Klettertour geht (vorerst) weiter

Stand: 03.03.2010, 20:02 Uhr

Die von Griechenland angekündigte Radikalkur sorgt heute für Entspannung an den Märkten. Doch erst die besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA geben dem Börsenbarometer einen Schub über die Marke von 5.800 Punkten.

Der Dax legt auch im Abendhandel um 0,7 Prozent zu auf 5.805. Dagegen hat die Wall Street am Abend wieder etwas an Schwung verloren. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones Index nur noch 23 Punkte höher als gestern bei 10.429.

Dass sich die anfangs trübe Stimmung an den Märkten im Lauf des Tages doch noch aufgehellt hat, erklären Börsianer mit der Ankündigung der griechischen Regierung, ein drastisches Sparpaket aufzulegen. Die Regierung will insgesamt 4,8 Milliarden Euro einsparen und damit die Schuldenspirale brechen. Bundeskanzlerin Merkel sprach von einem richtigen Schritt und einem wichtigen Zeichen. Auch die Europäische Zentralbank begrüßte die Maßnahmen.

Die Ratingagentur Moody's begrüßte ebenfalls die Radikalkur der Griechen und sagte, die Maßnahmen verliehen dem geplanten Abbau des Haushaltsdefizits Glaubwürdigkeit. Die Aussage genügte, um den Euro auf Klettertour zu schicken. Die Gemeinschaftswährung legt einen Cent zu auf 1,372 Dollar.

Technische Widerstände
Für Kauflaune sorgte dann am Nachmittag der ISM-Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor im Februar. Er stieg unerwartet kräftig auf 53,0 von 50,5 Zähler. Für die Analysten ein Zeichen dafür, dass der Aufschwung an Breite gewinnt.

Ob es auch an den Aktienmärkten weiter nach oben geht, bleibt abzuwarten. Technisch orientierte Analysten wie Wieland Staud von Staud Research warnen vor übertriebener Hoffnung "Die Entwicklung der vergangenen Tage war zwar gut, für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh", meint der Analyst. Dax-Stände über 6.000 werden seiner Einschätzung nach so schnell nicht mehr erreicht werden. Bei 5.850 Punkten sei eine sehr beachtliche Widerstandszone, erklärt er. Erst wenn das deutsche Aktienbarometer darüber klettere, könne möglicherweise erstmals über ein Ende der Korrekturphase nachgedacht werden.

Adidas überzeugt die Anleger nicht
Die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas kann bis zum Handelsschluss ihre Verluste zwar verringern, bleibt aber mit einem Abschlag von 4,14 Prozent der mit Abstand größte Verlierer im Dax vor Beiersdorf und Henkel. Tatsächlich hat der Konzern im vergangenen Jahr stärker unter der Krise und der allgemeinen Konsumzurückhaltung gelitten als erwartet. Auch der Ausblick liegt unter den Erwartungen vieler Analysten, obwohl der hinter Nike weltweit zweitgrößte Sportartikelkonzern in diesem Jahr von der Fußball-WM in Südafrika profitieren dürfte, wo Adidas offizieller Sponsor ist und zwölf Mannschaften ausrüstet. Der Einbruch der Adidas-Aktie zieht auch die im MDax notierten Papiere des Konkurrenten Puma nach unten.

Bayer weckt Fantasien
Die Aktie des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer zieht dagegen an und verteuert sich um gut ein Prozent. Händler verweisen auf ein Gerücht, wonach Bayer den Börsengang seiner Agrarchemiesparte CropScience plane. Bayer kommentierte die Gerüchte nicht.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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28,52
Differenz relativ
-0,14%

Post hat Potenzial
Die Aktie der Deutschen Post ist heute der größte Gewinner im Dax. Händler verweisen auf eine positive Studie der Commerzbank. Sie hat die Einstufung für die Aktie der Deutschen Post von "Hold" auf "Buy" und das Kursziel von 13,00 auf 15,00 Euro angehoben. Die Befürchtungen über einen massiven Einbruch bei den Gewinnen aus dem Briefgeschäft seien übertrieben, schreibt Analyst Frank Skodzik. Zudem werde das Gewinnpotenzial im Express-Geschäft bei weitem unterschätzt.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,61
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-0,30%

Stahlwerte heiß begehrt
Auch die Aktien der Stahlkocher stehen ganz oben auf der Gewinnerliste. Grund ist die Hoffnung auf steigende Preise. Der "FAZ" zufolge streben die Konzerne wegen der steigenden Rohstoffkosten nun Preiserhöhungen von rund zehn Prozent an.

Der Stahlhandelskonzern Klöckner&Co. prognostiziert in diesem Jahr gar ein Umsatzwachstum von 20 Prozent. Das ist mehr, als die Wirtschaftsvereinigung Stahl für die Gesamtbranche erwartet. Der Verband sieht für 2010 ein Umsatzwachstum von nur 10 bis 15 Prozent. Die Anleger begrüßen den Optimismus des MDax-Unternehmens mit einem kräftigen Kursplus.

Fraport enttäuscht
Nach dem kräftigen Rückgang des Geschäfts im vergangenen Jahr hofft der Flughafenbetreiber Fraport 2010 auf ein höheres Ergebnis und wieder steigende Umsätze. Die Anleger überzeugt das zunächst nicht, die Aktie verliert.

Solarwerte auf Erholungskurs
Solarwerte sind heute die größten Kursgewinner im TecDax. Angeführt wird die Liste der Gewinner von Solarworld, Q-Cells, und Roth & Rau. Händler sprechen von einer technischen Reaktion nach den jüngsten Kurseinbrüchen bei den Aktien aus dem Sektor. Solarworld haben seit Januar bis zu 45 Prozent an Wert verloren, Q-Cells brachen zeitweise mehr als 50 Prozent ein. Angesichts dieses Abwärtstrends hätten viele Anleger mit Leerverkäufen auf weiter fallende Kurse gesetzt, sagte ein Händler. Die deckten nun ihre Positionen wieder ein und sorgten damit für Kaufdruck. Fundamental gebe es keine Neuigkeiten.

MediClin macht Freude
Die Aktie des Klinikbetreibers MediClin gewinnt mehr als vier Prozent. Das Unternehmen konnte 2009 sowohl Umsatz als auch Gewinn steigern. Das Betriebsergebnis verbesserte sich auf 17 Millionen Euro, nach 15,8 Millionen im Vorjahr. Eigentlich hatte das Unternehmen für die zweite Jahreshälfte 2009 mit sinkenden Erlösen in seinen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gerechnet.

QSC größter Verlierer
Die Aktie der Netzwerkfirma QSC ist der größte Verlierer im TecDax. Dabei hat QSC das vergangene Jahr mit einem deutlichen Gewinn- und Umsatzplus abgeschlossen und steigende Kennzahlen in Aussicht gestellt. Wie die Firma mitteilte, erhöhte sich der Umsatz auf 413,3 auf 420,5 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbesserte sich auf 9,7 Millionen Euro. Die Aktie ist gestern um mehr als fünf Prozent gestiegen, konnte den charttechnischen Widerstand von 1,75 Euro aber nicht überwinden.

Colonia Real Estate haussieren
Der im SDax notierte Immobilienkonzern Colonia Real Estate hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von neun Millionen Euro erwirtschaftet und sich damit besser entwickelt als befürchtet. Die Anleger jubeln und hieven das Papier an die Spitze des Kleinwertesegments.

TAG Immobilien hingegen machte 2009 einen Millionenverlust. Den Verlust vor Steuern gab die Firma mit 28,4 Millionen Euro an, allerdings habe man, so TAG, nun den operativen Turnaround geschafft und erwartet für 2010 ein Vorsteuerergebnis von zehn Millionen Euro. Die TAG-Aktie notiert bis zum Ende des elektronischen Handels knapp 1,9 Prozent. Dagegen muss die Aktie von Deutsche Wohnen, ebenfalls im SDax, leicht abgeben. Die WestLB hat das Papier von "Buy" auf "Add" herabgestuft.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr