Keine Fed-Überraschung

Stand: 20.06.2012, 20:01 Uhr

Amerikas Notenbank hat zwar wie erwartet gehandelt. Mit neuen Milliardenhilfen soll die lahmende Wirtschaft stimuliert werden. Trotzdem ist es nicht der ganz große Wurf, die Börsen reagieren verhalten.

Früher als erwartet hat die amerikanische Notenbank am Mittwoch ihren zukünftigen geldpolitischen Kurs umrissen, so dass auch der nachbörsliche Handel noch reagieren konnte. Der L/E-Dax bewegt sich dabei wenig und schließt bei 6.399 Punkten, behauptet aber sein erhöhtes Niveau vom Vortag.

Während des Xetra-Handels hatte der deutsche Leitindex am Mittwoch um gut 0,4 Prozent auf 6.392 Punkte leicht zugelegt und war dabei in Erwartung der Fed-Entscheidung in einer engen Handelspanne geblieben. Der Euro war in einer ersten Reaktion abgetaucht, erholte sich dann aber sofort wieder und steht aktuell bei fast genau 1,27 Dollar.

Let's twist again
Wichtigste Entscheidung der Notenbanker war die Verlängerung der zum Monatsende auslaufenden "Operation Twist" bis zum Jahresende. Dafür nimmt die Bank insgesamt 267 Milliarden Dollar in die Hand. Dabei soll das Portfolio umgeschichtet werden. Papiere mit kurzen Laufzeiten werden dabei verkauft, im Gegenzug Langläufer gekauft. Dadurch sollen die langfristigen Zinsen gesenkt und die Wirtschaft angekurbelt werden. Der Zins bleibt auf dem extremen Niedrigzinsniveau zwischen null und 0,25 Prozent, gleichzeitig bekannte sich die Fed dazu, dieses Niveau bis mindesten Ende 2014 beizubehalten.

Auf den Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil verzichtete die Fed allerdings und fuhr damit im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nicht ihr schwerstes Geschütz auf. Einige Experten hatten darauf spekuliert, dass sie eine weitere Runde einer geldpolitischen Lockerung - im Fachjargon QE 3 genannt - einleiten würde.

Führende Vertreter der Fed hatten dabei zuletzt Maßnahmen angedeutet, die in dieser Richtung interpretiert worden waren. "Die Verlängerung der Operation Twist ist zurückhaltend und behutsam", meint US-Ökonom Joseph Trevisani von Worlwide Markets. Die Fed äußerte im Begleittext zu ihrem Zinsbeschluss zudem die Erwartung, dass das Wachstum verhalten bleiben und die Arbeitslosigkeit nur langsam fallen werde.

Wall Street reagiert verhalten
Allerdings hatten wohl nur die wenigsten Börsianer an der Wall Street wirklich mit einem neuen QE3 gerechnet. Für die allermeisten Marktteilnehmer an der New Yorker Börse dürften die Maßnahmen deshalb keine Überraschung sein. Es verwundert daher nicht, dass sich die großen Aktien-Indizes wenig bewegen. Der Dow notiert fast unverändert, ebenso der S&P-500. Die Technologiebörse Nasdaq schlägt sich besser und steigt um ein halbes Prozent. Auch für die US-Indizes gilt aber, dass sie sich weiter auf hohem Niveau bewegen.

Neue griechische Regierung vereidigt
Leichte Unterstützung für den Markt kam aus Euroland. Allen voran die Nachricht, dass es in Athen wieder eine neue Regierung gibt. Der Vorsitzende der konservativen Partei Nea Dimokratia, Antonis Samaras, ist am Mittwoch als neuer Regierungschef Griechenlands vereidigt worden.

Die zuletzt heftig gestiegenen Renditen spanischer und italienischer Anleihen erholten sich etwas. Händler verfolgten die Entwicklung allerdings skeptisch und sprachen von rein technischen Bewegungen: "Die Renditen können auch ganz schnell wieder steigen. An der Gesamtsituation geändert hat sich nichts."

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,66
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Konsumwerte unter Druck
Nach einer Gewinnwarnung des amerikanischen Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) waren die beiden deutschen Konkurrenten henkel und Beiersdorf die größten Dax-Verlierer. Procter hatte sowohl die Erwartungen für das Umsatzwachstum als auch für das Ergebnis je Aktie zurück genommen.

Gesucht waren hingegen Industriewerte wie Thyssen oder der Baukonzern Heidelbergcement , die ganz oben im Dax standen. Im MDax waren Wacker-Chemie Tagessieger, ohne dass es neues gegeben hätte. Bereits am Wochenende hatte sich Finanzchef Rauhut aber zuversichtlich geäußert.

K+S ist optimistisch
Zu den stärksten Dax-Werten gehörte auch die K+S-Aktie, die gut drei Prozent zulegte. Das Papier gewann offenbar Kraft aus Anmerkungen von Equinet-Analyst Michael Schäfer. Dieser zitierte Konzernchef Norbert Steiner mit der Aussage, das Unternehmen wolle an seiner Politik Preis-vor-Umsatz festhalten. Außerdem bessere sich der Mais-Markt fundamental.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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180,08
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Allianz kauft in Belgien zu
Allianz-Aktien stiegen gut 1,3 Prozent auf genau 76 Euro. Die Anleger reagieren positiv auf einen kleineren Zukauf in Belgien. Dort übernimmt die Allianz das Geschäft mit Arbeitsunfallversicherungen der belgischen Mensura, mit der die Münchener bereits seit längerem zusammen arbeiten. Analysten reagierten positiv auf die Transaktion.

Die ganze Branche profitiert darüber hinaus von Presseberichten, nach denen die EU erwäge, die geplanten schärferen Eigenkapitalvorschriften abzuschwächen. Die Branche hatte heftige Kritik an dem unter dem Namen "Solvency II" beschlossenen Regelungswerk geübt, deren Einführung viele, besonders kleinere Versicherer, überfordere.

Bechtle: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,15
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Bechtle holt Dividendenabschlag auf
Bemerkenswert: Im TecDax hat der IT-Dienstleister seinen Dividendenabschlag von einem Euro nicht nur komplett aufgeholt, sondern sogar noch rund ein Prozent im Plus geschlossen. Die Aktie endete bei 30,67 Euro.

Deutsche Wohnen wird konkret
Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen legte fünf Prozent zu und gehörte zu den stärksten Werten im MDax. Zuvor hatte das Unternehmen Details zur bereits angekündigten Kapitalerhöhung bekannt gegeben. "Der Bezugspreis von je 10,50 Euro für die neuen Aktien der Deutschen Wohnen ist in Ordnung", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Ich gehe davon aus, dass die Kapitalerhöhung glatt durchgeht."

H&M schlägt sich gut
Die Textilkette Hennes & Mauritz (H&M) hat im zweiten Quartal seinen Gewinn um 23 Prozent auf 5,22 Milliarden schwedische Kronen verbessern können. Das sind umgerechnet 590 Millionen Euro. Grund waren gute Geschäfte in den USA und Asien. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 31,7 Milliarden Kronen. Insgesamt schnitten die Schweden deutlich besser als von Analysten erwartet ab. Die Aktie legt über fünf Prozent zu.

Ryanair auf Einkaufstour
Die Fluggesellschaft Ryanair startet einen neuen Versuch, den irischen Wettbewerber Aer Lingus zu schlucken. Ryanair bietet 1,30 Euro je Aer-Lingus-Aktie und damit fast 40 Prozent mehr als beim gestrigen Börsenkurs. Bereits in den Jahren 2006 und 2008 hatte Ryanair eine Aer-Lingus-Übernahme angestrebt, war aber an den Wettbewerbshütern gescheitert.

Burger King ist wieder da
Heute können nach fast zweijähriger Abwesenheit erstmals wieder Aktien der Fast-Food-Kette an der New Yorker Börse gehandelt werden. Das Unternehmen war 2010 für vier Milliarden Dollar vom Finanzinvestor 3G geschluckt worden und danach vom Kurszettel verschwunden. Die Rückkehr auf den freien Kapitalmarkt passiert
auf Umwegen: Burger King ist mit der in London börsennotierten
Investmentfirma Justice zusammengegangen. Anschließend wechselte das Duo unter dem Namen Burger King Worldwide an den Börsenplatz New York.
Das neue Börsenkürzel für die Aktie lautet dementsprechend BKW (Burger King Worldwide).

Die Aktie, die mit 14,50 Dollar in den Handel eingesetzt hatte, stieg zwischenzeitlich um fast zwölf Prozent auf 16,21 Dollar. Aktuell steht das Papier bei knapp 15 Dollar, immer noch ein Plus von knapp drei Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen