Kleine stehlen Dax die Show

Detlev Landmesser

Stand: 23.10.2007, 20:29 Uhr

Während der Dax am Dienstag etwas von der VW-Aktie gebremst wurde, spielte vor allem in den kleineren Indizes die Musik: Alleine im MDax gewannen acht Titel mehr als vier Prozent an Wert.

Insgesamt legte der Index der mittelgroßen Konzerne um 2,3 Prozent zu. Der L-Dax schloss 0,24 Prozent höher bei 7.850, 62 Punkten.

Nach einem vorübergehenden Schwächeanfall schwoll auch das Plus an den US-Börsen wieder an. In New York wird schon wieder das beliebte Spiel "Die Fed wird es schon richten" gespielt. Die Börsianer hoffen, dass die US-Notenbank am Mittwoch nächster Woche den Leitzins abermals senken wird, um die Folgen der Kreditkrise auf die Konjunktur zu dämpfen. Ob das den Aktienmarkt nachhaltig tragen kann, muss sich allerdings noch zeigen.

Mit der Ankündigung, 82.000 klammen US-Hausbesitzern die Umschuldung ihrer Hypotheken im Wert von bis zu 16 Milliarden Dollar anbieten zu wollen, trug der größte US-Immobilienfinanzierer Countrywide zu dem Kursplus bei. Der Aktie des schwer angeschlagenen Konzerns tat diese Aussicht allerdings weniger gut.

An der Nasdaq glänzte die Apple-Aktie mit Aufschlägen von bis zu 8,7 Prozent. Der Computer- und Unterhaltungselektronik-Hersteller rechnet nach einem starken Quartal mit mehr Gewinn und Umsatz als von Analysten bisher vorhergesagt. Die Aktie von Texas Instruments fiel dagegen negativ aus dem Rahmen. Der Halbleiterhersteller hat zwar im dritten Quartal mehr als erwartet verdient, enttäuschte aber mit seinem Ausblick. Im Verlauf brachte Wal-Mart Unruhe in den Markt. Der weltgrößte Einzelhändler will in diesem Geschäftsjahr weniger investieren als bislang geplant. Nach der Ankündigung fiel der Titel um bis zu 3,7 Prozent und zog den Dow Jones und den S&P 500 vorübergehend ins Minus.

VW-Aktionäre nehmen Gewinne mit

Wie erwartet, hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg das so genannte VW-Gesetz gekippt, da es gegen EU-Recht verstößt. Das Gesetz schrieb bisher vor, dass kein Aktionär des Unternehmens mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben darf, selbst wenn er einen größeren Aktienanteil besitzt - wie beispielsweise Porsche. Der schwäbische Autobauer kündigte kurz nach der Entscheidung an, seine Stimmrechte von über 30 Prozent voll ausüben zu wollen.

Die VW-Aktie, die in Erwartung der Entscheidung tagelang gestiegen war, wurde mit fast sechs Prozent Minus ans Dax-Ende durchgereicht - die typische Börsenreaktion, wenn lange Erwartetes tatsächlich eintritt.

Telekom verkauft Vivento Technical
Die T-Aktie legte etwas stärker als der Markt zu. Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks übernimmt von der Deutschen Telekom die Tochter Vivento Technical Services. Rund 2.000 Mitarbeiter würden dabei übernommen, teilte das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia am Nachmittag mit. Zudem sei mit der Telekom eine Vereinbarung über Serviceleistungen im Wert von rund 300 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre geschlossen worden. Die strategische Partnerschaft umfasse auch Investitionen von bis zu 150 Millionen Euro.

Siemens deutlich erholt
Index-Schwergewicht Siemens legte zeitweise über vier Prozent zu. Händler sahen dafür vor allem technische Gründe. Der Titel erhole sich von den starken Verlusten der vergangenen Woche. Die Aktie habe genau auf der 200-Tage-Linie aufgesetzt und gehalten. Zudem hatte der schon erwähnte Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks zwei Aufträge aus China erhalten. Auch die positive Überraschung von Schneider dürfte positiv gewirkt haben. Der französische Elektronikkonzern hat sein Umsatzziel für das Gesamtjahr erhöht.

SAP sticht Oracle aus
Trotz einer positiven Meldung stand die SAP-Aktie etwas unter Druck. Der Softwarekonzern meldete einen Großauftrag vom Handelskonzern Edeka für die Software-Lösung "SAP for Retail". Laut Reuters liegt der Auftragswert bei rund 200 Millionen Euro. Bislang habe Edeka eine Lösung der Oracle-Tochter Retek genutzt, sagte ein SAP-Manager.

Arques erholt
Den MDax führte die Aktie von Arques mit einem satten Plus von 7,4 Prozent an. Am Montag hatte die Aktie stark unter Druck gestanden, weil die Beteiligungsgesellschaft bereits ihren zweiten Top-Manager in diesem Jahr verliert.

Analysten helfen Gea auf die Sprünge
Ebenfalls über sieben Prozent ging es mit Gea nach oben. Dem Maschinenbauer half eine positive Bewertung der Credit Suisse mit einem Kursziel von 35 Euro. Zudem legte der schwedische Gea-Konkurrent Alfa Laval besser als erwartete Geschäftsergebnisse vor.

Aixtron für Großauftrag gefeiert
Im TecDax legte die Aixtron-Aktie um bis zu zehn Prozent zu. Der Spezialmaschinenbauer hat einen der größten Einzelaufträge dieses Jahres vom taiwanischen Leuchtdiodenhersteller Epistar erhalten. Die Aachener liefern den Asiaten Anlagen zur Massenproduktion von Galliumnitrid-Leuchtdioden. Finanzielle Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.

Q-Cells hat Kapazität kräftig erhöht
Die Aktie von Q-Cells war ebenfalls gut aufgelegt. Der Solarzellenhersteller hat mit der am Dienstag in Betrieb genommenen fünften Produktionslinie seine Kapazität drastisch erhöht. Die Jahresproduktion der neuen Fertigungslinie entspreche zwei Dritteln der gesamten bisherigen Kapazität, teilte das Unternehmen mit. Es sei die größte Solarzellenfabrik Europas. Mit ihr entstehen 400 neue Arbeitsplätze.

Elexis übertrifft sich selbst
Auch im SDax war einiges los. Die Elexis-Aktie gewann 4,3 Prozent. Der Maschinenbauer hat den größten Auftrag in der Unternehmensgeschichte erhalten. Elexis wird Maschinen liefern, mit den Kontaktlinsen hergestellt werden sollen. Der Auftragswert liegt bei 17 Millionen Euro. Wegen der guten Entwicklung rechnet Elexis im Gesamtjahr nun mit einem Auftagseingang von 170 bis 180 Millionen nach bisher 155 bis 170 Millionen Euro.

Balda dankt Apple
Ähnlich gut lief es für die Aktie des Handy-Zulieferers Balda, die von den guten Quartalszahlen von Apple profitierte. Balda liefert nach unbestätigten Berichten die Touchscreen für das iPhone.

Comdirect erhöht Prognose
Auch die Comdirect-Aktie war gefragt. Der Online-Broker konnte in den ersten neun Monaten sein Ergebnis vor Steuern um zehn Prozent verbessern. Wegen der guten Entwicklung rechnet das Unternehmen im Gesamtjahr nun mit einem Ergebnis vor Steuern von mehr als 80 Millionen Euro. Bisher war der Broker von 75 Millionen Euro ausgegangen.

Deutsche Wohnen profitiert von Neubewertung
Im späten Geschäft sprang die Aktie der Deutsche Wohnen an. Eine halbe Stunde vor Parkettschluss teilte das Immobilienunternehmen das Ergebnis der Neubewertung seiner Bestände mit. Danach ergebe sich per 30. Juni ein Nettovermögenswert von 39,39 Euro pro Aktie.

Aleo kooperiert mit Gildemeister
Die Aktie von Aleo Solar kam rund 4,7 Prozent voran. Das Solar-Unternehmen liefert Solarmodule für Trägersysteme der Gildemeister-Tochter a+f, die sich dem Sonnenstand anpassen. Der Auftragswert liegt bei rund 30 Millionen Euro; ein Drittel davon wird wohl noch in diesem Jahr verbucht.

Petrotec gibt vorübergehend auf
Die Petrotec-Aktie brach zeitweise zweistellig ein. Der Biodieselhersteller stoppt vorübergehend seine Produktion und meldet für die in dem Bereich beschäftigten Mitarbeiter Kurzarbeit an. Derzeit sei eine kostendeckende Biodiesel-Produktion nicht möglich, hieß es zur Begründung. Gleichzeitig senkte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr von bisher 65 bis 68 Millionen auf 58 bis 60 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll wie bereits prognostiziert bei minus zwei bis drei Millionen Euro liegen.

Lycos Europe kommt nicht vom Fleck
Das Internetportal Lycos Europe ist in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei minus 36,4 Millionen Euro nach minus 7,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. "Wir haben rückläufige Umsätze in der Werbung", musste Vorstandschef Christoph Mohn trotz des branchenweiten Booms bei der Online-Werbung einräumen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.