Keine Trendwende

Stand: 12.08.2010, 20:00 Uhr

Auch am Donnerstag konnte keine Entwarnung für Dax und Dow gegeben werden. Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt lasteten auf den Börsen, Quartalsergebnisse überzeugten vielfach nicht.

Hohe Erwartungen an die Unternehmensgewinne und gleichzeitig wachsende Skepsis im Bezug auf die Weltkonjunktur: Dies war am Donnerstag keine Gemütslage, bei der Kursgewinne zu erwarten waren.

US-Börsen driften südwärts

Der Dax rutschte im Gefolge schwächelnder US-Börsen deutlicher in die Minuszone, die Hoffnung auf eine Schnäppchenjagd nach den Kursverlusten der vergangenen Tagen zerschlug sich. Auch im späten Handel konnte der Late-Dax kaum Boden gegenüber dem Xetra-Schluss gutmachen. An der Wall Street lagen die Indizes bis zum Ende des Parketthandels in Deutschland weiterhin klar in der Minuszone.

Von den schwachen US-Arbeitsmarktdaten, die am Nachmittag veröffentlicht wurden, konnten sich die Börsen nicht mehr erholen. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg auf 484.000 anstatt zu fallen, wie es die Mehrheit der Volkswirte erwartet hatte.

Autos und Zement sinken ans Ende

Konjunktursensible Aktien wie die der deutschen Autokonzerne büßten am Donnerstag deutlich ein. Auch Aktien des Baustoffkonzerns HeidelbergCement fanden sich am Dax-Ende wider.

Gesundheit und Telekom favorisiert

Dagegen setzten Anleger lieber auf "sichere Häfen" wie die Papiere der Deutschen Telekom oder der Fresenius-Familie. Gegen den Trend gewannen die "defensiven" Aktien zwischen 1,5 und knapp drei Prozent.

Infineon verkauft Joint-Venture

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,10
Differenz relativ
-2,98%

Leicht aufwärts ging es im späten Handel noch mit der Infineon-Aktie. Das Unternehmen hat ein Joint Venture mit IBM an das Unternehmen Altis International im Besitz des französischen Investors Yazid Sabeng verkauft. Über den Wert der Transaktion war am Abend nichts bekannt

RWE fürchtet die Steuer...

Geschäftsergebnisse legten am Donnerstag zwei Dax-Unternehmen vor, allerdings ohne damit positive Kursreaktionen hervorzurufen. Der Energiekonzern RWE hat im ersten Halbjahr einen Umsatzsprung von zwölf Prozent auf 27,35 Milliarden Euro geschafft, der Gewinn kletterte um 21 Prozent auf 4,96 Milliarden Euro. Die drohende Brennelementesteuer drückte die Aktie dennoch ins Minus. Da half auch die Aussage von RWE am Nachmittag nicht, dass man die Ausschüttungsquote bei 50 bis 60 Prozent des Gewinns stabil halten will.

...K+S leidet unter Gewinnmitnahmen?

Gewinnmitnahmen setzten laut Händlerangaben bei der K+S-Aktie ein. Dabei ist der Gewinn des Düngemittelkonzerns im zweiten Quartal auf 97,5 Millionen Euro gestiegen, der Umsatz legte um 43 Prozent auf 1,059 Milliarden Euro zu. Abschreibungen auf die Beteiligung Morton Salt in Höhe von 250 Millionen Euro wurden allerdings von Analystenseite negativ ins Feld geführt.

Brenntag-Aktie brennt weiter

Im MDax machte Indexneuling Brenntag wieder auf sich aufmerksam. Beim Chemikalienhändler kletterte der Umsatz von 1,58 Milliarden Euro auf 1,95 Milliarden, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 153,0 Millionen Euro. Im Gesamtjahr erwartet Brenntag nun ein Ebitda von 570 bis 600 Millionen Euro. Bislang war nur ein moderater Zuwachs erwartet worden.

Salzgitter-Gewinn enttäuscht

Die Salzgitter-Aktie geriet dagegen leicht unter Druck. Der Stahlkonzern hat vor Steuern ein Ergebnis von 18,6 Millionen Euro erreicht, Analysten hatten allerdings mit 19,9 Millionen Euro gerechnet. Die Auslastung verbesserte sich, zudem zogen die Erlöse im Stahlhandel kräftig angezogen.

Noch stärker unter Druck geriet die Aktie des Generikaherstellers Stada. Das Bad Vilbeler Unternehmen konnte zwar dank guter Geschäfte im Ausland im ersten Halbjahr mehr Gewinn erwirtschaften. Doch die Quartalsbilanz verfehlte die Erwartungen der Analysten.

Celesio und die Sondereffekte

Auch beim Pharmahändler Celesio finden Analysten Kritikpunkte in der Halbjahresbilanz. Der Konzern hat beim Gewinn vor Minderheiten wegen Sondereffekten einen Einbruch 66,4 Millionen Euro im Vorjahr auf 39,3 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Q-Cells und Centrotherm heiß begehrt

Die Rückkehr des Solarherstellers Q-Cells in die Gewinnzone ließ die Aktie am Donnerstag um zehn Prozent in die Höhe schießen. Solarzulieferer Centrotherm verbuchte einen Ergebnisanstieg von 71 Prozent und hob außerdem seine Jahresprognose an.

Bechtle nicht gut genug

Der IT-Dienstleister Bechtle hat zwar im zweiten Quartal vom Konjunkturaufschwung profitiert und Gewinn und Umsatz gesteigert. Die Zahlen hätten aber beim Ergebnis lediglich die Erwartung erfüllt, so ein Händler - offenbar nicht genug, um weitere Käufer zu finden.

Nordex zurückgestuft

Am TecDax-Ende setzte sich am Nachmittag die Nordex-Aktie fest. Die Titel verloren mehr als drei Prozent, nachdem die US-Investmentbank Goldman Sachs Nordex auf "neutral" zurückgestuft und ihr Kursziel auf neun Euro gestutzt hatte.

MLP verdoppelt Gewinn, Jungheinrich hat volle Bücher

Der Finanzmakler MLP verdiente in Monaten April bis Juni vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 4,3 Millionen Euro zwar fast doppelt so viel vor Jahresfrist, hat die Gewinnerwartungen der Börse aber verfehlt.
Beim Anbieter von Gabelstaplern Jungheinrich hat sich im zweiten Quartal der Ertragsanstieg beschleunigt. Dank gut gefüllter Auftragsbücher kann das Unternehmen die Prognose für Umsatz, Gewinn und Auftragseingang anheben.

Gesco hakt Krise ab

Die Beteiligungsgesellschaft Gesco, ebenfalls im SDax notiert, hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres einen Anstieg der Erlöse von 76,8 auf 79,8 Millionen Euro verbucht. Das Unternehmen, das auf Beteiligungen an Maschinenbauern spezialisiert ist, sieht die Wirtschaftskrise als "abgehakt". Die Gesco-Aktie verlor dennoch leicht.

Asian Bamboo und Vtion verlieren trotz Gewinnen

Ergebnisse zweier chinesischer Unternehmen an der deutschen Börse wurden mit Kursverlusten quittiert. Beim Bambusspezialisten Asian Bamboo stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um 50 Prozent auf 38,7 Millionen Euro, der Nettogewinn von 13 auf 21,1 Millionen Euro.
Der Mobilfunkspezialist Vtion Wireless legte beim Umsatz sogar um 164 Prozent auf 29,48 Millionen Euro im Quartal zu. Der Konzerngewinn stieg um 72 Prozent auf 9,2 Millionen Euro. Dennoch verloren beide Titel am Donnerstag zwischen vier und fünf Prozent.

GM mit Milliardengewinn - Chef geht

General Motors (GM) macht inzwischen wieder hohe Gewinne. Der ehemals pleitebedrohte Konzern machte im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 1,3 Milliarden Dollar. GM will nach seiner Sanierung ab Oktober wieder an die Börse zurückkehren. Dies wird allerdings ohne den derzeitigen Chef Ed Whitacre vonstatten gehen. Der Manager erklärte seinen Rücktritt am Donnerstagabend deutscher Zeit.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"