Marktbericht 20:09 Uhr

Moderate Kursverluste an den Börsen Keine Angst vor dem 11. September

Stand: 11.09.2014, 20:09 Uhr

Zum 13. Jahrestag von "Nine Eleven" hielten sich die Anleger mit Aktienkaufen zurück. Die Börsen kamen kaum vom Fleck. Die angekündigten neuen Sanktionen gegen Russland und schwache Konjunkturdaten trübten ein bisschen die Stimmung.

Saft- und kraftlos präsentierten sich am Donnerstag die Aktienmärkte. Der Dax pendelte müde hin und her in einer engen Spanne und schloss auf Xetra um 0,1 Prozent tiefer bei 9.691 Punkten. Es war der dritte - wenn auch moderate- Verlusttag hintereinander. Seit dem vergangenen Freitag scheint der deutsche Leitindex wie festgefahren auf einem Niveau von um die 9.700 Zählern.

Auch an der Wall Street ging es nicht voran. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag der Dow 0,2 Prozent im Minus. Der S&P 500 rutschte auf 1990 Zähler. Der Nasdaq 100 gab um 0,5 Prozent nach.

Überraschend schwache Job-Daten

Nach enttäuschenden Arbeitsmarkdaten gingen die Anleger auf Nummer sicher und machten Kasse. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen überraschend um 11.000 auf 315.000. Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Obama erklärt IS den Kampf

Auch die "Kriegsrhetorik" von US-Präsident Barack Obama kam nicht gut an. Die Rede von Obama zum Kampf gegen den Terror in Syrien und dem Irak habe die Befürchtungen von Anlegern bestätigt, dass die Probleme dort noch lange bestehen bleiben dürften, meinte Marktanalyst Jasper Lawler von CMC Markets.

Noch härtere Sanktionen gegen Russland

Am Nachmittag drückten die Ankündigungen der EU, am Freitag verschärfte Sanktionen gegen Russland zu verhängen, die europäischen Märkte zeitweise tiefer ins Minus. Die russische Führung kündigte harte Gegenmaßnahmen an. So könnte die Einfuhr von Autos aus dem Westen begrenzt werden, erklärte der Berater von Wladimir Putin, Andrej Beloussow. Der russische Rubel fiel auf ein Rekordtief gegenüber den US-Dollar. Die Moskauer Börse verlor mehr als ein Prozent.

Ölpreise auf 2-Jahres-Tief

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,15
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+1,15%

An der Ölfront wird derweil die Lage immer dramatischer. Mit 96,72 Dollar je Fass war die Nordseesorte Brent so billig wie seit gut zwei Jahren nicht mehr. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die weltweite Rohölnachfrage gesenkt. Die Nachfrage im zweiten Quartal sei auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, schrieben die Experten der Agentur. Das wichtigste Ölförderland Saudi-Arabien habe so wenig exportiert wie seit drei Jahren nicht mehr.

Euro rappelt sich auf

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1717
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Der Euro erholte sich auf knapp 1,2940 Dollar. Als Grund nannten Devisenhändler die enttäuschend ausgefallenen Arbeitsmarktzahlen aus den USA. Am Morgen hatten noch Aussagen von Frankreichs Notenbankpräsident Christian Noyer den Euro belastet. Auf dem Radiosender "Europe 1" sprach er sich für einen schwächeren Euro aus. Um die Inflationsrate wieder näher an das Ziel von zwei Prozent zu bringen, musste der Euro-Kurs gedrückt werden, sagte er.

Bleiben die Schotten dem Vereinigten Königreich doch treu?

Gefragt war das britische Pfund.  Es zog auf 1,6248 Dollar an. Laut einer neuen Umfrage wollen die Schotten doch im Vereinigten Königreich verbleiben. 53 Prozent sind aktuell gegen die nationale Eigenständigkeit Schottlands. Am Wochenende hatte es noch erstmals eine Mehrheit für die Abspaltungs-Befürworten gegeben. In einer Woche stimmen die Schotten über ihre Zukunft ab.

Aktien mit Russland-Malus leiden

Im Dax und MDax standen vor allem Aktien von Firmen auf der Verkaufsliste, die in Russland stark vertreten sind. So büßten die Titel von HeidelbergCement über zwei Prozent ein und bildeten das Schlusslicht im Dax. Im MDax wurde Metro mit einem Minus von 2,5 Prozent abgestraft. Der Einzelhandelskonzern plant in Russland einen Teilbörsengang des dortigen Großhandels-Geschäfts Cash & Carry.

Auftrieb für K+S

Gewinner des Tages im Dax war K+S mit einem Plus von über zwei Prozent. Ein positiver Analystenkommentar trieb den Titel an. Die Experten der Société Générale haben den Titel auf die "Premium List" der Unternehmen mit mittelgroßer und geringer Marktkapitalisierung gesetzt – mit Kursziel 30 Euro. Sie begründen das mit steigenden Kalipreisen, die noch nicht vollständig in den Analystenschätzungen enthalten seien. Zudem hat der kanadische Konkurrent Potash die Preise für Kalidünger für die Region Südostasien angekündigt.

Studie treibt Versorger an

Auch die Papiere von Eon und RWE zählten zu den Dax-Gewinnern. Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat RWE-Stammaktien von "sector perform" auf "outperform" hochgestuft und das Kursziel von 27 auf 35 Euro erhöht. Bei Eon hoben sie das Kursziel von 15 auf 17 Euro an.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,16
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Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,60
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Bewegung in der Flugbranche

Lufthansa-Aktien schlossen ebenfalls leicht im Plus. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, laut dem das Bundesverkehrsministerium die Abschaffung der 2011 eingeführten Luftverkehrssteuer erwägt. Derweil hat Konkurrent Air France seine Billigflug-Marke Transvia gestartet. Sie soll eine Anschubhilfe von einer Milliarde Euro erhalten. Mit der Billigflug-Strategie und Kostensenkungen soll das Betriebsergebnis wieder erhöht werden. Die Börse klatschte Beifall. Die Aktie von Air France flog um vier Prozent nach oben.

Übernahmefantasie um Aixtron

Im Gegensatz zum Dax, MDax und SDax konnte der TecDax leicht zulegen. Favorit war die Aixtron-Aktie, die fast acht Prozent nach oben schoss. Dem Spezialmaschinenhersteller werden gleich drei Übernahmeinteressenten angedichtet. Laut Medienberichten könnten der Elektronikkonzern Samsung, der Halbleiterkonzern Applied Materials und der LED-Hersteller Cree an Aixtron interessiert sein. Händler sprachen von "reinen Spekulationen".

Evotec stoppt Talfahrt

Die Aktien des Biotech-Unternehmens Evotec erholten sich vom jüngsten Kursrutsch. Das Unternehmen hat seine Zusammenarbeit mit der CHDI Foundation bis zum Jahr 2017 verlängert. Gemeinsam mit den Amerikanern forscht man nach neuen Therapien zur Behandlung der Huntington-Krankheit - eine neurodegenerative Erbkrankheit. Anfang der Woche hatte Evotec die Anleger mit der Nachricht geschockt, dass das US-Pharmaunternehmen Hyperion die Entwicklung eines gemeinsamen Diabetes-Programms beendet.

Chef von TAG Immobilien gibt auf

Kurz vor Xetra-Schluss gab der im MDax notierte Hamburger Wohnungskonzern einen Wechsel an der Vorstandsspitze bekannt. Rolf Elgeti, der fünf Jahre lang das Unternehmen auf Rentabilität getrimmt hatte, räumt vorzeitig seinen Chefsessel. Gleichzeitig kündigte TAG einen massiven Aktienrückkauf an. Die Aktie zog um fast zwei Prozent an.

BSkyB darf Sky Deutschland übernehmen

Grünes Licht erteilte am Abend die EU-Kommission dem Medienmogul Rupert Murdoch für die Übernahme von Sky Deutschland. Der britische Bezahlsender BSkyB darf seine Schwestergesellschaften Sky Deutschland und Sky Italia übernehmen. Wie hoch die Mehrheit von Murdoch bei Sky Deutschland sein wird, ist noch ungewiss. BSkyB hat den Minderheitsaktionären von Sky Deutschland ein Übernahmeangebot unterbreitet in Höhe von 6,75 Euro je Aktie. Die Frist läuft noch bis 15. Oktober.

Grünes Licht aus Brüssel für Fusion von Hapag-Lloyd mit CSAV

Auch die Fusion von Hapag-Lloyd mit der chilenischen Reederei CSAV genehmigte die EU-Kommission- unter bestimmten Bedingungen. Damit hat Hapag-Lloyd eine weitere Hürde genommen. Noch müssen aber die Kartellbehörden in China, Brasilien und Chile der Transaktion zustimmen. Nach dem geplanten Börsengang der fusionierten Reederei will sich der Reisekonzern Tui von seiner verbliebenen Beteiligung an Hapag-Lloyd trennen.

Helma im Baufieber

Aktien des Bauunternehmens Helma Eigenheimbau liefen besser als der Markt. Das Unternehmen hat im ersten Halbjahr 2014 seinen Umsatz um 31 Prozent auf 65 Millionen Euro gesteigert. Der Nachsteuergewinn stieg von 0,8 auf 1,4 Millionen Euro.

Impreglon in der Hand von Aalberts

Die Aktie von Impreglon gab am Donnerstag leicht nach. Aalberts Industries teilte mit, dass die Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent der Impreglon-Anteile erreicht und das Kaufangebot angenommen sei.

Ukraine-Krise trifft Gazprom hart

Der russische Gaskonzern hat im ersten Quartal des laufenden Jahres deutlich weniger verdient. Der nach internationaler Rechnungslegung (IFRS) bilanzierte Überschuss sank um 41 Prozent auf umgerechnet 4,64 Milliarden Euro. Schuld waren geringere Gas-Lieferungen an die Ukraine und eine schwächere Nachfrage aus Europa wegen gut gefüllter Gasspeicher. Die Aktie büßte zwei Prozent ein.

Übernahmegerüchte um Liberty

Die Aktien von Vodafone gaben am Donnerstag zeitweise kräftig nach. Dagegen kletterten die Papiere von Liberty Global um drei Prozent nach oben. In den Medien wurden Übernahme-Spekulationen angeheizt. Vodafone-Chef Vittorio Colao zeigte sich offen für eine Übernahme des US-Kabnelnetzbetreibers Liberty.

Milliarden-Übernahme in der Chemiebranche

Die Titel der Spezialchemiefirma Taminco legten gar über zehn Prozent zu. Eastman Chemical will das Unternehmen für 2,8 Milliarden Dollar übernehmen. Die Aktien von Mastercard verloren indes 1,3 Prozent. Der Kreditkartenanbieter scheiterte im Gebührenstreit mit der Europäischen Kommission vor dem höchsten EU-Gericht.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr