Keine Unterstützung aus New York

Stand: 11.05.2011, 20:00 Uhr

Weil der Dow Jones nach zwei Gewinntagen mal wieder Verluste schrieb, beendete auch der Dax den Mittwoch mit knappen Einbußen. Viele kleine und mittlere Unternehmen legten ihre Geschäftsberichte vor.

In New York zogen am Abend vor allem Energietitel den Markt nach unten. Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 bauten im Handelsverlauf ihre Verluste kontinuierlich aus und notierten, als der Handel auf dem Frankfurter Parkett beendet war, mehr als ein Prozent tiefer.

Fundamentale Gründe für die Kursverluste gab es nicht. Wie so oft begnügten sich die Händler mit dem Verweis auf Gewinnmitnahmen, nachdem die Wall Street zwei Tage in Folge zulegen konnte.

Die schwachen Kurse in Amerika ließen den Dax nicht unberührt. Nachdem der deutsche Leitindex unter dem Eindruck guter Bilanzen im Handelsverlauf auf bis zu 7.566 Punkte geklettert war, bröckelten die Kurse während des Nachmittages ab, auf bis zu 7.495 Zähler bei Xetra-Schluss, minus 0,1 Prozent. Im späten Handel rutschte der Dax noch weitere 34 Punkte ab.

Eon und K+S bilanzierten
Aus dem Dax legten die beiden Konzerne Eon und K+S ihre Zahlen vor. Die Aktie des Versorgers Eon gewann trotz einer schwachen Bilanz 0,7 Prozent. Die Gesellschaft schloss das erste Quartal mit einem deutlich niedrigeren Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ab, zuvor hatte Eon ihren Ausblick für 2011 gesenkt. Einige Händler sagten, dass der Markt wohl noch schlechtere Zahlen erwartet hatte, vor dem "Hintergrund der Atomkraftdiskussion". Außerdem gebe es bei der Eon-Aktie Nachholbedarf, erklärten Marktstrategen.

Die K+S-Aktie verlor leicht, trotz einer sehr guten Bilanz. Die Düngemittelfirma hatte am Morgen endgültige Zahlen zum ersten Quartal gemeldet. Konzernchef Norbert Schneider sagt angesichts des deutlich auf 1,8 Milliarden Euro verbesserten Umsatzes, K+S könne nun "zuversichtlich auf die kommenden Quartale blicken".

Sieben MDax-Bilanzen
Sieben MDax-Konzerne legten am Mittwoch ihre Zahlen vor. Genießen konnten dies vor allem die Aktionäre von Axel Springer und Rational. Axel Springer verbesserte im ersten Quartal seinen Umsatz um elf Prozent auf knapp 737 Millionen Euro, dank eines guten Auslandgeschäftes. Der Küchenausrüster Rational profitierte von der guten Nachfrage aus den Schwellenländern und verbesserte Umsatz und Gewinn um jeweils ein Fünftel. Beide Aktien legten merklich zu.

Gute Bilanzen legten auch Brenntag, Symrise und Lanxess vor. Der Aromastoffhersteller Symrise steigerte Gewinn und Umsatz leicht, auf 41,1 und 416,8 Millionen Euro. Der Chemiekonzerns Lanxess verbuchte einen Umsatzsatz von 29 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, der Überschuss kletterte um 60 Prozent. Lanxess sagte, das Quartal sei sehr erfreulich verlaufen. Dennoch verloren die Aktien von Lanxess und Symrise deutlich, Händler sprachen von Gewinnmitnahmen.

Auch beim Chemikalienhändler Brenntag nahmen die Aktionäre ein paar der in den vergangenen Wochen aufgelaufenen Kursgewinne mit. Das Unternehmen hatte aber die Prognosen übertroffen, mit einem Umsatz von 2,13 Milliarden Euro und einem Ebitda von 158,1 Millionen Euro im ersten Quartal.

Bei KlöCo- und Douglas-Aktien handelten die Anleger wieder rationaler. Der Stahlhändler Klöckner&Co profitierte von der sehr guten Stahlkonjunktur im Quartal und meldete einen um die Hälfte verbesserten Umsatz sowie ein vervielfachten Gewinn von 86 Millionen Euro. Die Firma will ihre Kapitalbasis allerdings mit einer Kapitalerhöhung verbessern, deshalb verkauften die Anleger am Mittwoch ihre KlöCo-Aktien. Die Parfümeriekette Douglas verfehlte im ersten Quartal mit einem Verlust von 15,3 Millionen Euro die Markterwartungen leicht, die Aktie schloss 0,3 Prozent im Minus.

Tom Tailor, Medion, Bertrandt, Grammer und Patrizia
Aus dem SDax gab es am Mittwoch fünf Bilanzen. Der Elektronikhändler Medion litt im ersten Quartal unter dem schwachen Geschäft in Europa und erlöste zehn Prozent weniger, das Ergebnis verbesserte sich jedoch um rum ein Fünftel auf 3,7 Millionen Euro. Der Modekonzern Tom Tailor legte beim Ebitda um ein Drittel auf 4 Millionen Euro zu, der Umsatz kletterte um rund ein Zehntel auf 86,3 Millionen Euro.

Der Autozulieferer Bertrandt profitierte eindrücklich von der guten Autokonjunktur. Die Gesellschaft legte beim Umsatz in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres um 38 Prozent auf 267,8 Millionen Euro zu, der Nettogewinn verbesserte sich um ein Drittel auf 19,9 Millionen Euro. Auch Branchenkollege Grammer präsentierte sich mit sanierter Bilanz. Im ersten Quartal verbesserte der SDax-Konzern seinen Gewinn von 0,1 auf 4,9 Millionen Euro, der Umsatz stieg um ein Drittel auf 263 Millionen Euro. "Wir haben ein sehr starkes Wachstum in Europa und den USA zu verzeichnen", sagte Grammer-Finanzdirektor Alois Ponnath.

Und das Immobilienunternehmen Patrizia meldete nach Verlusten in den Vorquartalen wieder einen Gewinn von 9,8 Millionen Euro. Die Firma profitierte von einer Reihe von Wohnungsverkäufen. Am Abend berichtete noch die Fluggesellschaft Air Berlin über ihr erstes Quartal. Die Firma konnte zwar beim Umsatzum knapp neun Prozent auf 751,6 Millionen Euro zulegen, unter dem Strich erhöhte sich jedoch der Verlust von 93,6 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 120,6 Millionen.

Bilanzen aus dem TecDax
Auch aus dem TecDax gab es am Mittwoch einige Geschäftsberichte. Der Windkraftkonzern Nordex schaffte es, zumindest gegenüber dem Vorjahresquartal, beim Umsatz zuzulegen - auf 183 Millionen Euro. Netto blieb allerdings ein Verlust von 1,8 Millionen Euro übrig, die Anleger griffen dennoch zu. Noch größere Verluste machte das Solarunternehmen Phoenix Solar. Die Firma meldete einen Fehlbetrag von 12,9 Millionen Euro im ersten Quartal, was Analysten dazu brachte, von "schrecklichen Zahlen" zu sprechen, und der Aktie einen Kursverlust von 4,9 Prozent bescherte.

Deutlich besser fiel die Bilanz des Telekommunikationskonzerns Freenet aus. Zumindest war der Umsatz von 788 Millionen Euro deutlich besser als erwartet, Freenet bestätigte die Ziele für 2011, die Aktie legte zu.

Und schließlich legten Singulus und Bechtle Zahlen vor. Der Anlagenbauer Singulus meldete zwar immer noch einen geringen Quartalsverlust und auch der Umsatz erreichte nicht ganz die Erwartungen. Doch gab sich die Firma angesichts mehrerer Großaufträge außerordentlich optimistisch, was die zukünftige Geschäftsentwicklung angeht. Auch der IT-Dienstleister Bechtle strich heraus, wie gut sich die Auftragslage derzeit entwickelte. Außerdem meldete Bechtle einen stärker als erwartet gestiegenen Umsatz von 456 Millionen Euro im ersten Quartal.

CropEnergies verdreifacht Dividende

Der Bioethanolkonzern CropEnergies, eine Tochter des MDax-Unternehmens Südzucker, legte am Abend seine Jahresbilanz vor. Im Geschäftsjahr 2010/2011 sei der Umsatz um 26 Prozent auf knapp 473 Millionen Euro gestiegen, teilte die Firma mit. Das operative Ergebnis habe sich auf 45,9 Millionen Euro fast vervierfacht. Angesichts der guten operativen Entwicklung will die Gesellschaft die Dividende auf 0,15 Euro je Aktie verdreifachen.

Kleinere Bilanzen
Erwähnenswert sind noch die Geschäftsberichte von Mediclin, Synaxon und Allgeier. Der Klinikbetreiber Mediclin gab für das erste Quartal einen Umsatz von 120 Millionen Euro bekannt, was einer leichten Verbesserung entspricht. Dennoch machte Mediclin Verluste, insgesamt 500.000 Euro. Die IT-Gesellschaft Synaxon schaffte es, die Erlöse um ein Drittel zu verbessern, der Überschuss stieg auf 219.000 Euro. Die Allgeier Holding meldete ebenfalls um ein Drittel verbessert Umsätze (83,4 Millionen Euro), das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern verdreifachte sich auf 3,2 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"