Keine wirkliche Erholung

Stand: 01.07.2010, 20:10 Uhr

Eine Kehrtwende sieht anders aus: Zwar reduzierten die US-Börsen am Donnerstagabend ihre Tagesverluste deutlich. Doch der Late-Dax gewann nur einige Pünktchen gegenüber dem Xetra-Schluss hinzu. Konjunktursorgen bleiben den Börsen erhalten.

Gleich zwei schlechte Nachrichten von der US-Wirtschaft sorgten am Donnerstag für Tristesse auf dem Parkett: Zum einen stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der vergangenen Woche überraschend deutlich an.

Zum anderen scheint die US-Industrie ihre Erholung abzubremsen. Der vielbeachte ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe rutsche ebenso überraschend von 59,7 auf 56,2 Punkte ab. Zwar signalisiert auch dies noch eine Expansion des Sektors, doch der Schwung der Erholung scheint nachzulassen. Zusammen mit ähnlichen Daten, die bereits am Morgen aus China übermittelt wurden, ergab sich damit für Anleger ein trübes Bild.

Autozahlen helfen - ein wenig

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,74
Differenz relativ
-0,62%

Am Abend sorgten positive Absatzzahlen vom US-Automarkt noch für eine gewisse Entlastung, die einheimischen Hersteller Ford, Chrysler und GM konnten ihre Verkaufszahlen deutlich steigern, ebenso wie die deutschen Vertreter BMW, Daimler, VW und Porsche. Doch wegen der Konjunkturängste hatten gerade die Autopapiere während des Handelstages heftig abgegeben, daran änderte sich auch am Abend nur wenig.

Im Dax hielten sich am Ende des Parketthandels nur die Papiere der Commerzbank auf Vortagesniveau. Vergleichsweise geringe Verluste konnten Aktien der Deutschen Telekom, Eon und Bayer retten, die als "defensive" Titel gefragt waren.

Banken an der Spitze und am Ende

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Die Commerzbank dürfte ihre gute Vorstellung der Erleichterung der Aktionäre über den Verkauf der Tochter Kleinwort Benson an den Finanzinvestor RHJ verdankt haben. Diese ist nun abgeschlossen, damit wurden auch Auflagen der EU-Kommission erfüllt. Die Aktien der Deutschen Bank gehörten dagegen mit einem Verlust von fast vier Prozent zu den schwächsten Dax-Titeln.

Eon schlägt Stromerzeuger los

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,13
Differenz relativ
+1,52%

Nur leicht im Minus schloss Eon. Der Versorger will nach eigenen Angaben seine 21-Prozent-Beteiligung an dem Schweizer Stromerzeuger BKW verkaufen. Insgesamt soll dadurch ein Erlös von 526 Millionen Euro eingespielt werden, der zum Schuldenabbau verwendet werden soll.

Qiagen will so groß wie SAP werden

Peer Schatz, Chef des Biotech-Konzerns zeigt sich im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" selbstbewusst. Sein Unternehmen habe eine volle Forschungspipeline, und Qiagen könne durchaus die Größenordnung des Walldorfer Software-Konzerns erreichen. Die Aktie des TecDax-Schwergewichts hatte am Donnerstag allerdings rund drei Prozent eingebüßt.

ProSiebenSat.1 mit Sendestörung

Einen Tag nach der Hauptversammlung des Medienunternehmens ging die TV-Aktie am Donnerstag auf Tauchstation und büßte rund neun Prozent ein. Marktteilnehmer machen unklare Aussagen des Managements zu der Refinanzierung des Unternehmens dafür verantwortlich.

IKB: Eine Milliarde Miese

Die staatlich gestützte Bank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 einen Verlust von 974 Millionen Euro aufgetürmt. Das ist fast doppelt soviel wie ein Jahr zuvor. Die IKB war durch staatliche Hilfen vor der Pleite bewahrt worden und wurde anschließend an den Finanzinvestor Lone Star verkauft. Die zum Pennystock mutierte IKB-Aktie verlor am Donnerstag mehr als sieben Prozent auf 60 Cent.

Aixtron liefert nach China

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,89
Differenz relativ
-1,09%

Im TecDax war die Aktie von Aixtron mit drei Prozent Zuwachs größter Gewinner. Der Chipanlagenbauer profitierte von der Nachricht, dass das Unternehmen mehrere Anlagen an den chinesischen LED-Hersteller Sanan OptoElectronic geliefert hat. Das Auftragsvolumen liegt im "deutlich zweistelligen Millionenbereich".

Toyota mit neuer Panne

Der japanische Autokonzern kommt nicht aus den Schlagzeilen. Rund 270.000 Fahrzeuge der Nobelmarke Lexus müssen in die Werkstätten zurückgerufen werden. Offenbar könne bei ihnen der Motor ausgehen. Die Toyota-Aktie reagierte am Donnerstag allergisch und verlor rund drei Prozent.

Handy-Pleite für Microsoft

Die Aktie des Software-Riesen verlor im New Yorker Handel rund fünf Prozent. Anleger quittierten damit die Pleite des Unternehmens im Handy-Markt. Seine Handy-Reihe "Kin" für junge Leute wurde mangels Erfolg schon wenige Tage nach Verkaufsstart in Europa wieder eingestellt.

Euro im Höhenrausch

Ganz im Gegensatz zu den Aktienmärkten haussierte der Euro gegenüber dem US-Dollar am Donnerstag. Auf bis zu 1,2484 Dollar kletterte die Gemeinschaftswährung am Abend. Am Devisenmarkt wird einerseits eine gelungene Anleiheemission Spaniens gut aufgenommen. Zum anderen hat die EZB die Geschäftsbanken durch einen Wochentender in Höhe von 111,24 Milliarden Euro entlastet. Grund für die "Überbrückung" ist der am heutigen Donnerstag auslaufende Jahrestender im Volumen von 442 Milliarden Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"