteigen. Beide Konzerne sind vertraglich noch bis 2013 aneinander gebunden, was dann wird, ist unklar. Vor allem Nokia-Aktien reagierten negativ. Das Papier fiel in Helsinki zwischenzeitlich erstmals seit 1998 unter die Marke von vier Euro.

Maue Geschäfte bei L'Oreal und Carrefour
Konsumtitel wie Beiersdorf und Henkel Vorzüge leiden unter dem schwachen Bild, das L'Oreal gestern abgab. Das Umsatzwachstum der Franzosen ist recht mau. Auch der französische Handelskonzern Carrefour kann nicht überzeugen mit seinem Zahlenwerk. Das Europageschäft schwächelt.

Ahlers schafft Gewinnsprung
Konsumfreude herrscht auch in Deutschland, der Herrenausstatter Ahlers für Gewinnanstieg ist mit seinen Premiummarken Baldessarini, Pierre Cardin und Otto Kern gut im Geschäft. Der Umsatz kletterte um 7,5 Prozent auf 122 Millionen Euro. Der Überschuss vergrößerte sich sogar um zwei Drittel auf 4,0 Millionen Euro. Die Anleger honorieren die Zahlen, die Aktie steigt deutlich über acht Prozent auf 10,20 Euro.

Elexis-Aktionäre noch zurückhaltend
Die Aktionäre des Spezialmaschinenbauers haben dem familiengeführten Anlagenbauer SMS trotz verbessertem Angebot bis gestern Abend erst 54,1 Prozent der Anteile angedient. Die Andienungsfrist läuft heute ab.

Gerresheimer gut im Geschäft
Im MDax schraubt sich Gerresheimer an die Indexspitze, münzt seine am Morgen veröffentlichten Quartalszahlen in Kursgewinne von über sieben Prozent um. Florierende Geschäfte mit der Pharmaindustrie lassen die Kassen klingeln. Mit seinen im zweiten Quartal des Bilanzjahres 2010/11 erzielten Zuwächsen übertraf der Düsseldorfer Traditionskonzern die Analystenschätzungen.

Baader Bank verdient weniger
Die Baader Bank hat im ersten Halbjahr 2011 die Folgen der Schuldenkrise zu spüren bekommen und deutlich weniger verdient. Die Handelsaktivitäten der Kunden waren deshalb rückläufig, schreibt die Bank in ihrem Halbjahresbericht. Nach Steuern stand noch ein Ergebnis von 4,9 Millionen Euro in den Büchern nach 10,8 Millionen Euro im Vorjahr. Vor allem das Handelsergebnis war deutlich rückläufig, darüber hinaus belasteten um rund zehn Prozent gestiegene Kosten.

ASML rechnet mit weniger Nachfrage
Der Chipausrüster bekommt die geringere Nachfrage der Endkunden nach elektronischen Endgeräten wie Handys und Computern zu spüren. Die direkten ASML-Kunden, unter anderem die Branchenriesen Intel, Samsung oder Taiwan Semiconductor stellen offensichtlich ihre Ausgaben für Neuanschaffungen zurück, kommentierte ein Analyst. ASML-Aktien rutschten bis zu acht Prozent deutlich ins Minus, konnten aber danach ihre Verluste eingrenzen. An der Amsterdamer Heimatbörse steht trotzdem ein sattes Minus von 4,4 Prozent auf der Kurstafel.

Youbisheng Börsengang erfolgreich
Aktien des chinesischen Kartonherstellers Youbisheng gehen mit einem Kursplus von 2,2 Prozent bei 6,66 Euro aus dem Markt. Der Emissionspreis lag bei 6,50 Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
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