Keine Lust mehr auf große Sprünge

Stand: 09.08.2012, 20:05 Uhr

Die Bäume wachsen auch an der Börse nicht in den Himmel. Nach dem zehnprozentigen Anstieg in den vergangenen zwei Wochen tritt der Dax nun auf der Stelle. Die 7000er-Marke bleibt vorerst unerreichbar. Keinen Grund zur Freude hatten Telekom-Aktionäre.

Der Schwung der letzten Tage ist dahin. Seit Mittwoch dümpeln die Börsen müde vor sich hin. Der Dax stagniert bei gut 6.965 Punkte, der L-Dax bei 6.944 Zählern. Und auch der große Bruder, der Dow, pendelt müde zwischen 13.150 und 13.200 Zählern. Anleger wagen sich nach der kleinen Sommer-Rally nicht mehr aus der Deckung. Seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer Woche, im Notfall den Schulden-Sorgenländern Spanien und Italien unter die Arme zu greifen, hat der deutsche Leitindex gut fünf Prozent zugelegt.

Pessimisten in der Mehrheit
Die Zweifel nehmen zu. Fundamental sei die starke Aufwärtsbewegung nicht gerechtfertigt, meinen einige Börsianer. Laut einer Umfrage von Cognitrend ist die Zahl der Pessimisten auf 46 Prozent gewachsen, während der Anteil der Optimisten auf 35 Prozent zurückging. "Viele Anleger sind an der Seitenlinie geblieben", stellte Marktstratege Ishaq Siddiqi von ETX Capital fest.

Andererseits stehen Anleger unter Zugzwang. "Wer bislang nicht im Dax investiert ist, muss entweder nervenstark auf einen Rückfall warten oder doch noch auf den fahrenden Zug aufspringen", sagte ein Händler.

Lichtblick vom US-Arbeitsmarkt
Zwiespältige Konjunkturdaten sorgten für zusätzliche Verunsicherung. Während sich im Euroraum das Ifo-Wirtschaftsklima weiter eintrübte, überraschten gute Daten vom US-Arbeitsmarkt. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken überraschend. Auch das Handelsdefizit im Juni verringerte sich auf das niedrigste Niveau seit eineinhalb Jahren.

Auch die Berichtssaison konnte dem Dax keinen Schub geben. Die beiden Dax-Mitglieder Commerzbank und Telekom schafften es nicht, mit ihren Zahlen die Anleger mitzureißen. Die Titel der Commerzbank und der Deutschen Telekom bildeten das Schlusslicht im deutschen Leitindex.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,13
Differenz relativ
+1,34%

T-Aktien auf Talfahrt
Die Telekom hat zwar im zweiten Quartal den Gewinnrückgang stoppen können. Analysten lobten die Entwicklung des einstigen Sorgenkindes T-Mobile USA, das sich allmählich zum Hoffnungsträger entwickelt. Analysten vermissten aber eine Phantasie für die Zukunft. Auch die Abwanderung der Vertragskunden hält an. Die T-Aktien büßten knapp zwei Prozent ein.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%

Düstere Aussichten der Commerzbank
Commerzbank-Aktien waren mit einem Minus von vier Prozent am Dax-Ende, nachdem die Bank für das erste Halbjahr einen Gewinnrückgang um ein Drittel bekannt gab. Der skeptische Ausblick auf die zweite Jahreshälfte verunsichert. "Wir erwarten keine Stabilisierung des Marktumfelds", sagte Finanzvorstand Stephan Engels. Auch die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme einer Dividendenzahlung 2013 schwindet. Die Umstände seien schwieriger geworden, warnte Engels.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Zwiespältige Juli-Bilanz der Lufthansa
Die Lufthansa hat im Juli fast 10,2 Millionen Fluggäste befördert - zwei Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Auslastung der Maschinen verbesserte sich leicht auf 84,9 Prozent. Dagegen lief das Frachtgeschäft weiter schlecht. Lufthansa Cargo transportierte über zehn Prozent weniger Fracht. Die Lufthansa-Aktien fielen um knapp ein Prozent.

Teilerfolg von Metro
Zu den größten Dax-Gewinnern zählte hinter Infineon Metro. Im Machtkampf um Media-Saturn hat der Handelskonzern einen kleinen Etappensieg errungen. Das Oberlandesgericht München entschied zugunsten von Metro - und gegen die Klage von Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals. So kann der vom Handelskonzern eingerichtete Beirat wichtige unternehmerische Entscheidungen in der Media-Saturn-Holding mit einfacher Mehrheit, also ohne Kellerhals, fällen, erklärte Metro. Dagegen sieht sich die Kellerhals-Fraktion ebenfalls gestärkt. Der Streit wird nach dem Urteil weiter gehen.

Spekulationen treiben Rhön
Größter MDax-Gewinner war Rhön-Klinikum mit einem Plus von fast vier Prozent. Laut Medienberichten plant Fresenius offenbar einen zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön. Ein zweites Angebot werde immer wahrscheinlicher, hieß es. Fresenius würde sich zunächst mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufrieden geben.

Symrise versprüht gute Zahlen
Aus den vielen Quartalszahlen der zweiten Reihe stachen die von Symrise positiv hervor. Der Duft- und Aromenhersteller profitierte von einer kräftigen Nachfrage aus den Schwellenländern und brummenden Geschäften mit Großkunden. Die Symrise-Aktie stieg um fast drei Prozent.

Bilfinger bleibt zuversichtlich
Ähnlich große Kursgewinne gab es für die Aktie von Bilfinger Berger. Der Bau-Dienstleister hat nach einem robusten ersten Halbjahr die Prognosen für das Gesamtjahr mit genauen Werten untermauert. Der Gewinn soll auf 265 bis 275 Millionen Euro klettern.

Deutz senkt Prognose
Dagegen steckte sich der Motorenbauer Deutz nach einem schwachen zweiten Quartal niedrigere Ziele für das Gesamtjahr. Dem Motorenbauer machen die Konjunkturabkühlung in Europa und auch eine schwächere Entwicklung in China zu schaffen. Im ersten Halbjahr schmolzen bereits Umsatz und Gewinn zusammen. Die Aktie war mit fast sieben Prozent Kursverlust größter MDax-Verlierer.

SGL-Gewinn bricht ein
Ebenfalls stark unter Druck standen die Papiere der SGL Group. Der Grafitspezialist erlitt wegen der Schwäche im Karbonfasergeschäft einen unerwartet starken Gewinneinbruch im zweiten Quartal. Der Überschuss halbierte sich. Zwar hatte SGL bereits Ende Juli sein Gewinnziel für dieses Jahr gesenkt, doch mit einem so starken Rückgang hatten Analysten nicht gerechnet.

SMA Solar patzt
Zwar hat SMA Solar seine Jahresprognose angehoben. Doch der Wechselrichterhersteller hat im zweiten Quartal deutlich die Markterwartungen verfehlt. Die Aktie brach um fast acht Prozent ein und hielt die rote Laterne im TecDax.

Jenoptik glänzt
Die Jenoptik-Aktie schloss fast unverändert. Dabei konnte sich die Halbjahresbilanz sehen lassen. Der Technologiekonzern steigerte vor allem dank einer guten Auftragslage in Amerika und Asien seinen Gewinn um mehr als ein Viertel auf 18,7 Millionen Euro. Offenbar strichen Anleger Kursgewinne ein.

Jungheinrich stapelt tief
Im SDax zählten nach der Veröffentlichung von Geschäftszahlen Jungheinrich zu den Gewinnern. Und das obwohl der Gabelstapler-Hersteller seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr angesichts der branchenweit stagnierenden Nachfrage leicht zurückgenommen hat. Aber die Quartalszahlen und auch der starke Auftragseingang überzeugten.

MLP verspricht mehr
Der Finanz- und Versicherungsmakler MLP verspricht sich von der zweiten Jahreshälfte 2012 eine "deutliche Belebung" seiner Geschäfte - stärker als saisonal üblich und damit stärker als im Vorjahr. Vor allem die Vermittlung von Altersvorsorge- und Krankenversicherungs-Policen werde zulegen, sagte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg bei Präsentation der Quartalszahlen. Die Aktien gewannen knapp ein Prozent.

Air Berlin fliegt tief in die Verlustzone
Auf Berg- und Talfahrt befinden sich die Aktien von Air Berlin nach den am Mittwochabend vorgelegten Quartalszahlen. Zunächst lagen die Titel klar im Minus, drehten dann aber ins Plus und schlossen ein Prozent höher. Die Fluggesellschaft ist trotz überraschend großer Sparerfolge im zweiten Quartal erneut in die roten Zahlen geflogen. Der Verlust erhöhte sich um 20 Millionen auf 66,2 Millionen Euro. Erst 2013 soll die Wende kommen.

Wacker Neuson spürt Euro-Krise
Leicht im Minus lagen die Papiere von Wacker Neuson. Der Baumaschinenhersteller hat im zweiten Quartal deutlich weniger verdient. Der Gewinn sackte um 39 Prozent auf 13,8 Millionen Euro ab. Der Konzern leidet unter der Eurokrise. Kunden in Europa halten sich mit der Investition in neue Baumaschinen zurück. Wacker Neuson hatte bereits vergangene Woche seine Gewinnprognose für 2012 gekippt.

CeweColor sieht rot
Der Fotoentwickler ist im zweiten Quartal operativ in die roten Zahlen gerutscht. Es fiel ein negatives Ebit von 0,6 Millionen Euro an. Unterm Strich erlitt Cewe einen Verlust von 0,7 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Trotzdem bleibt das SDax-Unternehmen zuversichtlich, das angepeilte operative Jahresergebnis von 27 bis 33 Millionen Euro einzufahren. Nahezu der gesamte Gewinn wird im Weihnachtsgeschäft gemacht. Die Cewe-Aktien büßten gut ein Prozent ein.

Immotitel uneinheitlich
Mehrere Immobilienfirmen haben am Donnerstag ihre Zahlen veröffentlicht. Während TAG Immobilien und auch Patrizia erfreulich gut abschnitten, enttäuschte Prime Office. Der Nettogewinn vonPrime Office brach im ersten Halbjahr 2012 um 62 Prozent auf 2,4 Millionen Euro ein. Patrizia dagegen hat im zweiten Quartal 2012 mit 2,1 Millionen Euro deutlich mehr verdient. Noch besser schlug sich TAG Immobilien. Das Unternehmen steigerte Umsatz und Gewinn und bestätigte seine Jahresprognose. Die Aktien von TAG legten zwei Prozent zu, die Titel von Patrizia 0,3 Prozent. Die Aktien von Prime Office gaben fast drei Prozent nach.

Porsche muss weiter bangen
Die Porsche Holding hat im Rechtsstreit mit Hedgefonds einen Rückschlag erlitten. Der Oberste Gerichtshof von New York wies den Antrag von Porsche auf Abweisung einer milliardenschweren Betrugs-Klage von 26 Hedgefonds wegen der gescheiterten VW-Übernahme ab. Über die Klage selbst traf der Richter jedoch noch keine Entscheidung. Die Porsche-Aktien sackten um fast fünf Prozent ab.

Tui Travel glaubt an den Sommer
Der schwache Euro und die frühen Osterferien haben die Bilanz des dritten Quartals (April bis Juni) von Europas größtem Reiseveranstalter getrübt. Das bereinigte operative Ergebnis schrumpfte um 16 Prozent auf 93,5 Millionen Euro. Der Umsatz sank um zwei Prozent. Trotzdem hält Tui Travel an seiner Jahresprognose verweist und verwies auf anziehende Buchungen bei Sommerreisen. Vor allem in Deutschland lief es gut. Aber auch in Großbritannien konnte Tui Travel mehr teurere Sommerreisen absetzen. Nur in Frankreich schwächelte die Nachfrage. Die Aktien von Tui Travel legten zwei Prozent zu.

OHB schaltet Gewinnturbo ein
Das Bremer Raumfahrtunternehmen hat seinen rasanten Wachstumskurs im ersten Halbjahr fortgesetzt. Der Gewinn stieg um 66 Prozent auf 7,6 Millionen Euro. Der Umsatz erhlöhte sich um knapp ein Fünftel auf fast 284 Millionen Euro. Für 2012 rechnet OHB mit einem deutlich höheren Umsatz und Gewinn. Die OHB-Aktien legten drei Prozent zu und näherten sich ihrem jüngst erreichten Jahreshoch.

Graphit Kropfmühl verdient weniger
Die Euro-Krise hat dem Rohstofflieferanten Graphit Kropfmühl im ersten Halbjahr zugesetzt. Der Veredler von Naturgraphit und Hersteller von Silizium-Metall verdiente vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 8,5 Millionen Euro und somit knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um gut vier Prozent auf 63,2 Millionen Euro. Die Aktien von Graphit Kropfmühl stiegen leicht.

Mühlbauer im Sicherheitsfieber
Vom wachsenden Bedürfnis nach Sicherheit profitiert Mühlbauer. Das Unternehmen baut Anlagen zur Herstellung von ID-Karten und biometrischen Reisepässen. Die starke Nachfrage nach solchen Anlagen trieb den Umsatz von Mühlbauer im zweiten Quartal um fast 50 Prozent auf 61,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verringerte sich aber um eine Million auf 1,3 Millionen Euro. Angesichts der trüben Konjunkturaussic hten gab Mühlbauer sein Ziel auf, in diesem Jahr das Ergebnis verbessern zu wollen. Dier operative Marge wird im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich liegen. Die Aktien stagnierten.

Nestlé trotzt allen Krisen
Aus dem beschaulichen Vevey am Genfer See meldete der Schweizer Nahrungsmittelriese erneut beeindruckende Zahlen. Dank der starken Nachfrage in den Schwellenländern erhöhte sich der Umsatz im ersten Halbjahr um 7,5 Prozent auf 36,75 Milliarden Euro. Der Gewinn des Herstellers von Nescafé, KitKat-Schokoriegeln und Maggi-Suppen stieg gar um fast neun Prozent auf über fünf Milliarden Franken. Analysten hatten weniger erwartet. Die Nestlé-Aktie kletterte auf ein neuerliches Rekordhoch von knapp 51 Euro.

Steuern drücken Adecco-Gewinn
Höhere Steuern haben hingegen die Bilanz eines anderen Schweizer Unternehmens vermiest. Der Stellenvermittler Adecco erlitt einen Gewinnrückgang von 20 Prozent auf 113 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um ein Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Adecco bekräftigte das Ziel, mittelfristiger profitabler zu werden. Die Aktie büßte zwei Prozent ein.

Murdoch-Konzern macht Verlust
Wegen einer milliardenschweren Abschreibung für das australische Verlagsgeschäft ist der Medienkonzern News Corp. von Robert Murdoch im vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2011/12 in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust betrug 1,55 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte es noch einen Gewinn von 683 Millionen Euro gegeben. Nur der Kabelfernseh-Bereich entwickelte sich gut. In Zukunft wird sich News Corp. in zwei börsennotierte Unternehmen aufspalten: das Verlagsgeschäft auf der einen Seite und die gewinnträchtigere Unterhaltungssparte mit den Hollywood-Studios und den Fernsehsendern wie Fox oder Sky. Die Aktien von News Corp. geben nach.

Millionenstrafe für Google
Eine Rekordstrafe brummte die US-Handelsbehörde FTC Google auf. Der Internetkonzern einigte sich mit der FTC auf die Zahlung von 22,5 Millionen Dollar. Google soll die Datenschutz-Einstellungen beim Safari-Browser mit Cookies umgangen haben. Mit solchen Dateien lässt sich das Verhalten im Netz teilweise nachverfolgen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"