Marktbericht 20:12 Uhr

Dax kann Gewinne nicht halten Knackpunkt 10.000

Stand: 02.12.2014, 20:12 Uhr

Fast überall standen die Börsenampeln am Dienstag auf grün - nur nicht in Deutschland. Dort bekamen die Anleger Höhenangst. Der Dax lugte kurz über die magische Marke von 10.000 Punkten und rutschte dann ins Minus.

Seit Tagen hatten die Anleger dem großen Moment entgegengefiebert. Doch dann ging alles ganz schnell. Kaum hatte der Dax die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten erstmals seit Juli wieder geknackt und den Rekord von 10.051 Punkten angesteuert, ging es auch schon wieder nach unten. Bis zum Mittag büßte der deutsche Leitindex seine Kursgewinne wieder ein und kam dann nicht mehr auf Touren. Er verabschiedete sich um 0,3 Prozent tiefer bei 9.934 Zählern. Der L-Dax schloss bei fast 9.949 Punkten.

Europas Börsen im Plus

Die meisten anderen wichtigen Börsenplätze verzeichneten dagegen leichte Kursgewinne. Der EuroStoxx50 schloss knapp 0,2 Prozent höher. Der französische Cac40 behauptete sich mit einem Plus von 0,25 Prozent. Der Londoner FTSE100 zog gar um über ein Prozent an.

Milliarden-Übernahmen heizen Wall Street an

Die Wall Street präsentierte sich ebenfalls recht freundlich. Zwei Stunden vor Handelsschluss notierte der Dow 0,5 Prozent im Plus, der S&P 500 zog um 0,6 Prozent an. Milliardenschwere Fusionen und gute Daten aus der US-Bauwirtschaft stützten die Kurse.  So erhöhten sich die Bauausgaben im Oktober um 1,1 Prozent. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg von 0,6 Prozent gerechnet.

Zwei Milliarden-Übernahmen aus der Halbleiter- und Pharmabranche sorgten für Furore. Für gut vier Milliarden Dollar übernimmt der US-Chiphersteller Cypress den Rivalen Spansion. Und der japanische Pharmakonzern Otsuka Pharmaceutical schluckt Avanir Pharmaceuticals für rund 3,5 Milliarden Dollar. Die Aktien von Cypress, Spanson und Avenir legten zweistellig zu. Außerdem gab es Gerüchte über eine gigantische Fusion zwischen den Ölriesen BP und Royal Dutch Shell. Die Titel von Shell und BP stiegen um vier Prozent.

Dax-Rekord nur eine Frage der Zeit?

Trotz des kleinen Kursrückgangs bleiben die Aussichten für den deutschen Aktienmarkt gut. Ein neuer Dax-Rekord ist nur eine Frage der Zeit, meinte ein Börsianer. "Der Dax will nach oben." Als Kurstreiber könnte sich mal wieder Mario Draghi herausstellen. Am Donnerstag wird der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) im Anschluss zur letzten Ratssitzung dieses Jahres die geldpolitische Strategie der Notenbank erläutern. Investoren hoffen darauf, dass die Währungshüter über Anleihenkäufe frisches Geld in die Finanzmärkte pumpen.

Rasanter Höhenflug

Nicht alle Experten glauben aber an eine "Jahresend-Rally". Der Aktienmarkt bewege sich momentan auf hohem Niveau seitwärts, meint Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Magazin Index-Radar. Nach der jüngsten Gewinnserie sei ein Rücksetzer wahrscheinlicher als neue Rekorde. "Vieles spricht derzeit für eine Korrektur", meint auch Analyst Jens Klatt von DailyFX. Sie finde nur deshalb noch nicht statt, weil viel Hoffnung auf der Geldpolitik der EZB ruhe. Zur Erinnerung: Seit Mitte Oktober hat der Dax 1.600 Punkte zugelegt. Die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur und einer Verschärfung des Ukraine-Russland-Konflikts hat seither abgenommen.

Euro unter 1,24 Dollar

Am Devisenmarkt ging die Dollar-Aufwertung weiter. Der Dollar-Index, der den Kurs zu anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, kletterte auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch. Der Euro rutschte unter die Marke von 1,24 Dollar. Auch die Ölpreise gingen auf Talfahrt. Ein Barrel der Ölsorte Brent verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 71,39 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1306
Differenz relativ
-0,46%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
60,11
Differenz relativ
-1,05%

Russland droht Rezessionsjahr

Darunter leidet vor allem Russland. Der Kreml stellt sich auf eine Rezession 2015 ein. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr voraussichtlich um 0,8 Prozent schrumpfen, warnte der stellvertretende Wirtschaftsminister Alexei Vedev. Bislang war von einem Wachstum von 1,2 Prozent ausgegangen worden.

K+S auf der Pole Position

Aus dem Dax ragte positiv K+S heraus. Die Aktien stiegen um zwei Prozent - ohne neue Nachrichten. Die Produktionsausfälle bei Konkurrent Uralkali wegen eines Wassereinbruchs hatten in den letzten Tagen die Titel von K+S beflügelt. Zu den Gewinnern zählten auch die BASF-Titel, die sich um knapp ein Prozent vom jüngsten Kursrückgang erholten. Anleger hatten befürchtet, dass die Tochter Wintershall unter dem Ölpreisrutsch leiden dürfte.

Europas Automarkt kommt nur langsam voran

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,72
Differenz relativ
-1,32%

Leicht im Minus schlossen die Autoaktien. Im November sank die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um zweio Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband der Autoindustrie (VDA) aber mit einem Absatz-.Plus von zwei Prozent. 2015 droht sich das Wachstum weiter zu verlangsamen. Auch in Europa erhole sich der Markt nur schleppend. In den USA hingegen ist die Lust auf neue Autos ungebrochen hoch. Audi konnte im November 22 Prozent mehr Fahrzeuge verkaufen. Selbst VW schaffte ein Plus von über drei Prozent.

Streik bremst Lufthansa-Aktie

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,42
Differenz relativ
+0,21%

Der Pilotenstreik setzte der Lufthansa zu. Die Aktien büßten über ein Prozent ein. Nach den Deutschland- und Europaflügen bestreikten die Piloten der Lufthansa am Dienstag auch die Langstrecke und die Frachtflüge. Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben bis einschließlich Mittwoch knapp 1.400 Flüge gestrichen.

Bayer hat einige Eisen im Feuer

Auf neuen Schub aus seiner prall gefüllten Pharma-Pipeline hofft Bayer. Der Konzern arbeitet nach eigenen Angaben aktuell an 75 Medikamenten, davon befinden sich 19 in der zweiuten und 18 in der dritten klinischen Phase der Entwicklung. Sein Geschäft mit Mitteln zur Behandlung der Bluterkrankheit will Bayer mit Investitionen von über einer halben Milliarde Euro vorantreiben. Die Anleger reagieren skeotisch: die Aktie verlor 1,4 Prozent.

RWE am Dax-Ende

Noch heftiger erwischte es RWE. Mit einem Minus von zwei Prozent war der Versorger Schlusslicht im Dax. Nach der angekündigten Aufspaltung von Eon steht RWE unter Zugzwang. Eon büßte 0,4 Prozent ein. Die Ratingagentur Moody's will das Rating hinsichtlich einer möglichen Herabstufung überprüfen.

Schwarzer Tag für SMA Solar

Im TecDax brach die Aktie von SMA Solar um rund 23 Prozent ein. Der Solarzulieferer hat erneut seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr gekappt. Bei den Erlösen wird nun eine Größenordnung zwischen 775 und 790 Millionen Euro angepeilt nach bislang 850 bis 950 Millionen. Der Verlust soll bis zu 115 Millionen Euro betragen. Bisher war ein Minus von bis zu 45 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.

Cancom feuert Pironet-Gründer

Derweil hat der IT-Dienstleister Cancom nach der Übernahme des Cloud-Spezialisten Pironet dessen Gründer Felix Höger vor die Tür gesetzt. Über die finanziellen Details herrscht noch kein Konsens, der Vorgang wird aber "zu einer einmaligen finanziellen Belastung der Ertragslage" von Pironet führen, teilte Cancom mit. Cancom-Aktien verloren zunächsdt, drehten im Laufe des Tages aber ins Plus.

Russland stoppt South Stream

Das Aus für das South-Stream-Gasprojekt belastete die an dem Vorhaben beteiligten Firmen. Die Aktien von Salzgitter brachen um über sieben Prozent ein. Die Aktien von VoerstAlpine gaben um knapp ein Prozent, die Titel der italienischen Saipem gar zeitweise um elf Prozent nach. Russland will die Erdgasleitung South Stream zur Versorgung Südeuropas nicht mehr bauen. Das Projekt sei durch die "Blockadehaltung" der EU sinnlos geworden, sagte Kremlchef Wladimir Putin.

Jungheinrich ersetzt Sky

Am Montagabend gab die Deutsche Börse das außerplanmäßige Ausscheiden von Sky Deutschland aus dem MDax bekannt. Den freiwerdenden Platz wird aber nicht, wie von einigen spekuliert, Zalando, sondern der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich einnehmen. Für Jungheinrich kehrt VTG in den Kleinwerteindex zurück. Die Aktien legten zu.

Steigt Zalando in den SDax auf?

Zumindest dürfte Zalando nach Expertenmeinung bei der regulären Indexüberprüfung an diesem Mittwoch in den SDax aufsteigen. Alle Änderungen werden an diesem Donnerstag umgesetzt.

Vossloh stellt die Weichen um

Der Bahntechnikkonzern hat am Mittag seine neue Strategie präsentiert. Demnach will sich Vossloh von seinem Lokomotiv-Geschäft mit rund 500 Millionen Euro Umsatz trennen. Der Geschäftsbereich Rail Infrastructure soll in drei neue Bereiche aufgegliedert werden. Vossloh will sich ganz auf die Bahninfrastruktur konzentrieren. Für 2014 kündigte das Unternehmen einen operativen Verlust (Ebit) von 150 bis 180 Millionen Euro an. Die Anleger reagierten enttäuscht. Die Aktie stürzte um elf Prozent ab und war größter SDax-Verlierer.

Grünes Licht für Fusion von Hapag-Lloyd und CSAV

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,04
Differenz relativ
-1,51%

Aufatmen bei der Tui: Die Kartellbehörden haben die Pläne zum Zusammenschluss von Hapag-Lloyd und dem chilenischen Rivalen CSAV gebilligt. Damit ist der Weg für die viertgrößte Reederei der Welt endlich frei. Die Tui, die noch 22 Prozent an Hapag-Lloyd hält, wird ihre Beteiligung an der Reederei kontinuierlich senken. Bei dem für 2015 geplanten Börsengang von Hapag-Lloyd und CSAV will Tui aussteigen.

Evotec verhandelt über Allianz mit Sanofi

Im späten Handel schossen die Aktien von Evotec um gut 15 Prozent nach oben: Grund: Das Biotech-Unternehmen befindet sich in Verhandlungen mit dem Pharmakonzern Sanofi über eine umfangreiche Kooperation. Diese soll in den nächsten fünf Jahren Evotec garantierte Zahlungen von 250 Millionen Euro bescheren.

Rekordjahr von Stabilus

Der Börsenneuling Stabilus hat Zahlen vorgelegt - allerdings zunächst den Analysten und Stunden später erst der breiten Öffentlichkeit. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen Umsatz und operatives Ergebnis um rund zehn Prozent auf ein Rekordniveau. Der Finanzinvestoir Triton nutzte den Moment, um seine Beteiligung weizter zu senken. Rund 3,1 Millionen Aktien werden auf den Markjt geworfen

InTica warnt

Derweil hat der im Prime Standard notioerte InTica Systems eine Gewinnwarnung ausgegeben. Die Jahresprognose sei nicht mehr zu erreichen, warnte das Unternehmen. Grund sei der unerwartete Konkurs der Schweizer Sputnik AG, einer der größten Kunden für Wechselrichter in der Industrie-Elkektronik. Die InTica-Aktien verloren zwei Prozent.

Bodycam-Aktie gefragt

In den USA erreichten die Aktien des Elektroschock-Geräteherstellers Taser ein Rekordhoch. Auch Aktien des Boycam-Anbieters Digital Ally waren gefragt. US-Präsident Barack Obama will nach den tödlichen Schüssen eines weißen Polizisaten auf einen schwarzen Jugendlichen in Fergusoin 263 Millionen Dollar in zusätuzliche Bodycams der Polizei stecken. Die Uniformen sind mit tragbaren Kameras ausgestattet.

Mega-Deal in britischer Versicherungsbranche

Eine Mega-Fusion sorgte in Großbritannien für Furore: Der britische Versicherungskonzern Aviva übernimmt den Konkurrenten Friends Life für 5,6 Milliarden Pfund. Aviva bietet den Aktionären von Friends Life für jede ihrer Aktien 0,74 Aviva-Anteile. Das entspricht einem Gegenwert von 394 Pence pro Aktie - einem Aufschlag von 15 Prozent auf den Schlusskurs vom 20. November.

nb

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr