Marktbericht 20:02 Uhr

Starke Unternehmenszahlen Keine Furcht mehr vor den Bären

Stand: 28.10.2014, 20:02 Uhr

Befeuert von starken Quartalsbilanzen ist der Dax am Dienstag wieder über die Schwelle von 9.000 Punkten gestiegen. Doch die Umsätze blieben vergleichsweise niedrig. Offenbar trauen einige Anleger dem Frieden noch nicht.

"Die Kursgewinne stehen auf tönernen Füßen, das kann genauso schnell wieder abrutschen, wie es gestiegen ist", warnte ein Händler. Die gegenüber den letzten Tagen stark rückläufigen Umsätze zeigten, dass langfristig orientierte Anleger nicht dabei seien.

Dennoch ist von der Furcht vor einer erneuten Rezession in Europa am Dienstag nichts mehr zu spüren. Der Dax geht gleich am Morgen mit Kursgewinnen in den Handel und legt in der Spitze fast zwei Prozent zu auf 9.077 Zähler. Am Ende geht der Leitindex bei 9.068 Zählern aus dem Handel, ein Plus von 1,86 Prozent oder 165 Punkten.

Überzeugende Bilanzen

Befeuert wird der Markt hauptsächlich von starken Quartalszahlen großer deutscher und ausländischer Unternehmen, allen voran der US-Tochter der Deutschen Telekom. Die besser als erwartet ausgefallenen Bilanzen sorgen auch an der New Yorker Börse für Aufwind. Der Dow-Jones-Index eröffnet ebenfalls freundlich und kann seine Gewinne bis zum Börsenschluss in Frankfurt am Abend auf 16.936 Zähler ausbauen, ein Plus von 0,71 Prozent.

Selbst der überraschende Rückgang der Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA im September um 1,3 Prozent, kann die Kauflaune der Anleger nicht trüben. Der Rückgang der Bestellungen sei zwar enttäuschend. doch gebe es keinen Anlass, das grundsätzlich positive Wachstumsszenario in Frage zu stellen, beruhigt Ulrich Wortberg von der Helaba.

Während also die negativen Nachrichten schlicht ignoriert werden, sorgt die verbesserte Stimmung der US-Verbraucher für steigende Kurse. Tatsächlich ist die Laune Konsumenten in den Vereinigten Staaten so gut wie seit sieben Jahren nicht mehr, wie das private Forschungsinstitut Conference Board mitteilte. Der Index stieg auf 94,5 Punkte, nachdem er im September noch auf revidiert 89,0 Punkte gefallen war.

Die Geldpolitik macht die Kurse

Händler erklären die im Vergleich zu Frankfurt vorsichtige Haltung an der Wall Street mit der heute beginnenden Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank Fed. Sie wird am morgigen Mittwoch ihren Zinsentscheid verkünden. Allgemein wird ein Auslaufen des Anleihekaufprogramms erwartet. Allerdings dürfte sich die Fed angesichts einer eher schleppenden Konjunkturerholung mit der erwarteten Zinswende weiterhin Zeit lassen. Sollte es dennoch zu Zineserhöhungsfantasien kommen, dürften die Aktienkurse diesseits und jenseits des Atlantik schnell wieder in den Keller rauschen.

Einige Marktexperten erkennen am heutigen Marktgeschehen bereits Anzeichen einer ersten Jahresendrally. Dieser historisch belegbare Trend sorgt oft dafür, dass die Aktienkurse ab Ende Oktober stetig stiegen. Über den Grund kann nur spekuliert werden, doch eine Annahme könnte sein, dass große Investment-Fonds zum Jahresende hin ihre Portfolien durch kurssteigernde Zukäufe teilweise bereinigen.

Euro macht Freudensprung

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat auf die US-Konjunkturdaten mit einem Freudensprung reagiert. Die Gemeinschaftswährung schoss um einen halben US-Cent auf 1,2753 Dollar in die Höhe, nachdem sie zu vor noch bei 1,2700 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2748 (Montag: 1,2679) Dollar fest.

Amgen macht sich schön

Der weltgrößte Biotech-Konzern Amgen stemmt sich mit optimistischen Prognosen und Anreizen für die Aktionäre gegen Forderungen nach einer Aufspaltung. Das kalifornische Unternehmen stellte am Dienstag vor Investoren in New York für das nächste Jahr einen Umsatz und Gewinn über den bisherigen Analystenschätzungen in Aussicht. Zudem kündigte es eine Dividenden-Erhöhung von 30 Prozent und die Wiederaufnahme eines Aktienrückkaufprogramms an. Die Aktie steigt zeitweise um mehr als vier Prozent.

Pfizer besser als befürchtet, Dupont spart sich gesund

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat das dritte Quartal besser als erwartet abgeschlossen. Zwar fiel der bereinigte Gewinn pro Aktie um zwei Prozent zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 0,57 Dollar, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Analysten hatten aber nur mit 0,55 Dollar gerechnet. Der Umsatz ging in etwa der gleichen Größenordnung auf 12,4 Milliarden US-Dollar zurück. Er lag damit aber ebenfalls über den Markterwartungen. Die Pfizer-Aktie legte vorbörslich um knapp zwei Prozent zu. Gute Nachrichten kommen von DuPont. Der BASF-Rivale profitiert von seinem Sparkurs. Denn trotz eines Umsatzrückgangs von drei Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar wegen der mauen Weltwirtschaft steigerte der Chemiekonzern den Gewinn im dritten Quartal überraschend deutlich.

Versorger gefragt

Im Dax setzt die RWE-Aktie ihren jüngsten Erholungskurs fort und markiert ein neues Zehn-Tages-Hoch. Fundamentale Kurstreiber lassen sich nicht ausmachen. Auch die Eon-Aktie kann überproportionale Kursgewinne verbuchen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,69
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Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,90
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Telekom auf Platz eins

Noch kräftiger bergauf geht es mit der Telekom-Aktie. Sie ist mit einem Plus von drei Prozent der größte Dax-Gewinner. Das Unternehmen profitierte von dem starken Kundenwachstum ihrer Tochter T-Mobile US. Im dritten Quartal haben sich 2,34 Millionen Handynutzer für den amerikanischen Mobilfunker entschieden. Vor einem Jahr lag die Zahl der Neukunden noch bei einer Million.

Deutsche Börse holt auf

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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117,75
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Auch die Aktie der Deutschen Börse kann heute punkten. Das wilde Auf und Ab an den Börsen hat die Geschäfte des Eschborner Börsenbetreibers beflügelt. Mit seinen Zahlen zum dritten Quartal hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten sogar übertroffen. Dennoch ist das Papier von seinem Jahreshoch vom Januar 2014 bei 63 Euro noch weit eintfernt.

"Goldmänner" schätzen K+S

Das Wort der "Goldmänner" hat an den Märkten Gewicht. Das zeigt heute ein Blick auf die K+S-Aktie. Der Titel gehört zu den größten Dax-Gewinnern, nachdem die US-Investmentbank Goldman Sachs ihn laut Händlern von "Sell" auf "Neutral" hochgenommen hat.

Kuka weckt Begehrlichkeiten

Im MDax zählt Kuka zu den begehrtesten Werten. Die Privatbank Berenberg hat die Einstufung für den Hersteller von Industrierobotern vor Zahlen auf "Hold" mit einem Kursziel von 44 Euro belassen. Die Firma dürfte aufgrund ihres gut gefüllten Auftragsbuchs starke Kennziffern für das dritte Quartal vorlegen, glaubt Analyst Gunnar Cohrs. Sein anhaltend neutrales Votum begründete er mit dem Hinweis, dass die Kuka-Aktie derzeit bereits rund 30 Prozent über dem Branchendurchschnitt notiere.

Aareal Bank mit neuer Dividendenfantasie

Auch die Aktie der Aareal Bank legt überdurchschnittlich zu. Ein Medienbericht vom späten Montagnachmittag habe Spekulationen genährt, denen zufolge der Immobilienfinanzierer die verbliebene Staatshilfe von 300 Millionen Euro noch in der laufenden Woche zurückzahlen könnte, sagte ein Händler. Die Aussicht auf eine rasche Rückzahlung bringe nun wieder Dividendenfantasie in die Titel.

Tui-Aktionäre für Fusion

Wie erwartet haben sich die Aktionäre vom Touristikkonzern Tui fast einstimmig für die Fusion mit der britischen Tochter Tui Travel ausgesprochen. Sie segneten am Dienstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover mit 99,85 Prozent der Stimmen eine Kapitalerhöhung ab, die den Zusammenschluss per Aktientausch ermöglicht. Die Anteilseigner von Tui Travel wollten am Abend in London entscheiden. Bisher hält die Tui AG 54 Prozent an der Reisetochter. Sitz der künftigen Einheit soll Hannover sein, ihre Aktie in London gehandelt werden.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,54
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Gewinnwarnung von Celesio

Zudem berichtet Celesio über die Geschäfte im dritten Quartal. Und die laufen offenbar miserabel: Das Stuttgarter Unternehmen senkt seine Geschäftsprognose für das Gesamtjahr. Nunmehr erwartet das inzwischen zum US-Konzern McKesson gehörende Unternehmen für das Gesamtjahr ein bereinigtes Ebit leicht unter Vorjahr. Bislang wurde ein leichter Anstieg erwartet.

DMG Mori Seiki abgestraft

DMG Mori Seiki: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
44,85
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Kritische Analystenstimmen zum Wachstum setzen den Aktien der im MDax notierten DMG Mori Seiki deutlich zu. Die Papiere des Werkzeugmaschinen-Herstellers, der am Morgen seine Geschäftszahlen fürs dritte Quartal vorgelegt hat, sacken um mehr als acht Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit September 2013.

Löblich: Gea senkt Nettoverschuldung

Gea

Gea: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei Gea blieben im dritten Quartal netto rund 75 Millionen Euro übrig – 9,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Anlagenbauer nutzte die Einnahmen auch, um die Verschuldung deutlich zu drücken. "Zum Ende des dritten Quartals lag diese noch bei 356 Millionen Euro und damit fast 200 Millionen Euro unter dem Stand von Ende Juni", sagte Konzernchef Jürg Oleas.

MAN: Weniger ist nicht wenig genug

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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93,65
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Nach einem Gewinneinbruch wegen schlechter Geschäfte in Europa und Südamerika fährt der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN seine Prognose ein weiteres Stück zurück. Von Juli bis September brach das operative Ergebnis um fast die Hälfte auf 82 Millionen Euro ein. "Insgesamt sind die Zahlen sicher nicht erfreulich", räumte Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen am Dienstag ein. Der Großteil des Gewinns der Volkswagen -Tochter stammte aus dem Geschäft mit großen Dieselmotoren, etwa für Schiffe, oder Turbomaschinen - und nicht aus dem Verkauf von Lkw und Bussen.

Aixtron schreibt weiter rot

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,16
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Im TecDax steckt der kriselnde Spezialmaschinenbauer Aixtron nach wie vor tief in den roten Zahlen. Im dritten Quartal verbuchte Aixtron einen Verlust von 19,9 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,6 Millionen ein Jahr zuvor. Bereits im Vorquartal hatte das Unternehmen einen Verlust erlitten. Die Produkteinführung neuer Maschinen und die Investitionen hierfür hätten Marge und Ergebnis belastet.

Grenkeleasing erhöht Prognose kräftig

Im SDax steuert Grenkeleasing auf einen Gewinnsprung zu. Der IT-Vermieter schraubt seine Erwartungen für das laufende Jahr auf einen Nettogewinn von 62 bis 64 Millionen Euro nach oben. Das wäre fast ein Drittel mehr als 2013 - und der höchste Gewinn der 36-jährigen Firmengeschichte. Bisher hatte sich Vorstandschef und Firmengründer Wolfgang Grenke nur 56 Millionen Euro zugetraut.

Comdirect zahlt Preis für Wachstumskurs

Ständig neue Angebote und Werbeclips im TV – das geht ganz schön ins Geld. Das muss nun auch die Commerzbank-Tochter Comdirect zugeben. Im dritten Quartal sackte der Überschuss trotz Zuwächsen im operativen Geschäft um knapp acht Prozent auf 15,45 Millionen Euro ab. Der Vorsteuergewinn ging in der gleichen Größenordnung auf 21,2 Millionen zurück.

Sanofi brechen ein

Der Preisdruck für Diabetesmittel in den USA hat den Aktionären des Pharmakonzerns Sanofi auf die Stimmung geschlagen. Die Titel brachen um 8,59 Prozent auf 76,34 Euro ein und waren damit die einzigen Verlierer im EuroStoxx 50.

BP will die Dividende trotzdem erhöhen

Was die Autofahrer freut, schreckt die Ölkonzerne: Der sinkende Ölpreis hat den Gewinn der britischen BP im dritten Quartal von 3,7 auf 3,0 Milliarden Dollar fallen lassen. Die Rubelabwertung im Zuge der Ukraine-Krise tat ihr Übriges. BP hält fast ein Fünftel am größten russischen Ölproduzenten. Doch die Briten wollen den Aktionären eine 5,3 Prozent höhere Ausschüttung zukommen lassen. Das kommt an der Börse gut an.

UBS sorgt für Erleichterung

UBS

UBS: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Trotz weiter hohen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten hat die UBS im dritten Quartal einen Gewinn von 762 Millionen Franken ausgewiesen. Zu verdanken hat die Schweizer Bank das einer Steuergutschrift in Höhe von 1,3 Milliarden Franken, die mit früher in den USA aufgelaufenen Verlusten in Zusammenhang steht. Zudem verdiente sie im Geschäft mit reichen und superreichen Kunden etwas besser als in den Quartalen davor. Die Anleger sind begeistert.

Novartis auf der Erfolgsspur

Viel besser ist es im dritten Quartal für dieses Schweizer Unternehmen gelaufen: Neue Medikamente, verbesserte Produktivität und ein Beteiligungsverkauf haben den Reingewinn im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent in die Höhe schnellen lassen auf 3,24 Milliarden Dollar. Der Basler Arzneimittelhersteller übertraf damit die Prognosen der Analysten (2,5 Milliarden Dollar) deutlich.

Twitter scheitert an zu hohen Erwartungen

Twitter: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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25,07
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Die Twitter-Aktie bricht Dienstag zweistellig ein. Der Kurznachrichtendienst hat den Schwung von der Fußball-WM nicht nutzen können und ein etwas langsameres Wachstum verzeichnet. Ein Plus von 23 Prozent bei den aktiven Nutzern im dritten Quartal nach 24 Prozent im Vorquartal reichte den verwöhnten Investoren nicht.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr