Keine Entwarnung

Stand: 08.02.2010, 20:02 Uhr

Nach den herben Kursverlusten der vergangenen Tage hat der Dax am Montag leicht angezogen. Die Wall Street lieferte am Nachmittag den nötigen Treibstoff. Doch ausgestanden ist die Schwächephase nicht, im späten Handel ging es wieder abwärts.

Mehr als 20 Punkte gab der Dax im späten Handel noch nach, der LDax schloss um 20 Uhr bei 5.461 Punkten. Zuvor hatte der Leitindex in einer Kraftanstrengung ein Prozent gut gemacht und den elektronischen Handel bei 5.485 Zählern beendet, 0,9 Prozent höher.

An einem recht nachrichtenarmen Montag lieferte die Kursentwicklung in Amerika die entscheidenden Entscheidungssignale. Bis zum späten Nachmittag hielt sich der Dow Jones knapp in der Pluszone, danach ging es in New York wieder bergab. Als der Börsenhandel auf dem Frankfurter Parkett beendet wurde, notierte die Wall Street stabil im Minus.

Was die Anleger vor allem in Europa weiter beunruhigt, ist die desaströse finanzielle Lage einzelner südeuropäischer Länder, vor allem Griechenlands. Nach der Blase im Finanzsektor drohe nun die Katastrophe bei den Staatsfinanzen, heißt es. Der Negativtrend an der Börse sei mit dem leichten Kursgewinn am Montag keineswegs gebrochen, warnen Marktteilnehmer.

Personalsorgen bei SAP, Aktie unter Druck
Die SAP-Aktie beendete den Handelstag mit einem Minus von 2,5 Prozent, sie rangiert damit mit deutlichem Abstand am Dax-Ende. Anleger reagierten auf den Rücktritt von SAP-Vorstandsdirektor Leo Apotheker. Nachfolger werden Bill McDermott, der für den Vertrieb verantwortlich sein wird, sowie Jim Hagemann Snabe, der die Produktentwicklung übernimmt. Ganz überraschend war Apothekers Rücktritt nicht: Bei den Mitarbeitern und Kunden war er nicht unbedingt beliebt.

MAN und die Scania-Sorgen
Auch MAN-Papiere verloren, allerdings nur 0,9 Prozent. Mehrere Medien hatten übereinstimmend berichtet, dass der Konzern für 2009 einen Nettoverlust schreiben werde. Grund dafür sei eine Abschreibung auf die Beteiligung an Scania in Höhe von 350 Millionen Euro. Auch das operative Geschäft lief 2009 nicht gut: Der Verband der Automobilindustrie VDA berichtete am Montag, dass die Lkw-Verkäufe im vergangenen Jahr um 28 Prozent eingebrochen seien, die Zulassungen gingen um 13 Prozent zurück. Immerhin stieg der Auftragseingang wieder leicht an.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
Differenz relativ
-0,36%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,11
Differenz relativ
+0,20%

Daimler und Telekom im Plus
Kursgewinne verzeichnen hingegen die Aktien von Daimler und der Ttelekom. Die Daimler-Aktie legte sogar stark zu, sie gewann 3,3 Prozent. Hier verwiesen die Marktbeobachter auf eine Veränderung im Vorstand. Der bisherige Direktor der Transportersparte rückt in den Vorstand auf und ist dort zukünftig verantwortlich für Produktion und Einkauf bei Mercedes. Die Telekom-Aktie gewann ebenfalls. Die WestLB hatte das Papier auf "Neutral" hochgestuft und dies mit der zuletzt schwachen Kursentwicklung begründet.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,61
Differenz relativ
-0,95%
United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
37,99
Differenz relativ
-0,78%

Was die Analysten bewegten
Die Stahlwerte im Dax profitierten von einer Studie der britischen Bank HSBC. Sie hatte angesichts steigender Stahlpreise ihre Kursziele für ThyssenKrupp und Salzgitter leicht angehoben. Im TecDax legten Aktien der Biotechfirma Evotec und des Internetdienstleisters United Internet wegen guter Studien zu. Die DZ-Bank nahm ihre Bewertung für Evotec-Aktien wieder auf, mit einem Kursziel von 2,40 Euro und einer Kaufempfehlung. United Internet erhielt von der HSBC ein neues Kursziel von 14 Euro sowie ein freundliches "Overweight". Die Analysten sehen für UI neue, Erfolg versprechende Geschäftsfelder.

Aufträge für MTU, Gildemeister und Bilfinger Berger
Drei MDax-Firmen meldeten am Montag neue Aufträge. Bilfinger Berger wird über eine eigene Projektgesellschaft eine Schnellstraße in Australien planen, bauen und betreiben. Der Auftrag hat nach Angaben von Bilfinger Berger einen Wert von 562 Millionen Euro. Der Triebwerkehersteller MTU ergatterte auf der Luftfahrtmesse in Singapur Aufträge in Höhe von 65 Millionen Euro. Und der Maschinenbaukonzern Gildemeister berichtete von Aufträgen im Volumen von 58,5 Millionen Euro. Das Investitionsinteresse habe sich gebessert, teilte die Bielefelder Firma mit.

Jenoptik und Dyckerhoff berichten
Quartalsberichte legten der Technologiekonzern Jenoptik und der Zementhersteller Dyckerhoff vor. Jenoptik verbuchte wegen Einmalkosten einen operativen Verlust von 19 Millionen Euro. Allerdings stieg der Jahresumsatz um 14 Prozent und soll auch 2010 weiter zunehmen, die Aktie gewann fast vier Prozent. Dyckerhoff-Papiere legten immerhin ein Prozent zu. Die SDax-Firma hatte 2009 31 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet und rechnet auch für dieses Jahr nicht mit einer durchgreifenden Verbesserung.

Die Kürzung droht
Aktionäre von Solaraktien reagierten am Montag äußerst hektisch auf die Bestätigung der Bundesregierung, dass sie die Kürzung der Solarförderung noch im Februar im Kabinett verabschieden wolle. Davon gehe man, ungeachtet der Proteste der Solarindustrie, weiter aus, sagte Umweltminister Norbert Röttgen. Die garantierten Abnahmepreise für Solarstrom sollen nach den Plänen der Bundesregierung um 15 Prozent gekürzt werden. Aktien der vor allem im TecDax notierten Solarunternehmen verloren erheblich.

OVB und Vtion
Papiere des Technologieunternehmens OVB legten kräftig zu. Nach Medieninformationen soll das Unternehmen am Bau neuer Meteosat-Wettersatelliten beteiligt werden. Die Aktie gewann mehr als vier Prozent. Mehr als zwölf Prozent legte die Aktie des Mobilfunk-Zulieferers Vtion zu. Die Firma soll für etwa 17 Millionen Euro SIM-Karten an den chinesischen Telefonkonzern China Unicon liefern.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr