Klarheit her!

von von Detlev Landmesser

Stand: 31.01.2007, 20:09 Uhr

Wochenlang wurde spekuliert, und kurz nach Börsenschluss wird es mehr Klarheit geben: Wie sehen die nächsten Schritte der Fed aus? Bis dahin blieben die Börsen am Mittwoch in Lauerstellung.

Immerhin erreichte der Dax gegen 16:30 Uhr mit 6.805,09 Punkten zwischenzeitlich den höchsten Stand sei Dezember 2000. Der L-Dax schloss bei 6.784,33 Zählern.

Die US-Notenbank wird um 20:15 Uhr die Ergebnisse der Sitzung des Offenmarktausschusses mitteilen. "Die Frage lautet: Bleibt die Fed bei ihren bisherigen Formulierungen oder verschiebt sie den Tenor in Richtung möglicher Zinserhöhungen?", sagte ein Händler. Von Zinssenkungen ist indes nach den jüngsten starken Konjunkturdaten erst einmal keine Rede mehr. Eine sofortige Änderung des Leitzinses, der aktuell bei 5,25 Prozent liegt, halten die Marktteilnehmer aber für ausgeschlossen.

Jedenfalls wuchs die US-Wirtschaft im vierten Quartal 2006 stärker als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt stieg nach Angaben des US-Handelsministeriums auf das Jahr hoch gerechnet um 3,5 Prozent. Volkswirte hatten dagegen im Schnitt nur 3,1 Prozent erwartet. Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex fiel dann aber unerwartet deutlich, was vor allem den Euro beflügelte, der die Marke von 1,30 Dollar überschritt.

Wall Street uneinheitlich

Die New Yorker Börsen tendierten am Abend uneinheitlich. Während die Standardwerte von erfreulichen Quartalszahlen und einer erhöhten Gewinnprognose von Boeing profitieren, werden die Technologietitel von einem enttäuschenden Ausblick von Juniper Networks belastet. Der US-Tabakriese Altria gab indessen die Trennung von seiner Lebensmittel-Tochter Kraft Foods bekannt. Die Abspaltung soll bis 30. März so vor sich gehen, dass jeder Altria-Aktionär 0,7 Kraft-Aktien pro Altria-Papier erhält. Unterdessen ist eine Mega-Fusion am US-Himmel endgültig gescheitert: Die Fluggesellschaft US Airways hat ihr Werben um eine Übernahme der in der Sanierung steckenden Konkurrentin Delta aufgegeben.

Bayer ist Spitze
Am deutschen Markt behauptete sich die Bayer-Aktie mit Abstand an der Dax-Spitze. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte den Titel wieder mit der Empfehlung "Kaufen" und einem Kursziel von 55 Euro in eine Empfehlungsliste aufgenommen.

Deutsche Bank zahlt 60 Prozent mehr
Die Deutsche-Bank-Aktie drehte am Nachmittag ins Plus: Zuvor hatte der deutsche Branchenprimus den Dividendenvorschlag für 2006 veröffentlicht: Mit vier Euro will die Bank 60 Prozent mehr als im Vorjahr an die Aktionäre ausschütten. Zugleich kündigte das Institut an, dass Personalchef Tessen von Heydebreck zum 24. Mai den Vorstand verlässt. Seine Aufgaben würden unter den vier verbleibenden Mitgliedern des Gremiums verteilt.

Infineon fliegt von der Liste
Zu den größten Dax-Verlierern zählte die Infineon-Aktie. Die Speicherchip-Tochter Qimonda will laut dem "Handelsblatt" in Asien weiter expandieren und erwägt den Ausbau der Fertigung. Doch nach Händleraussagen kam diese Botschaft auf dem Parkett nicht gut an. Zusätzlich wurde die Aktie dadurch belastet, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs sie aus einer Empfehlungsliste entfernt hat.

Telekom: Kunden fliehen weiter
Auch die T-Aktie schwächelte weiter. Telekom-Chef Rene Obermann sieht einen weiteren Kundenverlust im Festnetzbereich vorher und diesen Trend als unumkehrbar. Nach der Gewinnwarnung für das laufende Jahr dringt Obermann auf rasche Kostensenkungen im Service. Konkurrenten werfen der Telekom dagegen vor, sie versuche bereits verloren gegangene Kunden mit unlauteren Mitteln wieder zurückzugewinnen. Der Bundesverband Breitbandkommunikation will deshalb die Regulierungsbehörde anrufen.

Stahl-Fusionitis, Kapitel 399
Die Fusionits im Stahlsektor bekam den deutschen Branchenvertretern erneut gut. Papiere von ThyssenKrupp im Dax und Salzgitter im MDax profitierten von der Übernahme des niederländisch-britischen Konkurrenten Corus durch die indische Tata. Offenbar spekulieren einige Investoren darauf, dass auch die deutschen Konzerne auf der Einkaufsliste eines Stahl-Giganten stehen könnten.

Eon will direkt zum Kunden
Besser als der Markt schlug sich auch die Eon-Aktie. Der Energiekonzern will laut Zeitungsberichten künftig mit eigenen Angeboten den Strom- und Gasverbraucher direkt ansprechen. Auch RWE plant demnach eine entsprechende Offensive.

Norddeutsche Affi läuft auf Hochtouren
Knapp zwei Prozent gewann das im MDax notierte Papier der Norddeutschen Affinerie. Europas größte Kupferhütte hat auf ganzer Linie überzeugt. Der Umsatz stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 von 921 Millionen auf 1,47 Milliarden Euro. Der Überschuss kletterte von 13 auf 23 Millionen Euro. Vorstandschef Werner Marnette sprach von einem "herausragend guten" Quartalsergebnis.

Heideldruck enttäuscht leicht
Die rote Laterne im MDax trug die Aktie von Heidelberger Druck. Der Druckmaschinen-Hersteller hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 die Erwartungen der Analysten verfehlt. Der Überschuss nach Anteilen Dritter stieg zwar von 34 auf 112 Millionen Euro, die Experten hatten allerdings im Schnitt mit 118 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz erreichte mit 961,6 Millionen Euro die Erwartungen (Vorjahr 908 Millionen Euro).

Freenet kauft Deutschland-Geschäft von Tiscali
Auf Freenet/Mobilcom kommt noch mehr Arbeit zu: Am Abend meldete der italienische Breitband-Internet-Anbieter Tiscali, er verkaufe sein Deutschland-Geschäft für 30 Millionen Euro an Freenet. Tiscali hatte die Zahl seiner Kunden in Deutschland zuletzt mit 380.000 beziffert.

Indus schreibt Millionen ab
Größter Verlierer im SDax war die Indus-Aktie. Wegen der schwachen Entwicklung ihrer Autoindustrie-Töchter muss die Beteiligungsgesellschaft hohe Abschreibungen vornehmen. Voraussichtlich werde es sich dabei um einen Betrag von 80 Millionen Euro handeln, teilte das Unternehmen mit. Diese Abschreibungen belasteten den Konzern weniger als die AG, so dass dort ein Überschuss von über 20 Millionen Euro anfallen dürfte. Der Umsatz legte nach ersten Berechnungen um mehr als zehn Prozent auf über 820 Millionen Euro zu.

Dyckerhoff wächst stetig
Die ebenfalls im SDax notierten Dyckerhoff Vorzüge gingen leicht in die Knie. 2006 steigerte der Zement- und Baustoffhersteller seinen Umsatz um sieben Prozent auf 1,42 Milliarden Euro. Was den Überschuss betrifft, stellte Dyckerhoff einen deutlichen Anstieg in Aussicht. 2005 hatte dieser 59 Millionen Euro betragen. Für 2007 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und eine weitere Steigerung des Überschusses.

Hawesko mit Gewinnschwund
Der Hamburger Weinhändler Hawesko ist im vergangenen Jahr stärker gewachsen als der Markt, verzeichnete jedoch schrumpfende Gewinne. 2006 habe der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um 5,5 Prozent auf knapp 303 Millionen Euro zugelegt, teilte der Betreiber der Ladenkette Jacques' Wein-Depot am Mittwochmorgen mit. Der deutsche Weinmarkt sei 2006 nach Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) um 3,4 Prozent gewachsen. Das Betriebsergebnis (Ebit) ging im Gesamtjahr erwartungsgemäß auf 18 Millionen Euro von 18,9 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich blieben Hawesko knapp zehn Millionen nach 10,7 Millionen Euro.

Cewe Color bekommt Feuer
Der Großaktionär des Oldenburger Fotoentwicklers Cewe Color, M2 Capital, hat von dem Unternehmen eine Sonderausschüttung gefordert. "Überschüssiges Kapital sollte den Besitzern der Gesellschaft zurückgegeben werden", sagte der Chef des New Yorker Unternehmens, David Marcus, am Mittwoch. "Wir sind überzeugt, dass CeWe massiv unterbewertet und massiv überkapitalisiert ist." Das Management sei seinen Pflichten nicht nachgekommen, Wert für die Gesellschaft und ihre Aktionäre zu schaffen. Diese Aspekte sollten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, deutlich vor dem 26. April, diskutiert werden. Schon am Dienstag hatte sich der Cewe-Vorstand gegen die Attacken des Hedgefonds zur Wehr gesetzt und M2 Erpressung vorgeworfen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr