Keiner wagt sich aus der Deckung

Stand: 21.09.2011, 20:01 Uhr

Vor der Entscheidung der US-Notenbank hat sich der Dax im nachbörslichen Geschäft kaum bewegt. Zuvor war ein schwacher Handelstag zu Ende gegangen. Die Anleger glauben nicht so recht an den Befreiungsschlag durch die Fed.

Der Dax ist zur Wochenmitte wieder deutlich zurückgefallen. Nachdem sich die Verluste über den ganzen Tag kontinuierlich verstärkt hatten, bröckelten vor allem gegen Xetra-Handelsschluss die Kurse. Das deutsche Börsenbarometer ging bei 5,433 Punkten aus dem Handel, ein Minus von knapp 2,5 Prozent oder 137 Dax-Punkte. Das Tagestief lag bei 5.417, das Hoch bei 5,557 Zählern. Im späten Geschäft bewegte sich der L/E-Dax kaum und schloss bei 5.449 Punkten. Die vagen Hoffnungen auf positive Impulse durch die US-Notenbank hatten den Handelsverlauf zuvor nicht beflügeln können. Im Gegenteil, die Börsianer trauen, so scheint es, der einstmals so mächtigen amerikanischen Zentralbank kaum noch etwas zu.

Denn Analysten erwarten allenfalls eine Änderung bei den Laufzeitstrukturen durch Portfolioumschichtungen. Dadurch könnte sich eine Entlastung bei den langlaufenden Zinsen ergeben, was beispielsweise Häuslebauern zugute kommen würde. Eine insgesamt eher bescheidene Unterstützung für die lahmende US-Wirtschaft. Aber mehr scheint wohl nicht mehr möglich, denn die Fed hat ihre Bilanz durch zwei große Liquiditätsprogramme bereits auf 2,8 Billionen Dollar aufgebläht. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum. Ein Devisenhändler brachte die auch am Aktienmarkt herrschende Stimmung auf den Punkt: "Für den Dollar wird entscheidend sein, ob der Markt die neuerlichen Maßnahmen der Fed als Zeichen der Handlungsfähigkeit positiv aufnimmt, oder deren Sinnlosigkeit erkennt."

Hinzu kommen kritische Kommentare vom IWF, der den europäischen Banken schwierige Zeiten prognostiziert. Die europäische Schuldenkrise belaste den Sektor mit 300 Milliarden Euro. Auch das hat die Stimmung im Handelsverlauf nicht gerade beflügelt. Selbst die angekündigten, verstärkten Sparbemühungen Griechenlands haben nicht geholfen.

Einzelwerte: Stada bricht ein
Unter den Einzelwerten beendete im Dax der Düngemittelhersteller K+S mit einem Minus von 5,9 Prozent auf 44,20 Euro den Handel und war damit größter Tagesverlierer. Auch Lufthansa-Aktien setzten nach der gestrigen Gewinnwarnung ihren Ausverkauf fort und fielen um fünf Prozent unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro. Gewinner waren nur Metro und MAN. Im MDax erwischte es nach einer Gewinnwarnung Stada besonders heftig. Die Aktie brach um 18,9 Prozent ein.

Euro legt zu
Am Devisenmarkt hat sich der Euro hingegen im späten Handel deutlich befestigt und tendiert aktuell bei 1,3782 Dollar gut ein halbes Prozent besser. Die EZB hatte am Mittag den offiziellen Kurs noch bei 1,3636 Dollar festgestellt.

Am Rentenmarkt geht Sicherheit derweil weiter vor Rendite. Erstmals hat sich der Bund nämlich im langen Laufzeitenbereich für weniger als zwei Prozent refinanziert. Die Aufstockung zehnjähriger Bundesanleihen erbrachte eine Rendite von 1,8 Prozent. Trotz negativer Realzinsen war die Tranche 1,5-mal überzeichnet. Der Bund nahm insgesamt 4,2 Milliarden Euro ein.

US-Märkte warten auf die Fed
An der Wall-Street halten sich die Investoren vor der Fed-Entscheidung zurück. Der Dow Jones-Index liegt zur Stunde mit 0,2 Prozent leicht im Minus. Der Index konnte damit seine moderaten Eröffnungsgewinne nicht verteidigen. Die Anleger sind in Wartestellung vor dem erwarteten Fed-Entscheid. Auch etwas besser als erwartet ausgefallene Daten vom Hausmarkt haben den Markt nicht stützen können.

Bei den Unternehmensmeldungen stehen Technologiewerte im Mittelpunkt des Interesses. HP sind nach Gerüchten über die Ablösung des Firmenchefs Leo Apotheker stark gesucht. Auch Adobe und Oracle legen zu. GM-Aktien hingegen geben nach, nachdem Konzernchef Akerson vor einer Rezession in den USA gewarnt hat.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,11
Differenz relativ
+2,39%

Metro in ruhigerem Fahrwasser
Die Aktie des Handelskonzerns reagierte positiv auf Äußerungen aus der Aktionärsfamilie Haniel, wonach diese Metro-Chef Eckhard Cordes den Rücken stärken. Über die Zukunft von Cordes und die Haltung von Haniel war lange Zeit gerätselt worden. Metro rücken gut zwei Prozent vor auf 31,51 Euro.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,06
Differenz relativ
+2,78%

Lufthansa-Aktie trudelt abwärts
Analysten der Deutschen Bank haben nach der Prognose-Kürzung vom Vortag ihr Kursziel für den Titel von zwölf auf neun Euro zurückgenommen. Die Anlageempfehlung lautet nun "verkaufen". Nach Aussagen der Lufthansa sollen die Winterkapazitäten nur um vier, statt der bisher gehofften sechs Prozent wachsen. Die Aktie setzte ihren Negativtrend fort und gab gut fünf Prozent auf 9,80 Euro ab.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,14
Differenz relativ
-0,30%

Deutsche Bank: Wackelt die Prognose?
Nach Aussage von Finanzchef Stefan Krause kämpft sein Institut weiter um die Geschäftsziele für das Gesamtjahr. "Wir schwitzen ganz schön ordentlich", meinte Krause dazu mit Hinweis auf die Schuldenkrise in Europa. Bislang peilt die Deutsche Bank noch einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro an.

Gleichzeitig sieht Krause keinen zusätzlichen Kapitalbedarf für sein Institut. Er fühle sich mit seiner Kapitalausstattung wohl und gehe davon aus, dass sein Haus das Ziel einer harten Kernkapitalquote von mehr als acht Prozent 2013 erreichen werde. Damit werde die Bank die Anforderungen des neuen Regelwerkes Basel III bereits acht Jahre früher als verlangt erfüllen. Den aktuell schwachen Börsenkurs führt Krause einzig und allein auf die Griechenland-Unsicherheit am Markt zurück.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,40
Differenz relativ
-1,96%

Gewinnziele bei Commerzbank fraglich
Commerzbank-Chef Martin Blessing ist wegen der Euro-Schuldenkrise nicht mehr so optimistisch für die Gewinnziele 2011. Zumindest im Kerngeschäft wolle man in diesem Jahr zwei Milliarden Euro verdienen, 2012 operativ dann vier Milliarden. Aber Blessing schränkt ein: "Das hängt davon ab, ob wir eine relativ schnelle Beruhigung der Märkte sehen." Durch die Verunsicherung der Investoren sei vor allem der Anleihenmarkt negativ betroffen worden.

Risiken bei der Refinanzierung sieht er für deutsche Banken aktuell nicht, da Deutschland einen guten Ruf genieße. Die Investoren differenzierten hier im Moment genau, führte Blessing weiter aus. Die Politik forderte er auf, für Klarheit zu sorgen. Eine Fiskalunion sei dabei wohl unausweichlich, wolle Europa die gemeinsame Währung erhalten. Die Aktie gibt 2,5 Prozent ab auf 1,67 Euro.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,83
Differenz relativ
+0,88%

Telekom: Kein neues Sparprogramm
Die Deutsche Telekom hat einen Zeitungsbericht zurückgewiesen, nachdem das Unternehmen massiv zusätzlich sparen müsste, um eine Gewinnwarnung zu vermeiden. Nach Aussagen eines Sprechers sei davon nichts bekannt. Zudem erneuerte die Telekom ihre Jahresprognose. Der Bonner Telekom-Riese erwartet in diesem Jahr ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 19,1 Milliarden Euro.

Stada muss abschreiben
Das Pharmaunternehmen muss 97 Millionen Euro abschreiben, die die serbische Tochtergesellschaft Hebofarm nicht mehr eintreiben kann. Die Summe wird im dritten Quartal als einmalige Sonderbelastung gebucht und wird den Ertrag nach Steuern um voraussichtlich 85 Millionen Euro belasten. Ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten bestätigte der Vorstand allerdings seine Ziele für 2011 und 2012. Die Aktie verliert daraufhin kräftig und schließt mit einem deftigen Minus von fast 19 Prozent auf 18,79 Euro an der Spitze der MDax-Verliererliste.

Derby Cycle wird übernommen
Der Fahrradhersteller aus dem SDax wird für 28 Euro je Anteil vom niederländischen Konkurrenten Pons geschluckt. Darauf einigten sich heute die Gremien beider Unternehmen. Die Aktie soll zunächst noch weitere 18 Monate an der Börse notiert bleiben, Änderungen im Vorstand soll es nicht geben. Die Aktie springt um 12,6 Prozent auf 28,50 Euro und ist damit Tagesssieger im SDax.

Nokia bald in voller Pracht?
Diesen blumigen Vergleich bemüht Nokia-Chef Stephen Elop, wenn er an die gemeinsame Zukunft mit Microsoft denkt. Er erwartet erste positive Effekte aus der Zusammenarbeit ab Mitte 2012. "In einem Jahr werden sie unsere Strategie in voller Pracht erleben", sagte Elop. Er stellt Neuerungen und Geräte in Aussicht "von denen Sie jetzt noch gar nichts ahnen." Nokias Hoffnungen ruhen dabei besonders auf dem mit dem Betriebssystem Windows 7 betriebenen, neuen Smartphone. Die ersten Geräte sollen im vierten Quartal ausgeliefert werden. Nokia-Aktien hatten sich zuletzt etwas erholt, verlieren aber heute 3,5 Prozent.

Milliardenübernahme auf dem Biermarkt
Die britische SAB Miller übernimmt für 9,9 Milliarden australische Dollar (10,2 Milliarden US-Dollar) den australischen Marktführer Foster`s. SAB hatte dabei sein ursprüngliches Angebot von 4,90 AUD je Aktie auf 5,10 AUD erhöht. Es ist die größte Übernahme auf dem Biermarkt seit die belgische InBev vor drei Jahren für 52 Milliarden US-Dollar den US-Konkurrenten Anheuser-Busch übernommen hatte. Foster´s gilt bei Analysten als Ertragsperle.

Muss Ex-SAP-Chef Apotheker gehen?
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise berichtet, steht der Ex-SAP-Chef Leo Apotheker kurz vor dem Rausschmiss beim Computerkonzern Hewlett Packard. Das Direktorium von HP erwäge, sich von Apotheker zu trennen, heißt es in der Meldung. Übergangsweise soll danach die Ex-eBay-Chefin Meg Whitman das Ruder übernehmen. Bei HP läuft es schon eine Weile alles andere als rund, Experten bezweifeln den Erfolg des radikalen Umbauprogrammes. Die Börse reagiert euphorisch, die HP-Aktie steigt zwischenzeitlich um über zehn Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr