Kleiner Rückschlag?

Notker Blechner

Stand: 22.10.2009, 20:07 Uhr

Der Weg nach oben wird zunehmend holprig. Selbst gute Quartalszahlen werden ignoriert. Die Anleger gehen auf Nummer sicher und machen Kasse. Der Dax gibt deutlich nach. Die freundlichen US-Börsen verhindern Schlimmeres.

Verschnaufpause oder Anfang einer Korrektur? Börsianer geben sich gelassen. Sie sehen nur einen kleinen Ausrutscher. "Es gibt immer noch genügend Anleger, die die bisherige Rally verpasst haben und nur auf eine Gelegenheit lauern um einzusteigen", meinte ein Marktteilnehmer. Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory hält gar den kleinen Rückschlag am Donnerstag für "ein Zeichen der Stärke". Der Dax lasse eine weitere Chance aus, deutlicher zu korrigieren. Deshalb dürfte der nächste positive Impuls genutzt werden, um den Dax in Richtung 6.000 Punkte zu treiben, glaubt Müller.

Tatsächlich sah es am Donnerstag zeitweise ganz schlecht aus. Der Dax sackte am Vormittag um mehr als zwei Prozent ab. Als die US-Börsen dann aber nach einem Zick-Zack-Kurs klar ins Plus schwenkten, erholte sich der deutsche Leitindex spürbar. Der Dax beendete den Xetra-Handel mit 1,2 Prozent im Minus bei 5.762 Punkten. Im späten Parketthandel ging es weiter aufwärts. Der L-Dax schloss bei 5.777 Zählern. An der Wall Street machte sich wieder Zuversicht breit. Der Dow Jones stieg um über ein Prozent und überschritt wieder die Marke von 10.000 Zählern. Der S&P 500 stieg um 0,68 Prozent.

Widersprüchliche Konjunktursignale

Auftrieb gaben die viel beachteten US-Frühindikatoren, die sich besser entwickelten als erwartet. Das Konjunkturbarometer stieg im September um ein Prozent und damit stärker als vorhergesagt. Volkswirte hatten lediglich einen Anstieg von 0,8 Prozent auf ihrer Rechnung gehabt. Der unerwartet starke Anstieg signalisiert immer deutlicher, dass sich die US-Wirtschaft spürbar erholt. Einen Dämpfer gab es dagegen vom US-Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 531.000. Volkswirte hatten mit nur 515.000 Anträgen gerechnet.

Dow, 3M, Merck und McDonald's glänzen

Die US-Berichtssaison brachte derweil eine Reihe neuer positiver Überraschungen. So profitierte McDonald's von der Sparsamkeit der Verbraucher, die in der Krise eher in eine Fast-Food-Kette als in ein Restaurant gingen. Vor allem in Europa verzeichnete McDonald's einen größeren Zulauf. Der Fast-Food-Konzern konnte seinen Gewinn um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar steigern. Experten hatten mit weniger gerechnet. Die McDonald's-Papiere legten fast drei Prozent zu. Ähnlich groß fielen die Kursgewinne bei 3M aus. Der Mischkonzern verdiente mit 957 Millionen Dollar deutlich mehr als Analysten prophezeit hatten. Dabei schlug sich besonders die starke Nachfrage nach Atemschutzmasken wegen der Schweinegrippe positiv nieder. Der Umsatzrückgang von 5,6 Prozent fiel weniger drastisch aus als befürchtet.

Der Chemieriese Dow Chemicals schaffte es, den Überschuss um zwei Drittel auf 711 Millionen Dollar zu steigern. Verkäufe von Geschäftsteilen und ein rigider Sparkurs trugen maßgeblich dazu bei. Der Umsatz schrumpfte um 22 Prozent. Die Analysten-Erwartungen wurden übertroffen. Der Telekom-Konzern AT&T übertraf ebenfalls die Erwartungen und verblüffte mit einem Gewinn von 0,54 Dollar je Aktie. Das gute Bild komplettierte der Pharmakonzern Merck& Co. Im dritten Quartal erhöhte sich das Ergebnis je Aktie um 13 Prozent auf 0,90 Dollar - acht Cent mehr als von Analysten vorhergesagt. Der Umsatz erhöhte sich um zwei Prozent. Für das Gesamtjahr schraubte Merck die Gewinnprognose nach oben.

Post im Negativ-Sog
Lediglich UPS enttäuschte mit seinen Zahlen. Der Umsatz brach um 15 Prozent auf 11,15 Milliarden Dollar ein, und der Überschuss schrumpfte von 970 Millionen Dollar oder 96 Cent je Aktie auf 549 Millionen Dollar oder 55 Cent je Aktie. Die UPS-Zahlen belasteten auch die Deutsche Post. Sie zählte mit einem Minus von 2,6 Prozent zu den größten Dax-Verlierern. Zusätzlich wurde bekannt, dass der Post-Konzern wegen der Quelle-Insolvenz drei DHL-Standorte in Deutschland schließen und 400 Arbeitsplätze streichen muss. Quelle ist ein Großkunde der Post. Bereits im Zuge der Arcandor-Insolvenz hatte die Post die Streichung von rund 560 Stellen angekündigt.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,49
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+1,61%
Ericsson: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,85
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Rote Laterne für Infineon
Schlechte Zahlen des schwedischen Netzwerkausrüsters LM Ericsson rissen auch offenbar den Chiphersteller Infineon mit in die Tiefe. Infineon-Aktien verloren über vier Prozent und waren Schlusslicht im Dax. Ericsson bekam zu spüren, dass viele Unternehmen die Investitionen in neue Telekom-Netzer zurückfahren. Mit 534 Millionen Euro beim operativen Ergebnis verfehlte der Ausrüster die Prognosen. Wegen einer schwächeren Nachfrage aus den Schwellenländern sank der Umsatz um sechs Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,68
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ThyssenKrupp wird Xervon nicht los
Auf der Verliererseite standen die Stahltitel. ThyssenKrupp büßte fast drei Prozent, Salzgitter über zwei Prozent ein. Nach Einschätzung des Branchenverbands Eurofer kann die schwer gebeutelte europäische Stahlindustrie nicht mit einer raschen Erholung rechnen. Während es mit der Konjunktur in der EU langsam bergauf gehe, komme der Stahlmarkt derzeit kaum in Schwung, erklärte Eurofer-Generaldirektor Gordon Moffat am Donnerstag. Am Abend gab es einen weiteren Rückschlag für ThyssenKrupp. Der Konzern musste den Verkauf der Dienstleistungstochter Xervon stoppen. Der Mischkonzern will sich mit dem Verkauf von Sparten gesundschrumpfen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,88
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Bankentitel auf der Verkaufsliste
Unter den Top-Verlierern waren auch die Deutsche Bank und die Commerzbank mit Kursabschlägen von über zwei Prozent. Europaweit verloren die Banken-Titel nach den Zahlen der schweizerischen Credit Suisse. Diese fielen zwar besser aus als erwartet, aber manch Anleger hatte sich - ähnlich wie gestern bei der Deutschen Bank - wohl noch mehr ausgerechnet. Die Schweizer Großbank verdiente unterm Strich im dritten Quartal 2,4 Milliarden Franken (rund 1,6 Milliarden Euro) und übertraf klar die Prognosen von 1,62 Milliarden Franken. Größter Gewinnbringer war das Investmentbanking.

Potash setzt K+S zu
Der Düngemittelhersteller K+S litt unter schwachen Quartalszahlen des Konkurrenten Potash. Der weltgrößte Düngemittel-Konzern musste im dritten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen und äußerte sich unerwartet skeptisch zur weiteren Entwicklung. Trotzdem bekräftigte die DZ Bank ihre Kaufempfehlung für K+S. Die K+S-Aktien verloren 1,5 Prozent.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14,00
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T-Aktie stemmt sich gegen den Trend
Lediglich eine Aktie konnte sich am Donnerstag im Plus behaupten: die T-Aktie. Sie legte rund 0,5 Prozent zu auf 9,68 Euro. Kursbewegende Nachrichten gab es keine. Die T-Aktie hatte bereits gestern zulegen können. Händler verwiesen darauf, dass dividendenstarke Titel jetzt wieder gefragt seien.

Erholung bei Fuchs
Auch deutsche Firmen - aus der zweiten Reihe - meldeten sich am Donnerstag mit Quartalszahlen zu Wort. So zum Beispiel der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub. Das MDax-Unternehmen überraschte positiv: Dank der Stabilisierung der Absatzmärkte und der greifenden Sparmaßnahmen fiel der Ergebnisrückgang auf 122 Millionen Euro weniger schlimm aus als befürchtet. Die Aktie drehte zeitweise ins Plus.

Ausland vermiest Praktiker die Bilanz
Dagegen enttäuschte die Baumarktkette Praktiker mit einem herben Gewinneinbruch. Schuld daran war vor allem das schwache Auslandsgeschäft. Die Aktien von Praktiker fielen um über sechs Prozent und waren hinter HeidelbergerDruck größter MDax-Verlierer. Für den Rest des Jahres bleibt Praktiker vorsichtig. "Die konjunkturelle Unsicherheit ist trotz manch positiver Signale weiterhin groß", sagte Praktiker-Chef Wolfang Werner. An der Prognose für 2009 hält Praktiker freilich weiter fest.

Comdirect führt Honorarberatung ein
Besser wurden die Zahlen des Online-Brokers Comdirect aufgenommen. Die im SDax notierte Aktie gab nur ein Prozent nach. Die mehrheitlich zur Commerzbank gehörende Online-Bank hat in den ersten neun Monaten des Jahres das Vorsteuerergebnis um neun Prozent auf 66,4 Millionen Euro gesteigert. Damit ist das Jahresziel von 70 Millionen Euro fast schon erreicht. Das betreute Kundenvermögen stieg um 70 Prozent auf 34,5 Milliarden Euro. Mitte November führt Comdirect eine Pauschalgebühr für die Kundenberatung ein. Für mindestens 24,90 Euro pro Monat oder 0,05 Prozent des Portfoliowerts können sich die Comdirect-Kunden künftig telefonisch beraten lassen. Provisionen fallen nicht an.

Analysten-Lob für Phoenix Solar
Zu den wenigen TecDax-Gewinnern gehörte die Aktie von Phoenix Solar. Die Analysten von Goldman Sachs haben die Solartitel auf ihre "Conviction Buy"-Liste gesetzt und das Kursziel von 52 auf 62 Euro angehoben. Die schwache Entwicklung der Aktie in den vergangenen drei Monaten sei nicht gerechtfertigt, hieß es. Die Aktie legt um fast vier Prozent auf 39,30 Euro zu.

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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71,58
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Nestlé überzeugt
Aus der Schweiz meldeten neben der Credit Suisse zwei weitere Konzerne ihre Quartalsergebnisse. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé überzeugte mal wieder mit soliden Zahlen. Das Unternehmen aus dem schweizerischen Vevey wuchs organisch in den ersten neun Monaten um 3,6 Prozent. Dass der Umsatz aufgrund des starken Franken auf 79,5 Milliarden Franken schrumpfte, fanden die Börsianer nicht schlimm. Die Aktien konnten um fast zwei Prozent zulegen.

Novartis im Schweinegrippe-Fieber
Als Dritter im Bunde konnte der Schweizer Pharmakonzern Novartis ebenfalls überzeugen. Der Überschuss kletterte im dritten Quartal leicht auf 2,1 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um sieben Prozent, die Pharmasparte sogar zweistellig. Dank des Impfstoffs zum Schutz vor der Schweinegrippe rechnet Novartis mit einem kräftigen Schub im vierten Quartal. Für 2009 prophezeien die Eidgenossen ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Bisher wurde ein mittleres einstelliges Plus angepeilt. Die Novartis-Aktie stieg um fast ein Prozent.

Hoffnungsschimmer für Schmack
Nach dem gestrigen Kurssturz bäumt sich die Aktie der insolventen Schmack Biogas ein wenig auf. Sie gewinnt rund sechs Prozent und steigt auf über ein Euro. Das Insolvenzverfahren werde für Schmack die Chance sein, gestärkt aus der Krise herauszukommen, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter mit. Die Biogasanlagen-Hersteller setzt seinen Betrieb fort.

Kurssprung von Pulsion

Einen kräftigen Sprung nach oben machten die Aktien von Pulsion. Sie gewannen rund 15 Prozent. Der Medizintechnikhersteller erreicht seine Renditeziele früher als erwartet und erwägt eine Anhebung der Jahresprognose. Umsatz und Profitabilität seien im vergangenen Quartal stärker gestiegen als erhofft, sagte Finanzchef Frank Posnanski. Nach vorläufigen Zahlen sei der Umsatz im dritten Quartal um elf Prozent von vier Millionen Euro im Vorjahr gestiegen. Das Quartalsergebnis werde deutlich positiv sein, kündigte Pulsion an.

Anzag verdient mehr
Der Pharmagroßhändler Andreae Noris-Zahn (Anzag) präsentierte nach Börsenschluss seine Jahreszahlen. Wegen des Wegfalls von Sonderbelastungen konnten die Frankfurter ihren Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als verdoppeln auf 22 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Das Ergebnis läge deutlich unter dem Niveau der Vorjahre, gab Anzag zu. Die Umsatzrendite vor Steuern (Ebt-Marge) lag bei nur 0,56 Prozent.

Epcos verschwindet vom Kurszettel
Nach zehn Jahren voller Höhen und Tiefen verlässt Epcos die Börse. Die Aktiennotierung werde in Kürze eingestellt, hieß es am Donnerstag. Der neue Eigentümer, die japanische TDK, hat die Epcos-Kleinaktionäre gegen eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen gedrängt und kontrolliert nun 100 Prozent. Der Squeeze-Out wurde am Donnerstag im Handelsregister eingetragen. Die Aktie notierte bei knapp über 20 Euro.

Klatten will Altana ganz
Ein Squeeze-Out strebt auch die Altana-Großaktionärin Susanne Klatten bei dem Spezialchemiekonzern an. Den verbliebenen Aktionären sollen 14 Euro je Altana-Aktie angeboten werden - das ist ein Aufschlag von rund sieben Prozent auf den Xetra-Schlusskurs vom Mittwoch. Die Milliardärin hatte vor einem Jahr für 13 Euro je Aktie ihre Anteile an Altana auf knapp 92 Prozent aufgestockt. Die Altana-Aktie kletterte um fast zehn Prozent auf 14,30 Euro.

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,25
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Microsoft startet Windows 7
Mit Spannung warten Anleger am Freitag auf die Quartalszahlen von Microsoft. Der Software-Gigant feierte am Donnerstag den Marktstart des neuen Betriebssystems Windows 7. Im Vergleich zu Vista soll es schlanker, schneller und anwenderfreundlicher sei. Mit Windows 7 will Microsoft seine Dominanz unter den Betriebssystemen weiter ausbauen. Derzeit liegt der Anteil laut Microsoft-Chef Steve Ballmer bei 96 Prozent, in den USA bei 91 Prozent. Die Nachfrage für Windows 7 ist groß.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr