Kein Wochenende für Angsthasen

Angela Göpfert

Stand: 25.06.2010, 20:04 Uhr

Der Dax hat seinen jüngsten Korrekturimpuls zum Wochenschluss ausgeweitet und tief im Minus geschlossen. Doch damit nicht genug: Die Nerven der Anleger könnten auch am Wochenende noch stark strapaziert werden.

Sicherlich dürften zahlreiche Anleger mit Spannung das Achtelfinalspiel der Fußball-WM in Südafrika zwischen Deutschland und England verfolgen. Unter finanziellen Aspekten dürfte es dann aber doch eher der G8/G20-Gipfel sein, der Investoren weltweit den einen oder anderen Schweißtropfen auf die Stirn zaubern könnte.

Politiker unter Beobachtung
Zahlreiche Marktbeobachter fürchten, dass es beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen keine Einigung über eine umfassende Regulierung der Finanzmärkte geben wird. Auch die Frage, wie der weltweiten Schuldenorgie am besten zu begegnen ist, dürfte die Gemüter entzweien.

Vor diesem Hintergrund gingen zahlreiche Investoren vor dem Wochenende offenbar lieber auf Nummer sicher und nahmen keine offenen Positionen in ihren Büchern mit in die kommende Woche. Die Folge: Der Dax rutschte am Freitag nochmals um 0,7 Prozent ab auf 6.070 Punkte. Damit beläuft sich das Wochenminus auf stolze 2,4 Prozent. Im späten Parketthandel konnte der deutsche Leitindex jedoch von einer stärkeren Wall Street profitieren, der Late-Dax schloss schließlich bei 6.082 Zählern.

Investorenansturm auf Gold
Im Wochenverlauf lasteten vor allem Ängste vor einer drohenden Pleite Griechenlands auf den Märkten. Nahezu täglich markierten die Versicherungen gegen einen Kreditausfall Griechenlands ein neues Rekordhoch - so auch am Freitag. Das Thema Griechenland hänge wie ein Damoklesschwert über dem Markt, erklärte ein Marktbeobachter.

Kein Wunder, dass Investoren in den sicheren Hafen Gold fliehen: Die Feinunze des Edelmetalls kostete am Freitag bis zu 1.258 US-Dollar und notierte damit nur unweit ihres bisherigen Rekordhochs von 1.265 Dollar. "Niemand wird von Gold ablassen, es sind einfach zu viele Unsicherheiten in der Welt", sagte Andrey Kryuchenkov von VTB Capital. Händlern zufolge sind sogar neue Rekorde möglich, wenn der G20-Gipfel am Wochenende in Kanada enttäuscht.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,94
Differenz relativ
-0,39%

T-Aktie erobert Spitzenplatz
Gegen den allgemeinen Abwärtstrend konnten sich nur wenige Aktien stemmen, mit einem Kursplus von 1,7 Prozent gehörte die Aktie der Deutschen Telekom am Freitag zu. Positive Unternehmensmeldungen waren jedoch Mangelware. Marktbeobachter führten die Kursgewinne der T-Aktie daher vornehmlich auf deren Dividendenstärke und defensiven Charakter zurück. Auch auf Wochensicht war die T-Aktie mit einem Aufschlag von mageren 0,9 Prozent noch der stärkste Wert im Dax.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,50
Differenz relativ
-2,62%

HeidelCement übernimmt rote Laterne
Der Aktie des Baustoffkonzerns HeidelbergCement ist hingegen der Aufstieg vom MDax in den Dax gar nicht gut bekommen. Die HeidelCement-Aktie büßte während dieser Woche 9,0 Prozent ein und stellte damit den größten Dax-Verlierer. Die zuletzt schwachen US-Häuserdaten dämpften die Hoffnung auf eine schnelle Erholung des amerikanischen Zement-Marktes. Auch im deutschen Baugewerbe ist nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete im nächsten Jahr mit deutlichen Einbußen zu rechnen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,92
Differenz relativ
-0,67%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
Differenz relativ
-0,50%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,41
Differenz relativ
-0,48%

Fast alle Auto-Titel ausgebremst ...
Am Freitag waren zumeist Analystenkommentare für Kursausschläge verantwortlich. So gerieten die zuletzt bei Investoren so beliebten Auto-Titel zum Wochenschluss unter die Räder. Daimler-Aktien büßten 3,3 Prozent ein, VW-Titel gaben 2,8 Prozent nach. Schuld war eine Herabstufung durch die UBS, in deren Sog auch BMW-Aktien 2,4 Prozent verloren.

... nur Porsche nicht
Gegen den Trend konnten sich Porsche-Vorzüge stemmen, sie legten 2,8 Prozent zu. Neben der Diskussion über den Wechsel des VW-Chefstrategen Matthias Müller an die Spitze des Sportwagenbauers berichtete das "Handelsblatt", dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch an einem Geheimplan für eine neue Porsche-Baureihe bastle.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,98
Differenz relativ
-0,08%

SAP ganz ungerührt
Die SAP-Aktie zeigte sich von den Oracle-Zahlen weitgehend unbeeindruckt. Der US-Softwarekonzern hatte mit seinen Quartalszahlen positiv überrascht. Oracle behauptete zudem, SAP Marktanteile abgenommen zu haben. SAP dementierte jedoch umgehend, auch Analysten zweifelten diese Aussage stark an.

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,12
Differenz relativ
+0,12%

Süßer Spitzenplatz
Im MDax haussierte die Südzucker-Aktie mit einem Aufschlag von 3,4 Prozent an der Spitze. Laut vorläufigen Zahlen ist Europas größter Zuckerproduzenten mit mehr Umsatz und Ergebnis in das neue Geschäftsjahr gestartet. Auch auf Wochensicht eroberte die Südzucker-Aktie den Spitzenplatz im MDax.

TecDax-Gewinner ...
Im TecDax knüpfte die Medigene-Aktie an ihre gestrigen Kursgewinne an und legte 0,7 Prozent zu. Am Donnerstag hatte der Biotech-Konzern mitgeteilt, das Krebsmittel Endotag habe in einer klinischen Studie der Phase II positiv abgeschnitten. Mit einem Kursplus von 10,3 Prozent war die Medigene-Aktie zugleich der stärkste TecDax-Wert auf Wochensicht.

... und -Verlierer
Größter TecDax-Verlierer war hingegen die Aixtron-Aktie, sie büßte am Freitag 4,3 Prozent ein. Auf Wochensicht summiert sich das Kursminus sogar auf 8,2 Prozent.

Villeroy & Boch wehrt sich
Jenseits der großen Indizes legte die Aktie von Villeroy & Boch am Freitag 3,5 Prozent zu. Der Badezimmerausstatter will gegen die Millionen-Kartellbuße der EU klagen. In der Branche hätten "nur unzureichend Ermittlungen" stattgefunden. Die Entscheidung der Kommission grenze damit "für uns an Willkür", so die einstige SDax-Firma.

Envio mit skandalösen Kursverlusten
Derweil brach die Envio-Aktie um bis zu 18,2 Prozent ein und markierte bei 0,72 Euro ein neues Rekordtief. Der Umweltdienstleister musste die Veröffentlichung seines Geschäftsabschlusses verschieben. Zudem berichtet die "Westfälische Rundschau" von einem Giftskandal bei dem Konzern, der Mitte August aus dem Entry Standard fliegen soll.

Primion sieht schwarz
Auch die Primion-Aktie schmierte massiv ab. In der Spitze lag das Kursminus bei 15,0 Prozent. Das Management hat sich entschlossen, im gesamten Betrieb Kurzarbeit für den Zeitraum von Juli 2010 bis voraussichtlich Dezember 2010 einzuführen. Schuld ist ein heftiger Auftragsrückgang. Der Vorstand rechnet mit einer Besserung erst gegen Jahresende.

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
203,48
Differenz relativ
-0,74%
JPMorgan Chase: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
100,08
Differenz relativ
-0,28%

US-Bank-Aktien gut gelitten
An der Wall Street zogen Aktien von Goldman Sachs, Citigroup und JP Morgan Chase an. Der US-Kongress hatte sich am Freitag auf eine umfassende Finanzmarktreform geeinigt. Die Regulierung des Derivate-Handels fällt danach nicht so schlimm aus, wie von den US-Banken befürchtet. Sie dürfen auch künftig große Teile des lukrativen Geschäfts betreiben.

BP in Liquiditätsnöten?
Hingegen stach die BP-Aktie erneut mit einem deutlichen Kursminus ins Auge. Einige Investoren fürchten mittlerweile, BP müsse frisches Kapital am Markt aufnehmen, um die Kosten der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko zu stemmen. Die BP-Aktie war am Freitag so billig wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Bringt's das nächste Blackberry?
Auch Research in Motion (RIM) enttäuschte die Anleger. Der mit Apple konkurrierende Blackberry-Hersteller hatte in den vergangenen Monaten weniger Geräte verkauft als erwartet. RIM-Investoren setzen jetzt ihre Hoffnungen auf das nächste Blackberry-Modell.

Kerviel durch SocGen verdorben?
Zum Abschluss des zweieinhalbwöchigen Prozesses gegen Jerome Kerviel hat die Verteidigung den ehemaligen Händler der Societe Generale als Bauernopfer dargestellt. Der 33-Jährige sei ein bescheidener, bretonischer Junge, der erst durch SocGen verdorben worden sei, argumentierte Kerviels Anwalt Olivier Metzner am Freitag. Der ehemalige Händler ist der Veruntreuung, Fälschung und des Computermissbrauchs angeklagt. Das Urteil soll am 5. Oktober verkündet werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.