Keine Feierstimmung

Stand: 03.10.2007, 20:03 Uhr

Am Tag der deutschen Einheit waren Anleger auf dem Börsenparkett nicht euphorisch. Der Dax schaffte es immerhin knapp in die Pluszone. Zaudernde Anleger in den USA sorgten nicht für einen weiteren Aufwärtsimpuls.

Zum Schluss des deutschen Parketthandels dümpelte der US-Standardwerteindex rund 0,6 Prozent im Minus. Die Computerbörse Nasdaq lag mit 0,5 Prozent Minus fast auf Vortagesniveau. Der Late-Dax konnte sich gegenüber dem Stand zum Xetra-Schluss denn auch nicht weiter nach oben tasten und verlor rund zwölf Punkte.

Gute und schlechte Signale aus den USA hatten sich am Nachmittag beinahe ausgeglichen und dämpfend auf das ohnehin dünne Handelsgeschehen gewirkt. Den Chipsektor - nicht nur in den USA hatten eine Branchenstudie der Investmentbank Morgan Stanley belastet. Die Analysten hatten die Aktien der großen Vertreter der Branche wie Intel und AMD zum Verkauf empfohlen. Auch ein schwacher Ausblick von Micron Electronics lastete auf dem Sektor.

US-Daten stimmen versöhnlich

Positiv, aber auch nicht überschwänglich wurden am Nachmittag deutscher Zeit der ISM-Dienstleistungsindex für den Monat September und neue Rohöllagerbestände aus den USA aufgenommen. Sowohl der Konjunkturindex als auch der Ölmarktbericht hatte sich moderater als erwartet eingetrübt. Er fiel von 55,8 auf 54,8 Punkte, Volkswirte hatten allerdings im Schnitt einen Rückgang auf 54,5 Zähler befürchtet.

MAN mit Gerüchte-Bonus
Der Dax konnte sich nach anfänglichen Verlusten am Nachmittag mit 0,1 Prozent in die Pluszone retten. Vor allem Finanztitel und eine starke MAN-Aktie gaben dabei Schützenhilfe. Die Aktie MAN-Aktie war auch im späten Parketthandel der stärkste Titel unter den Standardwerten. Ein "Feiertagsgerücht" ließ die Titel in der Spitze um bis zu fünf Prozent klettern. Spekuliert wird dabei auf eine Übernahme durch den VW-Konzern und eine globale Lkw-Allianz. Der VW-Konzern soll 125 Euro je Aktie für MAN bieten. Eine mögliche Dreierfusion im Lkw-Bereich zwischen VW, MAN und Scania wird bereits seit Monaten ausgelotet.

UBS legt bei Porsche eins drauf
Auch VW-Aktien schlossen am Mittwoch deutlich im Plus. Nicht so deutlich allerdings wie die Papiere des Großaktionärs Porsche. Die Schweizer Großbank UBS hatte ihr Kursziel für den Titel deutlich - von 1.600 auf 1.900 Euro - angehoben und sorgte damit für ein Kursplus von rund drei Prozent. Der Schritt wurde mit glänzenden Aussichten für das Geschäftsjahr 2008/2009 und einer weiteren Anteilserhöhung an VW begründet.

Zetsche gut gelaunt vor Daimler-HV
Ab morgen wird DaimlerChrysler vielleicht wieder schlicht "Daimler Benz" heißen. Falls die Aktionäre dies auf eine außerordentlichen Hauptversammlung beschließen DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche stimmte am Vortag die Anleger schon einmal mit ein paar Hinweisen auf das Geschäft ein: Der Manager ließ sich in der "Auto Zeitung" mit der Aussage zitieren, man wolle bin 2010 eine Umsatzrendite von zehn Prozent erreichen. Zugleich wolle man verstärkt in die Entwicklung verbrauchsgünstiger Fahrzeuge investieren.

Erleichterungs-Rally bei Deutscher Bank
Die Deutsche Bank-Aktie schaffte ein deutliches Kursplus von 2,3 Prozent am Mittwoch. Anleger reagierten erleichtert auf die vorweg genommenen Zahlen zum dritten Quartal. Zwar muss die größte deutsche Privatbank eine Belastung in Höhe von 2,2 Milliarden Euro wegen der Hypothekenkrise im Dreimonatszeitraum hinnehmen. Doch Quartal soll dennoch mit einem Milliardengewinn abgeschlossen werden. Auch am Ziel, im Jahr 2008 einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro zu erreichen, hielt Vorstandschef Josef Ackermann fest.

Maschinenbauer vor guten Geschäften
Aktien wie Bauer oder König & Bauer könnten am Donnerstag von einer guten Branchennachricht profitieren. Der Maschinenbauverband VDMA hat bereits vor seiner offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag eine Erhöhung seiner Produktionsprognose angekündigt. Nun werde ein zweistelliges Wachstum erwartet, hieß es von einem VDMA-Sprecher am Abend.

MTU-Aktie wie auf Flügeln
Auch in der zweiten Reihe deutscher Aktien sorgten vor allen Analystenurteile für Kursbewegungen. Papiere des Triebwerksherstellers MTU Aero Engines verteuern sich um rund fünf Prozent, nachdem Goldman Sachs das Unternehmen auf die "Conviction Buy List" gesetzt hatte.

Lob für Symrise
Die Citigroup hat den Duftstoffhersteller nach einem Investorentag mit dem Anlageurteil "Buy" geadelt. Das Management habe sich sehr zuversichtlich gezeigt, seine Ziele für Umsatz- und Gewinnwachstum zu erreichen. Die Strategie der nächsten beiden Jahre werde zu einem starken Cash Flow führen. Die Aktie des MDax-Neulings legte am Mittwochnachmittag noch um mehr als vier Prozent zu.

Insiderskandal bei EADS
Vergleichsweise harmlos fiel am Ende des Handels der Kursabschlag bei der EADS-Aktie im MDax aus. Aktionäre und Führungskräfte des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS haben sich nach Medienberichten massiver Insidergeschäfte schuldig gemacht. Die Tageszeitung "Le Figaro" berichtet, dass die Aktionäre Lagardère und DaimlerChrysler sowie Führungskräfte aus dem Konzern zwischen November 2005 und März 2006 Aktien verkauft hätten, bevor sie mit Verspätung Schwierigkeiten bei Airbus bekannt gaben.

EU genehmigt Fortis-Übernahme von ABN
Einer Übernahme des niederländischen Großbank durch ein Konsortium aus RBS, der Banco Santander und dem Allfinanzkonzern Fortis steht kaum noch etwa im Wege. Am Mittwoch hat die EU-Kommission auch die Übernahme von Teilen der ABN durch Fortis unter Auflagen genehmigt. Vor dem Deal muss ABN danach einen Teil des Commercial Banking-Geschäftes und seine niederländische Factoring-Tochter veräußern.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"