Marktbericht 20:15 Uhr

Fed-Chefin Yellen verkündet die Zinswende Klarheit aus Washington

Stand: 18.03.2015, 20:15 Uhr

Die amerikanische Notenbank bereitet die Märkte wie erwartet auf höhere Zinsen im Jahresverlauf vor. An der Wall Street drehen die Kurse daraufhin ins Plus, bei uns geht es hingegen im Späthandel eher schleppend zu.

Die Unsicherheit über den weiteren Kurs der amerikanischen Notenbank ist erst einmal zu Ende. Die Notenbanker um ihre Chefin Janet Yellen haben einstimmig eine Erhöhung des historisch niedrigen Leitzinses in den USA signalisiert und ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt bis 2017 gegeben. Eine Erhöhung des Zinses bereits im April steht aber wohl nicht auf der Agenda.

Die Notenbanker strichen in ihrer Erklärung den Passus, wonach die Normalisierung der Geldpolitik ,geduldig' vonstattengehen kann. Genau dies war in dieser Form vom Markt erwartet worden. Yellen äußerte sich auf der aktuell noch laufenden Pressekonferenz besonders zum Arbeitsmarkt positiv. Den genauen Zeitpunkt der Erhöhung machte sie von den Daten abhängig - ganz nach guter Notenbankermanier hält sie damit die Spekulationen wenigstens noch ein bisschen am Kochen.

Zugewinne an der Wall Street, Dax im Späthandel kaum verändert

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.083,77
Differenz relativ
-0,46%

Die New Yorker Börse ist nach der Entscheidung kräftig ins Plus gedreht. Der Dow-Jones-Leitindex schoss rund 200 Punkte nach oben und steht aktuell gut 0,9 Prozent im Plus. Der Markt begrüßt damit, dass es keine unvorhergesehene Überraschung gegeben hat.

Der L/E-Dax hat sich hingegen nur kurz dem Aufschwung der New Yorker angeschlossen und ist danach zurückgefallen. Er schließt bei 11.926 Punkten nur knapp über dem Xetra-Schluss von 11.922 Punkten.

Konsolidierung geht weiter

Der deutsche Aktienmarkt hat derweil während der regulären Handelsstunden seine Konsolidierung vom Vortag fortgesetzt und leichter geschlossen. Zum Xetra-Handelsschluss stand ein Minus von 0,48 Prozent auf der Anzeigetafel. Vor der Entscheidung der Fed über die weitere Zinspolitik in Amerika halten sich die Anleger nach Meinung des Marktstrategen Stan Shamu vom Broker IG zurück.

Die Schwankungsbreite lag zwischen dem Tagestief bei 11.814 Punkten und dem Hoch bei 12.017 Punkten bei rund 200 Punkten. Sie zeigt, wie nervös die Marktteilnehmer vor der als richtungsweisend geltenden Pressekonferenz der Federal Reserve am Abend waren. Am Nachmittag und im späten Geschäft beruhigte sich das Geschehen allerdings. Notenbankchefin Yanet Yellen wird ab 19:30 Uhr vor die Presse treten und die bereits ab 19:00 veröffentlichten Beschlüsse des Zinsausschusses erläutern.

Euro rappelt sich auf

Am Devisenmarkt legt der Euro zu und steigt über die Marke von 1,07 Dollar. Die Gemeinschaftswährung hatte wegen der Aussicht auf höhere Zinsen für den Dollar zuvor schon drastisch an Wert verloren. Ob sich der Euro-Aufschwung aber behaupten kann, daran gibt es Zweifel. Zuletzt hatten die Experten von Goldman Sachs sogar ein Unterschreiten der 1:1-Parität zwischen Euro und Dollar prognostiziert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0592 Dollar fest nach 1,0635 Dollar am Vortag.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1642
Differenz relativ
-0,02%

Die Märkte blicken auch auf das morgen beginnende Gipfeltreffen der europäischen Staatschefs in Brüssel, auf der es eine weiteren Versuch geben wird, die Schuldenproblematik in Griechenland anzugehen.

Tagessieger RWE

Die RWE-Aktie legte 3,65 Prozent zu und war mit Abstand Tagessieger - ein ungewohntes Szenario für die gebeutelten RWE-Aktionäre, aber nach Meldungen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" über einen Einstieg eines arabischen Investors war das Papier gefragt.

Eine Sprecherin bestätigte zwar, dass der Konzern von einem arabischen Investor schon vor einigen Monaten angesprochen worden sei, macht aber keine näheren Angaben. "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", hieß es von RWE. Angeblich sollen zehn Prozent der Anteile an Investoren aus Abu Dhabi verkauft werden.

Auto-Titel auf der Verliererspur

Die Autobranche stellte heute die größten Dax-Verlierer. Papiere von Volkswagen, Daimler, BMW und Continental gerieten mächtig unter Druck. Bei BMW war es wohl die auf der heutigen Bilanzpressekonferenz für die Pkw-Sparte in Aussicht gestellte Ebit-Marge von acht bis zehn Prozent, die für zusätzliche Enttäuschung sorgt. Am Dienstag hatten BMW-Papiere noch ein Allzeithoch markiert.

Commerzbank mit 400 Millionen Euro dabei

Auch die Commerzbank-Aktie verlor überproportional. Die Commerzbank muss wegen des Schuldenmoratoriums bei der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria zittern. Das Institut besitzt Hypo-Anleihen in Höhe von rund 400 Millionen Euro. Übrigens: Während die Aktionäre abermals keine Dividende bekommen, hat sich Coba-Chef Martin Blessing für 2014 den ersten Bonus seit der Krise genehmigt.

Lufthansa: Anleger reagieren gelassen

Die Lufthansa-Aktie drehte trotz der der angekündigten Ausweitung des Pilotenstreiks ins Plus und gehörte sogar zu den besten Tagesgewinnern im Dax. Die Anleger sind mittlerweile ebenso streikerprobt wie die Passagiere und reagieren gelassen auf den scheinbar endlosen Streit mit den Piloten um ihre Frühverrentung. Nach den für diesen Mittwoch angekündigten Arbeitsniederlegungen auf Kurz- und Mittelstrecken sind am Donnerstag nun Langstrecken und Frachtflüge betroffen.

K+S: SocGen ganz angetan

Die K+S-Aktie hat seit Wochen einen hervorragenden Lauf und stieg auch heute weiter. Nicht umsonst war sie erst am Montag unsere Aktie des Tages. Auch die Analysten der Société Générale beurteilen den Dax-Titel positiv. Sie haben ihr Kursziel für K+S von 34 auf 37 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. K+S dürfte einen erheblichen Schub vom schwachen Euro erhalten und zeichne sich zudem durch eine attraktive Dividendenrendite aus.

Deutsche Euroshop dämpft die Erwartungen

Das Immobilienunternehmen aus dem MDax hat 2014 ein Rekordergebnis erreicht, ist für 2015 im Ausblick aber etwas zurückhaltender. Die Aktie reagiert auf die nach Börsenschluss veröffentlichten Zahlen im Späthandel aber kaum.

Hugo Boss bald ein Dax-Kandidat?

Der Finanzinvestor Permira hat über seine Tochter Red&Black Lux die letzten 8,4 Millionen Aktien am Metzinger Modekonzern bei institutionellen Investoren platziert und damit sein Engagement beendet. Dabei wurden 950 Millionen Euro erlöst. Dies teilte die betreuende Bank Merrill Lynch mit. Mit einem Streubesitz von rund 90 Prozent und einem Börsenwert von rund 8,3 Milliarden Euro wäre Hugo Boss nun auch ein Dax-Kandidat.

Red&Black Lux, an der Permira 60 Prozent hält, hat neben dem heutigen Erlös mit dem Verkauf diverser Aktienpakete vier Milliarden Euro eingenommen, zusätzlich wurden Dividenden kassiert. Auch für Boss hat sich der Einstieg des Investors gelohnt. Der Umsatz stieg um über eine Milliarde Euro, der Gewinn verdoppelte sich auf 333 Millionen Euro. Permira war 2007 Mehrheitseigner geworden. Boss-Aktien legten 1,26 Prozent zu und gehörten zu den größten Gewinnern im MDax.

Brenntag erobert Rekordhoch

Im MDax gab es für die Brenntag-Aktie eine regelrechte Berg- und Talfahrt. Zunächst eroberte das Papier bei 56,89 Euro ein neues Rekordhoch, dann machten die Anleger Kasse. Am Ende verlor die Aktie zwei Prozent. Der Chemikalienhändler hat dank seines strikten Sparkurses im Jahr 2014 mehr verdient. Aber auch die Geschäfte in Europa liefen deutlich besser.

Bilfinger: Prognose bestätigt

Die Bilfinger-Aktie blieb hingegen den ganzen Tag gefragt und schloss als Klassenbester im MDax ab - plus 1,66 Prozent. Der Bau- und Industriedienstleister rechnet nach dem ersten Verlustjahr seit 1998 zwar auch im laufenden Jahr mit widrigen Marktbedingungen. Doch Übergangschef Herbert Bodner bestätigte bei der Bilanzvorlage immerhin die verhaltene Prognose für 2015.

An der Aufstellung des Unternehmens ändert sich nichts. Der Konzern hält insbesondere an seiner kriselnden Kraftwerkssparte fest, diese soll aber neu ausgerichtet werden. "Zerschlagungspläne sind nicht in Sicht", sagte Bodner weiter.

DIC Asset: Weiteres FFO-Wachstum geplant

Die DIC Asset-Aktie aus dem SDax konnte ihre anfänglichen Gewinne nicht behaupten und schloss 0,55 Prozent schwächer. Der Immobilienkonzern plant zum Jahresende 2015 mit einer weiteren Senkung der Leerstandsquote auf rund 10,5 Prozent sowie Mieteinnahmen zwischen 134 und 136 Millionen Euro. Die wichtige Branchenkennziffer FFO soll auf 48 bis 50 Millionen Euro steigen, was einem Plus von bis zu vier Prozent gegenüber 2014 entspricht.

VIB Vermögen legt zu

Das auf die Bestandshaltung gewerblicher Immobilien spezialisierte Unternehmen berichtet für 2014 über einen um 7,6 Prozent auf 69,9 Millionen Euro gestiegenen Umsatz. Das Ebit lag bei 59,1 nach 54,2 Millionen im Vorjahr. Der FFO stieg von 1,07 auf 1,13 Euro. Die Dividende soll um 0,03 Euro auf 0,48 Euro erhöht werden. Die Aktie gab leicht nach, war aber zuletzt stark gestiegen.

Inditex gewinnt an Fahrt

Der spanische H&M-Konkurrent Inditex geht mit Schwung ins neue Jahr. Nach einem stabilen Wachstum im abgelaufenen Geschäftsjahr legte der Umsatz der eigenen Läden im Februar und März 2015 währungsbereinigt um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Die Kennzahl lag damit noch einmal über dem Wert für das Geschäftsjahr 2014.

FedEx verdient deutlich mehr

Der US-Logisitiker und Konkurrent der Deutschen Post hat in seinem dritten Geschäftsquartal den Nettogewinn deutlich um 53 Prozent auf 580 Millionen Dollar gesteigert. Je Aktie wurden 2,01 Dollar verdient, Analysten hatten nur 1,87 Dollar erwartet. Auch für das vierte Quartal zeigte sich das Management zuversichtlich. Die Anleger nehmen nach den Zahlen Gewinne mit, nachdem das Papier zuvor sehr gut gelaufen war.

Apple will ins TV-Geschäft

Der Kultkonzern verhandelt derzeit mit Mediengrößen wie Walt Disney, CBS oder Twenty Century Fox, um seinen Einstieg ins TV-Geschäft vorzubereiten. Dies schreibt das "Wall Street Journal". Der TV-Dienst, der rund 25 Sender umfassen soll, kann danach auf allen Geräten mit dem hauseigenen Betriebssystem iOS abgerufen werden. Angepeilt sei ein Preis zwischen 30 und 40 Dollar pro Monat. Für Apple, das 74,5 Millionen iPhones nur im vierten Quartal 2014 verkauft hat, eine gute Gelegenheit, die Kundschaft enger an sich zu binden. Über einen Einstieg ins Fernsehgeschäft wird schon länger spekuliert.

Starker Dollar macht Oracle zu schaffen

Der starke Dollar hat Oracle zuletzt einen Strich durch die Rechnung gemacht, Anlegern wird die maue Bilanz aber mit einer erhöhten Dividende versüßt. Ohne negative Währungseinflüsse durch den kräftigen Anstieg des Dollarkurses hätten die Erlöse zum Vorjahr um sechs Prozent zugelegt. Der Gewinn sank um knapp drei Prozent auf 2,49 Milliarden Dollar.

Adobe: Prognose verprellt Anleger

Der Software-Konzern Adobe hat mit seiner Prognose für das laufende Quartal die Anleger enttäuscht. Die Aktie verlor im nachbörslichen US-Handel am Dienstag fast vier Prozent. Dabei hatte der Anbieter von Programmen wie Photoshop oder Acrobat in dem Ende Februar abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal den Gewinn im Jahresvergleich kräftig gesteigert: von 47 auf 85 Millionen Dollar.

Microsoft: Windows 10 kommt im Sommer

Microsoft will sein nächstes Betriebssystem Windows 10 im Sommer auf den Markt bringen. Der zuständige Manager Terry Myerson nannte in einem Blog-Eintrag am Dienstag kein konkretes Datum. Er bekräftigte aber, dass die neue Version den Nutzern von Windows 7 und 8.1 ein Jahr lang kostenlos angeboten werde. Mit Windows 10 will Microsoft auf eine einheitliche Plattform für PCs, Smartphones und Tablets umsteigen.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)