Keine klare Linie

Detlev Landmesser

Stand: 13.02.2009, 20:25 Uhr

Mit einem kleinen Tagesplus beendete der Dax eine bewegte Krisenwoche. Die Tendenz wurde von der Wall Street diktiert - aber auch dort waren die Kursbewegungen erratisch. Auf Wochensicht büßte der Dax fünf Prozent ein.

Noch am Abend dürfte nach dem Repräsentantenhaus auch der Senat das nun auf 789 Milliarden Dollar gestutzte US-Konjunkturpaket verabschieden, so dass es Präsident Barack Obama am Wochenende unterzeichnen könnte. Die Aussicht darauf konnte die Kurse an der Wall Street bis zum Abend ein wenig stabilisieren. Am Montag bleiben die US-Börsen wegen des "President's Day" geschlossen.

Der Dax, der am Morgen bis zu 2,3 Prozent zugelegt hatte, rettete nur noch ein paar Pünktchen Plus ins Wochenende. Der L-Dax schloss bei 4.418,85 Punkten. Der Beschluss des Bundestages zum deutschen Konjunkturpaket II spielte nach Aussage von Händlern keine Rolle an der Börse.

Ein wichtiger US-Stimmungsindikator hatte die Aktienmärkte zuvor stark belastet. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima trübte sich im Februar überraschend deutlich ein. Der entsprechende Index ging von 61,2 auf 56,2 Punkte zurück. Volkswirte hatten mit 61,0 Punkten gerechnet.

Deutsche Wirtschaftsleistung bricht ein

Auch die europäische Konjunktur bot ein schwaches Bild. In Deutschland sank die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal gegenüber dem dritten Quartal um 2,1 Prozent - erwartet worden war lediglich ein Rückgang von 1,8 Prozent. In der Eurozone insgesamt sank die Wirtschaftsleistung mit 1,5 Prozent etwas weniger drastisch.

HBOS für Lloyds kaum verdaulich
Die Neuigkeiten von der Lloyds Bank beeinträchtigten die Banktitel weltweit. Die britische Großbank meldete einen Jahresverlust ihrer im vergangenen Jahr übernommenen Tochter HBOS von rund 8,5 Milliarden Pfund. Die Lloyds-Aktie brach daraufhin um bis zu 40 Prozent ein.

ThyssenKrupp unerwartet robust
Lange war ThyssenKrupp der gefragteste Dax-Titel. Zwar zeigen die Quartalszahlen des Mischkonzerns, dass die globale Rezession Umsatz und Gewinn beschneidet. Doch fielen die Zahlen laut Analysten besser aus als erwartet, auch der Auftragseingang ging nicht so stark zurück wie befürchtet. Noch dazu sieht ThyssenKrupp die Chance, dass sich der Markt im kommenden Geschäftsjahr belebt.

Metro verkauft Adler
Die Metro-Aktie ging mit einer guten Nachricht ins Wochenende. Der Düsseldorfer Handelsriese hat nach monatelanger Suche einen Käufer für seine Bekleidungskette Adler gefunden. Die Beteiligungsgesellschaft BluO überimmt die Läden rückwirkend zum 1. Januar. Der Verkauf führt laut Metro zu Ergebnisbelastungen in zweistelliger Millionenhöhe. Der Konzern hält dennoch an der Ergebnisplanung für 2009 fest. BluO zahlt für Adler zehn Millionen Euro. Die erst seit kurzem am Markt aktive BluO wurde von den früheren Arques-Chefs Peter Löw und Martin Vorderwülbecke mitgegründet.

Porsche reicht Scania-Aktien an VW weiter
Wie von Beobachtern erwartet, reicht Porsche die Rahmen des Pflichtangebots erhaltenen Aktien des schwedischen Lastwagenbauers Scania an Volkswagen weiter, wie Volkswagen am Abend mitteilte. Mit dem rund 395 Millionen Euro schweren Paket erhöht Volkswagen seinen Stimmrechtsanteil an Scania von rund 69 auf knapp 72 Prozent.

Conti mit Schaeffler-Bonus
Die unendliche Geschichte um mögliche Staatshilfen für den angeschlagenen Großaktionär Schaeffler verhalf der Conti-Aktie am Freitag an die MDax-Spitze. Offenbar favorisiert die SPD-Fraktion staatliche Hilfen für Schaeffler. Bedingung hierfür sei unter anderem ein tragfähiges Sanierungskonzept, das keine Zerschlagung des Konzerns beinhalten dürfe, sagte die Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt.

HRE-Schicksal vor der Entscheidung
Zeitweise legte die Aktie der Hypo Real Estate deutlich zu. Der angeschlagene Immobilien- und Staatsfinanzierer meldete den Verkauf seiner kleinen Tochter Depfa First Albany an die Investmentbank Jefferies & Co., ohne einen Preis zu nennen. Außerdem scheint der Gesetzentwurf, der wohl auf eine Enteignung der HRE-Aktionäre hinausläuft, Gestalt anzunehmen. Offenbar hoffen einige Marktteilnehmer, die Aktionäre dabei eine Entschädigung deutlich über dem aktuellen Kurs herausschlagen können.

Carl Zeiss krisenresistent
Bester TecDax-Titel war Carl Zeiss Meditec. Der Medizintechnik-Anbieter konnte mit seinen Zahlen zum abgelaufenen Quartal die Erwartungen übertreffen. Der Umsatz stieg um 25 Prozent auf 177,9 Millionen Euro, während das Ebit um 54 Prozent auf 21,5 Millionen Euro wuchs. Auch der Ausblick des auf Geräte zur Augenheilkunde und Chirurgie spezialisierten Unternehmens kam gut an. Carl Zeiss will die bereits erreichte Profitabilität nachhaltig weiter verbessern und zugleich bei Investitionen nicht zurückstecken.

Solarworld unter hohen Erwartungen
Die Solarworld-Aktie wurde ans TecDax-Ende durchgereicht. Die Bilanz 2008 überzeugte die Anleger nicht recht, sie hatten nämlich mehr erwartet als 30 Prozent Plus bei Umsatz und Ergebnis.

MVV erwartet weniger Wachstum
MVV Energie meldete die Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2008/09. Der SDax-Konzern setzte mit 830 Millionen Euro 25 Prozent mehr um als vor Jahresfrist. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um sechs Prozent auf 92 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2008/09 will Deutschlands größter börsennotierter Stadtwerke-Konzern um rund sieben Prozent wachsen, rechnet aber mit einem leicht rückläufigen Ergebnis.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
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Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.